Datenschutz

  • : Berichterstattung zur Vorratsdatenspeicherung
    Berichterstattung zur Vorratsdatenspeicherung

    Eine sehr schöne Übersicht über das komplexe Thema hat gestern Abend tagesschau.de veröffentlicht: Wer will was speichern und warum? Dazu gibt dort auch noch den Artikel „EU-Parlament entscheidet über Überwachung“ zu finden.
    Eu-Observer: Arguments continue on eve of data retention D‑day
    Heise: Analysen zur Vorratspeicherung von TK-Verbindungsdaten stehen noch aus
    Heise: EU-Parlament beschließt massive Überwachung der Telekommunikation
    tagesschau.de: Telefondaten dürfen zwei Jahre gespeichert werden
    Futurezone: EU-weite Datenspeicherpflicht ist fix
    Golem: Europa-Parlament für Vorratsdatenspeicherung
    Netzeitung: EU-Parlament beschließt Datenspeicherung
    Spiegel-Online hat einen Artikel von AP übernommen: EU-Parlament billigt Speicherung Verwundert lese ich darin:

    Der deutsche Europa-Abgeordnete Alexander Nuno Alvaro von der FDP teilte mit, dass er 58.000 Unterschriften gegen die Vorratsdatenhaltung gesammelt habe.

    Die Unterschriften wurden von der Kampagne „Data Retention is no Solution“ gesammelt und Alvaro und anderen Abgeordneten übergeben. Was ein kleiner Unterschied ist.

    de.internet.com: EU-Parlament stimmt Vorratsdatenspeicherung in vollem Umfang zu

    ULD Schleswig Holstein: EU-Parlament entscheidet sich mehrheitlich für eine überwachte Informationsgesellschaft

    Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, Dr. Thilo Weichert kommentiert das Ergebnis so:

    „Im Vorfeld der Parlamentsentscheidung haben Kritiker bei der Vorratsspeicherung von TK-Verkehrsdaten Vergleiche mit Hitler und Stalin angestellt. Dies trifft nicht zu: Hitlers und Stalins Machtausübung basierte vor allem auf staatlicher Gewalt. Die neue europäische Überwachung zielt ausschließlich auf die Köpfe der Menschen: Jede und jeder soll und muss wissen, dass jeder Kontakt per Telefon, Fax, Mobilfunk, SMS oder Email, jede Nutzung des Internet langfristig gespeichert wird. Die Polizei wird hierauf Zugriff haben. Leugnen hilft nichts. Was als präventive Terrorismusbekämpfung beschlossen wurde, ist nichts anderes als die Bekämpfung der freien Kommunikation. Menschen werden aus Angst vor diese Überwachung ihre Kommunikation beschränken. Dies ist ein Bärendienst für die expandierende Kommunikationswirtschaft. Das Telekommunikationsgeheimnis wird zur polizeilich disponiblen Masse reduziert. Ich befürchte, die Parlamentarier wussten nicht, was sie hier anrichten. Kurzsichtige Sachzwänge haben einen ‚Kompromiss’ zustande gebracht, der eine Kapitulation der Freiheitsrechte vor vermeintlichen Sicherheitsbelangen darstellt. …“

    Zeit: Alle unter Verdacht
    SZ: Das große Speichern
    BBC: EU approves data retention rules
    Heise: Vorratsspeicherung von TK-Daten: „Privatsphäre wird zum Luxusgut“
    Taz: Der Antiterrorkampf beginnt am Telefon

    14. Dezember 2005 1
  • : Vorratsdatenspeicherung: Live-Stream von der Abstimmung
    Vorratsdatenspeicherung: Live-Stream von der Abstimmung

    Gerade läuft die Abstimmung zur Vorratsdatenspeicherungs-Richtlinie im Europaparlament. Selbst hierfür gibt es im modernen Medienzeitalter einen Live-Stream. Falls der nicht klappt, bietet sich sogar eine Alternative an. Die Abstimmung soll um 12:30h vorbei sein.

    Update: Alexander Alvaro hat gerade seinen Bericht zurück gezogen, weil er nicht mehr mit seinem Namen hinter der Entscheidung stehen kann. Im Moment sieht es aber eher schlecht aus, ein Block von ca. 200 Stimmen steht einem Block der „grossen Koalition“ mit ca. 400 Stimmen gegenüber. Vielleicht gibt es ja später noch Überraschungen bei einzelnen Änderungsanträgen.

    Nochmal Update: Jetzt gibt es schon einen Mitschnitt der Abstimmung. Derzeit leider nur im WMV-Format (1 / 2 / 3).

