Datenschutz

  • : Kaiserslautern überwacht
    Kaiserslautern überwacht

    Die Stadt Kaiserslautern bereitet sich gerade auf ihre Funktion als WM-Stadt vor. Dafür werden jetzt noch 200 weitere Überwachungskameras installiert, wie Heise berichtet: WM-Stadt Kaiserslautern bereitet sich auf den Überwachungsnotstand vor.

    Ob sie die Kameras nach der WM wieder abbauen?

    16. Januar 2006
  • : Anonym.OS – Anonym surfen mit Live-CD
    Anonym.OS – Anonym surfen mit Live-CD

    Anonym.OS ist eine neue, auf Open-BSD basierende Live-CD. Der Clou daran ist, dass die Anonymisierungssoftware TOR direkt eingebaut ist. Wenn man von CD bootet und sich mit einem freien WLAN-Netz verbindet, kann man damit anonym surfen. Ich warte ja immer noch darauf, dass Knoppix auch mal TOR default-mässig einbaut. Vielleicht klappt es ja irgendwann?

    16. Januar 2006 4
  • : Vorratsdatenspeicherung – Alles gar nicht so schlimm?
    Vorratsdatenspeicherung – Alles gar nicht so schlimm?

    Die grosse Koalition im Europaparlament verteidigt den umstrittenen Kompromiss zur Vorratsdatenspeicherungs-Richtlinie. Heise liegen Schreiben von dem Fraktionsvorsitzenden der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), Herbert Reul, als auch seine Kollegin bei den Sozialdemokratin, Evelyne Gebhardt vor. Darin erklären die Beiden doch tatsächlich, dass wir eigentlich glücklich darüber sein könnten, dass sie bei der Öffnung der „Büchse der Pandora“ mitgeholfen haben und alles gar nicht so schlimm sei: EU-Parlamentarier rechtfertigen massive Telekommunikationsüberwachung.

    Reul betrachtet derweil mit dem abgenickten Gesetzesentwurf alle Bedenken der Bürger vor einer langen und untransparenten Vorhaltung ihrer persönlichen Daten für „ausgeräumt“. Es werde sichergestellt, dass nur Sicherheitsbehörden bei der Verfolgung „schwerer Straftaten“ Zugriff auf die Daten hätten und eine eigenständige Datenschutzkontrolle erfolge. Zu möglichen Angriffen durch Cyberkriminelle auf die zentralen Datenberge äußert sich Reul nicht. Gegen Missbrauch der personenbezogenen Informationen könnten Strafen verhängt werden, betont der CDU-Politiker. „Unnötige“ Daten würden nicht gespeichert. Dies sorge dafür, dass „riesige Kosten für die Industrie und hiermit für den Verbraucher nicht entstehen“. Ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass die Inhalte der Telefongespräche sowie der E‑Mails nicht gespeichert werden dürften.

    Vermutlich haben sie immer noch nicht verstanden, was sie da genau getan haben.

    Gebhardt begründet die Zustimmung zur pauschalen Überwachung zudem mit zwei Vergleichen: So gebe jeder, der heute einen Brief verschicke, damit auch die dazu gehörenden „Verkehrsdaten“ in Form von Absender und Empfänger etwa an den Postboten preis. “

    Für mich ist es schon ein kleiner Unterschied, ob ich eine Adresse und Absender auf einen Brief schreibe und der Briefträger diese lesen kann, oder ob diese Verkehrdaten für einige Zeit in unkontrollierbaren Datenbanken gespeichert werden.

    Als fast schon „putzig“ kann man die Naivität bei folgender Aussage beschreiben:

    Verkehrsdaten würden von den Telcos schon seit langem für Abrechnungszwecke erfasst, hält die sozialdemokratische Wegbereiterin der EU-weiten Vorratsdatenspeicherung in ihrer Antwort fest. Es habe sich herausgestellt, dass diese Informationen „einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung von Straftaten leisten, übrigens auch, wenn es um Alibis, also um Entlastungen geht.“

    Wenn ich einen Telefonanschluss bestelle, kreuze ich immer an, dass meine Daten nach Rechnungsstellung gelöscht werden sollen. Dieses Konsumentenrecht habe ich nun nicht mehr, bzw. wird das Ankreuzen nichts mehr bringen. Und das mit den Alibis finde ich schon merkwürdig. Wie soll denn das mit den Verkehrsdaten und dem Alibi funktionieren, wenn die Inhalte nicht mitgeschnitten werden? Die Verkehrsdaten bringen wenig für ein Alibi, da kann höchstens festgestellt werden, wo das Handy zum Tatzeitpunkt war, aber beispielsweise nicht, dass der Verdächtigte dabei war.

