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Datenpannen bei Einwohnermeldeämtern

Die Softwarefirma HSH macht eGovernment-Dienstleistungen. Ein Bereich, der zukünftig immer wichtiger wird. Ihr Informationsregister-Tool wird dabei häufig von Einwohnermeldeämtern eingesetzt, um unsere (Melde-)Daten zu verabeiten. Darin werden dann Adressen, Passbilder und Religionszugehörigkeiten gespeichert, was das EInwohnermeldeamt halt über einen sammelt. Die Standard-Software wird aber immer mit einem Standard-Passwort ausgeliefert und das Standard-Passwort lag jahrelang auf…

  • Markus Beckedahl

Die Softwarefirma HSH macht eGovernment-Dienstleistungen. Ein Bereich, der zukünftig immer wichtiger wird. Ihr Informationsregister-Tool wird dabei häufig von Einwohnermeldeämtern eingesetzt, um unsere (Melde-)Daten zu verabeiten. Darin werden dann Adressen, Passbilder und Religionszugehörigkeiten gespeichert, was das EInwohnermeldeamt halt über einen sammelt. Die Standard-Software wird aber immer mit einem Standard-Passwort ausgeliefert und das Standard-Passwort lag jahrelang auf der Webseite der Firma offen für den Test-Zugang herum. Soweit so gut, aber was passiert, wenn die IT-Abteilungen schlampen und niemand das Standard-Passwort entfernt?

Das ARD-Magazins „Report München“ berichtet nun, dass einige Städte und Gemeinden dieses Standard-Passwort niemals ausgewechelt haben: Bürgerdaten ungeschützt im Internet? Die Daten von 200 Städten und Gemeinden waren damit frei im Netz zugänglich. Seit Freitag gibt es nun andere Passwörter.

Die betroffene Softwarefirma HSH meldete derweil, dass die Sicherheitslücke inzwischen geschlossen sei. Weiter teilte das Unternehmen mit, dass wegen der Panne die Meldedaten von 15 deutschen Kommunen monatelang im Internet frei verfügbar gewesen seien. Mit Hilfe eines Zugangscodes war es möglich, Adressen, Passbilder und Religionszugehörigkeiten von etwa 500.000 Bürgern herauszufinden, wie das Unternehmen aus Ahrensfelde bei Berlin mitteilte. Nutzerkennung und Passwort waren demnach auf einer Webseite zwischen März und Juni verfügbar. In welchem Umfang sich in den vergangenen Jahren Unberechtigte – von Privatleuten über Werbefirmen bis hin zu Kriminellen – Zugang zu den Einwohnermelderechnern verschafft hätten, lasse sich nicht abschätzen.

[Danke an Karsten]

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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8 Kommentare zu „Datenpannen bei Einwohnermeldeämtern“


  1. Fernsehtip: Daten von Einwohnermeldeämtern im Netz abrufbar…

    Heise weist auf einen Beitrag der Sendung „Report aus München“ (heute, 21:45h im Ersten) hin. Deren Recherchen nach waren die Daten der Bürger aus rund 200 Städten frei im Internet zugänglich – und das (laut Aussage der Softwarefirma) seit März …


  2. Wichtiges Thema, in der Tat. Hier im konkreten Fall ist der Tagesschautext allerdings leider mal wieder eine peinliche reißerische Werbung für eines der Magazine aus dem eigenen Haus. Auf http://www.hsh-berlin.com/ hört sich das alles sehr viel entspannter an.

    Und selbst SPON schafft es, die Meldung sachlich wiederzugeben und weist deutlich auf die unterschiedlichen Aussagen von Report und Firma hin: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,561461,00.html

    Gerade das bedeutungsschwangere „jahre“ und „lasse sich nicht abschätzen“ scheint ja relativ klar anders zu sein.

    Zeigt trotzdem natürlich mal wieder schön, das Daten niemals sicher sind. Und der Mensch im Zweifel die größte Fehlerquelle ist.


  3. […] netzpolitik.org: » Datenpannen bei Einwohnermeldeämtern » […]


  4. Heute berichtet die netzzeitung auch darüber: Datenleck bei Kommunen: Auch Günter Jauch theoretisch gläsern.
    Die taz: Informationslecks im Internet. Sensible Daten, schlecht geschützt:

    Nicht, dass eine Absicherung sensibler Anwendungen im Internet unmöglich wäre: Technologien wie virtuelle private Netzwerke (VPNs), die den gesamten Datenverkehr vom Nutzerrechner bis zum Server verschlüsseln, sind seit langem vorhanden. Auch helfen so genannte „Application Firewalls“ – Torwächtercomputer für Web-Programme -, dass Hackangriffe ins Leere laufen. Das Problem ist allerdings, dass sie längst nicht überall eingesetzt werden. Im Fall der Meldedatenaffäre wundert sich Experte Rosche, dass es überhaupt möglich gewesen ist, sich mit einer einfachen Account-Passwort-Kombination als „Superbenutzer“ anzumelden. „Solche Systeme benötigen ganz andere Absicherungssysteme. Ein Geldhaus käme ja auch nicht auf die Idee, beim Homebanking ohne PINs und TANs zu arbeiten.“ Viele dieser Lösungen seien „erstaunlich schlecht programmiert“, Organisationen überfordert, mit der komplexen Technik der neuen „E‑Government“-Anwendungen umzugehen. „Die Behörden holen sich jetzt eine blutige Nase.“


  5. Medialer Nachholbedarf…

    In den 12 Tagen T‑Offline ist mir extrem aufgefallen, wie unwichtig Datenschutzverbrechen‑, Vergehen- und weitere Missstände, die jeden Bürger betreffen, oder ein imho undemokratischer Vertrag von Lissabon im Gegensatz zu einem Fussballspiel doch ist…


  6. Lehren aus der Meldedaten-Panne…

    Welche Lehren kann die öffentliche Verwaltung aus dem Datenunfall ziehen, der gerade durch die Medien gegangen ist (siehe etwa SPIEGEL Online, netzpolitik.org und FTD)? Ende Juni wurde über die ARD-Sendung „Report München“ …


  7. […] Datenpannen bei Einwohnermeldeämtern. […]

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