    14. Dezember 2005
  • : Mitschnitt Vorratsdatenspeicherungs-Debatte im EP
    Mitschnitt Vorratsdatenspeicherungs-Debatte im EP

    Hier finden sich Ogg-Files der heutigen Debatte rund um die Vorratsdatenspeicherungs-Richtlinie im Europaparlament.

    Update: Eine Zusammenfassung findet sich bei Heise: Lebhafte Debatte im EU-Parlament über Ausdehnung der Telekommunikationsüberwachung.

    13. Dezember 2005
  • : Data Retention – Abstimmung morgen um 11:30
    Data Retention – Abstimmung morgen um 11:30

    Die Debatte im Europaparlament jetzt vorbei. Ich habe gerade die letzten Minuten gehört.
    Zum Abschluss noch sehr dreist der britische Innenminister Charles Clarke: „Es gab Stimmen, die gesagt haben, dies werde einen Polizeistaat schaffen. Es ist genau das Gegenteil eines Polizeistaates!“ Mein Kommentar: Fragt mal die Kollegen von Privacy International aus London…
    Für die USA, die gerade die Verlängerung einiger sehr weitreichender Klauseln im PATRIOT Act diskutieren und wo das FBI und die Geheimdienste massive Befugnisse (Zugriff auf private Daten ohne Richterbeschluss, geheime Hausdurchsuchungen, …) bekommen haben, war Data Retention übrigens nie ein Thema. Die kommen offenbar mit dem auch hierzulande schon möglichen „quick freeze“-Verfahren bei einzelnen konkreten Verdächtigen gut zurecht.
    Sehr ironisch auch die Tagesordnung im EP: Direkt im Anschluss begann die Debatte über den Bericht des Menschenrechtsrates der EU.

    Die Abstimmung zu Data Retention ist morgen um 11:30h. Zeit, noch ein paar Abgeordnete anzurufen!

    13. Dezember 2005 2
  • : Live-Webcast aus dem EP: Vorratsdatenspeicherung
    Live-Webcast aus dem EP: Vorratsdatenspeicherung

    Gerade läuft die Debatte um die Vorratsdatenspeicherung im Europaparlament. Diese kann man live im Netz verfolgen, man braucht allerdings einen Real Player.

    Heute sind auch einige Artikel erschienen:

    Heise: EU-Kommission begrüßt Einigung bei der Vorratsspeicherung von TK-Daten
    Heise: „Last Minute“-Lobbying gegen Verschärfung der Telekommunikationsüberwachung
    SZ: 450 Millionen Menschen im Fadenkreuz
    Futurezone: WKÖ gegen Datenspeicherpflicht

    Update: Die Abtimmung ist morgen, Mittwoch, um 11:30h in Strassburg. Es bleibt noch etwas Zeit.

    13. Dezember 2005
  • : Referentenentwurf der Richtlinie zur Durchsetzung Geistigen Eigentums
    Referentenentwurf der Richtlinie zur Durchsetzung Geistigen Eigentums

    Das Bundesjustizministerium hat heute wohl den Referentenentwurf für die Richtlinie zur Durchsetzung Geistigen Eigentums verschickt. Umstrittenster Punkt ist die Einführung eines Auskunftanspruchs. Die Musik- und Filmindustrie will mit Hilfe dieses Auskunftsanspruches unkompliziert und ohne den Umweg über die Staatsanwaltschaften direkt bei den Providern herausbekommen, wer sich hinter IP-Nummern verbirgt. Damit soll die Verfolgung von Filesharing beschleunigt werden. Dieser Auskunftsanspruch hat es in sich, da hier existenzielle Datenschutzregelungen ausgehebelt werden. Das Recht der Rechteinhaber auf Auskunftsanspruch wird somit höher bewertet als das Recht der Bürger auf Datenschutz. Und vor allem ist es technisch nicht immer einwandfrei, wer jetzt mit einer IP-Adresse im Netz surft. Unschuldige werden damit öfters die Musikindustrie vor der Tür stehen haben und erstmal beweisen müssen, dass sie unschuldig sind. Ich werde später darüber mehr bloggen, wenn ich den Referentenentwurf mal gelesen haben.

    Bis dahin bleiben die folgenden beiden Quellen:

    Heise: Bundesjustizministerium will Auskunftsanspruch gegen Provider schaffen
    Golem: Durchsetzung geistigen Eigentums soll erleichtert werden

    Brigitte Zypries verkündete heute, dass schon Anfang des Jahres der Kabinettsbeschluss fallen soll. Gleichzeitig kündigte sich auch an, dass der „zweite Korb“ der Urheberrechtsnovellierung zum gleichen Zeitpunkt weitergeführt werden soll.