    13. Januar 2006 8
  • : Überwachung für alle!
    Überwachung für alle!

    Gestern noch ein Hack, morgen offizielle Politik:

    Auf dem CCC-Kongress bereichteten unsere Freunde aus Österreich von einem Hack der örtlichen Überwachungskameras. Sie konnten sich (über die Funksignale soweit ich mich erinnere) Zugang zu den Bildern verschaffen und so sehen, was die Leute in den Überwachungszentralen so interessiert. Das waren dann interessanterweise mehr die umliegenden Wohnzimmerfenster als die Straßen – was die öffentliche Akzeptanz nicht gerade gefördert hat, als es raus kam.

    In England ist man nun dabei, diese Idee als öffentliche Infrastruktur zu implementieren, wie Telepolis berichtet: In einem Modellversuch in einem Stadtteil von London bekommen die Anwohner dort ab März über Kabelfernsehen Zugang zu den 400 Überwachungskameras auf den Straßen. Am Ende sollen 20.000 Haushalte angeschlossen sein.

    Das scheint wie eine Annäherung an das Konzept von „sousveillance“ (etwa: „alle überwachen“), aber im Rahmen einer öffentlichen Infrastruktur. Endlich wird dann Reality-TV nicht mehr vom Privatfernsehen angeboten, sondern kommt gleich aus dem richtigen Leben. Die beiden Bedeutungen von „Big Brother“ (RTL-Show und Überwachung) werden damit wieder zusammenfallen. Weiss jemand, was die britischen Datenschützer dazu sagen? Wilde Zeiten sind das jedenfalls.

    11. Januar 2006 5
  • : Neues iTunes telefoniert nach Hause
    Neues iTunes telefoniert nach Hause

    Die neue Version von iTunes telefoniert nach Hause. Zumindest wird in der Default-Einstellung mindestens der Name der gerade gespielten Band an einen zentralen Server übermittelt, um die passende Werbung einzublenden. Über den Eingriff in die persönliche Privatsphäre wird nicht aufgeklärt. Die gute Nachricht ist, dass man es wohl manuell ausschalten kann. Viel Spass mit iTunes…!

    Mehr gibts bei Spiegel-Online und BoingBoing.

    11. Januar 2006 2
  • : Halleluja – Relaunch des Bundesdatenschutzbeauftragten
    Halleluja – Relaunch des Bundesdatenschutzbeauftragten

    Das Jahr 2006 fängt für den Bundesdatenschutzbeauftragten gut an: Die Webseite wurde einem Relaunch unterzogen. Endlich muss man sich nicht mehr über ein echt hässliches Design klicken und man findet jetzt auch mehr Informationen. Dieser Relaunch war echt mal fällig, eigentlich schon vor ein paar Jahren. Auf der Startseite kann man nun wählen, ob man sich lieber über das Informationsfreiheitsgesetz oder über den Datenschutz informieren möchte.

    Update:

    Zum Informationsfreiheitsgesetz passt auch dieser Artikel aus der Süddeutschen Zeitung: Die Neugier des Bürgers genügt.

    9. Januar 2006 1
  • : Süddeutsche Zeitung heute mit Schwerpunkt Überwachung
    Süddeutsche Zeitung heute mit Schwerpunkt Überwachung

    Das Thema Überwachung scheint langsam doch interessanter zu werden für die Massenmedien. Die Süddeutsche Zeitung hat heute ganze zwei Seiten ihres Feuilletons dafür reserviert. Längere Abhandlungen zur Kontrolle von Räumen und anderen Aspekten stehen hier neben einem Interview mit Rena Tangens vom Big Brother Award Deutschland. Online gibt es leider nur einen Artikel, zur zunehmenden elektronischen Überwachung, der die kürzlich von der EU beschlossene „Datenvorratsspeicherung“ als Aufhänger nimmt. Für den Rest lohnt sich der Gang zum Kiosk.

