Informationstechnologie

  • : Internetsperren: Three Strikes via ACTA und Leutheusser-Schnarrenberger im Interview
    Internetsperren: Three Strikes via ACTA und Leutheusser-Schnarrenberger im Interview

    Ich sehe gerade, dass Monika Ermert gerade für Heise Online den Artikel geschrieben hat, den ich mir für heute Abend vorgenommen hatte. Prima, spart mir eine Menge Arbeit und ich kann früher zum Grillsport.

    Bei Heise Online geht es um die Ausführungen des kanadischen Juristen Michael Geist im Europaparlament. Geist gilt inzwischen als Kronzeuge in der Debatte um das von der EU-Kommission forcierte ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement).Konkret geht es einmal mehr um Internetsperren nach dem franz. Three-Strikes-Modell:

    In einer von Geist veröffentlichten Expertise stehen die Zugangssperren allerdings aktuell als einziger Vorschlag dafür, wie Internet-Provider (ISP) vermeiden können, von Rechteinhabern für die Urheberrechtsverfehlungen ihrer Kunden verantwortlich gemacht zu werden. In ein paar Jahren könnten nationale Gesetzgeber darauf verweisen, dass sie sich durch ACTA verpflichtet hätten, solche Maßnahmen vorzusehen, befürchtet Geist.

    Siehe auch: „ACTA: Spielt die EU-Kommision mit gezinkten Karten?“ letzte Woche.

    Netterweise hat Monika Ermert auch gleich noch ein Interview verlinkt, das der Deutschlandfunk mit Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger aktuell zum Thema Zugangssperren im Internet geführt hat. Die Ministerin findet durchaus klar Worte:

    Wir haben auch in der Koalitionsvereinbarung – und das gilt genau jetzt mal so an die Adresse der CSU – festgeschrieben, dass wir löschen statt sperren wollen. Die CSU ist noch verhaftet in dem Denken der letzten Koalition. […] Zugangssperren wird es mit der Bundesregierung nicht geben, und das bringen wir auf allen Ebenen ein.

    Siehe dazu auch eine kurze Zusammenfassung des Interviews bei Focus Online:

    Kinderpornografische Bilder und Videos seien nicht offen über Suchmaschinen, sondern über geschlossene Tauschbörsen zu finden. „Da greifen diese Sperren überhaupt nicht“, betonte die Ministerin. […] „Das ist das Entscheidende: Raus mit den Inhalten aus dem Netz. Dann können auch Opfer nicht immer wieder neu zu Opfern werden.“

    Na bitte, geht doch!

    Ich nehme an, dass es sich dabei um das gleiche Interview handelt, das bereits hier in den Kommentaren zum gestrigen Beitrag „CSU-Innenexperte Uhl: Löschen ist keine Lösung“ angesprochen wurde. Womit der Wunsch, dieses Interview doch bitte zu verlinken, auch erfüllt wäre.

    Gibt es diesbezüglich eigentlich schon Stimmen aus der Union? Oder lässt man Uhl einmal mehr frei drehen, um auf Kosten des Koalitionspartners ein Stimmungsbild in der Bevölkerung zu bekommen?

    6. April 2010 10
  • : CSU-Innenexperte Uhl: Löschen ist keine Lösung
    CSU-Innenexperte Uhl: Löschen ist keine Lösung

    Wer bisher glaubte, in der Bundesregierung habe sich „Löschen statt Sperren“ als neue Devise im Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet durchgesetzt, irrt wohlmöglich.

    Eine „ergebnisoffene“ Überprüfung des ausgesetzten Zugangserschwerungsgesetzes habe man nämlich lediglich „auf Drängen der FDP“ vereinbart, behauptet Hans-Peter Uhl (CSU) gegenüber Welt Online. Bedeutet wohl: Eigentlich hält man die neue Vorgehensweise in der Union für Mumpitz (was einiges erklären dürfte …)

    Wenn Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) nun in der Öffentlichkeit „Löschen“ als favorisiertes Modell der Regierung darstelle, sei dies „Scheinaktionimus“, „obwohl sie genau wisse, dass dies nichts bringt“ (Soviel zum Thema „ergebnisoffene Prüfung“) – und ein Bruch des Koalitionsvertrags.

