Kultur

Das BKA soll bloggen?

Anne Roth zitiert aus dem SPIEGEL, wo verschiedene Strategien aufgelistet werden, wie man brennende Autos verhindern kann. Das Phänomen wird ja immer dem Linksextremismus zugeordnet, obwohl es dafür oft keine Belege gibt. Im Rahmen einer Strategie gibt es nun wohl auch Gedankenspiele, dass BKA-Beamte bloggen müssen:

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Eine der umstrittensten Ideen ist der Einsatz von „virtuellen Agenten“ im Internet. Dahinter steckt hier die Idee, Beamte in das Milieu einzuschleusen, die „durch den Aufbau von Blogs bestimmte Personengruppen ansprechen und zur Teilnahme an Diskussionen anregen sowie Kontakte knüpfen“.

Etwas mehr Medienkompetenz bei unseren Polizeibeamten kann ja nie schaden. Auch wenn ich mich frage, ob die Ressourcen nicht woanders sinnvoller verwendet werden sollten. Ich mache mir nur etwas Sorgen, dass das die Angst vor Blogs und Überwachung steigern könnte, wenn das wie bei der Militanten Gruppe abläuft, wo auf den Seiten des Innenministeriums Informationen angeboten wurden, um die IP-Adressen der Leser zu bekommen und diese zu identifizieren.

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16 Kommentare
  1. Die Idee ist zweischneidig. Einerseits ist es eine gute Idee, dass dr Staat (vertreten durch seine Beamten) den Dialog mit den Bürgern endlich mal beginnt. Vorausgesetzt, das soll wirklich ein Dialog werden. Denn andererseits besteht die Möglichkeit, dass diese Aktion ausartet in eine Art „agent provokateur“, und im Zusammenhang damit die Bürger einfach nur ausgespäht werden sollen. Im Prinzip ähnlich wie früher die beamteten Provokateure bei Demos, deren Aufgabe es war, die Demonstranten zu Straftaten zu verleiten, um sie anschließend einbuchten zu können.

    Ein ehrlicher und ernst gemeinter Dialog: Auf jeden Fall ja! Verarsche durch Provokatuere: Auf keinen Fall.

  2. Wie darf man den Vorschlag genau verstehen? Sollen BKA-Beamte unter Pseudonym die – bekanntlich durch und durch linksradikale – „Bloggerszene“ unterwandern? Oder sollen BKA-Leute sich linksradikalen Gruppen anschließen und von dort aus bloggen?
    Funktioniert bestimmt super. Vielleicht gelingt dann endlich der entscheidende Schlag gegen den Sündenpfuhl Internet, in dem sich die ganzen Kriminellen tummeln und in dem man sich öffentlich zu abendlichen Spontanaktionen verabredet, die das anzünden von Autos und das umlegen von Finanzvorständen beinhalten.

    Ich kann mir so einen Blogeintrag bildhaft vorstellen: „Hey Leute! Das ist mein neuer Blog! Ich komme aus der linken Szene und hätte Bock auf ein wenig äktschen heute abend. Wer von euch kommt mit, Autos in Berlin anzünden? Meldet euch per Mail bei kommunist666@bka.de, es lebe die Weltrevolution!“

  3. Ich weiß auch nicht, was tatsächlich geplant ist. Es wäre aber nicht besonders überraschend, wenn die Blogs so gedacht sind, dass nicht erkennbar ist, dass sie von den Behörden sind.

    Im Verfahren gegen die mutmaßlichen Mitglieder der militanten Gruppe bspw. kam letzte Jahr raus – gegen den Willen des BKA -, dass es solche ‚Dialogversuche‘ auch in linken Printpublikationen gibt.

    Die AutorInnen gaben sich dazu im konkreten Fall den Namen Die zwei aus der Muppetshow.

    Ungefähr so stelle ich mir dann auch die Blogs vor. Ich war nicht dabei, als die ‚Muppetshow‘ vor Gericht verhandelt wurde, aber den Berichten ist zu entnehmen, dass die diversen Beamten in Stil und Gestus überzeugender ‚linksradikal‘ rüberkamen als die meisten ‚Echten‘, samt außerordentlich fundiertem historischem Detailwissen.

  4. Blöde Frage: Organisiert sich die Linksradikale Szene überhaupt per Internet und Blogs? Klar, es gibt Indymedia und diverse Antifa-Gruppen pflegen Homepage, das wird eher als Verklappstation für irgendwelche „Pressemitteilungen“ benutzt und ist keine Dialogplattform.

  5. Ich habe im ersten Moment gedacht, die wollten „V-Leute“ in die Blogosphäre allgemein „einschleusen“, als ob diese eine „Szene“ wäre und nicht ein Teil der Öffentlichkeit. Ein sehr erheiternder Gedanke, fast schade, dass die das nicht wirklich erwogen haben.

  6. […] “durch den Aufbau von Blogs bestimmte Personengruppen ansprechen und zur Teilnahme an Diskussionen anregen sowie Kontakte knüpfen”.

    Und wie das immer so ist, wird man ja auch irgendwann irgendwelche „Erfolge“ vorweisen müssen, denn sonst hätte sich der ganze Aufwand ja nicht gelohnt und man müsste sich eingestehen, daß man in die falsche Richtung gezeigt hat. Und dann fängt man anzustacheln, quasi als „agent provocateur“.
    Das kennen wir ja schon alles von den „Ermittlungen“ im rechtsradikalen Umfeld. Da hat das ja auch schon so gut geklappt.

  7. Ich denke es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wer, wie ich und die meisten anderen einen kleinen privaten Blog im Netz haben und sich dort mit Freunden und anderen Usern austauschen können doch den Ball ganz flach halten. Wir haben nichts zu verbergen.

    Gruß Klaus

  8. Ist ja richtig amüsant oder nicht? Nur den Beamten muss klar sein das nicht in der normalen Arbeitszeit gebloggt wird oder doch?
    Die virtuellen Agenten brauchen sich gar nicht viel zu ändern, leben sie nicht schon in einer virtuellen Welt? Auf den Servern der Provider passieren doch so viel Verbrechen Kinder sollen dort auch missbraucht werden.
    Dann spielen IP Adressen wieder eine wichtige Rolle, auf beiden Seiten. Fremdwörter nicht vergessen wie Gentrification oder Enklavenbildung. Ja und nicht zu vergessen dass das SEK nur in Deutschland stürmen darf das Internet aber Global ist.
    Vielleicht wird es eine neue Sportart geben, wer hat die besten Aufnahmen von einem SEK Einsatz. In so einem Plattenbau, über ein offenes WLAN, bis der Einsatz kommt.
    Die Frage ist doch warum sie sich nicht nur auf das mitlesen beschränken?

    Bruno

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