Edward Snowden
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: Zwei Jahre Snowden: Dem Recht auf Privatsphäre wieder Geltung verschaffen
: Zwei Jahre Snowden: Dem Recht auf Privatsphäre wieder Geltung verschaffen Was müssen wir konstatieren, wenn wir einen Blick zurück auf zwei Jahren Snowden-Veröffentlichungen werfen? Nirgendwo außerhalb der Vereinigten Staaten ist die NSA mit ihren Partnern so aktiv wie in Europa, seit mehr als zehn Jahren lauschen die elektronischen Ohren und Augen. Die Kooperation mit deutschen und anderen europäischen Geheimdiensten ist in diesen Jahren beständig gewachsen. Die Informationen über bislang unbekannte Dimensionen der technologischen Überwachung, samt offensiver Hacking-Operationen, entfalten sich weiterhin durch die anhaltenden Berichte.
Wir werden deshalb nicht mehr umhin kommen, endlich darüber zu sprechen, wie wir Staaten untereinander dazu bewegen, dem Recht auf Privatsphäre wieder Geltung zu verschaffen, ganz unabhängig davon, wo jemand wohnt, wo er geboren wurde oder wo er sich gerade aufhält. Denn die systematische Überwachung und Kartierung der Kommunikations- und Transaktionsdaten in Nahezu-Echtzeit von allem, was irgendwie international abschnorchelbar ist, wird mit der offen vertretenen „Heuhaufen“-Ideologie und dem Betonen angeblicher technologischer Omnipotenz nicht einmal mehr hinter dem Berg gehalten.
Nicht nur die Geheimdienste der Vereinigten Staaten und Großbritanniens missachten für Personen jenseits ihrer Grenzen das Menschenrecht auf Privatsphäre mit arroganter Selbstgerechtigkeit, auch der Bundesnachrichtendienst (BND) betrachtet sich als weltweit zuständig und bedingt abhörbereit. Der Geheimdienst unterminiert dabei die Grundrechte des Brief‑, Post- und Fernmeldegeheimnisses, besonders im Ausland und für ausländische Menschen, obwohl sie sehr wohl gleichermaßen für In- und Ausländer gelten. Drei der angesehensten Staatsrechtler haben das im NSA-BND-Untersuchungsausschuss überzeugend vorgetragen.
Doch es waren zuviele taube Ohren unter den Zuhörern. Denn den BND jetzt mit noch weiteren rechtlichen und technischen Spionagekompetenzen auszustatten und noch mehr öffentliche Mittel für das Geheimdienst-Wettrüsten auszugeben, ist der verzweifelte Versuch der Transatlantiker, in der Champions League der Abhörnationen mitspielen zu dürfen. Und er findet derzeit eine Mehrheit im Bundestag.
Stattdessen sollten wir eine Kehrtwende in Angriff nehmen, die nicht nur unsere eigenen Geheimdienste zurückschneidet, sondern uns auch auf internationaler Ebene dafür stark machen, dem teuren und weitgehend sinnfreien Treiben ein Ende zu setzen. Denn die Wünsche oder Drohungen der sicherheitshysterischen US-Administration sind kein höheres Gut als Menschenrechte und Grundrechte. Die Bundesregierung sollte – statt weitere Briefe mit Fragen und Bitten an die US-Regierung zu schicken – endlich damit anfangen, gemeinsam mit anderen europäischen Ländern Forderungen zu formulieren.
Und wenn es die Bundesregierung nicht tut, dann sollten wir es tun. Wir sind schließlich die Wähler, der Souverän mit den Grundrechten.
„It’s really disingenuous for the government to invoke and sort of scandalize our memories to sort of exploit the national trauma that we all suffered together and worked so hard to come through to justify programs that have never been shown to keep us safe, but cost us liberties and freedoms.“
(Edward Snowden) -
: Danke Edward Snowden: Zum 2. Jahrestag der Enthüllungen verschenken wir wieder unser Buch „Überwachtes Netz“
: Danke Edward Snowden: Zum 2. Jahrestag der Enthüllungen verschenken wir wieder unser Buch „Überwachtes Netz“
Auch zwei Jahre nach Start der Snowden-Enthüllungen ist unser Buch „Überwachtes Netz – Edward Snowden und der größte Überwachungsskandal der Geschichte“ aus dem Herbst 2013 in weiten Teilen leider immer noch aktuell. Man kann es noch kaufen, aber wegen des zweiten Jahrestages machen wir gerne darauf aufmerksam, dass das Buch auch kostenlos im Netz zum Download steht: Hier ist eine Zip-Datei mit dem eBook in den ePub- und Kindle-Formaten. Und hier ist ein PDF.Vor einem Jahr schrieben wir: „Leider ist seitdem so gut wie nichts von politischer Seite passiert. Unsere Bundesregierung steckt den Kopf in den Sand und versucht den Skandal auszusitzen.“ Das Aussitzen probiert die Bundesregierung immer noch, aber glücklicherweise geht das nicht mehr so einfach wie vor einem Jahr. Auch wenn wir von Reformen bisher nichts mitbekommen haben, außer: Die Vorratsdatenspeicherung wieder einzuführen und Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz mehr Kompetenzen und Geld zur Verfügung zu stellen, um die Netzüberwachung wieter auszubauen – und illegale Praktiken zu legalisieren.
Rund 50 Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Kontinenten haben sich wenige Monate nach Start der Enthüllungen Gedanken gemacht und ihre Ideen beigesteuert, was die notwendigen Schritte sind, um das Netz und unsere Grundrechte aus den Händen krimineller Geheimdienste zurück zu erobern.
Möglicherweise werden wir den Herbst nutzen, um eine Neu-Auflage zu produzieren und den aktuellen Stand der Debatte und der Gegenstrategien abzubilden. Wir freuen uns, wenn das Buch heruntergeladen, gelesen und weiter kopiert wird. Wer uns eine Spende zukommen lassen will, um ein neues Buchprojekt zu finanzieren, kann das hier machen.
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: Interview mit Edward Snowden „Wenn wir alle Daten sammeln, verstehen wir gar nichts.“
Edward Snowden <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/home_of_chaos/9134276850/in/photolist-eVaygU-eXVM7C-f7HSjq-c1UTf-jDwSxd-fmicGq-frZiV8-jCdUqm-f1L9PV-jDmWyM-f3JKMg-f1g3YV-eW93c5-fhTnCC-gSLReD-fhYmJV-pcPnR9-fieaY5-nAwZwy-fie6yN-fhYTYM-fLwh3K-fLwmPv-nZ9Mr9-fhAtAb-fde2eG-gZZRQv-f3K13Z-fqFWUT-eXVKJh-oRNwjh-fLwjpt-hca46n-fLNXff-fLwg8z-iMDNtq-eUmB4t-eTrqcD-nUcVby-oiJ1GA-nGPU7C-fhVAWC-eV7A8Q-f1vrW9-f2UtFZ-qCFmxe-faiR5n-nAwWHN-nAtGcP-nyHXhh">home_of_chaos</a> : Interview mit Edward Snowden „Wenn wir alle Daten sammeln, verstehen wir gar nichts.“ Anlässlich der morgen genau zwei Jahre zurückliegenden Snowden-Enthüllungen sowie dem Auslaufen dreier Beschlüsse des USA Patriot Act, hat Amnesty International ein Q&A mit Edward Snowden organisiert, das man auch live bei youtube mitverfolgen konnte.
Das Interview führen Tanya O’Carroll, Technology & Human Rights Advisor bei Amnesty, und Eric King, Deputy Director von Privacy International.
Die erste Frage an „Ed“, ob angesichts der herben Verluste z. B. seiner Heimat, der Familie usw., es das Whistleblowing wert war, beantwortet er, kurz gesagt, mit ja. Denn erst dadurch wurden die Massenüberwachungsmaßnahmen der „Five Eyes“ bekannt. Als Folge seiner Enthüllungen hat zum Beispiel das Investigatory Powers Tribunal (Wikipedia), welches die einzige Rechtsinstanz darstellt, bei der man sich in Großbritannien über staatliche Überwachungsmaßnahmen beschweren kann, erstmalig in den letzten fünfzehn Jahren einer Beschwerde zugestimmt. Dass in Großbritannien die Machenschaften des GCHQ, der von der NSA Zugang zu von der amerikanischen Überwachungsbehörde abgeschnorchelten Informationen bekommen hat, deutlich als unrechtmäßig deklariert wurden, ist ein echter Meilenstein in der Bekämpfung von Massenüberwachungssystemen. Daran tragen neben Ed auch NGOs, wie z. B. Amnesty International einen großen Beitrag.
Selbst wenn aber wirklich gute Gründe vorlägen, alles und jeden zu massenüberwachen, so müsste darüber die Allgemeinheit entscheiden, die Bürgerinnen und Bürger. Auf keinen Fall sollte dies hinter verschlossenen Türen, über die Köpfe derer hinweg, die betroffen sind, entschieden werden.
