Generell

Kanzlerin präsentiert Microsoft-Produktshow

Microsoft veranstaltet gestern und heute in Berlin eine grosse Produktshow für ihre eGovernment-Anwendungen. Praktischerweise kommen bei solchen grossen Produktpräsentationen auch immer genug hochwertige Politiker, vor allem wenn man Bill Gates einfliegt und gleich noch aus dem Marketingetat Bildungsprodukte verkündet. Corporate Social Responsibilty nennt sich das dann und am praktischsten ist es, wenn man gleich die eigenen Produkte damit ins Spiel bringt. Bei Microsoft ist das eine gerne genutzte Strategie, um die eigene Monopolposition zu erhalten. Man spendet einfach Softwarelizenzen, verkündet dann, dass diese x-Millionen Euro wert sind und schult dann noch auf Internet-Plattformen Lehrer. Weil irgendwer muss das ja tun, wenn der Staat dies nicht macht. Dass dabei nur die eigenen Produkte geschult werden und Alternativen zum Monopol gar nicht in den Schulungen vorkommen – geschenkt. Versteht in unserer Regierung vermutlich eh keiner, wo das mit dem Handy und den Browsern schon schwer ist.


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

Angela Merkel und Bill Gates diskutierten dann heute auch erstmal im Kanzleramt und dann auf dem „Government Leaders Forum Europe“ „über gesellschaftspolitische Herausforderungen im 21. Jahrhundert und die Anforderungen an moderne Bildungssysteme“. Sagt zumindest die Microsoft-PR. Und die funktioniert prima, wenn man sich die Original-Pressemitteilungen anschaut und mit dem vergleicht, was überall darüber berichtet wird.

Eines der gemeinsam vorgestellten Projekte ist auch das schon bekannte „IT-Fitness„. Diesmal veranstaltet man einen Wettbewerb und verchenkt etwas Hardware an eine Schule. Die Plattform „IT-Fitness“ wird von einem Verein getragen, dem „IT-Bildungsnetz e.V.“. Ging wohl ursprünglich mal aus einem Cisco-Netzwerk hervor und auch die BITKOM sitzt mit drin. Ansprechpartner auf der Seite ist zufällig die Microsoft-Public Affairs Sprecherin. Public Affairs ist übrigens die Lobby-/Spin-Abteilung, für diejenigen, die den Begriff noch nicht kennen. Die PLattform „IT-Fitness“ engagiert sich „für die Schaffung besserer Schulungsangebote im IT-Bereich für alle Alters- und Bildungsgruppen in Deutschland“. Hauptbestanteil der Initiative ist der „IT-Fitness-Test“. Dort bekommt man 42 Fragen, für die man 90 Minuten Zeit hat. Und die Fragens ind gar nicht so einfach. Da haben wir z.B. Frage 10: „Beinhaltet das Betriebssystem Microsoft Windows eine Online-Hilfe-Funktion?“. Frage 11 ist auch eine grosse Herausforderung: „Wie können Sie das Programm Word erfolgreich beenden?“. Sonst wird gefragt, wofür WLAN steht und verschiedene detaillierte Produktinfos aus der Windows- und MS-Office Produktpalette werden abgefragt.

Für Microsoft sicher eine praktische Sache, die dazu beiträgt, das eigene Monopol von ca. 90% Marktanteil zu halten. Alternativen kommen weder im Test vor, noch auf der Produktshow mit den vielen Politikern aus Bundesregierung und EU-Kommission. Die politische Forderung ist einfach: Alternativen zum Monopol sollten in der Schule unterrichtet werden. Es ist nicht im Interesse der digitalen Gesellschaft, wenn man sich von einem marktbeherrschenden Anbieter so abhängig macht.

Gibt es eigentlich die Rede von Angela Merkel schon irgendwo online zu finden? Ich finde aktuell nur Agenturmeldungen von AP und dpa. Dort wird Merkel folgendermassen zitiert:

Merkel sagte in ihrer Rede auf dem IT-Kongress, es sei zum Teil noch gar nicht verstanden worden, welche kulturelle Revolution die Informationstechnologie möglich gemacht habe. «Wir leben in einer Zeit, die ungefähr so revolutionär ist, wie die Zeit zur Einführung der Buchdruckerkunst», sagte sie. «Von der Frage, wie schnell und wie bestimmend wir in diesem Bereich der Informationstechnologie sind, hängt für Europa ab, welche Rolle im 21. Jahrhundert es am Ende spielen wird. Merkel warnte davor, technische und kulturelle Entwicklungen vorbeiziehen zu lassen. «Ich glaube, das Internet ist sozusagen die Hardware für uns zu lernen, global zu denken», sagte die Kanzlerin.

Zitate wie „es sei zum Teil noch gar nicht verstanden worden, welche kulturelle Revolution die Informationstechnologie möglich gemacht habe“ machen ja auch immer sehr viel Spass, wenn man sich die IT-Kompetenz unserer Bundesregierung anschaut. Das erklärt auch immer die schlechten gesetzlichen Rahmenbedingungen für die digitale Gesellschaft.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
10 Kommentare
  1. Auch gut erkannt:

    In ein bis zwei Generationen werde der Umgang mit dem Computer so selbstverständlich wie das Autofahren sein, sagte Merkel am Mittwoch. Wer dann mit dem PC nicht klarkomme, werde wie ein Analphabet dastehen.

  2. Die Kanzlerin hat auch gemerkelt, der Mauerfall sei ein Produkt der Informationstechnologie. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was als Begründung für den Mauerfall hätte herhalten müssen, wenn sie Dolly Buster empfangen hätte…

  3. Hab den Test mal probieren wollen und siehe da !

    „Microsoft OLE DB Provider for SQL Server Fehler „80040e14′

    Falsche Syntax in der Nähe von ‚=‘.

    /start.asp, line 20 “

    Die Macher sind ja auch richtig fit…

  4. «Ich glaube, das Internet ist sozusagen die Hardware
    für uns zu lernen, global zu denken»,
    sagte die Kanzlerin.
    Danke Frau Kantzlerin endlich kann man sich
    beim Glauben auf fachlich und fundierte Aussagen
    freuen.
    Seit ich das Internet in Slot Eins von 5 auf 6 Bit
    gesteckt habe glaube ich funktioniert es besser.
    Vielen Dank aus der Provinz vom
    Zipf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.