    5. April 2010 60
  • : 2010Lab: Der sachverständige Herr Gorny
    2010Lab: Der sachverständige Herr Gorny

    Über 2000 Webseiten wurden in diesem Jahr für die Auszeichnung mit einem Grimme Online Award vorgeschlagen. Die Webseite 2010Lab, „eines der großen Internetprojekte der Kulturhauptstadt Ruhr2010“ (O‑Text Ruhrbarone), war nicht darunter.* Offenbar hielt selbst im Ruhrgebiet niemand das „digitale Aushängeschild der Kulturhauptstadt“ (noch einmal O‑Text Ruhrbarone) für auszeichnungswürdig oder wenigstens in irgendeiner Form für bemerkenswert. Um ehrlich zu sein, war auch mir das Projekt bis heute Nachmittag unbekannt. Nun lese ich bei den Ruhrbaronen:

    Das 2010Lab wird bis zum Ende des Jahres eine gute Million Euro gekostet haben und ist alles, nur kein Beweis einer besonderen Sachkunde im Online-Bereich: In den zum Lab gehörenden  Blogs findet man kaum Kommentare, peinliche bemühte Kunstfilmchen und Texte mit arg abenteuerlichen Thesen:  “Die Hauptstadt der globalen Wachstumsbranche Fußballwirtschaft ist das Ruhrgebiet.” Aha. Die Konsequenz: Alexa-Rang 503.000.

    Bei der Ruhr2010 GmbH sind viele mit dem Projekt unglücklich und versuchen es zu ignorieren. Auf der Ruhr2010 Homepage gibt es aus gutem Grund keinen Link zum Lab. Eigentlich ein Affront, denn das Lab sollte ja das digitale Aushängeschild der Kulturhauptstadt werden.

    Thomas Knüwer schreibt bei „Go To Rio“ (tolles Reise- und Gastroblog, übrigens):

    Stattdessen gibt es Grausamkeiten wie den wirren Videokanal 2010-Lab, der sich über Menschen, die Kunsthandwerk ihr Hobby nennen, auch noch lustig macht. Kulturhauptstadt? Nein, eher Provinzhauptstadt ist das, was in den ersten drei Monaten abgelaufen ist.

    Verantwortlich für das Debakel ist als künstlerischer Direktor der Ruhr2010 jemand, den man zumindest in der Union für einen Internetsachverständigen hält: Dieter Gorny, Leiter des Bundesverbands Musikindustrie und Befürworter von Internetsperren.

    *Ich weiß das zufällig, da ich auch dieses Jahr wieder das Vergnügen habe in der Nominierungskommission zu sitzen, die die Vorauswahl für die Jury im Hauptwettbewerb trifft.

    4. April 2010 12
  • : Internet-Enquete: Union gibt weitere Sachverständige bekannt
    Internet-Enquete: Union gibt weitere Sachverständige bekannt

    Inzwischen hat die CDU/CSU-Fraktion auch ihre weiteren Sachverständigen für die Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” in ihrem Fraktionsblog offiziell benannt. Wolf-Dieter Ring von der KJM und BITKOM-Chef Bernhard Rohleder wurden bereits im Vorfeld als Kandidaten gehandelt. Auch die Berufung eines ausgewiesenen Lobbyisten und Befürworters von Internet-Sperren wie Dieter Gorny (Gründer von VIVA) kann nur wenig überraschen:

    • Nicole Simon: Nicole Simon ist Social Media Consultant. Sie publiziert insbesondere in ihrem Blog „cruel to be kind“ und unter @nicolesimon auf Twitter.
    • Dieter Gorny: Professor Dieter Gorny ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie e. V.
    • Harald Lemke: Harald Lemke war Staatssekretär im hessischen Innenministerium und verantwortlich für E‑Government und Informationstechnologie. Er war bundesweit der erste  „Chief Information Officer“ einer deutschen Landesregierung.
    • Bernhard Rohleder: Dr. Bernhard Rohleder ist seit 1999 Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) e.V.
    • Wolf-Dieter Ring: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring ist Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz.
    • Christof Weinhard Prof. Dr. Christof Weinhardt vom Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist Mitgründer und Leiter des Instituts für Informationswirtschaft und ‑management (IISM) der Universität Karlsruhe (TH). Außerdem ist er Direktor am FZI – Forschungszentrum Informatik an der Universität Karlsruhe.

