Mehrheit der Piraten rechnet wohl mit baldiger Regierungsbeteiligung

Es gibt eine neue soziologische Untersuchung über die Piratenpartei, bzw. ihre Mitglieder. Martin Haase fasst die Ergebnisse zusammen: Soziologische Umfrage bei den Piraten.


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Drei Viertel der Piraten erwarten übrigens, dass die Partei ein Vollprogramm entwickeln wird. Das relativiert die oft behauptete Teilung der Partei in Verfechter eines Vollprogramms und solchen, die sich auf ein Kernprogramm beschränken wollen. Zudem sind die Befragten sehr optimistisch, was den Einzug der Piraten in Parlamente angeht: etwa 2/3 halten das für wahrscheinlich, und fast genau so viele rechnen sogar mit einer baldigen Regierungsbeteiligung.

Hier ist das PDF. Auf den Seiten 159-190 gibt es die Stellen zur Piratenpartei.

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35 Kommentare
  1. Eine Schlussfolgerung erscheint mir falsch:

    Aus „Drei Viertel der Piraten erwarten übrigens, dass die Partei ein Vollprogramm entwickeln wird.“ wird quasi geschlossen, dass 3/4 der Piraten das Vollprogramm auch befürworten würden: „Das relativiert die oft behauptete Teilung der Partei in Verfechter eines Vollprogramms und solchen, die sich auf ein Kernprogramm beschränken wollen.“ – Darüber sagt es aber nichts aus. Schließlich würde die Frage, ob man ein Vollprogramm ERWARTET auch von Kernis, die ein Vollprogramm nicht wollen aber befürchten dass die „Vollis“ sich durchsetzen, mit „Ja“ beantwortet werden.

    Ich find allerdings super dass es so eine Auswertung endlich gibt, auch wenn sie vermutlich nicht repräsentativ ist (gerade bei der Kerni/Volli-Frage könnte ne besonders starke Verzerrung eintreten wenn die Umfrage in einer Gruppe stärker als in der anderen herumging)

  2. Derweil mußte Jens Seipenbusch mal wieder gegen die „üblichen Verdächtigen“ anreden auf der Tagung zum Jugendschutz in Bayreuth:

    http://www.frankenpost.de/nachrichten/regional/ofrbay/art2389,1369954

    Auf mehr als Skepsis stößt dies bei Verena Weigand, Referentin für Jugendschutz und Medienpädagogik bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Wie soll man mit Eltern Jugendmedienschutz betreiben, fragte sie in einer Podiumsdiskussion, wenn diese oftmals noch nicht einmal fähig seien, ihre Kinder morgens zur Schule zu schicken. Da sei es besser, auf Computer-Programme zur Altersbeschränkung von Inhalten zu setzen oder wie im guten, alten Fernsehen Schmuddelinhalte auf Zeiten zu verlegen, in denen Minderjährige schon im Bett sind.

    Auch für Erwachsene

    „Völliger Quatsch“, kommentierte Jens Seipenbusch, Vorsitzender der Piratenpartei, die für die Freiheit im Internet kämpft. Schon technisch sei dies nicht zu verwirklichen. Er argumentierte, dass das Internet nicht nur ein Medium für Jugendliche sondern auch für Erwachsene sei. Es könne nicht angehen, dass man aus Gründen des Jugendschutzes auch die Erwachsenen aussperre.

    achja, und Beate Kraft-Schöning hat wieder einmal durchblicken lassen wessen Geistes Kind sie ist:

    Noch weiter geht die Journalistin Beate Kraft-Schöning, Mitarbeiterin der Sendung „Tatort Internet“. Bei der kontrovers diskutierten Serie auf RTL 2, werden – unter der Moderation der Ministergattin Stephanie zu Guttenberg – Männer, die sich in Chatrooms an Kinder heranmachen, vor der Kamera bloßgestellt.

    …und jetzt kommt’s:

    Kraft-Schöning könnte sich gut vorstellen, dass in solchen Fällen die Beweislast künftig umgekehrt wird.
    Verdächtige müssten demnach selbst ihre Unschuld nachweisen. Beim vorwiegend juristisch vorgebildeten Publikum in Bayreuth stieß Kraft-Schöning damit auf heftigen Widerspruch. Die Unschuldsvermutung sei einer der Grundpfeiler des deutschen Strafrechts, hielt ihr der Verfassungsrechtler Dr. Christian von Coelln entgegen.