Anlässlich der kürzlich ausgelaufenen Section 215 des Patriot Acts (Rechtsgrundlage für das Abschnorcheln von US-Telefonverbindungen) wird die Frage gestellt, wie optimistisch Snowden ist, in Bezug auf die zukünftige Entwicklung der amerikanischen Massenüberwachung.
Prinzipiell ist er positiv gestimmt, denn das Ende dieser Section 215 markiert für Ed einen wichtigen ersten Schritt auf dem Weg hin zum Stop der Massenüberwachung durch die NSA. Obwohl amerikanische Gerichte die Section 215 klar als unrechtmäßig „from the very first day“ deklariert haben und obwohl nachgewiesen wurde, dass die so gedeckten Maßnahmen nie auch nur eine einzige Attacke von Terroristen verhindert haben, ist die Forderung von Überwachungsbefürwörtern nach dem Weiterbestand der Massenüberwachung ungebrochen. Immer noch wollen die Befürworter die Massenüberwachung mit dem Totschlagargument „Terrorismus“ begründen. Die so zur Schau gestellte Unbelehrbarkeit ist zweifelsohne bedenklich. Nichtsdestotrotz bleibt Snowdens Aussicht auf die Zukunft optimistisch, da das erste Mal in der Geschichte der Überwachungsdebatte Fakten den Sieg gegen die Angst davon getragen hätten (Auslauf der Section 215 des Patriot Acts).
Danach geht es um die besondere Stellung des GCHQ und um die Frage, warum die Gesetze, die die Grundlage für die Massenüberwachung des britischen Geheimdienstes schaffen, ausschließlich hinter verschlossenen Türen verhandelt werden. Öffentlich wird das damit begründet, dass das Zulassen einer öffentlichen Debatte über Gesetze zur Überwachung zu erhöhter Gefahr durch Terroristen führen würde. Man würde dann die Sicherheit Großbritanniens aufs Spiel gesetzt.
Tatsächlich aber, so steht es in einem internen Dokument, fürchten die britischen Geheimdienste nicht den Anstieg von Terrorgefahr, sondern eine
damaging public debate on the scale of its activities, because it could lead to legal challenges against its mass-surveillance programmes.
Die Angst vor Gerichtsverfahren ist demnach größer als die Gefahr durch Terroristen. Das ist schon irgendwie vielsagend, bedenklich, gruselig.
Die Berichterstattung in den britischen Medien über die Notwendigkeit von massenhafter Überwachung ist im Empire leider größtenteils von pro-Überwachung-Berichterstattung geprägt. Das liegt beispielsweise, so Ed, daran, dass alle Zeitungen bis auf den Guardian, anstatt selbst investigativ nachzuforschen, simple Anfragen an die Regierenden stellen. Diese bestätigen dann natürlich gerne, dass es überhaupt keine Probleme gäbe und alles schon mit rechten Dingen zugehe.
Besonders problematisch ist das auch, weil die britische Regierung aktuell daran arbeitet, nicht etwa Gesetze dahingehend zu reformieren, dass Bürgerinnen und Bürger in Zukunft nicht mehr massenhaft vom GCHQ ausspioniert werden können, sondern – ganz im Gegenteil – folgendes plant:
[The] government in the United Kingdom is actually trying to reform the laws in a very negative way. Rather than preserving civil liberties and expanding the domain of our rights, they are trying to limit it and they are trying to do it in secret without the notice of the public and without the engagement of the press
Tatsächlich ist es das Ziel der britischen Regierung, alles und jeden überwachen, hacken und ausspionieren zu können. Darüber haben wir hier schon berichtet.
Eric King von Privacy International gab anschließend eine bezeichnende Anekdote zum Besten, dessen Thema das Aufdecken von gesetzeswidrigen Machenschaften britischer Geheimdienste war. So stellte Privacy International fest, dass das Hacking jedweder Person durch den GCHQ durch kein Gesetz gerechtfertigt war. „Hacking“ heißt dort übrigens eleganterweise „equipment interference“, Massenüberwachung wird „bulk interception“ genannt, so eloquent wie dreist. In jedem Fall wurde der NGO schnell klar, dass es für das „equipment interfering“ keine gesetzliche Grundlage gab. Im Gegenteil war es nicht nur nicht erlaubt, sondern sogar eine schwere Straftat.
Einen Tag vor Beginn des Verfahrens, wo genau dieser Missstand verhandelt werden sollte, änderte die britische Regierung kurzerhand die gesetzliche Grundlage. Natürlich nicht in einem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren, sondern in einem quasi Add-on. Das Gesetz, das ab jetzt das Hacking der Geheimdienste legalisierte, ließ sich fortan im „serious crime bill“ finden. Dass dieses Gesetz jetzt die Grundlage für rechtlich konformes Hacking liefern wird, wusste aber außer denjenigen, die das zu verantworten hatten, niemand. Es zeigt sich deutlich: Die Angst vor Gerichtsverfahren, die die Massenüberwachung aufhalten könnten, ist groß.
Danach wird das der Massenüberwachung zugrunde liegende System thematisiert. Ed erklärt, wie Algorithmen menschliche Augen und Ohren ersetzt haben, da es nur so möglich ist, automatisierte Überwachungsverfahren umzusetzen. Weil die Geheimdienste Kommunikationsverbindungen ja nur „intercepten“, also abfangen und weiterleiten, und nicht mithören (menschliche Augen und Ohren), wird behauptet, die massenhafte Überwachung sei gar nicht so schlimm. Also letztlich das klassische Pseudo-Argument: Metadaten sind ja nicht schlimm, Hauptsache kein Mensch liest/hört die Inhalte meiner Kommunikation.
Über die vermeintlich uninformativen Metadaten äußert sich ein Top-Anwalt der NSA folgendermaßen:
Metadata absolutely tells you everything about somebodys life, if you have enough metadata, you don’t really need content.
Auch Michael Haydens Meinung, ehemaliger Direktor der NSA, wird angesprochen. Gerne nehmen wir dieses Zitat in den Artikel auf:
We kill people based on metadata.
Dass Drohnenangriffe nicht wirklich personenbezogen sind, sondern oft einfach ein Mobiltelefon das eigentliche Ziel ist, von dem dies oder jenes ausgesendet wurde, das Grund genug für das Todesurteil per Drohnen-Angriff ist, ist ein weiteres besorgniserregendes Detail im Umgang mit Metadaten.
Im Zusammenhang mit dem PRISM-Programm, mit Hilfe dessen neben Metadaten auch noch Inhalte von Kommunikation an Geheimdienste geliefert werden, fasst Snowden die Folgen dieser Entwicklung wie folgt zusammen:It gives the government a window into anybodys life at any given time. It allows them to do what’s called „pattern of life analysis“.
Alles und jeder wird immer und überall überwacht. Genau hier liegt aber das Problem der Überwachungsstrategie, denn
if we collect everything, we understand nothing.
Massenüberwachung kann also schon systemisch nicht dafür geeignet sein, Attacken von Terroristen erfolgreich zu verhindern. Das habe auch der Anschlag beim Boston-Marathon gezeigt.
Im folgenden soll Ed erklären, warum sich auch Menschen über die Massenüberwachung echauffieren sollten, die vermeintlich nichts zu verbergen haben.
Selbst wenn der Einzelne in diesem Fall keinen Wert darauf legt, sein Grundrecht auf Schutz der Privatsphäre zu wahren, kann das trotzdem kein Grund sein zu befürworten, dieses Grundrecht für alle anderen, in einem faulen Tausch von (vermeintlicher) Sicherheit gegen Freiheit, gleich mit zu veräußern. Vor allem aber hat das gänzliche Wegfallen der Privatsphäre durch Massenüberwachung die folgende Konsequenz:
And regardless whether you have done anything wrong or not, when the government knows everything about you they can find something that you have done wrong.
In jedem Fall können Menschenrechte wie das Recht auf Privatsphäre nicht von Regierungen aufgehoben werden, da die Regierungen gar nicht bemächtigt sind, diese auf grundsätzlicher Ebene zu verletzen.
They [Human rights] are not granted by governments, they are inherent to our nature.
Das schon durch die sozialen Medien gewanderte Zitat über Ed’s Meinung zur Einstellung, sich nicht für das Recht für Privatsphäre zu interessieren, da man nichts zu verbergen hätte, wiederholt er in etwas längerer Form im Interview.
If you say „I don’t care about the right to privacy, because i have nothing to hide“. That’s no different than saying „I don’t care about free speech, because i have nothing to say“. „I don’t care about freedom of the press, because i have nothing to write.“ „I don’t care about freedom of association, because i’m not involved with my community.“ „I don’t care about freedom of religion, because i don’t worship.“
Eine eventuelle Aufgabe im Kampf um den Erhalt der Privatsphäre hat aber noch mehr dramatische Folgen.
