Pressefreiheit

  • : Stehen Journalisten in Überwachungsdatenbank NADIS WN? „Berufsangabe möglich, aber keine Pflicht“
    Pressefreiheit ist nicht mit der Überwachung von Journalisten vereinbar (CC BY-NC-ND 2.0 via flickr/Julia)
    Stehen Journalisten in Überwachungsdatenbank NADIS WN? „Berufsangabe möglich, aber keine Pflicht“

    Wiederholt hat die Linksfraktion im Bundestag eine Nachfrage zum Thema „Bespitzelung von Journalistinnen und Journalisten durch den Verfassungsschutz auch außerhalb Niedersachsens“ gestellt. Anlass war eine ungenügende Auskunft beim letzten Mal auf die Frage, ob Journalisten Gegensatnd von Überwachung seien. Man redete sich damit heraus, dass „weder im Bundesamt für Verfassungsschutz noch im Bundesnachrichtendienst eine statistische Erfassung der erfragten Speicherung von Datensätzen
    mit den bezeichneten Berufsgruppenangaben über den erfragten Zeitraum“ erfolge und die Frage somit nicht beauskunftet werden könne.

    Thema geworden war diese Frage nachdem letztes Jahr bekannt geworden war, dass der Landesverfassungsschutz Niedersachsen rechtswidrig in mindestens sieben Fällen Journalisten überwacht hatte.

    Die Antworten der Bundesregierung bleiben weiterhin unbefriedigend. Weite Teile der Antworten sind nur für die Abgeordneten in der Geheimschutzstelle des Bundestags einsehbar, „da ein Bekanntwerden von Beratungen und Beschlüssen die Wirksamkeit der nachrichtendienstlichen Aufgabenerfüllung beeinträchtigen könnte und damit das Staatswohl gefährdet würde.“

    Aber immerhin gibt die Bundesregierung zu, dass es im Nachrichtendienstlichen Informationssystem Wissensnetz (NADIS-WN) ein Feld zur Eintragung des Berufes der in der Datenbank erfassten Person gibt – man also eigentlich feststellen könnte, ob sich explizit Journalisten in der Datenbank befinden.

    NADIS WN stellt zu jeder gespeicherten Person bei Bedarf eine Möglichkeit zur Erfassung von Berufsbezeichnungen in einem Freitextfeld zur Verfügung. Hierbei handelt es sich nicht um eine Pflichtangabe, sondern um ein zusätzliches Merkmal, das zur Identifizierung einer Person beitragen kann.

    Man versucht mit der Rede von der fakultativen Angabe plausibel zu machen, nicht zu wissen, ob Journalisten bespitzelt werden und wurden. Gleichzeitig bestätigt man später die Möglichkeit, in NADIS-WN explizit nach Berufen filtern zu können. Im Gegensatz zu Abgeordneten werde jedoch bei Journalisten, Anwälten und anderen geschützten Berufsgruppen keine automatische Benachrichtigung des Datenschutzbeauftragten des Bundesverfassungsschutzes vorgenommen. Das könnte man so verstehen: Die Möglichkeit, Berufe zu erfassen, ist vorhanden und kann genutzt werden. Wenn ebenjener Beruf jedoch eine Einschränkung der Überwachungsbefugnisse mit sich brächte, ignoriert man ihn lieber und tut so, als sei er nie dagewesen.

    Martina Renner (MdB Die Linke), Mitglied im Innenausschuss des Bundestags und Obfrau um NSA-Untersuchungsausschuss, sagt:

    Wir müssen davon ausgehen, dass die Bundesregierung das Parlament in der Frage der Bespitzelung von Journalisten und Journalistinnen durch das Bundesamt für Verfassungsschutz anlügt und werden die entsprechenden Konsequenzen daraus ziehen.

