Amazon vs Wikileaks: Wir sind irgendwie unschuldig

Amazon hat auf den Vorwurf reagiert, man habe Wikileaks auf Druck der US-Regierung hin als Kunde rausgeschmissen. Das sei nicht korrekt, man habe Wikileaks lediglich rausgeschmissen, weil die in der Cloud gehosteten Daten die eigenen AGB verletzten.


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AWS does not pre-screen its customers, but it does have terms of service that must be followed. WikiLeaks was not following them. There were several parts they were violating. For example, our terms of service state that “you represent and warrant that you own or otherwise control all of the rights to the content… that use of the content you supply does not violate this policy and will not cause injury to any person or entity.” It’s clear that WikiLeaks doesn’t own or otherwise control all the rights to this classified content. Further, it is not credible that the extraordinary volume of 250,000 classified documents that WikiLeaks is publishing could have been carefully redacted in such a way as to ensure that they weren’t putting innocent people in jeopardy. Human rights organizations have in fact written to WikiLeaks asking them to exercise caution and not release the names or identities of human rights defenders who might be persecuted by their governments.

Ob es letztendlich einen Anruf von Joe Lieberman´s Büro gab mit einem passenden Hinweis und etwas Druck, ist unbelegt. Aber auch so bleiben Fragen offen: Welcher Rechtsstand wird eigentlich für die Amazon-Cloud genutzt? Ist das die USA oder auch ein anderes Land. Was ist mit Inhalten, die chinesische Dissidenten in der Cloud hosten wollen und die in China illegal sind? Wird Amazon diese dann auch rausschmeißen mit Verweis auf die eigenen AGB oder gilt das nur für Inhalte, die in den USA illegal sein könnten? Und sind die cablegate-Depeschen wirklich illegal?

Einen lesenswerten Kommentar zum ganzen Vorfall hat Rebecca MacKinnon geschrieben: WikiLeaks, Amazon and the new threat to internet speech.

What is troubling and dangerous is that in the internet age, public discourse increasingly depends on digital spaces created, owned and operated by private companies. The result is that one politician has more power than ever to shut down controversial speech unilaterally with one phone call.

32 Kommentare
  1. Schon faszinierend, welche Argumentationen mittlerweile alle über das Urheberrecht geführt werden. Das Amazon-Statement sagt ja eigentlich nur: „Wir haben das rausgenommen, weil die Depeschen geistiges Eigentum der jeweiligen Autoren sind. Oh, und am Rande war noch irgendwas mit ‚Leben in Gefahr bringen‘ oder so.“

  2. Ich finde es schade und ebenso gefährlich, dass du in dem Artikel die Argumentation von Amazon („der Content gehört nicht wikileaks“) einfach zu einer Argumentation machst, sieche gerne hättest („wir haben wikileaks rausgeworfen, weil das Material illegal ist“).
    Kleiner aber feiner Unterschied.

  3. Ob man das Vorgehen von Amazon gut finden mag oder nicht, fest steht doch, dass sie (als privatrechtliches Unternehmen) jedes Recht haben Ihre AGB durchzusetzen.
    Dass das im Fall von Wikileaks ein Geschmäckle hat ist schon klar, aber letztendlich ist Amazon ein börsennotiertes Unternehmen, welches sich (auch das mag man verurteilen) um die Belange seiner Aktionäre kümmern muss: Risiko für die Gewinnoptimierung vermeiden.
    Btw.: Sooo billig ist die Amazon Cloud ja nicht. Wer bezahlt das eigentlich? Mich würde der Traffic der da entsteht mal interessieren.

  4. Das ist inmeinen Augen der Grund warum „die Cloud“ wie Sie beispielsweise von Microsoft proklamiert und gepusht wird nicht einschlagen wird.

    Man stelle sich mal vor seine wertvollen Firmendaten die Auf einem lokalen Storage System liegen könnten jederzeit vom Hersteller und SUpporter gelsesen, geprüft und gelöscht werden nur weil dieser meint Sie seien in seinem Land unrechtmäßig.

    Für mich nur ein Beweis das das ganze ein schlechter Witz ist.

  5. „What is troubling and dangerous is that in the internet age, public discourse increasingly depends on digital spaces created, owned and operated by private companies.“

    Ein extrem wichtiger Punkt. Öffentlicher Raum wird zunehmend durch privaten, pseudo-öffentlichen Raum ersetzt. Der Staat kann hier natürlich nicht helfen, denn gegen ihn muss der Raum ja geschützt sein. Aber Server wachsen nicht auf Bäumen. Solange Netzneutralität gewährt bleibt, werden sich da Alternativen finden.