Once you go down that road, once the government claims a new power, once they plant a new flag in the domain of your rights, your liberty, your private life, within in the four walls of your home, your private friendships, your private records, it’s very difficult to get them to go back. And once you’ve lost a certain degree of power, than you can no longer oppose that power. There can be no revolutionaly political movement, when the government knows what everybody is doing, what everybody is saying, what everybody is thinking […] and we cannot give up the foundation of all rights, and that’s really what privacy is.
Auf die Problematik angesprochen, dass selbst wenn Bürger und Bürgerinnen eines gegebenen Landes für ihr Land Massenüberwachung unterbinden, sie aufgrund des globalen Routings von Informationsverbindungen, trotzdem von anderen Staaten überwacht werden können, meint Ed, man müsse sich die technischen Möglichkeiten zum Schutz der Kommunikation aneignen.
What you have to do is find that, thanks to advances in technology we can now assert our rights through new means. […] Basicly, methods of encoding and protecting peoples data, across borders. So that when we improve things here we dont just benefit those within our borders, we benefit everyone around the world.
Die vermeintlichen partnerschaftlichen Abkommen, nach denen sich die Sicherheitsbehörden verschiedener Staaten versichern, sich nicht gegenseitig auszuspionieren, sollen eher guten Willen beweisen, keinesfalls jedoch wirklich das wechselseitige Spionieren grundsätzlich verhindern oder sogar unter Strafe stellen.
If the NSA considers it to be in the interests of the US Government, they would happily abrogate that aggrement [to not spy on each other]. They would happily basicly search through David Camerons email, listen to his cellphone calls, or anybody else in the UK, despite the fact that they had agreed not to do so. And they would have no obligation to inform the other party and that other party would have no legal recourse, even it it were discovered.
Am Schluss auf seine Sicht auf die nächsten fünf Jahre angesprochen, antwortet Ed:
The most liberating thing about sort of burning your life to the ground and becoming sort of an internatinoal fugitive, at least that’s what they claim, is, that you no longer have to worry about tommorrow, you start thinking about today. […] I have more hope today, than I ever had before and I wake up every morning with a smile on my face.
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: USA: Senat beschließt Umsetzung des „USA Freedom Act“, Chance auf tiefgreifende Reform dennoch verpasst
Stop Mass-Surveillance! <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC BY-NC-ND 2.0 via flickr/</a><a href="https://www.flickr.com/photos/karenaxe/15068665976/in/photolist-oXyRpN-faq2B4-faq29T-f7f38j-2bQyz-f31rTh-f31eCy-Kz3mj-f4cd7Y-c2ZqbG-oFLnCh-oriM9q-oriLMo-oHwsNP-c2ZzPy-gfUnMJ-8bZ1zm-e6UVd-f71d6e-igwcud-igvLHD-igvDeR-igwmZT-igwjBr-igvyVk-igw16u-igvw7K-igw5Tp-igvJq1-igvW3P-2bRbX-igvNNa-igwd8L-igvXvm-igw1K5-igvZos-igvZbJ-igvSbo-igwcQF-igvMEQ-igvCW7-igvfmg-igvBQj-igvBwd-igvHbC-igvGSS-igvGwm-igvyns-eKJzVB-nNVrAS">karenaxe</a> : USA: Senat beschließt Umsetzung des „USA Freedom Act“, Chance auf tiefgreifende Reform dennoch verpasst Ein Bericht von The Intercept kommentiert die Umsetzung des „USA Freedom Act“ genannten Gesetzes, das die anlasslose Massenüberwachung von US-Telefonverbindungen beenden wird.
The bill officially ends 14 years of unprecedented bulk collection of domestic phone records by the NSA, replacing it with a program that requires the government to make specific requests to the phone companies.
Der amerikanische Senat hat in der vergangenen Nacht mit einer klaren Mehrheit von 67 Prozent für die Umsetzung der Gesetzesvorlage gestimmt. So weit, so gut.
Leider bleibt beim genauen Hinsehen nur wenig Grund zur Freude. Das liegt vor allem daran, dass ein Großteil der von Snowden aufgedeckten Überwachungs-Aktivitäten der NSA von dem neuen Gesetz nicht betroffen sind. Insbesondere die Massenüberwachung der Nicht-US-Kommunikation wird vom USA Freedom Act nicht berührt und somit uneingeschränkt fortgeführt. Obwohl das Gesetz die größte Reform des Überwachungssystems seit den 70’er Jahren markiert, hat man die historische Chance auf eine tiefenwirksame Reform verpasst.
Da drei Bestimmungen des Patriot Act (Roving Wiretaps, Access to Business Records and Tangible Things, Lone Wolf) am 01. Juni 2015 ausliefen und die amerikanische Öffentlichkeit, vor allem dank der Snowden-Enthüllungen, so kritisch wie lange nicht dem Überwachungsapparat gegenübersteht, war die Möglichkeit auf eine echte allumfassende Reform so gut wie nie zuvor.
So aber ist das neue Gesetz zwar ein solider erster Schritt, hin zu einer umfassenden Reform des Überwachungssystems, mehr jedoch leider nicht.
The passage of the USA Freedom Act is a milestone. This is the most important surveillance reform bill since 1978, and its passage is an indication that Americans are no longer willing to give the intelligence agencies a blank check. It’s a testament to the significance of the Snowden disclosures and also to the hard work of many principled legislators on both sides of the aisle. Still, no one should mistake this bill for comprehensive reform. The bill leaves many of the government’s most intrusive and overbroad surveillance powers untouched, and it makes only very modest adjustments to disclosure and transparency requirements.
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: Edward Snowden über „Ich hab nichts zu verbergen“
: Edward Snowden über „Ich hab nichts zu verbergen“ Edward Snowden erklärt in einem Satz, warum das Argument „Ich hab nichts zu verbergen“ Blödsinn ist. Davon kursieren gerade
zweidrei Bild-Versionen in sozialen Medien, die gerne weiterverteilt werden können.Zitat stammt aus diesem Reddit-AMA mit Edward Snowden.
Some might say „I don’t care if they violate my privacy; I’ve got nothing to hide.“ Help them understand that they are misunderstanding the fundamental nature of human rights. Nobody needs to justify why they „need“ a right: the burden of justification falls on the one seeking to infringe upon the right. But even if they did, you can’t give away the rights of others because they’re not useful to you. More simply, the majority cannot vote away the natural rights of the minority. But even if they could, help them think for a moment about what they’re saying. Arguing that you don’t care about the right to privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don’t care about free speech because you have nothing to say. A free press benefits more than just those who read the paper.
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: Snowdens Enthüllungen und die Revision der Section 215 des Patriot Act
: Snowdens Enthüllungen und die Revision der Section 215 des Patriot Act Anlässlich der Revision der Section 215 des Patriot Act, der unter anderem Gesetzesgrundlage für die Massenüberwachung der NSA ist, bringt der New Yorker einen interessanten Artikel zum Thema Snowden-Enthüllungen. Ziemlich sicher wäre der diskutierte Abschnitt des Patriot Act ohne Snowden medienunwirksam verlängert oder gar ausgeweitet worden. Die Problematik wäre so auf nicht absehbare Zeit weiter im Verborgenen geblieben.
Das eigentliche Problem sieht der Autor des Artikels aber darin, dass es überhaupt einen Snowden brauchte, um auf die Massenüberwachung der NSA aufmerksam zu machen. Theoretisch sei es Aufgabe der US-Administration darauf zu achten, dass die verschiedenen Organisationen der Regierung innerhalb der amerikanischen Gesetzgebung agieren.
The government, in other words, is supposed to be watching itself, especially in matters of national security, which are, by necessity, shielded from daylight. The fact that it took thirteen years, and one whistle-blower, to expose a program that is conclusively ineffective and, according to one federal appeals court, illegal, points to a problem much larger than any one program. It suggests that claims about what is necessary to prevent the next terrorist attack are too sacrosanct to require evidence.
Dabei ist man trotz Snowden-Enthüllungen noch weit entfernt davon, das ganze Ausmaß der Section 215 abzusehen, wie ein Bericht des Department of Justice (pdf) erahnen lässt. Und das, obwohl nun seit circa zwei Jahren versucht wird, die Inhalte und die Tragweite der Section 215 zu bestimmen.
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: Gerichtsverfahren nach Snowden
: Gerichtsverfahren nach Snowden Seit am 6. Juni 2013 durch die erste Veröffentlichung von „Top Secret“-Dokumenten durch den damaligen Guardian-Kolumnisten Glenn Greenwald bis dato nur unvollständig bekannte Informationen zu den Überwachungspraktiken der US-Geheimdienste bekanntwurden, haben Juristen und Aktivisten in den folgenden Monaten aufmerksam die Informationen geprüft. Es sind jetzt fast zwei Jahre vergangen, also lohnt sich ein Blick auf die juristischen Folgen der Snowden-Veröffentlichungen.