    Mehr zum Thema (mehrfach aktualisiert):

    Und natürlich der subtile Poldi-Aprilscherz: Eklat wg. Lobo: Lammert sagt Enquete ab

    Einige Leser schrieben uns, dass sie zwar den Scherz erkannt haben, den Inhalt der Meldung aber dennoch für realistisch halten. Wir enthalten uns hierzu eines Kommentars und wünschen der Enquete-Kommission einen guten Start und zwei lehrreiche Jahre für alle Beteiligten.

    2. April 2010 54
  • : eco: Löschen funktioniert – Sperren braucht es nicht
    eco: Löschen funktioniert – Sperren braucht es nicht

    Der Branchenverband eco bestätigt in einer aktuellen Pressemeldung die Effizienz der Strategie „Löschen statt Sperren“:

    […] Die seit Mai 2009 fortgeschriebene Statistik der Beschwerdestelle, die eco mit zusammen mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia e. V. unter dem Portal www.internet-beschwerdestelle.de betreibt, verzeichnet für in Deutschland gehostete kinderpornografische Internetseiten eine Erfolgsquote von 100 Prozent. Die Herunternahme erfolgt in jeweils binnen Stunden oder Minuten. Im Ausland gespeicherte Angebote sind zu 50 Prozent binnen 5 Tagen, zu 93 Prozent binnen zwei Wochen und der Rest danach offline. Nach Angaben des Bundeskriminalamts* dauert es sogar lediglich eine Woche, bis in 86 Prozent aller Fälle der Zugriff auf die beanstandeten Inhalte an der ausländischen Quelle gesperrt wird.

    * Am 17. März 2010 auf einer Anhörung der CDU/CSU Bundestagsfraktion in Berlin. Die Zahl bezieht sich auf den Monat Januar 2010.

    (via TecoScr)

    31. März 2010 12
  • : Youtube-Ausfall Kollateralschaden der chinesischen Webzensur?
    Youtube-Ausfall Kollateralschaden der chinesischen Webzensur?

    Gleich mal vorweg: Ich bin kein Netzwerkspezialist. Ich kann nur „was mit Medien“ und mich im Zweifel auch prima blamieren. Damit bin ich geradezu prädestiniert, die Verschwörungstheorie des Tages zu präsentieren. Ich sag’s gleich, sie scheint auf den ersten Klick abwegig. Oder eben nicht. Egal, here we go:

    Auf einer nichtöffentlichen Mailinglisten laß ich vorhin, dass die Netzturbulenzen heute (u.a. Störungen von Youtube) möglicherweise ein Kollateralschaden der chinesischen Internetzensur sind. Klingt gaga? Ja, mag sein, siehe oben.

    Ich versuche es mal mit einfachen Worten zu erklären. China filtert auf Routingebene, und zwar über BGP-Announcements. BGP ist, Techniker bitte kurz weghören, so eine Art „Verkehrsservice“ für’s Internet. Kommt es zu Staus im Netz, kann man mittels BGP „Umleitungen“ einrichten. IP-Pakete neigen bekanntlich dazu, den Weg des geringsten Widerstands zu nehmen.

    25. März 2010 27
  • : ACTA-Text ist raus
    ACTA-Text ist raus

    Der komplette Text des umstrittenen „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“ (ACTA), das bis heute komplett geheim verhandelt wird, ist nun geleakt. Jedenfalls die Version von Januar, was zwei Verhandlungsrunden her ist.

    Michael Geist seziert anhand des Leaks ein kleines Detail des Dezember-Textes, in dem es um die Durchsuchung von Reisenden auf urheberrechtsgeschützte Werke geht (auch bekannt als „three iPods and you’re out“).

