Demokratie

Grüne starten Hackerangriff auf FDP

Lustige Geschichte über eine Umfrage der FDP-Fraktion-Niedersachsen auf ihrer Webseite zu längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke. Entgegen der üblichen „rund hundert Nutzern“ an den Umfragen auf der Webseite sollen es diesmal gleich 16000 gewesen sein. Die FDP-Fraktion vermutet tatsächlich einen „Hacker-Angriff“, weil rund 9900 Stimmen von einem einzigen „Computer-Server“ stammen würden, wie der Fraktionschef Christian Dürr erklärte.


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Dürr vermutet, dass grüne Kreise die Umfrage mit einem Hackerangriff gezielt manipuliert haben.


Wahrscheinlich war man sich nicht bewusst, wie schnell heute über die neuen Öffentlichkeiten Menschen für Umfragen mobilisiert werden können und wahrscheinlich war das eingesetzte Tool nicht ausreichend abgesichert und ließ sich einfach mit einem Script automatisiert ausfüllen. Aber warum das ein Hackerangriff sein soll, wissen wohl nur dpa und die FDP-Fraktion.

Kleiner Tip für die Zukunft: Wahlweise die eingesetzten Umfragetools optimieren, besser mobilisieren oder Umfragetools gleich aus dem CMS rausschmeißen. Hat man nur Ärger mit und bringen überhaupt nichts. Außer der Möglichkeit, komische Statements an die Presse zu geben, wenn irgendwas schief läuft.

Die aktuelle Umfrage scheint auch gehackt worden zu sein. Anders kann ich mir die Auswahlmöglichkeiten und die Wortwahl „abartig“ nicht erklären:

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35 Kommentare
  1. hihi,geil is auch die neue umfrage der woche mit ihren differenzierten antwortmöglichkeiten…

    „Manipulativer Hackerangriff auf die Umfrage der Woche zur Laufzeitverlängerung: Was ist von Aktionen dieser Art zu halten? (Hintergrund: Es wurden 9.915 Stimmen von einer einzigen IP-Adresse der Uni Kaiserslautern mit bis zu 5 Stimmen pro Sekunde abgegeben.)

    Das ist echt fies.

    Das ist unglaublich.

    Was die Kernkraftgegner da machen ist abartig.“

  2. tja, liebe FDP so ist das nun mal, wenn man ungeschönte Umfrageergebnisse plötzlich auf der eigenen Website zu stehen hat! lol!!!

    PS ich war auch einer der 85% (ohne hack und Zauber)

    Aber das passt euch ja nicht in den Kram!
    Deswegen gleich eine Verleumdungskampagne hinterher!

    na wenigstens das könnt ihr ja! gell!!

  3. Die speichern die IP Adressen der Teilnehmer????
    Mit Zeitstempel???
    (Woher hätten sie sonst die 5 pro Sekund Zahl…)

    Ich dachte die FDP sei mehr oder weniger gegen Vorratsdatenspeicherung.

  4. „Denn leider stammen von ca. 16.000 abgegebenen Stimmen 9.915 von ein und derselben IP-Adresse eines Servers der Uni Kaiserslautern. Bei einer Abgabe von bis zu 10 Stimmen pro Sekunde müssen wir leider von maschineller Einflussnahme ausgehen.“

    Ähm, haben wir wieder das serielle Netz? LOL.

  5. Ich vermute ein reines Ablenkungsmanöver. Denn was verschwiegen wird: rechnet man die vermeintlich automatisch abgegebenen Stimmen heraus, dann sind sogar 90% gegen eine Laufzeitverlängerung…

  6. PS

    Die TU Kaiserslautern ist eine von vier Universitäten des Bundeslandes Rheinland Pfalz und die zahlenmäßig kleinste. Zurzeit (Sommersemester 2010) studieren 11.278 Studierende in mehr als 65 Studiengängen (bei rund 42 Studienfächern) an der TU Kaiserslautern.