    Was Amazon angeht: Unschöne Situation aber kaum ein Grund sie zu verdammen. Amazon sieht sich hier unabwägbaren politischen, juristischen und technischen (mögliche DoS Attacken usw.) Risiken gegenüber. Genau wie Menschen nicht zu Demonstrationen gezwungen werden können und sollten, kann man von einer Firma nicht verlangen, den Hals hinzuhalten für zivilrechtliches Engagement, dass sie nie bringen wollten. Die Zeche würden die Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre zahlen, die indirekt durch Wikileaks zwangsrekrutiert worden sind.

    Wichtig war die Platform ja nur, um die Daten zu Beginn weit zu verbreiten. Dass ist geschehen und nun sind sie vielerorts verfügbar.

    Konsequenz aus der Geschichte: Wir brauchen mehr gemeinnützige Netzinfrastruktur. Dass wär doch mal ein Projekt für die Piraten ^^

    1. @Ranjit: Die Demonstrationsfreiheit ist ein herrliches Beispiel. Was nützt uns diese, wenn alle Strassen privatisiert sind, und es gar keine öffentlichen Strassen mehr gibt, auf denen man das Demonstrationsrecht ausüben könnte?

      Ja sicher, Herr padeluun, sie können ihre Freiheit-Statt-Angst-Demo auf ihrem eigenen Grundstück in Bielefeld gerne jederzeit veranstalten?

    2. Ich vergass. Die Piraten und Bielefeld. Auf dem BPT 2008.2 in Bielefeld wurden zum Thema Infrastrukturmonopole, gemmeinnützige Infrastruktur, Mesh-Netze usw. einige interessante Beschlüsse gefasst. Leider sehr schlecht dokumentiert und kaum bekannt.

  6. Ein Hinweis auf einen lesenswerten Kommentar im Handelsblatt.

    Der Tenor ist hier: Wikileaks ist der Präzedenzfall der zeigt, dass die Cloud nicht sicher und für Unternehmensdaten nicht geeignet ist. Die Internetwirtschaft darf nicht zum Spielball der Politik werden.

    Letztendlich ist der Fall doch vergleichbar damit, wie wenn einem Unternehmen aufgrund eines Anrufs der Strom abgeschaltet werden würde. Oder die Telefonleitungen gekappt.

    Für eine Hausdurchsuchung brauch ich einen Durchsuchungsbefehl, wenn ich eine Firma schließen will, brauch ich eine richterliche Anordnung. Amazon beruft sich auf seine AGB und zeigt, dass sie selbst keinerlei juristische Messlatte anlegen, sondern nach eigenem Gutdünken darüber entscheiden, was abgeschaltet wird und was nicht.

    So jemand sollte dabei bleiben, Bücher zu verkaufen.

    Meine Unternehmensdaten würde ich so jemandem auf jeden Fall nicht anvertrauen.

  7. What is troubling and dangerous is that in the internet age, public discourse increasingly depends on digital spaces created, owned and operated by private companies. The result is that one politician has more power than ever to shut down controversial speech unilaterally with one phone call.

    Achso, und auf eine staatliche Plattform haben Politiker natürlich keinen bzw. weniger Einfluss?!?

  8. Klar hat Amazon jedes Recht die Daten vom Server zu nehmen – aber Amazon schießt scho nein gewaltiges Eigentor durch die Löschung der Daten. Welche Leute Benutzen denn solche Cloudsysteme und welche Bevölkerungsteile können was mit der Idee von Wikileaks anfangen? Die Schnittmenge dürfte nicht allzu klein sein.

    Fakt ist: Amazon muss damit rechnen, dass Ihre Kunden Ihnen zeigen werden wer hier das Geld in der Hand hat. Wie sieht wohl das Verhältnis der befürworter und Kritiker unter den Cloud-kunden aus? Dateien sind doch zum Vervielfältigen da, oder? Hochladen beherrscht hier auch jeder, oder? *g*

  9. Das Problem beim de-personalisierten Kapitalismus, jeder Mitspieler verliert sein Rückgrat sobald seine Einnahmen bedroht sein könnten. Private Firmen stellen die Infrastruktur und sie entziehen den Zugang beim kleinsten Anzeichen von finanziellem/juristischem Ungemach. Einen öffentlichen/staatlichen Anbieter kann man dazu verpflichten sein Angebot bis zum Umfallen zu verteidigen, die Privatwirtschaft hat aber eben die „Freiheit“ jederzeit ihre „maximaler Profit“-AGB durchzusetzen, wenn ihr mal danach ist.