    Den Rest der 56 Seiten Verhandlungstext (pdf) müssen wir wieder selber lesen und verdauen.

    Das Europaparlament hatte vor kurzem der EU-Kommission ein Ultimatum bis zum 12. April gesetzt, die aktuellen und relevanten Dokumente herauszurücken – dazu gehört auch das Verhandlungsmandat der Kommission. Mal sehen, ob es nun bald die aktuellen Dokumente gibt. Die Anhörung der Kommission am Montag hat nicht gerade den Eindruck voller Transparenz hinterlassen.

    24. März 2010 15
  • : Heute auf ARTE: Ein Laptop gegen die Armut
    Heute auf ARTE: Ein Laptop gegen die Armut

    Um 21:15 Uhr gibt es bei ARTE heute die Dokumentation „Ein Laptop gegen die Armut“.

    Bildung ist das wichtigste Mittel, um die Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft zu erhöhen. Die Dokumentation begibt sich auf die Spuren eines revolutionären Bildungsprojektes. Die Idee bestand darin, den Ärmsten in den Entwicklungs- und Schwellenländern den denkbar besten Zugang zu Wissen zu ermöglichen. Der Informatiker Nicholas Negroponte stellt sein Projekt vor.

    [Danke an piercyha]

    23. März 2010 9
  • : Rückbau der Netzsperren, neuer JMStV-Entwurf und Datenschutz als Idelogie
    Rückbau der Netzsperren, neuer JMStV-Entwurf und Datenschutz als Idelogie

    Vielleicht ist es doch nicht clever, nachträglich noch weiter in den Leseempfehlungen von gestern Mittag rumzumalen. Wäre auch viel zu schade, wenn folgende drei Hinweise dort untergehen:

    #1_ Der ein oder andere hat es bereits mitbekommen, gestern haben auch die Grünen auf Fraktionsebene über das Netz gesprochen. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Blogbeitrag von Malte Spitz (Mitglied im Bundesvorstand), der nachgefragt hat, wie es um den Rückbau der Infrastruktur für Netzsperren bestellt ist, und was der Spaß gekostet hat.

    Fünf große Anbieter haben diesen Vertrag unterzeichnet. Auf Rückfrage meinerseits was sie gerade machen bzw. seit Unterzeichnung der Verträge gemacht haben, gab es folgende Antworten die ich hier dokumentieren darf. Die Anbieter Vodafone und HanseNet habe ich nicht angeschrieben.

    Aber lest selbst

    #2_ Rechtzeitig zum vom mir despektierlich als Schaulaufen bezeichneten prominent besetzten Panel „Diskussion zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag“ morgen nachher auf dem Politcamp Berlin hat die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz – wie angekündigt – einen weiteren Arbeitsentwurf des JMStV (Stand: 12. März) (PDF) veröffentlich. Laut Alvar Freude hat sich auf den ersten Blick nicht viel geändert (via Alvar)

    #3_ Christian Hellers Aufsatz „Die Ideologie Datenschutz“ bei Carta dürfte bei Datenschützern der alten Schule auf eher wenig Zustimmung treffen. Ich halte Christians Thesen allerdings für intelligent genug, um sich mit ihnen einmal in aller Ruhe auseinanderzusetzen. Zur besseren Einordnug sollte man vorher Christians Vortrag „Was kommt nach der Privatheit?“ kennen oder zumindest dieses – redaktionell stark eingekürzte! – iX-Editorial (PDF) überfliegen.

    20. März 2010 8
  • : Augmented Reality
    Augmented Reality

    Der data-epi-spacing Elektrische data-epi-spacing Reporter data-epi-spacing beschreibt data-epi-spacing diese data-epi-spacing Woche data-epi-spacing „Augmented data-epi-spacing Reality: data-epi-spacing Ich data-epi-spacing sehe data-epi-spacing was, data-epi-spacing was data-epi-spacing du data-epi-spacing nicht data-epi-spacing siehst“.

    Hier klicken, um den Inhalt von www.elektrischer-reporter.de anzuzeigen.