Schon beginnend mit „Prism“, dem elektronischen Massenüberwachungs- und Data-Mining-Programm der National Security Agency (NSA), ist von verschiedenen Seiten versucht worden, Gerichte anzurufen und so die Sachverhalte aus den Geheimdienstskandalen juristisch aufzuarbeiten. Um den Überblick zu behalten, sind hier die bisher laufenden Verfahren zusammengefasst:
Bild: John Linwood. Lizenz: Creative Commons BY-ND 2.0
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
Der erste Beschwerdefall vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, der in Sachen GCHQ zu einem Urteil führen könnte, ist bereits aus dem Jahr 2013: „Privacy not Prism“ (Aktenzeichen: 58170/13). Die Beschwerde richtet sich vor allem gegen die Programme zur Massenüberwachung, die fehlende politische Rechenschaftspflicht der Geheimdienste und die mangelnde gerichtliche und parlamentarische Nachprüfbarkeit ihres Handelns. Sie wurde überhaupt erst möglich, weil Großbritannien seit dem Jahr 1951 die Europäische Menschenrechtskonvention ratifiziert hat. Auf diesen völkerrechtlichen Vertrag beruft sich die Beschwerde, konkret auf Artikel 8:
Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz.
Das Programm „Tempora“, das dem GCHQ den Zugriff auf die Daten der Unterseekabel gibt, haben drei britischen NGOs, nämlich Big Brother Watch, die Open Rights Group und die Schriftstellervereinigung PEN, und ich selbst ins Zentrum der Beschwerde gegen die britische Regierung und den britischen Geheimdienst gestellt. Erfreulicherweise wird der Fall vom Gericht priorisiert eingestuft. Mehr als zwei Dutzend NGOs und weitere Sachverständige gaben schriftlich sog. Interventionen ab, um die Beschwerde zu stützen. Im Februar 2014 ist auch die deutsche Bundesregierung zur Stellungnahme aufgefordert worden, die bis zum 28. April 2014 erfolgen sollte, da ich als deutsche Staatsbürgerin eine der Beschwerdeführerinnen bin. Die Bundesregierung hat allerdings von einer schriftlichen Stellungnahme abgesehen.
Der Gerichtshof hat allerdings trotz der Priorisierung zwischenzeitlich das Verfahren am 11. April 2014 ausgesetzt („adjourned“), um Urteile des Investigatory Powers Tribunal abzuwarten, über deren Fortgang sich das Gericht auch schriftlich informieren ließ. Die britische Regierung hatte den Gerichtshof unterdessen um Rückweisung der Beschwerde gebeten, dem folgte das Gericht aber nicht.
Investigatory Powers Tribunal
Das Investigatory Powers Tribunal (IPT), ein geheimes Gericht, das Fälle untersucht und verhandelt, die gegen die britischen Geheimdienste gerichtet sind, hat in Dezember 2014 ein erstes Urteil gefällt. Angegriffen worden war das Gesetz „Regulation of Investigatory Powers Act“ (RIPA, insbesondere Section 8(4)) und damit die Massenüberwachungspraktiken des GCHQ. Ein Reihe von NGOs, darunter Liberty, Amnesty International und die American Civil Liberties Union (ACLU), wollen sich dagegen zur Wehr setzen, dass ihre Kommunikation im Rahmen des „Tempora“-Programms erfasst wird und auch Daten aus Programmen der NSA durch den GCHQ genutzt werden.
Drei wesentliche Ergebnisse sind aus dem Urteil zu lesen:
- Der britische Zugriff auf geheimdienstliche Daten der NSA ist rechtmäßig, da anderthalb Seiten Regularien im Oktober 2014 bekanntgemacht wurden, die Vorgaben für die Nutzung dieser Daten machen.
- Massenüberwachung ist grundsätzlich nach RIPA 8(4) rechtmäßig.
- Ob dabei die Verhältnismäßigkeit gewahrt blieb, ließ das Gericht offen.
Das innerbritische Geheimgericht IPT hat in einem weiteren Urteil im Februar 2015 festgestellt, dass der Zugriff auf die Millionen „Prism“- und „Upstream“-Daten der NSA, also den Informationen von den Internetkonzernen und den Glasfaser-Abhör-Operationen nicht rechtmäßig war und bis Dezember 2014 nicht hätte durchgeführt werden dürfen. Als Begründung wurde angegeben, dass es vor diesem Zeitpunkt keine Regularien für den Zugriff gegeben hätte. Dem half die britische Regierung wieder dadurch ab, dass sie solche Vorgaben veröffentlichte, und zwar noch während das Gerichtsverfahren im Gange war. Seit Dezember 2014 ist daher die Nutzung der transatlantischen Abhördaten legal. Möglicherweise müssen die vor Dezember 2014 erlangten Daten aber gelöscht werden.
Das IPT hat also zwei Urteile gesprochen, die sich teilweise gegenseitig widersprechen: Während im Dezember 2014 noch kein Verstoß gegen das Recht auf Privatsphäre durch die Massenüberwachung des GCHQ gesehen wurde, entschied dasselbe Gericht im Februar 2015, dass der gesetzliche Rahmen, innerhalb dessen das GCHQ mit Hilfe der NSA private Kommunikationsdaten massenhaft abgreift, sehr wohl gegen Artikel 8 der Menschenrechtskonvention widerspricht. Die britische Regierung versichert übrigens, man würde nur Terroristen jagen und hätte gar keine Zeit, die privaten E‑Mail der ganzen Leute zu lesen.
Der Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ist jedenfalls nach den beiden Entscheidungen des IPT nun möglich.
Privacy International betreibt einen dritten Beschwerdefall vor dem IPT, bei dem es um die Hacking-Aktivitäten des GCHQ und der NSA geht. Auch der Chaos Computer Club beteiligt sich an dieser Beschwerde. Dass Schadsoftware in großem Umfang seitens der Geheimdienste verbreitet wird, soll nicht weiter fortgesetzt werden, so die Beschwerdeführer. Auch bei dieser Beschwerde griff die britische Regierung zu ihrer Methode, die Gesetzgebung, die angegriffen wird, einfach während des Gerichtsverfahrens neu zu schreiben. Es geht in diesem Fall um den britischen Computer Misuse Act, der unmittelbar vor der Anhörung am 3. März 2015 umgeschrieben wurde.
Gerichtsverfahren in den Vereinigten Staaten
Bereits am 27. Februar 2013, also wenige Monate vor Beginn der Snowden-Publikationen, hatte der Oberste Gerichtshof eine Klage gegen den Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) abgewiesen. Geklagt hatten Amnesty International, Human Rights Watch und die Schriftstellervereinigung PEN sowie weitere NGOs, da sie sich dagegen zur Wehr setzen wollten, dass FISA den US-Behörden, inklusive der National Security Agency (NSA), ausgesprochen umfangreiche Abhörbefugnisse gibt. Erst nach Beginn der Snowden-Veröffentlichungen sind allerdings die FISA-Geheimgerichte stärker kritisiert und Reformen angemahnt worden. Gefordert werden nun eigentlich selbstverständliche Standards, etwa dass die Interessen der von der Überwachung Betroffenen in den FISA-Gerichtsverfahren auch vertreten werden, dass generell mehr Transparenz zugelassen wird oder dass Betroffene vor normalen Gerichten gegen die geheimen Entscheidungen vorgehen können.
Nach Beginn der Veröffentlichungen aus den Snowden-Papieren erregte ein Urteil Aufsehen, da es Bezug zu den NSA-Skandalen hat: Ein New Yorker Bundesgericht entschied im April 2014, dass die US-amerikanischen Internet-Konzerne gespeicherte Informationen und Nachrichten von ihren Kunden auch dann den einheimischen Behörden zugänglich machen müssen, wenn die Daten außerhalb der USA gehalten werden. Darunter fallen etwa Cloud- oder E‑Mail-Daten, bei denen nun seitens der Behörden darauf verzichtet werden kann, internationale Rechtshilfe in Anspruch zu nehmen, wenn man die Herausgabe fordert.
In einem Interview mit „The Nation“ im Oktober 2014 betont Edward Snowden, dass die anhaltenden Veröffentlichungen und die Kritik an den Gerichten zu einem Umdenken führen könnten und setzt sogar einige Hoffnung in die Gerichte:
Bild: Tony Webster. Lizenz: Creative Commons BY 2.0
Now, over the last year, we have seen – in almost every single court that has had this sort of national-security case – that they have become markedly more skeptical. People at civil-liberties organizations say it’s a sea change, and that it’s very clear judges have begun to question more critically assertions made by the executive.
Das massenhafte Überwachen der Telefonleitungen durch die NSA nach Section 215 des US Patriot Acts ist im Mai 2015 tatsächlich erstmalig von einem Bundesgericht für rechtswidrig erklärt worden. Snowden sollte also vorerst Recht behalten: In der Tat hätten die auf ihn zurückgehenden Veröffentlichungen Einfluss auf das Urteil gehabt, bis hin zu der Aussage, die Snowden-Leaks „led to this litigation“.