    Gäbe es wenigstens noch von charakterstarken Einzelpersonen geleitete Unternehmen, könnten diese auch mal ihr Gewicht hinter eine ideologische Debatte werfen und eben für ihre Kunden einstehen – nicht weil sie damit mehr Geld machen, sondern, weil es eben „richtig“ ist. Aber wir wollen Firmen ja nunmal möglichst funktional ohne politische Meinung.
    (..und ja die paar mir bekannten sich einmischenden Firmenchefs sind dummerweise eher konservativ).

  10. @Thaniell:

    Daher muss man Amazon in die Zwickmühle bringen. Wenn das Volk Amazon auch unter Druck setzt (Boykott bzw. Wikispiegel im Cloudsystem) müssen Sie sich zwischen dem Rechtsstreit und dem Geldmangel entscheiden.

    Ich glaube ein Rechtsstreit eines internationalen Konzerns mit einer Regierung ist in der heutigen Zeit leichter als ein hoher Gewinnverlust vor den Aktionären zu erklären….

  11. Ja, der Amidreck. Die Bananenrepublik.

    Völkerrechtswidrige Überfälle
    Todesstrafe
    Rassismus
    Folter
    Mord im Auftrag der Regierung
    Folter dito
    Entführungen dito
    Geheime Folterknäste wie immer vorhanden
    Erpressung anderer Staaten mit Wirtschaftsanktionen

    ….uns so weiter, und so fort.

    USA??

    Verbrecherregime.

    Und ein blödes, armes, selten dämliches Volk, das zweimal einen Massenmörder gewählt hat.

    Dazu noch zu fett, fressen sich von Burger zu Burger.

    So richtig blöde und arm. Bäh.

  12. Ps. Da geht vor einem Jahr durch die Presse, daß der Sänger von Metallica gesagt hat:

    Wenn die Arschlöcher auf Kuba mit unserer Musik gefoltert werden, dann ist das für mich eine Ehre. Sie hören dann richtige Mucke.

    (Die Häftlinge wurden mittels Ohrhörer wochenlang dauerbeschallt). Folterpraxis der CIA.

    Ok, Amis. Meine CDs flogen sofort in den Müll.

    Abschaum des Abschaumes.

  13. @Nomis: Dazu müsstest du aber international die Leute vereinen unter einer Organisation die diesen Boykott auch genauso nach außen bzw. Amazon gegenüber erklärt und ihn erst dann beendet, wenn sie nachgeben, quasi eine Freiheitsgewerkschaft, sonst denkt sich jeder dass das ja doch keinen Effekt hat bzw. Amazon ja auch nicht weiß woher der Einnahmerückgang kommt… und ihn evtl. verquer ganz anders erklärt.
    Das Problem nur, es wird sich international nur schwer eine derartige Organisation aufbauen lassen, insbesondere da sie Interessen von Leuten vertreten sollte, die nicht an Autoritäten glauben und lieber selbst entscheiden ;)

  14. ich glaube, ein alterslabel hatten die auch nicht. keinen jugendschutzbeauftragten, und gegen die sendezeiten verstoßen. irgendwie so was.

    .~.

  15. Wenn Amazon meint, sie hätten das Recht Wikileaks zu boykottieren, hat im Gegenzug aber jeder Kunde das Recht, Amazon zu boykottieren! So einfach ist das!

    Also ich weiß schon mal bei welchem Shop ich meine Weihnachtseinkäufe ganz sicher NICHT mehr tätigen werde!

    Ich werde sogar meine Einkäufe der letzten 30 Tage allesamt an Amazon zurücksenden und der Retourensendung einen netten Hinweis auf Wikileaks beilegen :-)

  16. Nicht nur jeder Kunde hat das Recht amazon zu boykottieren. Und jeder sollte genau überlegen, ob er noch bei amazon kauft. Auch jeder Webseitenbetreiber, der amazon-Affiliate-Partner ist hat das Recht zu boykottieren und sollte sich überlegen mit solchen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Ich habe den astore auf meiner Seite geschlossen und breche jede Geschäftsbeziehung zu amazon ab. Auch hier gibt es Alternativen.

  17. Habe, nachdem eine Kündigung nicht per Internet möglich war, die kostenlose Hotline angewiesen mir eine Kündigung vorzubereiten und zuzusenden, diese dann ausgefüllt, mit Wikileaks begründet und per fax abeschickt. Amazon ade

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