Dieser Artikel ist mehr als 17 Jahre alt.

Wörter des Jahres 2008

Nach „Finanzkrise“ und „verzockt“ kommt in der diesjährigen Liste der Wörter des Jahres der Gesellschaft für deutsche Sprache der „Datenklau“ bereits auf Platz drei. Auf dem siebten Platz, und damit sogar noch drei Plätze vor „Yes we can“, liegt der „Nacktscanner“. Letztes Jahr war der „Bundestrojaner“ noch auf Platz acht gelandet. Davor gab es mehr…

  • Ralf Bendrath

Nach „Finanzkrise“ und „verzockt“ kommt in der diesjährigen Liste der Wörter des Jahres der Gesellschaft für deutsche Sprache der „Datenklau“ bereits auf Platz drei. Auf dem siebten Platz, und damit sogar noch drei Plätze vor „Yes we can“, liegt der „Nacktscanner“. Letztes Jahr war der „Bundestrojaner“ noch auf Platz acht gelandet. Davor gab es mehr als zehn zwanzig Jahre lang gar nichts zu netzpolitischen oder Datenschutz-Themen. Zum letzten Mal hatten es 1993 der „große Lauschangriff“ und davor 1983 die „Volksaushorchung“ (gemeint war die Volkszählung) in die Liste geschafft.

Die diesjährige Rangliste ist ein schönes Zeichen dafür, wie weit unsere Anliegen bereits im Mainstream-Diskurs angekommen sind. Aber die Wörter sind auch gute Beispiele dafür, dass man eben die richtigen Begriffe finden muss, die es den Leuten helfen, zu begreifen was vor sich geht.

Das Unwort des Jahres 2008 steht noch nicht fest. Die Jury bittet dafür noch bis zum 28. Februar um Einreichungen. Mein Vorschlag: Die „Karlsruhe-Touristen“.

Update: Strike. Platz drei.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

8 Kommentare zu „Wörter des Jahres 2008“


  1. Ein Wort was mir besonders aufgefallen ist
    „Migratonshintergrund“
    Ändert das Wort etwas an der Tatsache, das diese Mitbürger nicht aus Deutschland sind? Ich finde es macht keinen Unterschied ob ich Ausländer, Menschen mit Migrationshintergrund oder Mitbürger aus anderen Staaten sage.


    1. der typ in der dritten Reihe

      ,

      für manche Menschen aber eben schon, und das zwingt auch dich zu einem begriff der menschen mit migrationshintergrund beschreibt.

      oder wie würdest du den satz „Die Hetze der NPD richtet sich vor allem gegen Menschen mit Migrationshintergrund.“ formulieren, ohne auf den migrationshintergrund hinzuweisen?

      das problem ist nicht der begriff, sondern wann er benutzt wird.


  2. Die Website ist ja großartig.

    Unwortvorschläge, Fragen und Kommentare können Sie uns per eMail oder Brief zuschicken.

    Kein Poll, kein Formular, keine Tag-Cloud.

    Wem es das Engagement wert ist, der schreibt halt ein paar Zeilen. Dafür bekommt er ein handgezähltes Ergebnis.

    Charmant, eigentlich.


  3. Für mich heißt das Wort des Jahres „Versagen“. Da fließt alles hinein: Finanzkrise, Leerverkäufe, Steuergeldverschwendung, Datenklau etc. …

    War auch mein Un(Wort) des vergangenen Jahres. Und von dem davor. Und und und …


  4. „Davor gab es mehr als zwanzig Jahre lang gar nichts zu netzpolitischen oder Datenschutz-Themen“

    nicht ganz, 1993 war „großer Lauschangriff“ auf Platz 7


    1. Danke enOr, das hatte ich übersehen. Habe es oben korrigiert.


  5. Für mich heißt das Unwort des Jahres „Integration“ – gefolgt von „Parallelgesellschaft“ – zwei feine, aber bösartige Betrügereien. Siehe dazu hier: http://www.dreigliederung.de/news/08021200.html


  6. […] bitte, es klappt doch. Ich habe den hier geäußerten Vorschlag direkt nach dem Schreiben des Blogposts bei der Jury eingereicht, und er hat es bei der Bekanntgabe […]

Dieser Artikel ist älter als 17 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.