    2. September 2014 1
  • : Leistungsschutzrecht ist eine Luftnummer, auch die Bundesregierung sollte das endlich zugeben
    Verletzung von Verlegerrechten?
    Leistungsschutzrecht ist eine Luftnummer, auch die Bundesregierung sollte das endlich zugeben

    Das seit letztem Jahr geltende Leistungsschutzrecht (LSR) ist wenig überzeugend, das zeigt eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag. Vor etwa einem Jahr war ein neues Leistungsschutzrecht für Presseverleger wirksam geworden, das Presseverlagen die Möglichkeit einräumen soll, Lizenzgebühren für auf Suchmaschinen und Newsaggregatoren erscheinende Artikelauszüge zu verlangen – so wie auf Google News. Das Gesetz war von Anfang an umstritten und wenig ausgegoren und seitdem wurde die Lizenzmöglichkeit weder merklich genutzt noch ging Google auf die Zahlungsanforderungen der VG Media ein.

    In den Antworten auf die Anfrage wird deutlich, dass die Bundesregierung ein Jahr nach Einführung der Regelung keine konkreten Ergebnisse vorlegen kann. Sie plane zwar, das LSR „hinsichtlich seiner Ziele ergebnisoffen prüfen“, aber erst wenn „hinreichende Erfahrungen mit der Anwendung des Schutzrechtes vorliegen, die überhaupt Grundlage einer Evaluierung sein können“. Das dürfte eine Vertröstung auf unbestimmt sein, denn die Bundesregierung gibt auch an, dass lediglich 138 Verleger die VG Media mit der Durchsetzung ihrer Ansprüche betrauten. Das klingt vielleicht gar nicht so wenig, man muss jedoch in Betracht ziehen, dass die Vielzahl der großen Verlagshäuser nicht dabei sind. Spiegel, Zeit, FAZ, Burda, Springer Verlag und viele andere – sie alle haben teilweise unter Vorbehalt verzichtet, denn schließlich hat Google gute Druckmittel und eine Artikelvorschau führt nicht selten zum Besuch der eigentlichen Nachrichtenseite und bringt somit dem Medium mehr Vor- als Nachteile. An der Klage der VG Media sind einige dennoch beteiligt, so deren Gesellschafter Burda und Springer Verlag.

    Außerdem ist das Gesetz in seiner jetzigen Form kaum gebrauchstauglich, das sieht die Bundesregierung ein und verweist darauf, dass Streitigkeiten „letztlich die ordentlichen Gerichte entscheiden“ geklärt werden müssten. Bei soviel Ergebnislosigkeit ist es eine Farce und nicht ernstzunehmen, wenn Justizminister Maas von der SPD – die im Wahlkampf noch für eine Abschaffung des Leitungsschuzrechtes gesprochen hat - polemisierend fordert, die Verlage schützen und dafür das LSR verschärfen zu wollen:

    Ich weiß, dass die deutschen Presseverleger jetzt in die Verwertungsgesellschaft Media eingestiegen sind und dass auch zwei Akteure aus Ihren Reihen dabei sind. Ich hoffe sehr, dass es der VG Media gelingt, hier für mehr Fairness im Netz zu sorgen. Das Bundesjustizministerium wird die Entwicklung hier sehr genau beobachten. Wir sind an den Erfahrungen, die Sie hier machen, sehr interessiert, und wir werden prüfen, ob gesetzliche Bestimmungen nicht weiterentwickelt werden müssen.

    Mit Sicherheit sinnvoller wäre: Einsehen, dass die Sache von Anfang an eine dumme Idee war und wieder abschaffen. Das erspart in Zukunft eine Menge Rechtsunsicherheiten und künstliche Zensur, vor allem für diejenigen „Newsaggregatoren“, die nicht Google sind und sich Abmahnungen und Rechtsstreitigkeiten wegen des Zitierens von Pressemeldungen anderer nicht leisten können.

    22. Juli 2014 5
  • : NSA und Weißes Haus wussten von Festplattenzerstörung bei The Guardian
    NSA und Weißes Haus wussten von Festplattenzerstörung bei The Guardian

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    Eine Informationsfreiheitsanfrage in den USA hat eine E‑Mail-Konversation öffentlich gemacht, die das Wissen der NSA und des Weißen Hauses von der Festplattenzerstörung beim Guardian belegt. Als im letzten Juli durch den britischen Geheimdienst GCHQ mit roher Gewalt Festplatten mit Materialien aus dem Bestand von Snowden zerstört wurden, distanzierte sich das Weiße Haus noch ausdrücklich und verkündete , es sei „sehr schwierig, sich ein Szenario vorzustellen, in dem das angemessen wäre“ .