        1. @markus: Die offensichtlichen Kandidaten sind neben dem „BWI“ wohl das BMI, das BMJ und das BMBF. Übrigens wurde nach Gründung der grünen Bundespartei 1980 und der Errichtung des BMU 1986 der Unweltminister erstmalig 1998 von einem Grünen besetzt. Bis zu einem ersten Piratenminister wird es also vermutlich auch noch etwas dauern. Vielleicht sind die Piraten bis dahin aber auch thematisch so anders, dass dieser Kommentar belanglos wird.

  3. Wenn die Piraten auf 1 Jahr breit geführte, nüchterne, konstruktive, programmatische Arbeit zurück schauen können, ist gegen einen Einzug in Parlamente nichts einzuwenden.

  4. Naja, die meisten der NPD/DVU Mitglieder werden auch damit rechnen, dass Ihre Partei bald in den Bundestag einzieht. Vor allem, nachdem man ja wieder Rassenlehre und Fremdenhass öffentlich sagen können dürfen muss.

  5. Schön wenn die Piraten das denken ;)
    Doof nur, wenn nicht >5% der Wähler ähnlich denken bzw. ein Kreuzchen bei den Piraten setzen. Ich glaube kaum, dass das geschehen wird.

  6. Realistisch gesehen in 10 Jahren vielleicht, es sei denn die Piratenpartei kann Themen besetzen die andere Parteien nicht besetzen z.B. das BGE oder ähnliches und so Wählerschichten aktivieren die sich von den etablierten Parteien nicht angesprochen fühlen.

    Ansonsten haben wir in mitlerweile allen Landkreisen zu den Landtagswahlen 2011 Kandidaten aufgestellt. Jede Stimme bringt Geld durch die staatliche Wahlkampfkostenerstattung ein. Hochgerechnet auf alle LVs könnten das Millionenbeträge sein was hilft den weiteren Aufbau der Partei zu finanzieren.

  7. @markus
    Die Piraten haben nicht die Köpfe um Ministerien zu besetzen. Aber ob dort Diskussionen laufen, weiß ich nicht.

    Aktuell sieht es ja so aus, dass die PP indirekten Einfluss auf anderen Parteien und Regierungen hat. Wegen den hohen Zustimmungsraten bei den jungen Wähler ändern sie ihre Äusserungen und einige Positionen (solange sie nicht zur Abstimmung stehen). Ihr echtes Programm bleibt allerdings gleich, da die jungen Wähler keinen Einfluss haben.

    Deshalb denke ich die PP als Partei hat mehr Einfluss als eine Interessenvertretung. Das Problem ist, wenn die PP nicht in 5-10 Jahren sicher in Parlamente einzieht wird die Politik sie wieder ignorieren.

  8. Wird in der „Studie“ auch auf eine Korrelation von Forderung nach Vollprogramm mit Dauer der Mitgliedschaft untersucht? Oder mit innerparteiliche Beteiligung?
    Eine Aussage wie „dreiviertel der Piraten“ ist nämlich absolut bedeutungslos in einer Gruppe, in der nur grob ein Füntel der Mitglieder_innen aktiv zur Entwicklung beitragen…
    Und die (zumindest für mich) WIRKLICH interessante Frage ist auch nicht, wie viele Piraten ein Vollprogramm wollen, sondern ob die Vermutung stimmt, dass das vor allem die enttäuschten ehemaligen Mitglieder der Etablierten sind.

  9. Wie die Autoren der Studie auf Seite 6 (Seite 164 der verlinkten PDF) angeben, haben die ermittelten Ergebnisse bestenfalls Aussagekraft in Bezug auf die Befragten.

    Auf der selben Seite finden sich auch Angaben dazu, warum die Ergebnisse selbst in Bezug auf die Befragten „verzerrt“ sein können.

    Eine Zusammenfassung a la „Mehrheit der Piraten rechnet wohl mit baldiger Regierungsbeteiligung“ ist wohl ziemlicher Unsinn.