Die Richter stoppen das Datenhorten aber nicht sofort, da die Neuregelung ohnehin bevorsteht. In Washington, DC, und in Kalifornien stehen allerdings noch weitere Entscheidungen von Bundesgerichten aus, bei denen vor dem Auslaufen von Section 215 am 1. Juni 2015 aber nicht mehr mit Urteilen zu rechnen ist. Am 23. Mai 2015 kurz vor Mitternacht scheiterte die unveränderte Verlängerung von Section 215 mit einem sehr knappen Votum 45 gegen 54, obwohl die Panikmache davor erheblich war.
Bild: Christine und Hagen Graf. Lizenz: Creative Commons BY 2.0
Juristisches Vorgehen gegen den BND
Niko Härting versuchte schon im Februar 2013 den Weg über die Verwaltungsgerichtsbarkeit gegen den Bundesnachrichtendienst (BND). Er wollte dagegen vorgehen, dass beim anlassunabhängigen Durchforsten von 37 Millionen E‑Mails nach Schlüsselwörtern nur lachhafte zwölf Nachrichten „nachrichtendienstlich relevant“ gewesen waren.
Härting betrachtete diese Massenüberwachung als unverhältnismäßig und illegal, sein eigener vertraulicher anwaltlicher E‑Mail-Verkehr sei möglicherweise betroffen. Das Verwaltungsgericht lehnte die Klage allerdings aus formalen Gründen ab, die bloße Möglichkeit, dass der Anwalt und seine Kommunikation von der Massenrasterung des BND getroffen sein könnte, reiche nicht aus.
Sonstige gerichtliche Streitigkeiten
Bild: martingerz2. Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0
Im Deutschen Bundestag versuchte die Opposition, das Bundesverfassungsgericht anzurufen, um zu erzwingen, dass Edward Snowden vor dem NSA-BND-Untersuchungsausschuss als Zeuge gehört wird. Der Zweite Senat sah sich als nicht zuständig an und lehnte die Beschwerde daher als unzulässig ab.
Die Philosophische Fakultät hatte den Plan, die Ehrendoktorwürde an der Universität Rostock an Edward Snowden zu verleihen, also einen Dr. h. c. (für honoris causa, „ehrenhalber“). Der Rektor der Uni, Wolfgang Schareck, hatte das Verfahren allerdings gestoppt. Der Fakultätsrat hat beim Schweriner Verwaltungsgericht daraufhin Klage eingereicht.
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: Wir veröffentlichen: Entwurf zum EU-US-Datenschutzabkommen – Gleiche Rechte für alle? Nö.
Das Umbrella Agreement soll den Datentransfer zu Strafverfolgungszwecken zwischen EU und USA regeln. - <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC BY-NC-ND 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/howardignatius/13541944255/in/photolist-mCE1ev-56wNbr-6QNXQR-q2QHJk-8YCdAb-9WLeVB-pkATum-daWw7G-8ZrygU-s464PN-coEXwo-o1Uigi-rGhjZW-fCyp2s-cj32yQ-6csXfy-28onv-pCY82q-dKU43v-8GKz4W-daWuE8-9rnrxU-PjH3T-rTjeYX-514GE7-5jub4b-krQB9y-6bi73H-4GWbhK-jHdME-p8UAoA-eYPSs5-ddZ4mn-d7cwSh-aoHQGu-bNw1Kx-nDm4AR-7EBgn1-61EFZ6-rHFHqb-a3zp7E-cVCW6s-7kWndb-5ZS5Nx-gBSYVM-cEwizS-75hiXC-iDxiWK-6LvZF-fyqmEZ">howardignatius</a> : Wir veröffentlichen: Entwurf zum EU-US-Datenschutzabkommen – Gleiche Rechte für alle? Nö. Die Verhandlungen zum EU-US-Datenschutzabkommen für den Austausch persönlicher Daten für Strafverfolgungszwecke (Umbrella Agreement) laufen im Geheimen – und das seit 2010. Wir veröffentlichen hier den letzten uns nun vorliegenden Entwurf vom 16. März 2015. Bereits im April 2014 haben wir ein Arbeitsdokument, ein sogenanntes Non-Paper, zugänglich gemacht. Den echten Entwurf bekamen bisher nicht einmal die EU-Parlamentarier zu Gesicht. Erst die Endfassung, die von der Kommission mit Mandat der Ratsentscheidung verhandelt wird, soll ihnen vorgelegt werden.
Bisher: Fragmentierte Abkommenslandschaft
Bisher sind EU-US-Abkommen zum Thema Strafverfolgung fragmentiert, auf insgesamt sieben Einzelabkommen:
- Datenaustausch mit Europol
- Auslieferungsabkommen
- Rechtshilfe in Strafsachen
- Passagierdaten
- Austausch von Finanzverkehrsdaten aus SWIFT für das Terrorist Finance Tracking Program der USA
- Abkommen zur Containersicherheit
- Eurojust-Vereinbarung
Es scheint sinnvoll, all diese Einzelvereinbarungen unter einem Schirm zu vereinen, was die Betroffenenrechte angeht. Denn das soll das Umbrella Agreement regeln – nicht den Datenaustausch selbst. Die anderen Vereinbarungen werden also nicht ersetzt, sondern ergänzt.
Und so wundert es, dass seit dem Beginn der Verhandlungen 2010 so wenig passiert ist. Ursprünglich hatte die EU nach dem SWIFT-Abkommen klare Regeln für ihre Bürger gefordert, Amerika hat pro Forma mitgespielt, der Vorgang ist jedoch recht schnell wieder eingeschlafen.
Neue Fahrt aufgenommen hat die Arbeit wohl im Zuge der Snowdenenthüllungen. Die EU-Kommission sprach davon, „das Vertrauen in EU-US-Datenübertragungen wiederherzustellen.“ Die damalige Justizkommissarin Viviane Reding sagte:
There is now a window of opportunity to rebuild trust which we expect our American partners to use, notably by working with determination towards a swift conclusion of the negotiations on an EU‑U.S. data protection ‚umbrella’ agreement.
Aber auch seitdem geht es nur schleppend voran, man kann sich vorstellen, wie die USA den Prozess blockieren und die EU keine rechten Druckmittel hat.
Was will die EU?
Öffentlich wurde immer wieder beteuert, wie wichtig ein Datenschutzabkommen sei, vor allem um die Rechte europäischer Bürger zu schützen. Dementsprechend gab es 2013 – kurz nach den ersten Veröffentlichungen in Punkto PRISM – eine Entschließung des EU-Parlamentes mit folgenden Forderungen:
[Das Europäische Parlament] fordert die Kommission und die US-Behörden auf, die Verhandlungen über das Rahmenabkommen zum Schutz personenbezogener Daten nach der Übertragung und Verarbeitung für Zwecke der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit unverzüglich wiederaufzunehmen; fordert die Kommission auf, im Rahmen dieser Verhandlungen sicherzustellen, dass das Abkommen mindestens die folgenden Kriterien erfüllt:
a) EU-Bürgern muss ein Auskunftsrecht gewährt werden, wenn ihre Daten in den Vereinigten Staaten verarbeitet werden;
b) es muss sichergestellt werden, dass der Zugang von EU-Bürgern zum Rechtssystem der Vereinigten Staaten dem Zugang entspricht, den US-Bürger genießen;
c) insbesondere muss ein Recht auf Rechtsschutz eingeräumt werden;
Im Kern lautet die Forderung also, die Diskriminierung von Nicht-US-Personen zu beenden. Denn in den USA wird gern davon ausgegangen, dass Menschenrechte für Bürger anderer Staaten nicht bindend seien, was bereits der UN-Menschenrechtsausschuss angemahnt hat.
Was steht drin?
Auf 16 Seiten in 30 Artikeln wird vereinbart, wie der Austausch auszusehen hat, welche Daten an wen (weiter-)übertragen werden dürfen, wie sie gesichert werden müssen, wie lange gespeichert werden und wer zugreifen darf und welche Rechtsmittel Betroffenen des Datenaustauschs zustehen. Klingt erstmal gut, bis man sich ansieht, wie schwammig die Formulierungen sind und vor allem – was fehlt. Nämlich primär die vom EU-Parlament verlangten Punkte.
Zum Thema Verantwortlichkeit wird gesagt:
The Parties shall have in place measures to promote accountability by their authorities in carrying out this Agreement in accordance with their respective laws.
Zum Thema automatisierte Entscheidungen, die auf Basis der ausgetauschten Daten getroffen werden:
[Automated decisions] may not be based solely on the automated processing of personal information without human involvement, unless authorized under domestic law, […]
Klartext: Automatisierte Entscheidung ohne menschliche Prüfung sind verboten, außer sie sind durch inländisches Recht erlaubt. Also im Zweifel erlaubt.