    Die Mails an sich sind beinahe vollständig unkenntlich gemacht – eine Deklassifikation ist für 2038 vermerkt – , doch der Betreff „Guardian data being destroyed“ und das zugehörige Absendedatum einen Tag vor der Aktion belegen, dass der damalige NSA-Direktor Keith Alexander Bescheid gewusst haben muss. Auch, dass man den Ausgang der Aktion willkommen hieß sieht man an der Grußformel des NSA-Vizedirektors in einer späteren Mail:

    Gute Neuigkeiten, zumindest an dieser Front.

    Dass nicht nur die NSA, sondern auch das Weiße Haus Bescheid gewusst haben muss, wird spätestens an dem Punkt klar, wo auch James Clapper in der Konversation auftaucht. Er ist Direktor der nationalen Nachrichtendienste und in dieser Rolle Regierungsbeamter. Der Guardian selbst hat seine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht:

    We’re disappointed to learn that cross-Atlantic conversations were taking place at the very highest levels of government ahead of the bizarre destruction of journalistic material that took place in the Guardian’s basement last July […] What’s perhaps most concerning is that the disclosure of these emails appears to contradict the White House’s comments about these events last year, when they questioned the appropriateness of the UK government’s intervention.

    11. Juli 2014 1
  • : Beschlagnahmung von Podcast-Bus rechtswidrig: Metronaut gewinnt Klage gegen Polizei
    Beschlagnahmter Podcast-Bus via Metronaut
    Beschlagnahmung von Podcast-Bus rechtswidrig: Metronaut gewinnt Klage gegen Polizei

    Die Beschlagnahmung des Metronaut-Podcastbusses war rechtswidrig. Das hat gestern das Verwaltungsgericht in Lüneburg entschieden.  Polizisten hatten beim Castor-Transport 2011 einen VW-Bus mit Audioausrüstung und Laptops sichergestellt, da angeblich eine Gefahr bezüglich der Störung von Polizeifunk und der Koordination gewalttätiger Proteste von dem mobilen Podcaststudio ausgegangen sei.

    Metronaut hatte gegen eine solch hanebüchene Einschränkung der Pressefreiheit geklagt. Noch während der Verhandlungen hatte eine Polizeivertreterin versucht, die Metronaut-Reporter als „dubiose und zweifelhafte Podcaster“ zu diskreditieren und ihre Legitimität als Presse abzusprechen. Das Gericht hat das anders gesehen und auch wenn es noch kein schriftliches Urteil gibt, wurde die Unrechtmäßigkeit nach Angaben von Metronaut dadurch festgestellt, dass die Polizei die Technik vor der Beschlagnahmung eingehender darauf überprüfen hätte müssen, ob wirklich eine “gegenwärtige Gefahr” vorgelegen hat. Das ist nicht geschehen und der Grundrechtseingriff war damit nicht genügend begründbar.

    Wir gratulieren dem Metronaut-Team!

    23. Mai 2014 6
  • : Ist ein Aufnahmegerät eine Gefahr für die Polizei? Verfahren zum Podcast-Bus startet am Donnerstag
    Ist ein Aufnahmegerät eine Gefahr für die Polizei? Verfahren zum Podcast-Bus startet am Donnerstag

    Metrolaut PodcastNach zwei Jahren werden am Donnerstag am Verwaltungsgericht Lüneburg die Verhandlungen im Fall „Podcast-Bus“ starten. Grundlage des Verfahrens ist die Beschlagnahmung des Podcastbusses von Metronaut und „Radio Freies Wendland“ im Rahmen des Castor-Transportes 2011. Die Polizei hatte damals unter dem Vorwand der “gegenwärtigen Gefahr” einer potentiellen Störung des Polizeifunks und der Koordination gewalttätiger Proteste einen VW-Bus mit Audio-Equipment sichergestellt aus dem Metronaut berichten wollte. Wir haben Hans Gift interviewt, einer der betroffenen Reporter. Er schildert das Vorhaben von Metronaut:

    Wir hatten den Bus mit einer halben Bierbank samt Mischpult, Mikrofonen und Headsets ausgerüstet und sind damit immer dorthin gefahren, wo etwas los war. Dann haben wir Aktivistinnen und Aktivisten in den Bus eingeladen und mit ihnen Interviews gemacht. Andere Interviews oder das Einfangen der Atmosphäre gingen einfach mit Handheld-Recordern draußen vor Ort. Abends haben wir uns dann an die Rechner im Bus gesetzt und das Material geschnitten und auf metronaut.de gepackt oder zu Radio Freies Wendland geschickt. Mehrfach haben wir auch live per Telefon bei Radio Freies Wendland berichtet. Auf diese Art wollten wir den ganzen Castor-Transport und die Proteste dagegen journalistisch aufarbeiten, leider hat dann die Polizei am Samstag des Transportes alles Audio-Equipment und den Bus beschlagnahmt.