  10. äußerst unwahrscheinlich, aber stimme Mulder zu.

    die 5% Marke knacken wir niemals, wir werden wahrscheinlich erneut einen Nichtwähler-Rekord aufstellen

  11. Ich möchte Euch mal schreiben, was ich bezüglich der Piratenpartei erwarte und denke:

    1. Vor zwei Jahren war bereits kein Mensch zuständig für die Page der s.g. ONLINE-Partei. ONLINE wohlgemerkt.

    2. Vor einem Jahr mehr Anstrengung.

    3. Vor einem halben Jahr in den Blogs schreibt der arme, vollständig einsame Mensch aufgrund zahlreicher Reklamationen, weil die Beiträge erst nach WOCHEN im Strang erschienen sind:

    a. Hier ist sonst keiner zuständig. Es bleibt alles an mir hängen.

    b. Alle Leute, die ggf. Interesse haben, Beiträge zu prüfen und einzustellen, sind nach einer Woche wieder weg.

    c. Auch sonntags hat keiner Bock darauf, die Einträge zu veröffentlichen, da die Leute besoffen im Bett liegen.

    d. Ich bekomme hier keine Hilfe, kann User/innen nur vertrösten.

    e. Geht lieber ins Forum, da soll es angeblich besser laufen.

    f. Im Forum reine Selbstzerfleischung oder Dünnpfiff.

    g. Die Server sind schrott (man arbeitet daran, seit Jahren, wer „man“ ist, weiß niemand)

    h. Die Software soll verbessert werden, die Homepage ein anderes Outfit erhalten. Nichts passiert, weil…

    i. …alle wieder nur Müll schreiben, aber niemand zuständig ist und weil die gewünschten Verbesserungsvorschläge schon deshalb nicht mehr gepostet werden, da… siehe oben.

    Die Piratenpartei ist ein Saftladen mit faulen Säcken. Als selbsternannte Online-Partei solche Auftritte hinzulegen, ist unter aller Sau.

    Die Piratenpartei gibt es in einem Jahr gar nicht mehr.

    Regieren können sie aber dennoch, wenn sie sich als Kaninchenzücher-Verein e.V. eintragen lassen. Ich helfe gerne.

    Nun ist es genug, sich mit diesen Chaoten zu beschäftigen. Sie haben sich selber ins Aus geschossen. Andere Parteien haben deren Themen übernommen und bieten auch auf den Pages besseren Service.

  12. Als selbst aktiver Pirat fiel ich wohl durch das repräsentative Umfrageergebnis. Ich wusste nicht einmal, dass derartiges durchgeführt wurde.
    „Spannend wären ja mal Strategiediskussionen, welche Ministerien man bei einer Regierungsbeteiligung haben möchte. Oder läuft sowas schon?“

    Wer von Regierungsbeteiligung träumt, sollte schnell von seinen Parteikollegen auf den Boden der Realität zurückgeholt werden. Ich würde es ja bereits als Erfolg verbuchen, wenn man überhaupt mit mehr als 5% den Einzug auf die Oppositionsbank schaffen würde. Zumindest das Amt des sog. „Internetministers“, welches Thomas De Maiziere für sich in Anspruch nimmt, würde sicher jeder Pirat besser besetzen.

    @KinNeko „Die Piraten haben nicht die Köpfe um Ministerien zu besetzen.“ So, so – aber Hauptsache, die anderen Parteien haben die Köpfe für etliche Fehlbesetzungen…
    „…wenn die PP nicht in 5-10 Jahren sicher in Parlamente einzieht wird die Politik sie wieder ignorieren.“ Das sehe ich allerdings genau so!

    Gruß,
    TB

  13. Und ich erwarte von den Piraten erstmal einen guten Onlineauftritt der selbsternannten Onlinepartei.

    Das „man“ kann sich ja gerne mal mit einem guten Konzept hier melden. Ich bin schon ganz gespannt, was das „man“ endlich nach Jahren der Serverabkackerei, der bescheuerten Software und übelsten Service vorschlägt.

    Und das „man“ sollte sich vor allem um den Service sorgen. Wer Antworten in einen Blog stellt, aber zwei Wochen warten muß, bis die Antwort überhaupt veröffentlicht wird, der geht nie wieder auf die Page.

    Piratenpartei?

    Wenn ich einen Schniedel hätte, wäre ich schon lange impotent. So impotent, wie die Piratenpartei inkompetent ist.

    Jeder Dumpfdödel macht es besser.

    Wie kann man sich die Anhängerschaft nur selber so vergraulen?? Wie dumm muß man sein??