    Währenddessen gehen auf die EU-Ebene die Pläne voran, gleich noch den nächsten und schärferen Teil der Richtlinie in einer Version 2.0 zu verabschieden. Die International Herald Tribune hat einen aktuellen Artikel darüber: Prison over patents? Proposed EU law unites foes

    12. Dezember 2005 2
  • : Druck machen gegen Vorratsdatenspeicherung
    Druck machen gegen Vorratsdatenspeicherung

    Am Donnerstag haben wir einen Aufruf veröffentlicht, die letzten Tage vor der umstrittenen Abstimmung im Europaparlament zum Thema Vorratsdatenspeicherung nochmal Druck zu machen. Die Abstimmung am Mittwoch in Strassburg ist jetzt definitiv. Es bleiben also noch zwei Arbeitstage am Montag und Dienstag zum anrufen und anfaxen. Die konservative Fraktion EPP hat ihre Mitgliedern schon über eine Anwesenheitspflicht informiert. In einem Newsletter der Fraktion wird der deutsche Fraktionssprecher Herbert Reul als Ansprechpartner genannt. Seine Telefonnummer ist 0033 – 3 8817 5244. Allerdings dürfte es mehr bringen, die anderen konservativen Abgeordneten zu überzeugen, da die Sprecher und Verhandlungsführer meist schon sehr von ihrer Meinung überzeugt sind. Immer darauf achten: Wichtig ist immer die richtige „Zielgruppen-Ansprache“. Konservative wollen anders überzeugt werden, als beispielsweise Linke.

    Die Sitzungswochen des Europaparlaments finden immer in Strassburg statt. Die Abgeordneten reisen meist alleine oder mit wenigen Mitarbeitern für eine Woche dahin. Dort haben alle ein kleines Büro, was eher einem „Kämmerchen“ ähnelt. Der Rest der Mitarbeiter bleibt in Brüssel. Das bedeutet, dass man seine Anrufe aufteilen kann. Wen man die Telefonnummer der Abgeordneten in Strassburg rausfinden kann, hat man manchmal Glück und erreicht die Abgeordneten direkt. Wenn diese nicht gerade in einer Sitzung sitzen oder Essen sind. Seine „persönlichen“ Abgeordneten findet man hier inkl. der Kontaktdaten.

    Wer noch Argumente gegen die Vorratsdatenspeicherung sucht, wird findet diese in unserem Kampagnen-Wiki und in unserem letzten offenen Brief an die Europaparlamentarier von letzter Woche. Letzte Kritik an der drohenden Richtlinie hat Heise gestern veröffentlicht: Vorratsspeicherung von TK-Daten: Frontalangriff auf die Demokratie befürchtet.

    Der „Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. “ hat gestern auch noch eine Pressemitteilung veröffentlicht und fordert die Abgeordneten zur Ablehnung der Richtlinie auf: Vorratsdatenspeicherung unter „Berücksichtigung des Datenschutzes“ ist Widerspruch in sich.

    Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverband ist der Richtlinienvorschlag weder erforderlich noch verhältnismäßig. „Die Vorratsspeicherung von Telekommunikations- und Internetdaten ohne Einwilligung der Betroffenen ist ein Beitrag zur flächendeckenden Überwachung der Nutzer digitaler Kommunikation“, sagte Edda Müller. Der Richtlinienvorschlag berge die Gefahr, dass sich die Europäische Union beim Datenschutz vom Leitbild des mündigen Verbrauchers, der über Umfang und Dauer der Speicherung von persönlichen Daten selbst entscheidet, verabschiede. „Aus der informationellen Selbstbestimmung wird langsam aber sicher eine informationelle Fremdbestimmung“, bewertet Edda Müller die zunehmende Daten-Sammelwut. Datenschutzpolitik würde zur reinen Datenverarbeitungspolitik.

    10. Dezember 2005
  • : Dokumentation der Vorratsdatenspeicherungs-Anhörung
    Dokumentation der Vorratsdatenspeicherungs-Anhörung

    Ein grandioses Beispiel für internationale Kollaboration ist der Mitschnitt der gestrigen Anhörung der Grünen im Europaparlament zur Vorratsdatenspeicherung. Heute Nachmittag war schon die ganze Anhörung im FFII-Wiki transcribiert und dokumentiert. Sowohl als Ogg-Audiofiles als auch abgetippt und ins englische übersetzt.