    20. Mai 2014
  • : Vietnam: Erneut zwei bekannte Blogger verhaftet
    Vietnam: Erneut zwei bekannte Blogger verhaftet

    Nicht mal einen Monat ist es her, dass ich über die Verurteilung des vietnamesischen Bloggers Pham Viet Dao schrieb. Nun wurden wieder zwei bekannte Blogger in Vietnam verhaftet, und wieder lautet der Vorwurf „Missbrauch demokratischer Freiheiten“. Nguyen Huu Vinh und dessen Mitarbeiter Nguyen Thi Minh Thuy sollen „üble Inhalte und falsche Informationen verbreitet haben, die das Ansehen und Vertrauen in staatliche Institutionen vermindert haben“. Grundlage für die Festnahme ist wieder Artikel 258 des Strafgesetzbuches, der „Missbrauch demokratischer Freiheiten gegen das Staatsinteresse“, der mit bis zu sieben Jahren Haft geahndet werden kann. Lucie Morillon von den Reportern ohne Grenzen sieht hier eine negative Entwicklung in Vietnam:

    Penal code article 258 is often used to silence information providers when they start to irritate the authorities too much. We call for the immediate release of Vinh and Thuy and the 31 other bloggers who are still detained. It is time the government stopped persecuting individuals who use the freedom of expression and information guaranteed by article 19 of the Universal Declaration of Human Rights.

    7. Mai 2014 1
  • : Zur schwierigen und wichtigen Position von Blogs in Russland
    CC-BY-SA 3.0 via wikimedia/Dmitry Rozhkov
    Zur schwierigen und wichtigen Position von Blogs in Russland

    Das Berkman Center for Internet and Society hat gestern eine Studie zur Rolle von Blogs in der russischen Medienlandschaft veröffentlicht. Die Untersuchung kommt passend zu einem Zeitpunkt, an dem das russische Parlament beschlossen hat, Blog mit mehr als 3000 Besucher am Tag einer Meldepflicht bei der Presseaufsicht zu unterziehen um damit das Meinungsbild im Internet effektiver kontrollieren zu können.

    30. April 2014
  • : Äthiopien: 6 Mitglieder eines Blogger-Kollektivs verhaftet
    Äthiopien: 6 Mitglieder eines Blogger-Kollektivs verhaftet

    Am Freitag wurden in Addis Abeba sechs BloggerInnen des regierungskritischen Kollektivs Zone9 sowie ein freiberuflicher Journalist verhaftet. Wie Al Jazeera berichtet, wurden die BloggerInnen Befeqadu Hailu, Atnaf Berahane, Mahlet Fantahun, Zelalem Kiberet, Natnael Feleke and Abel Wabela nachts von bewaffneten Sicherheitskräften verhaftet und in die berüchtigte Untersuchungshaftanstalt Maikelawi gebracht, in der politische Gefangene auf ihren Prozess warten – manchmal, wie es bei Amnesty Interantional dazu heißt, auch unbegründet. Ebenfalls am Freitag wurde der freiberufliche Journalist Tesfalem Waldyes verhaftet und nach Maikelawi gebracht. Seine sowie die Wohnungen der BloggerInnen wurden durchsucht. Eine weiterer Journalistin und Freundin des Zone9 Kollektivs, Edom Kasaye, wurde am Samstag Morgen verhaftet. Laut Claire Beston von Amnesty International sollen mit diesen Verhaftungen kritische Stimmen von MenschenrechtsvertreterInnen, AktivistInnen und politischen GegnerInnen zum Schweigen gebracht werden – dies sei Teil einer langfristigen Tendenz in Äthiopien.