Wenn es darum geht, dass dem Bürger Auskunftsrecht gewährt werden soll, sieht es ähnlich aus. Es bleibt die
HinterVordertür, dass der Zugang zu den persönlichen Daten nach „den rechtlichen Rahmenbedingungen des Staates geregelt wird, in dem der Zugang gesucht wird.“ Und die Möglichkeiten, den Zugang zu blockieren gehen noch weiter. Sieben verschiedene Gründe gibt es, „angemessene Beschränkungen in inländischem Recht“ umzusetzen, natürlich mit guten Bekannten wie der Gefährdung nationaler Sicherheit und der Behinderung der Arbeit von Strafverfolgern. Es wird also faktisch immer einen Weg geben, einen Auskunftsanspruch zu verweigern. Gleiches gilt für Transparenzpflichten.Will man Rechtsmittel einlegen, gilt wieder die Anwendung nationaler Gesetze. Von einer Abschaffung der Ungleichbehandlung von US-Personen und Nicht-US-Personen ist man dementsprechend noch meilenweit entfernt, solange die USA letztere nicht als Menschen mit vollem Anspruch auf Grundrechte ansehen.
Im letzten bekannten Arbeitsentwurf war das noch unklar, das derzeitige Ergebnis: Enttäuschend.
Nicht-US-Bürger sind immer noch nicht US-Bürger
Wo ist die Aufhebung der Diskriminierung nun? Die Antwort gibt der Entwurf uns selbst. In Artikel 5 zur Nicht-Diskriminierung lesen wir nur:
[This article is still under discussion with the US]
Was das heißt, können wir uns denken. Den Optimismus von Jan-Philipp Albrecht, grüner EU-Parlamentarier, nach einem Besuch in Washington im März 2015 können wir da leider nicht teilen:
Our numerous talks with high-ranking officials of the administration, as well as with members of Congress, showed that there is willingness on all sides to get equal treatment for EU and US persons when exchanging information across the Atlantic.
Denn man war schon einmal weiter. Und in Kommissionskreisen bedauert man, dass die USA wieder zurückgerudert sind, weil sie eine Gleichbehandlung nicht garantieren können.
Wie geht es jetzt weiter?
Laut unseren Informationen soll das Umbrella Agreement auf dem Treffen der Justiz- und Innenminister von EU und USA in Riga am 2. und 3. Juni initialisiert werden – wie auch Safe Harbor.
Unterzeichnet wird die Vereinbarung noch nicht, dafür fehlt es – neben den noch unklaren Klauseln im Vereinbarungstext – an einer Gesetzesänderung in den USA. Im US Privacy Act ist nämlich festgelegt, dass nur US-Personen Klage aufgrund von Datenschutzverstößen einreichen dürfen – was mit der Gleichstellung anderer Bürger unvereinbar wäre. Der US-Kongressabgeordnete Jim Sensenbrenner hat am 18. März 2015 eine Änderung des Privacy Acts in den Kongress eingebracht. Der Judicial Redress Act 2015:
Extends citizens of major U.S. allies the core benefits that Americans enjoy under the Privacy Act with regard to information shared with the United States for law enforcement purposes.
Wichtige US-Verbündete also sollen gleiche Rechte haben – nicht alle. Von Gleichbehandlung scheint das noch weit entfernt und so auch der Abschluss des Umbrella Agreements. Da sich nach den Ministern das Parlament den Entwurf anschauen wird, kann es auch noch länger als ein Jahr dauern, das wurde uns aus Parlamentskreisen bestätigt. Außerdem müsse man genau auf die Vereinbarung schauen, denn sie könnte schwerwiegende Auswirkungen haben, auch in Bezug auf die geplante EU-Datenschutzgrundverordnung. Das muss genau geprüft werden.
Doch was das Umbrella Agreement auf keinen Fall werden darf: Ein Beruhigungsdrops der USA an die EU. Ein solcher Versuch, Vertrauen zu generieren, reicht nicht aus. Schon gar nicht, wenn in den Verhandlungen klar wird, wie sehr versucht wird, möglichst viele und große Schlupflöcher offen zu halten.
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: Die Hand, die dich füttert… Finanzielle Abhängigkeiten von NSA-Befürwortern
: Die Hand, die dich füttert… Finanzielle Abhängigkeiten von NSA-Befürwortern The Intercept hat einige Zusammenhänge zwischen NSA-verteidigenden Personen und der NSA dargestellt. Und es zeigt sich, dass in vielen Fällen direkte personelle und finanzielle Verbindungen bestehen.
Ein Beispiel ist Stewart Baker, der 1992 bis 1994 für die NSA als General Counsel gearbeitet hat, 2013 versuchte, die Leaks Snowdens kleinzureden und in einer Senatsanhörung letzten Sommer massiv gegen eine bessere Kontrolle der Geheimdienste argumentiert hat.
Baker arbeitet zwar nicht mehr für die NSA direkt, aber die Kanzlei, für die er tätig ist, lobbyiert für Firmen, die NSA-Vertragspartner sind.
Weitere Beispiele sind Jack Keane, der auf Fox News Überwachungsthemen kommentiert und in Zusammenhang mit der NSA steht und als Berater für Militäreinrichtungen arbeitet sowie der Republikaner Jim Gilmore, der Snowden als Verräter diffamierte und für CACI International und CSC tätig war.
Wer sich mehr mit dem Thema Überwachungsprogramme und Arbeitgeber beschäftigen will, dem sei der re:publica-Vortrag „Sousveillance“ ans Herz gelegt.
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: Edward Snowden: „Die Welt braucht Deutschland jetzt“
Quelle: CC BY 2.0, via <a href="https://www.flickr.com/photos/ollily/2182881358/">flickr</a> : Edward Snowden: „Die Welt braucht Deutschland jetzt“ Im aktuellen SPIEGEL (20/2015) vom 09.05.2015 findet sich ein neues Gespräch mit Edward Snowden. Im knapp zweiseitigen Interview erläutert er einiges zu den Problematiken der BND-Affäre aus Insider-Perspektive. Zu Beginn erklärt er den momentan kursierenden Selektoren-Begriff:
Man kann sich diese Selektoren wie ein Fischernetz vorstellen, das Geheimdienstmitarbeiter in diesem Ozean an Kommunikation auslegen, der durch die Massenüberwachung entsteht. Es gibt enge Selektoren, die ein spezielles Smartphone einer einzelnen Person überwachen – oder weiter gefasste, die beispielsweise ein ganzes Unternehmen oder das E‑Mail-System eines Ministeriums ins Visier nehmen.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs legt er erneut die gravierenden Kontrollmängel gegenüber NSA-Analysten offen, deren Suchen nur in Höhe eines „einstelligen Prozentsatzes“ von anderen Personen überprüft würden. Und auch das nur nachträglich und „auf Zufallsbasis“.
Mangelnde Kontrolle auf beiden Seiten des Atlantiks (zum Vergleich das NSAUA- bzw. BNDUA-Protokoll von letzter Woche) erklärt denn auch die „atemberaubende“ Anzahl der vom BND gefundenen Selektoren:
Ich halte es für absolut möglich, dass NSA-Mitarbeiter gemerkt haben, dass der BND die Suchbegriffe nicht ernsthaft überprüft. Und dass sie deshalb gute Chancen sahen, nicht erwischt zu werden, und das 2002 geschlossene Abkommen strategisch verletzten. Insofern ergibt auch die Menge der Suchbegriffe Sinn.
Angesichts vermehrter parlamentarischer Bemühungen weltweit, Massenüberwachungs-Praktiken auszuweiten (z.B. in Frankreich und Österreich), plädiert Snowden außerdem für eine „moralische Führungsrolle“ Deutschlands. Es gebe schließlich „richtige und falsche Wege“, nationale Interessen zu wahren und Deutschland könnte im Idealfall „Vorschläge machen für die nationale und globale Regulierung der Nachrichtendienste.“
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: Big Brother Awards 2015 – „Kontrolle ist Vertrauen“
<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC BY-NC-ND 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/timrich26/3048134488/in/photolist-5DmubU-6CGrhN-mXrUt-kuQvkH-a3Jzrr-fd4yF8-BnMqG-aJFqz4-qyT6i9-NWN9r-8FAVqN-7QymRd-aBAdHB-DXp9-6ZjX7u-6Z26FQ-a1wTa8-5NJtj-gk28ZX-9oV1TT-gk26a8-eR4Cbf-5ogoFj-gk2kPE-4oAnvt-btgQJf-gjPrkc-5eYj4T-eQ2C44-fg1dig-7NDcV8-2ZuaSm-jGkgr-aa9TcS-4H1hGC-f7hkES-jWgLUW-nPKVuN-7EXvDV-4kkwjR-aJpjTZ-ft1GH8-auajvj-ek5Amn-85XNKE-cHb5cQ-5bEQQP-8Pud4h-6S9HY1-gjWT4G">timrich26</a> : Big Brother Awards 2015 – „Kontrolle ist Vertrauen“ Heute Abend wird in Bielefeld zum 16. Mal der Big Brother Award an „Firmen, Organisationen und Personen verliehen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder persönliche Daten Dritten zugänglich machen.“ Hier gehts direkt zum Livestream.