    Elektrischer data-epi-spacing Reporter data-epi-spacing – data-epi-spacing Augmented data-epi-spacing Reality: data-epi-spacing Ich data-epi-spacing sehe data-epi-spacing was, data-epi-spacing was data-epi-spacing du data-epi-spacing nicht data-epi-spacing siehst

    Hier data-epi-spacing ist data-epi-spacing die data-epi-spacing MP4.

    19. März 2010 5
  • : Update: BKA möchte keine Provider im Ausland anschreiben [Update]
    Update: BKA möchte keine Provider im Ausland anschreiben [Update]

    Kurzes Update zu „Überraschung aus dem BKA: “Löschen statt Sperren” funktioniert nicht.“ von gestern: Silvio Duwe bestätigt bei Telepolis meine Vermutung, dass das gestern via dpa verbreitete BKA-Statement im Kontext der Fraktionsveranstaltungen zum Thema “Lösungen und Wege im Kampf gegen die Kinderpornographie” zu sehen ist:

    Sowohl CDU/CSU als auch die FDP hatten zu einer offenen Anhörung mit Experten geladen – in getrennten Räumen. Ein Versehen, wie aus Koalitionskreisen zu hören war. Man habe die Termine untereinander schlecht abgestimmt.

    Weisse Bescheid, Schätzelein (Das Treffen der CDU-/CSU-Fraktion war allerdings nur fraktionsoffen, nicht offen für die interessierte Allgemeinheit)!

    Bemerkenswert – und Grund für dieses Update – ist übrigens einmal mehr die Position von BKA-Chef Ziercke, der Gast der CDU-/CSU-Fraktion war:

    Außerdem handele es sich beim BKA um eine Behörde, die sich an Regeln halten müsse, weswegen es ihm unmöglich sei, direkt an ausländische Privatanbieter heranzutreten. „Also ich glaube, wir würden es uns auch verbitten, wenn der CIA oder das FBI oder der chinesische Nachrichtendienst oder wer auch immer hier in Deutschland dafür sorgen will, dass bestimmte Dinge gesperrt oder gelöscht werden sollen. Nur noch einmal vom Grundprinzip her: Dass eine Behörde einen Privaten im Ausland auffordert, etwas zu tun, das kann ich schlicht nicht“, so Ziercke. Es sei lediglich möglich, über Verbindungsbeamte in den entsprechenden Ländern auf eine Löschung hinzuwirken.

    18. März 2010 40
  • : Zugangserschwerungsgesetz: Offener Brief an die CDU/CSU-Fraktion
    Zugangserschwerungsgesetz: Offener Brief an die CDU/CSU-Fraktion

    Seit wenigen Wochen nun ist das lange umkämpfte Zugangserschwerungsgesetz (ZugErschwG) in Kraft, mit dem eine hochumstrittene Sperr-Infrastruktur für Webseiten geschaffen werden sollte. Die FDP hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, Internetsperren in Regierungsverantwortung ein Ende zu bereiten. Bislang allerdings hat sich die schwarz-gelbe Koalition lediglich dazu durchgerungen, das BKA anzuweisen, keine Sperrlisten zu erstellen und sich auf das Löschen von Webseiten mit dokumentiertem Kindesmissbrauch zu konzentrieren. Jederzeit aber könnte diese Anweisung rückgängig gemacht, die Sperrlisten erstellt und die Sperr-Infrastruktur in Betrieb genommen werden.

    In einem Offenen Brief an die CDU/CSU-Fraktion (PDF) im Deutschen Bundestag fordern Aktive aus dem Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) die Unions-Abgeordneten daher nun auf, sich nun endgültig und im Einklang mit den bislang getätigten Ankündigungen – auch aus den eigenen Reihen – von dem unnötigen, kontraproduktiven und gefährlichen Sperrgesetz zu verabschieden. Möglichst bald sollen sie dazu ein Aufhebungsgesetz mit auf den Weg zu bringen, so die Bitte:

    Sehr geehrte Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag,

    17. März 2010 8
  • : All Your Apps Are Belong to Apple
    All Your Apps Are Belong to Apple

    Apple untersagt allen App-Entwicklern in einem Lizenzvertrag, diesen zu veröffentlichen. Die Electronic Frontier Foundation hat nach dem US-Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) bei der NASA angefragt und dadurch den Lizenzvertrag erhalten. Fred von Lohmann schreibt über die kritischen Punkte: All Your Apps Are Belong to Apple: The iPhone Developer Program License Agreement.