    27. April 2014
  • : Vietnam: Blogger wegen regimekritischer Artikel zu 15 Monaten Haft verurteilt
    Vietnam: Blogger wegen regimekritischer Artikel zu 15 Monaten Haft verurteilt

    Im Juni letzten Jahres berichteten wir über die Festnahme des vietamesischen Bloggers Pham Viet Dao, dem der „Missbrauch demokratischer Freiheiten“ vorgeworfen wurde. Heute wurde er in einem zweistündigen Verfahren zu 15 Monaten Haft verurteilt – er habe dutzende Artikel veröffentlicht, die die politische Führung des Landes verunglimpfen und sorge dafür, dass die Bevölkerung das Vertrauen in diese verliert.
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    Der 61-jährige Dao verteidigte sich selbst, entschuldigte sich, wies aber den Vorwurf zurück, er habe der Gesellschaft geschadet. Pham Viet Dao war Beamter des Kultusministeriums, seine Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei wurde im Zuge seiner Verhaftung beendet. Laut Richter Ngo Tu Hoc sei die Strafe milde ausgefallen – Grund hierfür sei Daos aufrichtiges Bekennen, fehlende Vorstrafen und Daos Beitrag für Vietnam.

    Wir berichteten auf Netzpolitik schon häufig über Festnahmen regimekritischer Bloggerinnen und Blogger in Vietnam, allein letztes Jahr sollen es mindesten 63 gewesen sein. Vietnam gilt laut den Reportern ohne Grenzen als einer von fünf Feinden des Internets, Human Rights Watch hatte am Dienstag noch die Freilassung Daos gefordert:

    The Vietnamese authorities are shaming themselves before domestic and international public opinion by staging yet another political trial of a peaceful critic […] Pham Viet Dao’s only crime has been to use the Internet to voice opinions shared by many Vietnamese, outside and inside government.

    19. März 2014
  • : Hacking Team greift freie Berichterstattung für Äthiopien an
    Hacking Team greift freie Berichterstattung für Äthiopien an

    Hacking Team“ ist ein italienisches Unternehmen, das sich auf Überwachungssoftware spezialisiert hat. Kernangebot bildet die „Hacking Suite“ Remote Control System, die man in etwa als Pendant zu FinFisher auf dem Markt der Staatstrojaner sehen kann. RCS wurde von Kaspersky beinahe auf der ganzen Welt gefunden, Hacking Team beschreibt die Fähigkeiten der Software einer geleakten Werbepräsentation nach folgendermaßen:

    Es ist offensive Sicherheitstechnologie. Es ist Spyware. Es ist ein trojanisches Pferd. Es ist ein Bug. Es ist ein Angriffswerkzeug. Es ist ein Werkzeug, um Kontrolle über die Endpunkte zu erhalten, das heißt die PCs.

    12. Februar 2014 1
  • : Reporter ohne Grenzen: Rangliste der Pressefreiheit 2014
    Reporter ohne Grenzen: Rangliste der Pressefreiheit 2014

    Reporters Without Borders 2014-02-12 09-57-55Finnland, Niederlande, Norwegen, Luxemburg, Andorra, Liechtenstein, Dänemark, Island, Neuseeland, Schweden, Estland, Österreich, Tschechien und dann erst kommt Deutschland in der neuen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. Dabei kann Deutschland sich glücklich schätzen, drei Plätze gegenüber dem Vorjahr hochgerutscht zu sein. Allerdings ist nicht alles Sonnenschein in Sachen Pressefreiheit in Deutschland:

    Innerhalb Europas nimmt DEUTSCHLAND (Platz 14, +3) weiterhin eine Position im oberen Mittelfeld ein. Auch hierzulande wurde 2013 verstärkt sichtbar, wie sehr Journalisten im Visier in- und ausländischer Sicherheitsbehörden stehen. In einem Fall versuchte die CIA, Informationen über einen deutschen Reporter beim Bundesverfassungsschutz abzufragen; ein anderes Beispiel war die jahrelange Überwachung mehrerer Journalisten durch den niedersächsischen Verfassungsschutz. Wiederholt beschlagnahmten Ermittler Recherchematerial oder forschten gezielt nach Medienkontakten. Bedenklich ist die Neuregelung der Bestandsdatenauskunft. Auch gelangt die Presse oft nur schwer an Behördenauskünfte. Mehrfach erhielten Journalisten Drohungen von Neonazis, Salafisten oder aus dem Umfeld von Kriminellen. Durch Schließungen, Übernahmen und Zusammenlegungen von Redaktionen sinkt die Vielfalt der Presse weiter.