Die Awards werden in folgenden sieben Kategorien vergeben:
- Technik
- Behörden/Verwaltung
- Wirtschaft
- Arbeitswelt
- Verbraucherschutz
- Politik
- Neusprech-Award
Der BBA2015 in der Kategorie Technik geht an die „Hello Barbie“ von den Firmen Mattel und Toytalk. Hierbei handelt es sich um eine datensammelnde Puppe fürs Kinderzimmer, die, ausgestattet mit Mikrofon und WLan, Gespräche aufzeichnen kann. Diese werden dann zur Analyse in die Cloud geladen, die anschließend eine – mehr oder weniger passende – Antwort formuliert. Selbstverständlich wird es den Eltern ermöglicht, die durch die Puppe gewonnenen Erkenntnisse abzurufen. Die von einer Serverfarm gehostete Cloud macht’s möglich.
Die lieben Eltern sorgen sich, was ihre Kinder der Puppe, pardon, Serverfarm so alles über sich erzählen? Kein Problem! Selbstverständlich lässt Mattel Sie an den gesammelten Daten teilhaben: In einer täglichen oder wöchentlichen E‑mail erhalten Sie das Protokoll der Sorgen, Träume und Geheimnisse, die Ihr Kind seiner besten Freundin, der Serverfarm von Mattel und Toytalk, anvertraut.
Den Award für Behörden/Verwaltung kann der nicht nur bei Datenschützern und Netzaktivisten äußerst beliebte Bundesnachrichtendienst (BND) gewinnen. Weil der BND, wie wir hier oder auch hier berichteten, bei den von Snowden aufgedeckten Machenschaften der NSA mit eben dieser sehr eng zusammengearbeitet hat, und in diesem Zusammenhang übrigens grundrechtlich geschützte Daten von Bundesbürgern lieferte, ist der BBA2015 zweifelsohne verdient.
Die „sog. strategischen Überwachung der grenzüberschreitenden Telekommunikation“ und die „Informationsblockade und dreisten Vertuschungen geheimdienstlicher Praktiken gegenüber dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags“ sind nur einige der Gründe, die den Sieg in der Kategorie Behörden/Verwaltung unterstreichen.
Amazons „Mechanical Turk“ und „Elance-oDesk“ sind Sieger in der Kategorie Wirtschaft. Für die Umsetzung des digitalen Tagelöhnertums, bei dem „Job-Häppchen ohne Mindestlohn, ohne Krankenversicherung, ohne Urlaubsanspruch und ohne Solidarität … als ‚Freiheit’, ‚Flexibilität’ und ‚flache Hierarchien’ verkauft [werden]“, hat sich Mechanical Turk den Preis redlich verdient. Elance-oDesks permanente Überwachung der Mausbewegungen und Tastenanschläge des Arbeitnehmers, inklusive der automatisierten, regelmäßigen Sendung eines Screenshots wird von Elance-oDesk Deutschland-Chef Nicolas Dittberner fast schon romantisch als das „Aufbau[en] von Vertrauen“ bezeichnet.
Kontrolle ist Vertrauen.
Somit hat auch hier der BBA2015 einen würdigen Abnehmer gefunden.
Einen weiteren Award konnte Amazons Logistik GmbH in Bad Hersfeld und die Amazon Koblenz GmbH gewinnen. Die von beiden Unternehmen ausgestellten Arbeitsverträge enthalten Klauseln, „die die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer.innen verletzen“. Zum Beispiel müssen potentielle Arbeitnehmer der Übersendung der persönlichen Daten – zum Zweck der Verarbeitung – in die USA zustimmen.
Außerdem behält sich Amazon das Recht vor, den Gesundheitszustand seiner Beschäftigten praktisch jederzeit feststellen zu lassen, und zwar von Ärzt.innen, die das Unternehmen benennt.
In der Kategorie Verbraucherschutz gelingt es dem Bundesministerium für Gesundheit und im Speziellen dem dortigen Minister Herrmann Gröhe, mit Hilfe der Einführung diverser eHealth-Projekte die Vertraulichkeit zwischen Arzt und Patient massiv zu erschüttern und so die Trophäe abzugreifen. Als netter Nebeneffekt der Projekte ergaben sich übrigens lukrative Aufträge für z.B. die folgenden Nutznießer:
die Hersteller von Plastikkarten, Anbieter von digitalen Signaturen, die Telematikindustrie (wie z.B. T‑Systems und die Firma Arvato des Bertelsmannkonzerns) und natürlich Unternehmen, die Kartenlesegeräte herstellen. … Nicht Diagnostik und Heilbehandlung – Ausbildung der Ärzte, Zeit für Gespräche mit der Ärztin oder dem Arzt oder bessere Personalausstattung in Kliniken – werden gestärkt, sondern die Lobbyisten haben gewonnen, die Signaturen, Chip-Karten und technische Infrastruktur verkaufen wollen.
Und wers soll’s bezahlen? Die Krankenkassen, also die Beitragszahlenden, also wir alle.
Ein anderes Duo konnte in der Kategorie Politik die prestigeträchtige Trophäe einsammeln: Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Ex-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Der Preis wird ihnen für nichts Geringeres als „für die systematische und grundlegende Sabotage der geplanten Europäischen Datenschutzgrundverordnung“ verliehen – zweifelsohne zurecht. Besonders verdient ist der Preis auch, weil die Vorratsdatenspeicherung jetzt in neuem Gewand und neuem Schirmherr – aber immer noch mit den gleichen Fehlern - gesetzlich legitimiert werden soll.
Last, but not at all least, geht auch der Neusprech-Award an die Vorratsdatenspeicherung, bzw. an die der CSU entsprungenen Wortschöpfung „digitale Spurensicherung“. Es könnte der Eindruck erweckt werden, die „digitale Spurensicherung“ würde dabei helfen, Spuren, die Täter im Verlauf ihrer Tat hinterlassen, aufzudecken. Problematischerweise soll jedoch genau das Gegenteil gemacht werden, Vorsichtshalber sollen nämlich alle potentiellen „Spuren“ – also Daten – gesammelt werden. So ist dann auch automatisch jeder prinzipiell verdächtigt, irgendwann irgendeine Straftat zu verüben, die dann mit Hilfe der „digitalen Spurensicherung“ aufgedeckt werden könnte.
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: Utopien in der Welt nach Snowden
: Utopien in der Welt nach Snowden Der Soziologe David Lyon, der im Bereich Surveillance Studies forscht, hat für die Berliner Gazette einen Artikel über „Zeit für Utopien: Wie wollen wir das Zusammenleben in der Post-Snowden-Welt gestalten?“ geschrieben. Darin fordert er dazu auf, sich nicht mit der aktuellen Realität der allumfassenden Überwachung abzufinden, sondern positive Alternativen zu formulieren:
Die große Herausforderung unserer Zeit besteht nun darin, die herkömmlichen Denkmuster über Überwachung zu ändern. Es ist an der Zeit, dass nicht nur Eliten verstehen, dass Überwachung eine der wichtigsten Methoden ist, moderne Gesellschaften zu organisieren, dass Überwachung ausnahmslos alle betrifft und dass es künftig Veränderungen sowohl in der täglichen Praxis als auch in der Informationspolitik geben müsste. Wenn sich ein gesellschaftliches Bewusstsein zu diesen Anliegen breitenwirksam bildet, dann könnten sich die Dinge ändern. Gleichzeitig müssen wir verstehen lernen, dass keine Überwachung unvermeidlich oder irreversibel ist, was auch schwierig ist, wenn wir von solchen scheinbar unaufhaltsamen Trends wie globaler Massenüberwachung sprechen.
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: John Oliver und Edward Snowden: Krypto-Party für Einsteiger
: John Oliver und Edward Snowden: Krypto-Party für Einsteiger Nachdem John Olivers Late-Night-Talk Last Week Tonight bereits Anfang der Woche einen Coup mit einem Edward-Snowden-Interview landete, wurden jetzt noch weitere drei Minuten des Gesprächs veröffentlicht. Darin wird erklärt, warum Passwörter überhaupt so wichtig sind und welche überhaupt etwas bringen und welche nicht.
Zur Erinnerung: Passwörter, die nur aus einem Wort oder dessen Abwandlungen bestehen, bringen nicht viel (Es gibt automatisierte Lexika für alles, auch Jugendsprache schützt nicht). Komplexere, aber zu kurze Passwörter bringen auch nichts (acht Zeichen sind zu wenig, 20 wären besser). Daher empfiehlt sich das Denken in Passphrasen: Snowden wählt dafür im Video das Beispiel „margaretthatcheris110%SEXY“, was im Klartext eine sinnhafte Aussage ist und also als Passwort gut gemerkt werden kann, das aber wegen der Länge und Verschiedenartigkeit der verwendeten Zeichen nicht gut ohne weitere Informationen geknackt werden kann.
John Oliver gibt im Video unterdessen weiterhin den fragenden Durchschnittsbürger, der überhaupt nicht mit Passwörtern kann, während Edward Snowden hin und wieder nur noch mit „This is a joke, right?“ oder „You’re killing me“ reagiert. Viel Spaß bei der Krypo-Party für Einsteiger.