    8. Dezember 2005
  • : Vorratsdatenspeicherung verhindern – jetzt!
    Vorratsdatenspeicherung verhindern – jetzt!

    Nächste Woche wird es konkret im Europaparlament: Die Vorratsdatenspeicherungs-Richtlinie steht am Dienstag zur Diskussion im Plenum und soll am Mittwoch in erster Lesung abgestimmt werden. Der Bürgerrechts-Ausschuss (LIBE) des Europaparlaments hatte sich zwar auf gemeinsame Änderungswünsche geeinigt, allerdings haben die beiden grossen Fraktionen (Sozialdemokraten und Konservative) auf eigene Faust einen Kompromiss mit dem EU-Council beschlossen. Dieser soll von der „Grossen Koalition“ im Europaparlament beschlossen werden und bedeutet nicht wirklich eine Entschärfung der Richtlinie.

    Wer das Europaparlament und seine Arbeitsweise kennt, weiss, dass es dort nicht wie im Bundestag funktioniert. Koalitionen gibt es nur bei Themen und die können wechseln. Auch sind die bunt zusammengewürfelten Fraktionen sehr divergierend in ihren Ansichten. Hier kann jeder ansetzen. Vermutlich sind sich die meisten Abgeordneten nicht wirklich bewusst, was sie am Mittwoch abstimmen werden und welche Konsequenzen die Richtlinie für Grund- und Freiheitsrechte in Europa bedeuten. Bei den Plenumsdiskussionen nehmen meist nur die Fachpolitiker des Themas teil, die wiederum für ihre Fraktionen „Voting-Lists“ erstellen, quasi Wahlempfehlungen.

    Die Tagesordnung am Mittwoch sieht folgendermassen aus: Es gibt nur zwei unterstützenswerte Änderungsanträge. An erster Stelle steht ein Antrag der grünen Fraktion auf Ablehnung der gesamten Richtlinie. Dieser ist natürlich der weitestgehende und sollte im Optimalfall von den Abgeordneten unterstützt werden. Aber selbst die Liberalen sind gespalten und werden vermutlich mehrheitlich für den Kompromissantrag der „Grossen Koalition“ stimmen. Der zweite unterstützenswerte Änderungsantrag kommt von der Schwedin Charlotte Cederschiöld und betrifft Artikel 10 der Richtlinie. Hier geht es um die umstrittene Frage, wer denn die Kosten für die Vollüberwachung übernehmen soll. Während der Kompromiss die Kosten auf die Industrie abwälzen will, die wiederum alle neu entstehenden Kosten an die Verbraucher witer geben wird, fordert der Änderungsantrag die Kostenübernahme durch die Regierungen. Also das Verursacherprinzip. Würde dieser Änderungsantrag durchkommen, wäre eine zweite Lesung notwendig und es wäre Zeit gewonnen für mehr Diskussionen. Jedesmal sind 370 Stimmen notwendig. Das Problem ist, dass die „Grosse Koalition“ die absolute Mehrheit hat, aber längst nicht so einig sind wie im Bundestag. Aber auch die Liberalen werden wohl mehrheitlich für die Vorratsdatenspeicherung stimmen und leider nur in einer Minderheit für die Ablehnung der Richtlinie.

    Deutschland hat insgesamt 99 Abgeordnete im Europaparlament, wo vermutlich die wenigsten von wissen, was auf dem Spiel steht. Der Bundestag hat letztes Jahr in einem interfraktionellen Antrag geschlossen eine Vorratsdatenspeicherung abgelehnt.

    Was kann man jetzt noch tun?

    Wichtig ist, bei den Abgeordneten anzurufen, Faxe zu schicken und Mails zu schreiben und auf die Risiken der Richtlinie hinweisen. Den meisten dürfte echt nicht bewusst sein, was ihre Fraktionsvorsitzenden ihnen am Mittwoch bei einer Richtlinie mit dem komisch klingenden Namen „Data Retention“ zur Abstimmung empfehlen. Wenige Tage sind hierfür noch Zeit. Starten sollten man immer bei den eigenen Europaabgeordneten. Schaut also nach, wer für Euch im Europaparlament sitzt. Direkt anrufen ist am sinnvollsten, meist hat man einen Mitarbeiter am Telefon, wenn man Glück hat, auch den Abgeordneten. Faxe schreiben ist auch gut, ein Fax halten die Mitarbeiter in der Hand und müssten sich das erstmal durchlesen. Mails sind leider nicht sehr effektiv, da die Abgeordneten viel mehr Mails als Faxe und Telefonanrufe bekommen. Wichtig ist vor allem, höflich und argumentativ am Telefon zu sein. Ihr wollt ja jemanden überzeugen und nicht beschimpfen!