    12. Februar 2014 1
  • : PEN-Studie zur Selbstzensur durch Massenüberwachung
    PEN-Studie zur Selbstzensur durch Massenüberwachung

    Der amerikanische Zweig der Schriftstellervereinigung PEN hat eine Umfrage veröffentlicht, in der 520 amerikanische Autoren befragt wurden, ob sie seit Aufkommen des Überwachungsskandals Selbstzensur betrieben hätten.

     

    96 bzw. 97 % gaben an, besorgt bis sehr besorgt darüber zu sein, dass die Regierung von Journalisten verlangt, ihre Quellen aufzudecken und dass die Rede- und Pressefreiheit in Nicht-US-Ländern eingeschränkt wird.

    13. November 2013 15
  • : Zensur in Russland: Fluchen verboten
    Zensur in Russland: Fluchen verboten

    Russland hat seine Medien gut im Griff, das ist keine große Neuigkeit. Es befindet sich in einer Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 148 von 179. Anfang Oktober hatte die Organisation Reporter ohne Grenzen den Bericht „Der Kreml auf allen Kanälen“ über die Kontrolle des russischen Fernsehen durch den Staat veröffentlicht. Dieser gab unter anderem bekannt, dass die drei größten Fernsehsender, die jeweils eine Reichweite von 75% – 99% der russischen Haushalte haben, zu großen Teilen dem Staat selbst gehören. Die Liste der Eigentümer wichtiger russischer Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Fernseh- und Radiosender der Wikipedia lässt hier ebenso tief blicken.

    4. November 2013 4
  • : Vietnam: Bewährungsstrafe für Dinh Nhat Uy wegen Missbrauchs demokratischer Freiheiten [Update]
    Vietnam: Bewährungsstrafe für Dinh Nhat Uy wegen Missbrauchs demokratischer Freiheiten [Update]

    Dinh Nhat Uy wurde im Juni verhaftet, er hatte auf Facebook die Freilassung seines Bruders gefordert. Dieser war im Mai diesen Jahres zu acht Jahren Haft verurteilt worden, weil er Propaganda gegen den Staat verbreitet haben soll. Laut Phil Robertson, dem Vizedirektor von Human Rights Watch Asien, sei die heutige Verhandlung eine der ersten in Vietnam, in der es hauptsächlich um das Posten von Inhalten auf Facebook ging. Dinh Nhat Uy wurde heute zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt, wieder einmal nach Artikel 258 des Strafgesetzbuches (“Missbrauch demokratischer Freiheiten gegen das Staatsinteresse”). Gegen diesen Artikel protestiert unter anderem das Network of Vietnamese Bloggers, das seine Aufhebung fordert.

    Laut Human Rights Watch sind in diesem Jahr bereits 61 Aktivistinnen und Aktivisten in Vietnam verurteilt worden, und nach der heutigen Verurteilung erscheint ein Abbruch dieses Trends unwahrscheinlich.

    Update: Dinh Nhat Uys Strafe wurde zwar zur Bewährung ausgesetzt, das bedeutet in diesem Fall jedoch, wie es bei Reporters Without Borders heißt, eine Art Hausarrest.

    Uy was released at 3 p.m. today but will be subject to a form of a home confinement during the 15 months of the suspended prison sentence and will continue to be subject to close monitoring for another 12 months thereafter.

    29. Oktober 2013 2
  • : Schutz der Medien ist Schutz der Demokratie
    Schutz der Medien ist Schutz der Demokratie

    Heute fand die Jahrestagung der Datenschutzbeauftragten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten statt. Natürlich stand auch diese Tagung unter dem Einfluss der Ausspähungen und Überwachung durch verschiedene Geheimdienste. Die Datenschutzbeauftragten veröffentlichten in Reaktion auf die Ereignisse eine Pressemitteilung und forderten Bund und Länder auf, gegen die Unterwanderung vertraulicher Kommunikation vorzugehen und so die Pressefreiheit zu schützen:

    Die bekannt gewordenen Ausspähungen gefährden alle Bürger. Wenn aber Journalisten betroffen sind, gefährdet das zusätzlich die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bei der Informationsvermittlung und Meinungsbildung in unserer Gesellschaft.