  14. Ps. Und wenn dann der arme, einsame Blogger schreibt: Sorry, ich war im Krankenhaus, jetzt stelle ich nach sechs Wochen mal die Beiträge ein, soweit die noch zu finden sind, weil keine Arschgeige sich darum gekümmert hat (und sich auch niemand kümmern wollte), dann sage ich nur eines:

    Abschalten!

    Die Piratenpartei ist so überflüssig wie Herpes.

  15. Hier ist ein Pirat aus Überzeugung!

    Wenn ich nicht daran glauben würde, das wir eines Tages eine Regierungsbeteiligung erreichen, wäre ich heute nicht mehr dabei.
    Bin im übrigen Unterstützer eines Vollprogrammes.

    Warum werden wir auch gerne kritisiert? Weil wir im Gegensatz zu den anderen alles öffentlich machen!

    Warum kackt der Server öfter mal ab, die Webseite könnte besser aussehen und aktueller berichten. Weil wir das ohne Geld, mit wenig Geld und in unserer Freizeit machen. Die „etablierten“ Parteien hauen für ein paar Webpages mal fünfstellige Beträge raus…

    Wer uns abschreibt, wird sich noch wundern, oder einfacher: Macht doch mit, gerne auch besser!

    Ahoi!

  16. Ich bezweifle, dass die Piratenpartei in der Lage sein wird sich in der Parteienlandschaft zu etablieren.
    Die großen Parteien stellen sich nicht mehr ganz so unbedarft und tollpatschig an und in den Massenmedien scheint das Kernthema der Partei ausgelutscht zu sein und wird nicht mehr zu häufig ins Zentrum des öffentlichen Interesses gezogen.

    Die Partei selbst auf eine Spur zu bringen dürfte sich ebenfalls verdammt schwer realiseren lassen – dafür sind die politischen Hintergründe der Mitglieder viel zu heterogen.
    Konsens herrscht lediglich bei IT bezogenen Themen und den Bürgerrechten – bei den restlichen politischen Themenfeldern dürfte es genügend Konflicktpotential geben, um die Partei an sich selbst aufreiben zu lassen.

    Ich verstehe diesen Schritt ohnehin nicht – Es ist absolut unrealistisch, dass die Piratenpartei weit über die 5% Hürde hinausschnellen kann – erweitertes Parteiprogramm hin oder her. Sie kann also ohnehin nur Zünglein an der Waage spielen.
    Mit dem derzeitigen Programm konnte man als Wähler klar kalkulieren: Die Partei hat nur ihre kleinen Kernthemen und dementsprechend dürften die Chancen hoch sein, dass sie sich damit bei einer Koalition durchsetzt, sofern sie ihren Partner bei den restlichen Themen gewähren lässt.
    Einmal abgesehen davon, dass man potentielle Wähler mit dem restlichen Programm leicht verschrecken kann (wie gesagt, die Sympathisanten der Partei kommen aus allen politischen orientierungen), hat man so wieder den Wundertüteneffekt und kann dann nach der Wahl blöd aus der Wäsche gucken, was unsere Volks(ver)treter im endgültigen Koalitionsvertrag für einen „Wählerauftrag“ hindichten…

  17. Wird (vermutlich) nicht in absehbarer Zeit passieren.
    Für die meisten Menschen gibt es ihnhaltich auf den ersten Blick kaum Unterschiede zwischen den Piraten und anderen Parteien.
    Beim Durchgehen der Wahl-/Parteiprogramme der im Bundestag vertretenden Parteien sieht man schnell, dass eigentlich alle sehr ähnlich Standpunkte nach außen hin vertreten.
    Zudem fehlt den Piraten:
    – große Persönlichkeiten wie Adenauer, Kohl, Brandt etc.
    – große Ereignisse in der Geschichte wie z.B. die CDU als erste Partei die konfessionsübergreifend eine enorme Macht geworden ist
    – spezielle Themen die für die Masse interessant sind. Nicht dass ich die Netzpolitik für unbedeutend halte, aber für 95% der Bevölkerung spielt sie einfach keine Bedeutende Rolle
    – Geld und Struktur bzw. aktive Parteiarbeit wie die großen Parteien sie haben
    – Ansehen (!!!) Aus unserer Perspektive kann man vielleicht die andere nParteien belächeln, das sehen die meisten Menschen aber eben nicht so.
    – Erfahrung

    Ohne dies wirds einfach extremst schwierig. Man schaue nur mal kurz nach Schweden wo die Piraten eine ziemliche Klatsche bekommen haben.

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