    Verbreitet die Nachricht weiter und mobilisiert mehr Menschen, sich jetzt gegen eine Vorratsdatenspeicherung und damit eine flächendeckende Überwachungsinfrastruktur in Europa einzusetzen. Nächste Woche ist es zu spät und dann können wir nur noch auf die Gerichte hoffen.

    Hier ist ein aktuller Artikel aus der Zeit über die Vorratsdatenspeicherung und was sie bedeuten wird: Jeder unter Verdacht. Über eine gestrige Anhörung im Europaparlament berichtet Reuters: Compromise on EU data storage rules spurs backlash. Die meisten Informationen hält das Wiki unserer „Data retention is no solution“-Kampagne bereit. Natürlich bietet auch dieses Blog viele Informationen. Am einfachsten findet man diese, wenn man „Vorratsdatenspeicherung“ in die Such-Maske eingibt.

    Update: Heise hat einen neuen Artikel: Abstimmungskrimi bei Richtlinie zur Überwachung der Telekommunikation erwartet.

    8. Dezember 2005 3
  • : Google und Datenschutz
    Google und Datenschutz

    Am Montag brachte die Süddeutsche Zeitung zwei Beiträge zum Thema „Google und Datenschutz“. In dem Artikel „Wer hat Angst vor Larry und Sergey?“ geht es darum, dass Google sehr viele Daten von Nutzern seiner Dienste speichert und es weitgehend intransparent ist, was Google mit den Daten anstellt. In „Repressive Regierungen würden das sehr nützlich finden“ wird der texanische Verbraucherschützer Daniel Brandt interviewed, dessen Organisation „Public Information Research“ u.a. www.google-watch.org und www.yahoo-watch.org betreibt. Sehr interessant.

    7. Dezember 2005 1
  • : DRINGEND: Brief ans EP gegen Data Retention
    DRINGEND: Brief ans EP gegen Data Retention

    Unterstützer gesucht bis morgen 9:00 Uhr

    Am 12. Dezember wird das Europäische Parlament über den von den Sozialdemokraten und Konservativen ausgehandelten „Kompromiss“ mit dem Ministerrat über die „Data Retention“-Richtlinie abstimmen. Wenn das durch kommt, werden sämtliche Kommunikationsverbindungsdaten (Internet, Telefon, Standort) von 450 Mio EU-Bewohnern jahrelang gespeichert – ohne Anfangsverdacht, mit einer absehbaren Ausweitung der Zwecke, und gegen Proteste von Datenschützern und mehr als 58000 Personen, die die EDRI-Kampagne „Data Retention is No Solution“ unterstützt haben.

    Privacy International (PI) und European Digital Rights (EDRI) haben jetzt einen letzten offenen Brief an die EP-Abgeordneten geschrieben. Wir suchen dafür dringend Unterstützer. Schön wäre, wenn neben den üblichen Verdächtigen auch Verbraucherschützer, offizielle Datenschutzbeauftragte und Verbände der TK-Unternehmen und ISPs diesen Brief unterzeichnen würden.

    Organisationen, die noch unterzeichnen wollen, melden sich bitte bei Sjoera Nas von EDRI (sjoera@bof.nl) und/oder Gus Hosein von Privacy International (gus@privacy.org).

    Die Deadline ist leider schon morgen (6.12.) um 9:00 Uhr, da am Mittwoch noch eine Anhörung der Grünen im EP ist. (Ich habe es heute mittag schon mal probiert, aber da hat der Server gehakt…)

    5. Dezember 2005 1
  • : Vorratsdatenspeicherung: Die Büchse der Pandora
    Vorratsdatenspeicherung: Die Büchse der Pandora

    Die Vorratsdatenspeicherung-Debatte geht weiter in die entscheidenden Runden. Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein, Dr. Thilo Weichert, kommentierte heute den Beschluss der Justizminister: ULD: „Vorratsdaten-Kompromiss ist maßlos“.

    „Es ist erschreckend, welche grundrechtliche Verrohung bei den europäischen Justizministern festzustellen ist: Es wird als Sieg der Bürgerrechte verkauft, dass bei der auf Vorrat vorgenommenen Telekommunikationsüberwachung keine Inhalte und keine Bewegungsprofile erstellt werden sollen. Unseren Verfassungsministern ist wohl nicht klar, dass unsere freiheitlichen Verfassungen verbieten, die Menschen anlasslos staatlich bei ihren alltäglichen Verrichtungen zu überwachen und zu kontrollieren. Der Beschluss verstößt genau gegen dieses Verbot: Wenn über Monate hinweg minutiös nachvollzogen werden kann, wer wo im Internet gesurft hat, wer wann mit wem per Telefon, Handy oder Email kommuniziert hat, wer wann welche Online-Dienste in Anspruch genommen hat, dann wird die Schwelle von der freiheitlichen Informationsgesellschaft zum digitalen Überwachungsstaat überschritten.