    25. Oktober 2013 4
  • : Vietnam: Blogger-Netzwerk wehrt sich gegen Beschneidung der Meinungsfreiheit
    Vietnam: Blogger-Netzwerk wehrt sich gegen Beschneidung der Meinungsfreiheit

    Es häufen sich nicht nur Berichte von festgenommenen regimekritischen Bloggern in Vietnam, zusätzlich trat im September ein Gesetz in Kraft, dass es Vietnamesinnen und Vietnamesen verbietet Nachrichten auf Blogs oder in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook zu veröffentlichen – erlaubt ist demnach nur noch die Veröffentlichung persönlicher Informationen. Ein weiterer Versuch des Einparteienstaates, Meinungs- und Pressefreiheit einzuschränken.

    Bloggerinnen und Blogger werden in Vietnam häufig nach Artikel 258 des Strafgesetzbuches (pdf, S. 124) verurteilt, wegen “Missbrauch demokratischer Freiheiten gegen das Staatsinteresse”. no258-vdhGegen diesen Artikel protestiert mittlerweile das Network of Vietnamese Bloggers und nimmt u.a. Kontakt zu ausländischen Botschaften auf.

    They highlight that article 258 is a breach of the freedom of expression, and should be repealed. The campaign, one of the most sophisticated human rights campaigns that Vietnam has ever seen, has had wide visibility, both at home and abroad.

    Civil Rights Defenders

    8. Oktober 2013 6
  • : Barrett Brown: womöglich 105 Jahre Gefängnis für das Teilen eines Links
    Barrett Brown im Jahr 2007. Bild: <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/File:Barrett_Brown_2007.jpg">Karen Lancaster</a>
    Barrett Brown: womöglich 105 Jahre Gefängnis für das Teilen eines Links

    Der amerikanische Journalist und Aktivist Barrett Brown sitzt seit über einem Jahr im Gefängnis. Er sieht sich mit Anklagen konfrontiert, welche ihn in Addition der einzelnen Strafmaße für 105 Jahre ins Gefängnis bringen würden. Sein Verbrechen: er veröffentlichte einen Link zu einer Reihe geheimer Daten, welche enge Beziehungen zwischen der amerikanischen Regierung und privaten Sicherheitsfirmen aufzeigten.

    Die New York Times beschreibt Barrett Brown als einen Journalisten der die „Konflikte und Widersprüche des Journalismus in der digitalen Ära“ aufzeigt. Brown schrieb unter anderem für Vanity Fair, die Huffington Post und den Guardian. Mindestens so sehr wie als Journalist sei Brown jedoch auch als Aktivist aktiv gewesen. Unter anderem war er in der Vergangenheit Sprecher von Anonymous. Seine Interesse war jedoch immer dasselbe, egal ob als Journalist oder Aktivist: die Verwicklungen amerikanischer Sicherheitsbehörden mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft aufzeigen und anprangern.

    Die Grenzen zwischen Journalismus und Aktivismus scheinen bei Barrett Brown fließend gewesen zu sein, wie die New York Times anmerkt:

    He was known to call some of his subjects on the phone and harass them. He has been public about his struggles with heroin and tends to see conspiracies everywhere he turns. Oh, and he also threatened an F.B.I. agent and his family by name, on a video, and put it on YouTube, so there’s that.

    11. September 2013 4
  • : Vietnam: Menschenrechtsaktivist und Blogger Le Quoc Quan vor Gericht
    Vietnam: Menschenrechtsaktivist und Blogger Le Quoc Quan vor Gericht

    Zwischen 38 und 46 Bloggerinen und Blogger sollen dieses Jahr in Vietnam bereits verhaftet und verurteilt worden sein, der Regierung wird vorgeworfen Sicherheitsgesetze zu missbrauchen um Regierungskritiker zum Schweigen zu bringen. So soll es auch bei Le Quoc Quan gewesen sein: Der bekannte Menschenrechtsaktivist wurde im Dezember letzten Jahres festgenommen, ihm wird Steuerhinterziehung vorgeworfen. Brad Adams, Geschäftsführer von Human Rights Watch für Asien, hält dies für einen vorgeschobenen Grund:

    Le Quoc Quan is being put on trial because he is a prominent and effective critic. Instead of addressing popular dissatisfaction with Vietnam’s political system, economic failures, and dire human rights record, the government is simply throwing critics in prison.