    9.915 von 11.278 – guter Schnitt Nicht-FDP-Wähler würde ich sagen. Der Rest sind BWLer und Wirtschaftsingenieure.. :)

  7. …also ich bin nicht bei der benannten Uni und habe auch abgestimmt. Aber sollte die FDP Niedersachsen den Unterschied zwischen Netzwerkproxy und endgeräte-IP nicht kennen? Schade.

  8. Bei aller Sympathie für den Umfrageausgang und aller Antipathie gegen die FDP:

    Wenn ich eine Website mit Umfragen-Tool hätte und über 50% der Stimmen von einer IP kämen, würde ich auch Manipulation unterstellen.

    So oder so: wenn 85% gegen Verlängerung waren, muss es wohl um die 2400 Pro-Stimmen gegeben haben. Zieht man die 10000 Stimmen von der Uni Kaiserslautern ab bleibt immer noch eine klare Mehrheit von 3600 Stimmen gegen die Atomkraft.

  9. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, wollte doch sicherlich nicht die Umfrage manipulieren, sondern durch diese offensichtliche Aktion auf den Umstand aufmerksam machen, dass die Umfragesoftware schlecht ist.

  10. Es ist nicht eben ein Zeichen von Internetkompetenz, bei Internetumfragen keinerlei Überprüfung vorzunehmen, ob ein Mensch oder eine Software abstimmt. Beim Kontaktformular der Site fand ich unter „Datenschutz“ Folgendes:

    „Hiermit erkläre ich mich einverstanden, dass die FDP-Landtagsfraktion meine Daten für regelmäßige Informationen über Veranstaltungen und Neuigkeiten speichert.“

    Diese Einverständniserklärung ist zwingend, ein Ablehnen ist nicht vorgesehen.

  11. Ich habe mir gerade das Umfrageskript angesehen. Was ich da sehe ist offen wie ein Scheunentor. Mit „Hackerangriff“ hat das alles nichts zu tun: da muss man keine Eingabeprüfung umgehen. Weil es nämlich keine Prüfung gibt. Jeder, dessen Browser Cookies abgeschaltet hat oder nicht unterstützt, kann die Seite einfach neu laden und so oft abstimmen wie er will. Stümperhaft!

    Man kann da im Übrigen immer noch fleißig abstimmen. Hier ist die Umfrage: http://umfrage.fdp-fraktion-nds.de/poll.php?question_id=33

    Und hier ist der etwas kuriose Nachfolger: http://umfrage.fdp-fraktion-nds.de/poll.php?question_id=34

    Das passiert wenn eine Partei, die sich für ihre Medienkompetenz im Wahlkampf noch rühmte, zeigt, dass sie in Wahrheit vom Internet nicht den Funken einer Ahnung hat.

    Was haben die gemacht? Einen Schüler an das Ding gesetzt? War wohl schön billig, was?

    Außerdem weiß man doch als kompetenter Nutzer, dass solche Tools ohne vorherige Registrierung nur Spielzeug und ausdrücklich nicht für politische Umfragen gedacht sind. Das war noch nie anders. Sowas macht man einfach nicht! Dass irgendwann mal jemand auf die Idee kommen würde im Browser auf den „Zurück“-Knopf zu drücken und nochmal abzustimmen war doch absehbar.

    Ich an deren Stelle wäre von derart geballter eigener Unfähigkeit so peinlich berührt gewesen, dass ich die Software einfach korrigiert und mir jeglichen Kommentar verkniffen hätte. Jetzt die beleidigte Leberwurst zu spielen zeigt nur, dass man bei der FDP nicht nur inkompetent, sondern auch noch nicht erwachsen genug ist um eigene Fehler einzugestehen.

    Sehr geehrter Herr Dürr: mit Ihrer Aussage demonstrieren Sie nicht nur Ihre völlige Inkompetenz in der Frage, Sie machen sich auch völlig zum Deppen!
    Mein Tipp bevor man der DPA irgendwelchen Blödsinn erzählt: überprüfen ob das überhaupt stimmt was man sagt.