    Was hier als Kompromiss verkauft wird, ist das Nachgeben gegenüber maßlosen Überwachungsforderungen von Sicherheitsbehörden. Vorschläge von Datenschützern, die übermäßig teure grundrechtszerstörende Vorratsdatenspeicherung zu vermeiden und dennoch den Strafverfolgungsbedürfnissen zu entsprechen, wurden nicht ernsthaft erörtert. Mit einem kurzfristigen Einfrieren von TK-Verbindungsdaten, einem „Quick freeze“, wäre eine gezielte Gewährleistung von Sicherheit in unseren Telekommunikationsnetzen möglich, ohne dass die gesamte Bevölkerung wie eine potenzielle Verbrecherbande behandelt wird. Die Justizminister sind dabei, die „Büchse der Pandorra“ zu öffnen. Diese würde die Menschen, die überwachungsfrei leben wollen, dazu zwingen Telefon Internet nicht mehr zu nutzen. Wir erwarten, dass das Europaparlament, der Bundestag und die Verfassungsgerichte in Europa dafür sorgen, dass diese Büchse verschlossen bleibt.“

    Währenddessen geht der europäische Kompromiss dem baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech nicht weit genug: Innenminister: Vorratsdatenspeicherung greift zu kurz.

    Mehr dazu gibt es auch bei Heise: Datenschützer: Vorratsspeicherung bei Telekommunikation führt in den Überwachungsstaat. Und Holger Voss klagt weiter gegen die Speicherung von IP-Nummern bei T‑Online Flatrates: Rechtsstreit um IP-Adressspeicherung geht in die Berufung.

    5. Dezember 2005
  • : Schäuble will zwölf Monate Vorratsdatenspeicherung
    Schäuble will zwölf Monate Vorratsdatenspeicherung

    In einem Deutschlandradio-Interview hat sich heute Wolfgang Schäuble für mindestens zwölf Monate Speicherfrist von Telekommunikationsdaten ausgesprochen. Nach oben hin soll das natürlich offen bleiben, die Länder, welche noch länger speichern wollen, sollten die Freiheit dazu haben. Wie auch die ganze Massnahme natürlich nur zum Erhalt von Bürgerrechten und unserer Freiheit gemacht werden soll.

    Sagenschneider: Wann sollen denn Ihrer Ansicht nach die Ermittler Zugriff auf die Daten erhalten, also um welche Straftaten soll es dabei gehen?

    Schäuble: Ja gut, bei der Speicherung von Daten ist der Katalog definiert; im Wesentlichen geht es auch gar nicht um die Verfolgung von Straftaten, sondern vor allen Dingen um die Verhinderung von Straftaten. Wir müssen ja immer sehen, grundsätzlich ist die Verfolgung von Straftaten eher Sache der Strafverfolgungsbehörden, damit auch in der Zuständigkeit der Justizminister, die Verhinderung von Straftaten das ist das Interesse der inneren Sicherheit und das ist die Aufgabe der Innenminister und da muss man immer ein stückweit miteinander in Verbindung bringen. Das tun wir auch, dabei ist ganz klar: die grundlegenden Freiheitsrechte, die werden natürlich gewahrt, denn die innere Sicherheit beruht ja unter anderem darauf, dass die Menschen in Freiheit und mit den grundlegenden Bürgerrechten, die unsere Verfassungen garantieren, leben können. Deswegen gibt es diesen Widerspruch nicht.

    Hier gibts das Interview als Audio-Flash.

    2. Dezember 2005 2
  • : Datenschutzabbau-Kampagne der Bundesregierung: Heute die Mautbrücken
    Datenschutzabbau-Kampagne der Bundesregierung: Heute die Mautbrücken

    Im Koalitionsvertrag der grossen Koalition wurde der weitere Abbau des Datenschutzes schon angekündigt:

    Wir werden jedoch die im Grundsatz bewährte Sicherheitsarchitektur wo es nötig ist weiterentwickeln und überprüfen, inwieweit rechtliche Regelungen, etwa des Datenschutzes, einer effektiven Bekämpfung des Terrorismus und der Kriminalität entgegenstehen.