    Kurzzusammenfassung: Das sieht nicht gut aus. Apple darf alles und die Lizenznehmer, also die Entwickler, die Mehrwerte schaffen und das Ökosystem App-Store mit Leben füllen, haben kaum Rechte. Glück im Unglück: Wenn was schief läuft und die App z.B. irgendwie verschwunden ist, zahlt Apple bis zu 50$ Schadensersatz.

    Hier ist das PDF.

    9. März 2010 25
  • : WDR1 Live Hörspiel: Captain Crunch
    WDR1 Live Hörspiel: Captain Crunch

    Das WDR Eins Live Hörspiel hat „Captain Crunch“ gefeatured:

    Laut New York Times zählt er zu den berühmtesten Hackern der Welt. John T. Draper alias Captain Crunch ist eine lebende Legende. Mit einer Spielzeugpfeife, die er in seiner Müslipackung („Cap’n Crunch“) fand, manipulierte er in den 70er Jahren das weltweite Telefonnetz. Durch das von ihm entdeckte Verfahren, das in Hackerkreisen als „Blue Boxing“ bekannt ist, wurde der Grundstein einer neuen Hackersubkultur gelegt. Auf seiner unglaublichen Reise traf er früh auf Steve Wozniak und Steve Jobs, die Gründer von Apple – eine Begegnung, deren Konsequenz über Jahrzehnte ein gut gehütetes Firmengeheimnis war … John T. Draper lebt inzwischen verarmt in einer 15 qm-Wohnung in Los Angeles. Die Plan B Soundstory erzählt seine Geschichte und lässt ihn selbst zu Wort kommen.

    Hier ist die MP3.

    [via]

    3. März 2010 5
  • : 30 Terabyte für die VdS
    30 Terabyte für die VdS

    Die FAZ hat heute einen auskunftsreichen Artikel online, der über ein Provider-Rechenzentrum mit ca. 25k Servern und einige Vorkehrungen für die Vorratsdatenspeicherung berichtet: Die Herren der Terabyte von Stefan Tomik. Darin:

    In einem der Serverräume fällt ein etwa ein Meter breiter und mannshoher schwarzer Schrank auf. Er sieht aus wie ein Kaffeeautomat. In dem Schrank steckt ein Festplattenroboter mit einer Speicherkapazität von 30 Terabyte – das Spezialsystem für die Vorratsdatenspeicherung. Es kostete 1,2 Millionen Euro. Wer wem E‑Mails schickt, wer wen anruft und welcher DSL-Kunde sich wann beim Provider anmeldet – all das hält diese schwarze Maschine sechs Monate lang fest. Der Provider ist dazu verpflichtet. In einem anderen Raum steht ein grauer, abgeschlossener Metallschrank mit einer Milchglastür. Er dient der Telekommunikationsüberwachung. Mit einer richterlichen Genehmigung kann die Polizei einen Provider anweisen, E‑Mails oder Telefongespräche von Verdächtigen aufzuzeichnen. „Horchposten“ oder „Stille Post“ nennen die 1&1‑Techniker diese Anlage. Bedient werden darf sie nur von vier Mitarbeitern. Sie und ihre Familien wurden vom Verfassungsschutz überprüft. Alle Daten werden verschlüsselt „ausgeleitet“ und an die Polizei übermittelt.

    Die Rolle als Hilfssherriff der Musik- und Unterhaltungsindustrie und die Zensursula wird weiter unten erwähnt.

    2. März 2010 11
  • : Animation: The State of The Internet
    Animation: The State of The Internet

    Nette Animation von Jesse Thomas mit aktuellen Zahlen zum Netz: The State of The Internet.