    9. Juli 2013
  • : Sammlung Wissenschaftlicher Paper zu Zensur und Kontrolle im Internet (2/5): Zensur und Klarnamenpflicht bei chinesischen Microblogs
    Quelle: <a href="http://www.google.de/imgres?sa=X&biw=1440&bih=813&tbm=isch&tbnid=kUMFlcM0VUoDqM:&imgrefurl=http://www.techinasia.com/microblogs-the-third-favorite-online-news-source-in-china/&docid=Nj66T4hLKmMvWM&imgurl=http://www.techinasia.com/techinasia/wp-content/uploads/2011/02/china-microblogs.jpeg&w=270&h=202&ei=l7jKUeLYDsrb4QTPkYGoAw&zoom=1&iact=hc&vpx=245&vpy=221&dur=1090&hovh=161&hovw=216&tx=80&ty=56&page=1&tbnh=145&tbnw=195&start=0&ndsp=32&ved=1t:429,r:1,s:0,i:85" >Tech In Asia</a>
    Sammlung Wissenschaftlicher Paper zu Zensur und Kontrolle im Internet (2/5): Zensur und Klarnamenpflicht bei chinesischen Microblogs

    Teil 2/5 einer kleinen Sammlung wissenschaftlicher Paper zu „Internet Censorship and Control“, zusammengestellt von Steven Murdoch und Hal Roberts.

    King-wa Fu, Michael Chau (University of Hong Kong) und Philip C.H. Chan (Hong Kong Polytechnic University) thematisieren in ihrem Paper „Assessing Censorship on Microblogs in China: Discriminatory Keyword Analysis and Impact. Evaluation of the ‚Real Name Registration’ Policy“ die Nutzung von Mikroblogs in China sowie den Einfluss verschiedener Zensurmethoden und der Klarnamenpflicht auf chinesische Mikrobloggerinen und ‑blogger.

    Bei anderen Studien bezüglich der Zensurmaßnahmen in China, zum Beispiel der von Gary King, Jennifer Pan, und Margaret Roberts, sehen Fu, Chan und Chau gleich drei Schwierigkeiten, die die Aussagekraft der Studie gefährden. Zum einen das hohe Spamaufkommen, vor allem beim größten chinesischen Mikroblogging-Dienst Sina Weibo, das einerseits den Traffic künstlich erhöht und andererseits häufig zensiert wird. Weiterhin ist es zu kurz gegriffen, nur die zensierten Begriffe zu betrachten – in China werden häufig Inhalte von bestimmten Personen zensiert, von Dissidenten, Journalisten, Akademikern oder Aktivisten. Die drei Wissenschaftler schlagen daher vor zu fragen, wieso einige Aussagen gewisser Personen zensiert werden und andere nicht, und wie diese Zensur beschaffen ist. Der dritte Punkt, den Fu, Chan und Chau anmahnen, ist die Definition chinesischer Begriffe. Anstatt sich nur an festgelegten Begriffslisten zu orientieren, sollten Forscherinnen und Forscher auch Wortspiele, Homophone und umgangssprachliche Schreibweisen berücksichtigen. Sie könnten sonst den Umfang ihrer Ergebnisse limitieren.

    26. Juni 2013
  • : Netzpolitischer Wochenrückblick: KW 25
    via <a href="http://giphy.com/gifs/YAxCzfAc7MHPa" >giphy.com</a>
    Netzpolitischer Wochenrückblick: KW 25

    Die wichtigsten netzpolitischen Themen der Woche im Überblick:

    • Geheimdienst-Experte: Kanzleramt und Innenminister waren über NSA-Überwachung “sehr genau unterrichtet”

    Bundeskanzleramt und Bundesinnenminister müssen von der massiven Internet-Überwachung der NSA gewusst haben. [Zum Artikel]

    21. Juni 2013