    Der neue Bundesinnenminister Wolfang Schäuble hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 24.11. schon ein erstes konkretes Projekt benannt, wo man weniger Datenschutz haben möchte, und zwar bei den Mautbrücken:

    Wir haben jetzt vor ein paar Tagen diesen Fall gehabt in Baden-Württemberg, wo ein Parkwächter auf einem Parkplatz überfahren worden ist und wo wir durch das Gesetz über die Maut für LKWs gehindert sind, die Strafverfolgungsbehörden, diese Informationen zu bekommen. Da sind wir uns einig, dass wir so etwas ändern müssen. Es muss im Zweifel unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen möglich sein, Straftaten zu verfolgen aber natürlich vor allen Dingen auch sie zu verhindern.

    Weiter heisst es in dem Interview, dass der Datenschutz eigentlich auch nur abgebaut werden soll, damit die Freiheit erhalten bleibt:

    Ich sagte vorher schon, wir machen das ja alles, um die Freiheitsordnung des Grundgesetztes zu schützen. Insofern sind diejenigen, die für die innere Sicherheit eintreten ja nicht Gegner von Freiheitsrechten. Darauf muss man immer achten. Da kann es im Einzelfall schwierige Abwägungsfragen geben, etwa bei der Frage, die wir ja haben. Natürlich müssen die Sicherheitsbehörden darauf achten, dass die Verschwiegenheitspflichten der Mitarbeiter eingehalten werden.

    Benjamin Franklin formulierte vor sehr langer Zeit schonmal perfekt, wohin sowas führen kann:

    Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

    Mittlerweile gibt es massive Kritik an den Plänen einer umfassenden Verkehrsüberwachung.

    28. November 2005 8
  • : Große Koalition in Brüssel für Datenspeicherzwang
    Große Koalition in Brüssel für Datenspeicherzwang

    Der Ausschuss für Bürgerrechte und Innenpolitik im EU-Parlament hat heute mit großer Mehrheit für den EU-weiten Datenspeicherzwang von Telefon- und Internetdaten gestimmt. Damit hat sich ein Bündnis aus Konservativen und Sozialdemokraten gegen den Berichterstatter Alexander Alvaro durchgesetzt, der bis vor kurzem noch diesen Vorschlag massiv bekämpft hatte. Der Ministerrat und die Kommission waren schon länger dafür, während das Parlament als letzte Hochburg der Bürgerrechte galt. Es gibt zwar in der heute angenommen Fassung recht umfangreiche Regelungen gegen Missbrauch (zwingender Richtervorbehalt bei Zugriffen auf die Daten; keine Soeicherung von Email- oder VoIP-Daten – vorerst nur Login-Logoff-Infos; Einrichtung von aufsichtsbehörden in den Mitgliedsstaaten; …), aber dennoch stellt dieser Beschluss alle 450 Millionen EU-BürgerInnen unter Generalverdacht und ist eines Rechtsstaates unwürdig. Die Speicherfristen sollen 6–12 Monate betragen, und die bis vor kurzem ebenfalls entsetzten ISPs werden generös entschädigt. Die Musiklobby hat ebenfalls einen Etappensieg errungen – die Daten sollen auch für die Bekämpfung von „Piraterie“ genutzt werden können. Künftig werden also Teenager, die ihre iPods auffüllen wollen, auf die gleiche Stufe wie Kinderpornografen oder Terroristen gestellt. European Digital Rights hatte noch gestern 58000 Unterschiften aus der Kampagne „Data retention is no solution“ an die EU-Abgeordneten übergeben (Fotos).
    Das weitere Vorgehen wird nun davon abhängen, ob der Ministerrat mit den Beschränkungen einverstanden ist oder noch mehr will (was dann das Parlament wieder zu mehr bürgerrechtlichem Geist bringen könnte). Die britische Präsidentschaft will das Projekt in einer verschärften Fassung jedenfalls bis Ende des Jahres durchboxen. Falls es wirklich dazu kommt, wird es ziemlich sicher eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geben, eventuell auch vor den nationalen Verfassungsgerichten. Das BVerfG hatte ja in letzter Zeit das Telekommunikationsgeheimnis mehrfach gestärkt und verhandelt wieder gerade so einen Fall. Es lohnt sich also weiterhin, hier den politischen Druck durch Bürgerrechts-Organisationen und Einzelne aufrechtzuerhalten.
    Eine ausführliche Analyse mit vielen Links von Andreas Dietl gibt es hier, das Wiki von EDRI zum Thema hier.