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    JESS3 / The State of The Internet from Jesse Thomas on Vimeo.

    [via]

    28. Februar 2010 2
  • : Jugendmedienschutz auf dem Weg in die Zukunft? (Nachtrag, 01.03.)
    Jugendmedienschutz auf dem Weg in die Zukunft? (Nachtrag, 01.03.)

    Der neue JMStV ist also so gut wie durch. Prima, dann darf ich ja mal eine Utopie Dystopie in den Raum stellen. Keine Sorge, mit der Realität hat diese Utopie Dystopie nichts zu tun. Es ist kaum mehr als der feuchte Traum eines durchgeknallten Verschwörungstheoretikers. Kann und sollte man also ignorieren:

    [Edit]Mal angenommen[/Edit], der neue JMStV würde tatsächlich auf providerseitige Filterprogramme setzen, die besorgte Eltern zum Schutz ihrer Kinder passend zur Flatrate buchen können. Man muss das nicht negativ sehen. So eine Filterschablone hat ja auch Vorteile. Man muss sich als Erziehungsberechtigter z.B. keine Gedanken mehr machen, welche Programme der Nachwuchs im Internet schaut.

    Überhaupt ist dieses Internet ja ziemlich unübersichtlich, wenn man das mal so sagen darf. Warum also nicht einen Sampler mit den besten Internethits von gestern, heute und morgen kaufen? Reicht doch. Beim Dudelfunk Formatradio funktioniert es doch auch!

    Schon bald könnte es – das ist übrigens nicht meine Idee, sondern eine aus dem Jahr 2003Filterschablonen in verschiedenen Geschmacksrichtungen geben. Quasi „Kindernet On Demand“, präsentiert nach Wunsch:

    26. Februar 2010 52
  • : Audio-Interview über elektronischen zivilen Ungehorsam und Migration
    Audio-Interview über elektronischen zivilen Ungehorsam und Migration

    Auf dem Hamburger freien Radio Freies Sender Kombinat lief am Wochenende ein interessantes und ausführliches Interview mit Ricardo Dominguez zu Electronic Civil Disobedience, Border Disturbance Technologies und Migration:

    Ricardo Dominguez, Mitglied des Electronic Disturbance Theatres und Critical Art Ensembles, unterricht seit einigen Jahren an der University of California San Diego. Er hat die Theorie und Praxis der Electronic Civil Disobedience ausgearbeitet.

    Seit 2007 arbeitet er mit anderen am Transborder Immigrant Tool (TIT), das die Passage durch die Borderlands von Mexico nach USA für MigrantInnen sicherer machen soll. Bei dieser Passage sterben seit einigen Jahren jährlich ungefähr 2000 Menschen. Bei dem TIT handelt es sich um ein eher billiges Mobiltelefon mit GPS-Funktionalität, das Kartenmaterial, auf dem z.B. Wasserreserven eingezeichnet sind, den Leuten bereitstellt, die sich auf den Weg nach Norden machen.

    Im Interview geht es um die Geschichte der Electronic Civil Disobedience und ihre aktuelle Entwicklung. In einem größeren Bogen reflektiert Ricardo den Stand mobiler Medientechnologien und auf welche Art sie „artivistisch“ anwendbar sind, redet über Überwachung und Web 2.0, das Ausloten, was Cyberterrorismus ist, über Aktivismus, Hacktivismus, Denial of Service Attacken auf Regierungsrechner, Borderlands, Zapatistas, Migration, affektive Medien, Transparenz und Translucency, Simulation von Überwachung, Artivismus, Science of the Oppressed, Land-Art und sogar Nanotechnologiekritik.

    Das Interview von vier Studen Länge (mit Musik) gibt’s als Ogg Vorbis auf archive.org zum Download. Annalist hat weitere Informationen und Links gesammelt.

    Als Einstieg in die angesprochene interessante Geschichte des Hacktivismus empfiehlt sich die arte Dokumentation Hacktivisten – Rebellen im Internet von 2002, die gibt’s z.B. auf Google Video.