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: Laura Poitras: The Woman Who Hacked Hollywood
: Laura Poitras: The Woman Who Hacked Hollywood Flore Vasseur hat für Backchannel (bzw. vorher für Society in Frankreich) Laura Poitras portraitiert: The Woman Who Hacked Hollywood. Das Portrait beschäftigt sich mit ihrem Werdegang, von einer Köchin hin zum Film, bis sie schließlich Edward Snowden kennenlernt und ihre Kamera draufhält.
It’s been almost ten years since Laura Poitras’ name has been on the NSA Watch List. Every time she returns to her home country, security agents wait for her, somewhere between the gate of the plane and the US Immigration booth. They take her away to a room, confiscate her gear, her notebooks, and her videos. They question her and copy her hard drives. This has happened to her at least forty times since 2006. Her crime? To document history, the signs of our troubled times.
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: Kunstaktion: Ein Denkmal für Snowden
: Kunstaktion: Ein Denkmal für Snowden Gestern ging die Nachricht über eine Snowden-Statue in einem New Yorker Park durch die Social-Media-Welt, über die Bucky Turco berichtet hatte: „There’s a massive, illicit Bust of Edward Snowden stuck to a war monument in Brooklyn“.
Drei Künstler hatten ihre Idee fast ein Jahr lang vorbereitet und das Werk nach New York transportiert, um Ostermontagmorgen in aller Frühe die Statue aufzustellen und dann zu beobachten, ob Passanten die Änderung bemerken würden. Sie hatten auch im Blick, das Kriegsdenkmal, auf dem sie die Snowden-Büste befestigten, bei der Aktion nicht zu beschädigen.
Die Künstler verbinden mit ihrer Aktion eine politische Message über Snowden und die Art der Berichterstattung über die Geheimdienstskandale:
“There’s a media landscape that has painted him as a criminal,” said one of the two New York artists. “You need something theatrical and large to counterbalance the Fox News-iness of the texture of the conversation out there.”
Lange blieb die Statue allerdings nicht an ihrem Platz, erst wurde eine Plane drübergezogen:
Am selben Nachmittag wurde sie dann von New Yorker Parkwächtern und Polizisten entfernt.
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: John Oliver interviewt Edward Snowden: Statt NSA-Überwachung besser vom „Dick-Pic-Program“ sprechen?
: John Oliver interviewt Edward Snowden: Statt NSA-Überwachung besser vom „Dick-Pic-Program“ sprechen?
Für die jüngste Ausgabe seiner Show Last Week Tonight flog John Oliver nach Moskau für ein Interview mit Edward Snowden. Das sehenswerte Gespräch gliedert sich im Wesentlich in zwei Teile: Im ersten, durchaus kontrovers geführten Teil thematisiert Oliver die Probleme beim Leaken von großen Mengen an Dokumenten.Im zweiten Teil geht es vor allem um jene Frage, die in Deutschland nicht nur Sascha Lobo und netzpolitik.org seit Snowdens Enthüllungen umtreibt: Wie kann es gelingen die Bevölkerung für das Thema NSA-Überwachung zu interessieren, wenn nicht gar zu sensibilisieren? John Olivers Antwort auf diese Frage: Re-Framing des NSA-Überwachungsprogramms als „The Dick Pic Program“:
This is the most visible line in the sand for people: Can. They. See. My. Dick? So with that in mind, look inside that folder. That is a picture of my dick. So let’s go through each NSA program and explain to me its capabilities in regards to that photograph of my penis.
Das Interview istleider (noch) nichtmittlerweile über den offiziellen Youtube-Account von Last Week Tonight verfügbar, das Interviewsegment beginnt bei Minute 14. -
: Bundesregierung antwortet: Haben die USA Deutschland in Sachen Snowden „aggressiv gedroht“?
Wahrheit, Lüge, irgendwas dazwischen? Man weiß es nicht. Bild: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Moko1998">Moritz Kosinsky</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en">BY-SA 3.0</a>. : Bundesregierung antwortet: Haben die USA Deutschland in Sachen Snowden „aggressiv gedroht“? Warum hat Deutschland Edward Snowden bisher kein Asyl gewährt? Das hat Glenn Greenwald vor zwei Wochen unseren Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf einer Preisverleihunggefragt und als Antwort bekommen: Weil die USA sonst die Zusammenarbeit beim Austausch von Geheimdienstinformationen gestoppt hätten.
Der grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz fragte daraufhin die Bundesregierung:
Ist es zutreffend, dass die Regierung der USA der Bundesregierung mit einem Ende der Weitergabe von Geheimdienstinformationen gedroht hat, sollte Edward Snowden in Deutschland Asyl gewährt werden oder ihm anderweitig ermöglicht werden, nach Deutschland einzureisen, wie dies Glenn Greenwald in Berufung auf eine Äußerung des Vizekanzlers und Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, im Rahmen der Verleihung des „Siebenpfeiffer-Preises 2015“ am 15. März 2015 in Homburg erklärt hat (vgl. https://firstlook.org/theintercept/2015/03/19/us-threatened-germany-snowden-vice-chancellor-says/, abgerufen am 20. März 2015)?
Nach zwei Wochen gibt es nun eine Antwort der Bundesregierung.
Die in der Frage angesprochene Drohung wurde gegenüber der Bundesregierung nicht erklärt. Im Übrigen wird in diesem Zusammenhang auf die Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 18/3094) auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. (BT-Drs. 18/2951) vom 6. November 2014 und die dort angeführte Einschätzung der Bundesregierung vom 2. Mai 2014 verwiesen: „Im Falle einer Vernehmung von Herrn Snowden in Deutschland muss konkret damit gerechnet werden, dass die US-Regierung ihre Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheitsbehörden zumindest vorübergehend einschränkt. Dies könnte insbesondere den Austausch von nachrichtendienstlichen Informationen mit US-Diensten betreffen, der jedoch für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland von grundlegender Bedeutung und daher unverzichtbar ist.” (Bericht der Bundesregierung zur Ausschussdrucksache 58 des 1. Untersuchungsausschusses der 18. Wahlperiode, S. 6).
Mit anderen Worten: Offiziell wurde da nicht gedroht. Aber wenn man davon ausgeht, dass genau sowas eintritt, hat man sicherlich durch die Blume oder in einem Hintergrundgespräch diese Drohung zu hören bekommen.
Konstantin von Notz kommentiert das:
Die Frage bleibt: Gab es nun Drohungen, die eine solche Einschätzung einer konkreten Gefährdung rechtfertigen oder gab es sie nicht? Während es von britischer Seite entsprechende Drohungen gab, sind diese von US-amerikanischer Seite bislang nicht bekannt. Es scheint so, als gehe die Bundesregierung schlicht davon aus, dass sich die US-Dienste ähnlich verhalten könnten. Eine Einschätzung, der die amerikanische Seite ausdrücklich und wiederholt öffentlich widersprochen hat. Eine solche – nicht belegte – Annahme der Bundesregierung würde natürlich die Verweigerungshaltung bezüglich einer Aussage Edward Snowdens vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Berlin in keinster Weise rechtfertigen. Das ganze Rumgeeiere der Bundesregierung im Allgemeinen und des Vizekanzlers im Speziellen ist einfach peinlich.
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: TV-Tipp für heute: Dokumentation „Terrorgefahr! Überwachung Total?“ auf Arte
: TV-Tipp für heute: Dokumentation „Terrorgefahr! Überwachung Total?“ auf Arte Heute Abend um 20:15 Uhr läuft auf arte eine Dokumentation über den Überwachungsstaat und dessen Auswirkungen. Der Regisseur Alexandre Valenti geht im Nachklang der Attentate von Paris unter anderem der Frage nach, ob es noch Orte gibt an denen man der Überwachung entgehen kann, ob totale Überwachung Terroranschläge überhaupt verhindern kann und wie Staaten und Konzerne von Verbraucherdaten profitieren. Valenti wirft dabei auch einen düsteren Blick in die Zukunft:
Bald kommen wir in die Post-Überwachungs-Ära der Quantifikation. Die Algorithmen zur Auswertung der Datenberge werden immer besser. Ausgehend von den gesammelten Daten werden sie für Hochrechnungen über unsere Lebensweisen genutzt. Unsere Handlungen, unser Konsumverhalten werden kalkuliert und quantifiziert. Wir werden vorhersehbar sein. Was kommt, ist eine vorausschauende Welt, in der ein Snowden aufgehalten werden kann, noch bevor er zur Tat schreitet.Auch unser Innenminister und Überwachungsbefürworter Thomas de Maizère sowie der amerikanische Whistleblower Thomas Drake kommen in der Dokumentation zu Wort. Hier gehts zum Livestream auf arte.tv, nach der Ausstrahlung ist die Dokumentation sieben Tage lang online ansehbar.