    24. November 2005 3
  • : 22c3 Fahrplan in Version 0.9 erschienen
    22c3 Fahrplan in Version 0.9 erschienen

    Es ist noch mehr als einen Monat bis zum 22. Chaos Communication Congress vom 27.–30. Dezember in Berlin. Aber erstmals konnte mit so langer Vorlaufzeit der Fahrplan veröffentlicht werden. Dieser liegt momentan in der Version 0.9 vor und hat nur noch wenige Lücken.

    23. November 2005 3
  • : WSIS: Interview mit Richard Stallmann
    WSIS: Interview mit Richard Stallmann

    Jetzt ist das versprochene Interview mit Richard Stallmann fertig und kommt als Podcast (ogg, 16MB). Das Interview ist ca. 30 min lang und wurde morgens gegen 3:30h in einem dunklen Internetzimmer in unserem Hotel in Tunis aufgenommen. Die Themen des Interviews sind Stallmans Kritik am Begriff „Intellectual Property“, Softwarepatente, Copyright und ein Erfahrungsbericht, was Stallman auf dem WSIS wegen der Alufolie rund um sein RFID-Bagde alles so erlebt hat.

    23. November 2005
  • : Bundesdatenschutzbeauftragter fordert Mediennutzungsgeheimnis
    Bundesdatenschutzbeauftragter fordert Mediennutzungsgeheimnis

    Heute fand in Bonn-Bad Godesberg das sechste Symposium „Datenschutz in der Telekommunikation und bei Telediensten“ statt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte dort den Ausbau von digitalen Bürgerrechten zu einem allgemeinen Mediennutzungsgeheimnis, statt die Telekommunikations-Überwachung immer weiter auszubauen.

    „Das Fernmeldegeheimnis hat angesichts der Digitalisierung und Vernetzung immer weiterer Lebensbereiche heute größere Bedeutung denn je und ist Gradmesser unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft“, erklärte er. „Eine Informations- und Wissensgesellschaft kann sich nur demokratisch ausbilden, wenn gerade auch die digitale Kommunikation frei von Überwachung durch Dritte ist, egal ob es sich dabei um staatliche Stellen oder um Unternehmen handelt.“

    Mehr bei Heise und de.internet.com.

    22. November 2005 1
  • : Daily Rootkit: EFF hat Klage eingereicht
    Daily Rootkit: EFF hat Klage eingereicht

    Die Electronic Frontier Foundation hat heute eine Klage gegen SonyBMG wegen des Rootkits eingereicht. Darin wird SonyBMG vorgeworfen, mit 20 Millionen verkauften CDs, welche mit dem Rootkit ausgeliefert wurden, die Privatsphäre der Verbraucher verletzt und ihre Computer beschädigt zu haben.

    „Sony BMG is to be commended for its acknowledgment of the serious security problems caused by its XCP software, but it needs to go further to regain the public’s trust,“ said Corynne McSherry, EFF Staff Attorney. „It is unconscionable for Sony BMG to refuse to respond to the privacy and other problems created by the over 20 million CDs containing the SunnComm software.“

    „Music fans shouldn’t have to install potentially dangerous, privacy intrusive software on their computers just to listen to the music they’ve legitimately purchased,“ said EFF Legal Director Cindy Cohn. „Regular CDs have a proven track record – no one has been exposed to viruses or spyware by playing a regular audio CD on a computer. Why should legitimate customers be guinea pigs for Sony BMG’s experiments?“

    „Consumers have a right to listen to the music they have purchased in private, without record companies spying on their listening habits with surreptitiously-installed programs,“ added EFF Staff Attorney Kurt Opsahl, „Between the privacy invasions and computer security issues inherent in these technologies, companies should consider whether the damage done to consumer trust and their own public image is worth its scant protection.“

    SonyBMG wird in der Anklageschrift weiter aufgefordert, ihre Lizenzbestimmungen (EULA) in umstrittenen Punkten zu ändern.

    Update: Auch der Staat Texas hat wohl Klage, u.a. wegen Computerspionage, eingereicht.

    21. November 2005
  • : WSIS: Stallman und RFID
    WSIS: Stallman und RFID

    Bruce Perens berichtet auch über Richard Stallmans Probleme mit RFID auf dem WSIS, wie Slashdot gerade berichtet. Lustigerweise hab ich Stallman heute morgen gegen 3h in der Hotelloby sitzen sehen und ein halbstündiges Interview mit ihm gemacht. Darin erzählt er ausführlich, was ihm genau widerfahren ist. Werde das aber erst Montag online stellen können, weil das Netz hier im Hotel zu langsam ist.

    19. November 2005