    26. Februar 2010
  • : European Citizens’ Initiative: Hohe Hürden gegen Bürgerbeteiligung in der EU
    European Citizens’ Initiative: Hohe Hürden gegen Bürgerbeteiligung in der EU

    Die Europäische Bürgerinitiative (European Citizens’ Initiative – ECI) soll EU-Bürgern künftig die Möglichkeit geben, die Politik der EU mit Unterschriftensammlungen direkt zu beeinflussen. Allerdings sieht es im Moment so aus, als ob der viel gepriesene demokratische Meilenstein der EU eher ein nutzloses Kieselsteinchen wird. EU-Kommission und Mitgliedsstaaten sind dabei, die Anforderungen so hoch zu schrauben, dass es wahrscheinlich nur wenige Bürgerinitiativen schaffen werden, die hohen Hürden zu nehmen. Das gilt auch für die Online-Sammlung von Unterschriften. Nach den in der EU derzeit diskutierten Kriterien wäre die in Deutschland so erfolgreiche Online-Petition gegen Netzsperren gescheitert.

    Bei einer Anhörung der EU-Kommission zur ECI am Montag in Brüssel waren sich zwar alle darin einig, dass es für Bürgerinitiativen die Möglichkeit zur elektronischen Sammlung von Unterschriften geben soll. Gleichzeitig war aber viel von „Missbrauchsgefahr“ die Rede. Einige Regierungen und selbst Vertreter der Zivilgesellschaft fordern sogar die verpflichtende Benutzung elektronischer Ausweise. Die österreichische Regierung beispielsweise pocht in ihrer Stellungnahmen zur ECI auf „geeignete Sicherheitsvorkehrungen“, um Missbrauch oder Mehrfachunterschriften zu verhindern. Sie propagiert die „Smart Card“, eine Art elektronischer Pass für Online-Abstimmungen, den es in ähnlicher Form auch in Estland gibt und der dort bereits für Online-Wahlen benutzt wird.

    Dabei ist die Europäische Bürgerinitiative weder eine Wahl noch eine verbindliche Volksabstimmung, sondern nur ein Aufforderungsrecht. Mit der ECI können Bürger und Bürgerinnen die Kommission künftig auffordern, politisch aktiv zu werden und einen Vorschlag für eine neue Richtlinie, also ein EU-Gesetz, vorzulegen (mehr zur aktuellen Debatte um die ECI habe ich hier auf Englisch zusammengefasst). Die Bürger können aber nicht selbst über die Richtlinie entscheiden, das bleibt vielmehr dem Ministerrat und dem Europäischen Parlament überlassen. Mehr noch, die Kommission ist nicht einmal dazu verpflichtet, der Aufforderung einer Initiative zu folgen, sondern kann sie auch aus rechtlichen oder politischen Gründen zurückweisen. Die ECI ist also kaum mehr als eine Art Petitionsrecht – und trotzdem werden die Anforderungen so hoch geschraubt wie bei einem verbindlichen Referendum oder einer Online-Wahl.

    24. Februar 2010 23
  • : JMStV: Entwurf vom 18.02. und konsolidiertes Diff
    JMStV: Entwurf vom 18.02. und konsolidiertes Diff

    Dem Chaos Computer Club Mainz liegt „Dank der Piratenpartei und Roland Koch“* ein aktueller Arbeitsentwurf zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) mit Stand vom 18.02.2010 vor.

    Besser noch, Patrick Georgi hat sich die Arbeit gemacht und die bisher bekannten Entwürfe zusammengeführt. D.h. es liegen nicht nur die vergleichsweise unübersichtlichen Änderungsstaatsverträge vor, sondern es gibt auch einen (natürlich inoffiziellen) kompletten JMStV, wie er nach dem Arbeitsentwurf vom 18.02.2010 aussehen würde. Und zwar inkl. farblicher Hervorhebung der Unterschiede zu der Version von 2002 als odt und PDF. Klasse Arbeit!

    *Die Piraten haben wohl einfach bei Koch nach gefragt und eine Kopie bekommen.

    (Details & via Chaos Computer Club Mainz)

    24. Februar 2010 14