  12. Was die IT und die PR-Strategie angeht, haben alle Vorredner natürlich Recht.

    Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle wenigstens mal erwähnen, dass die Reaktion der FDP-Stelle ungewöhnlich humorvoll und selbstironisch ist(eine neue Umfrage zu erstellen mit Bezug zu der manipulierten…). Sowas kennt man von Politikern bzw. Parteien normalerweise überhaupt nicht.

    Ob die moralinsauren Grünen in einem ähnlichen Fall hier ebenso locker reagiert hätten, sei mal zumindest in Frage gestellt….

  13. @Tom: Herrje, nun schalt‘ mal drei Gänge runter.

    Genau niemand interessiert sich für so einen Poll oder investiert da Arbeit. Ja, dieser hier war besonders leicht zu manipulieren. Und natürlich musste das auch gleich, unbedingt und zwingend unter Beweis gestellt werden.

    Beindruckend, doch, wirklich. Ham’wa alle gelacht, jedes Mal wieder.

    Und ja, damit das Klischee stimmt, braucht es natürlich noch einen lokaler Netznichtversteher, der bestätigt sieht, was er schon immer wusste: Alle doof, ausser Mutti, besonders die im Internet und bei den anderen Parteien.

    Macht der seinen Aufsager, könn’wa gleich nochmal lachen! Dolle Show. Soweit die Folklore.

    Toppen kann man das Trauerspiel nun eigentlich nur noch, wenn man tags drauf von Cookies schwafelt und/oder von so einem Vorfall auf die Medienkompetenz einer ganzen Partei abzielt. Glückwunsch, das hast du geschafft. Hier ist dein Keks.

    PS: Einer der Techniker beim AK Zensur ist ein engagierter Jungliberaler aus Niedersachsen. Guter Mann, ich würde ihm jederzeit meine Webserver anvertrauen. Nein, der hat mit diesem wahnsinnig kreativen Hack nix zu tun.

  14. FDP: Ich bin auch kein FDP-Wähler, ganz sicher nicht.
    Trotzdem kann man nicht alles pauschalisieren, und ich muss sagen Frau Leutheusser-Schnarrenberger ist mir zurzeit meine liebste Politikerin. Und nach dem wie sie bisher für ein freie Internet und gegen Sperren u.Ä. kämpft, sollte sie hier eigentlich jeder unterstützen.

    Oder hab‘ ich was verpasst?

  15. @31 Till: Nur, weil sie gerade gegen Sperren und VDS spricht, heißt das noch lange nicht, dass sie eine gute Politikerin ist. Ich sag nur „Urheberrecht“ als Stichwort, was da von dieser Dame kommt, ist schlimmer als Zypris (die war ja auch nicht in der FDP).

  16. @33:
    SLS vertrat bis zu ihrem Antritt als Bundesministerin in Sachen Urheberrecht in der Tat eine „radikal“ CI-freundliche Position.

    Seit sie Justizministerin ist und damit in 500%ig stärkeren Austausch mit Netzpolitikern, und Netzaktivisten steht hat sie sehr viel von ihren radikalen Positionen abgeschwächt. Bei ihrem Amtsantritt hat sie klar gemacht, dass sie bei rechtspolitischen bzw. gesellschaftspolitischen Entwicklungen bzgl. des Internets wenig Ahnung hat, sich aber gerne beraten lässt, zuhört und auch überzeugen lässt. Entsprechend hört man von ihr in dieser Richtung auch nichts mehr, weil sie insbesondere auf die netzaffinen FDP’ler und auch die JuLis „hört“ (wobei Letztere selbst noch internen Klärungsbedarf bei so manchen Positionen haben).

    Es besteht also noch begründete Hoffnung, dass SLS mehr oder weniger vollständig das Lager der CI-Positionen verlässt. Da müssten wir alle eigentlich schön weiter „Netz-Lobbyismus“ betreiben, damit die besseren Argumente auch bis zu ihr dringen.

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