    7. Januar 2006 8
  • : Berliner Zeitung: Interview mit Peter Schaar
    Berliner Zeitung: Interview mit Peter Schaar

    Die Berliner Zeitung hat heute ein Interview mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar: „Überwachung im Alltag ist jetzt möglich“.

    Das Bundesdatenschutzgesetz muss dieser Entwicklung unbedingt angepasst werden. Künftig wird man in diesem Gesetz unterscheiden müssen zwischen zielgerichteter Datensammlung – etwa bei der Ausstellung eines Kfz-Scheins – und der ungezielten Datenerhebung, etwa durch die Funkchips oder das Mobiltelefon. Gerade mit den ungezielt erhobenen Daten muss sehr viel sorgfältiger umgegangen werden als bisher.

    6. Januar 2006
  • : UK sammelt fleissig DNA-Proben
    UK sammelt fleissig DNA-Proben

    In Grossbritanien werden fleissig DNA-Proben gesammelt: DNA database continues to swell.

    The number of samples held on the DNA database will rise to 4.25 million within two years, the Home Office says. There are three million samples held at the moment, with some of the expansion due to law changes in 2001 and 2004.

    4. Januar 2006 2
  • : Schweden: Erste Piratenpartei gegründet
    Schweden: Erste Piratenpartei gegründet

    In Schweden wurde von Tauschbörsennutzern eine Partei mit dem Namen „Piratpartiet“ gegründet. Hauptforderung ist die Abschaffung des Urheberrechts und die Wahrung der Privatsphäre. Mehr dazu gibt es bei der Netzeitung: Datei-Piraten wollen ins schwedische Parlament.

    3. Januar 2006 4
  • : ACLU präsentiert NSAWatch.org
    ACLU präsentiert NSAWatch.org

    Die American Civil Liberties Union (ACLU), die grösste Bürgerrechtsorganisation der USA, hat ihre vormalige EchelonWatch-Webseite in NSAWatch.org umbenannt und berichtet dort über die aktuellen Entwicklungen rund um die Überwachung von US-Bürgern.

    3. Januar 2006
  • : Sony Rootkit: Erster Schlichtungsvorschlag
    Sony Rootkit: Erster Schlichtungsvorschlag

    Heise berichtet über den ersten Schlichtungsvorschlag für eine Sammelklage gegen Sony BMG. SonyBMG einigt sich darin mit den Klägern (PDF):

    In den Hauptpunkten zielt der Schlichtungsvorschlag darauf ab, dass die Käufer der betroffenen CDs entschädigt werden und dass Sony BMG keine CDs mit diesen Kopiersperren mehr herstellt. Als Entschädigung erhalten die Kläger entweder 7,50 US-Dollar und einen Gutschein zum Download eines Albums oder einen Gutschein zum Download von vier (kopiergeschützten) Musik-Alben von einem Musik-Download-Portal.

    Auch die Businessweek berichtet darüber: Sony BMG Ends a Legal Nightmare.

    Sony BMG won’t put a price tag on the deal, but estimates put it in the single-digit millions of dollars, not counting attorneys’ fees. In pure financial terms, maybe the label got off easy. But in many ways, given the public flogging it endured over the holiday shopping season, the record company already has done its penance.

    Einen Kommentar gibt es auch von der Electronic Frontier Foundation: EFF and Sony BMG Reach Settlement over Flawed DRM.

    “The proposed settlement will provide significant benefits for consumers who bought the flawed CDs,” said EFF Legal Director Cindy Cohn. „Under the terms, those consumers will get what they thought they were buying–music that will play on their computers without restriction or security risk. EFF is continuing discussions with Sony BMG, however, and believes that there is more they can do to protect music lovers in the future.”

    „Sony agreed to stop production of these flawed and ineffective DRM technologies,” noted EFF Staff Attorney Kurt Opsahl. “We hope that other record labels will learn from Sony’s hard experience and focus more on the carrot of quality music and less on the stick of copy protection.”

    Zu unserem Vortrag auf dem 22c3 zum Sony Rootkit gibt es auch zwei Presseberichte:

    Heise: 22C3: Hacker beklagen „digitalen Hausfriedensbruch“ durch Sony BMG
    Golem: 22C3: Sonys XCP – Chronik eines Debakels

    2. Januar 2006
  • : Rootkit – Sonys digitaler Hausfriedensbruch
    Rootkit – Sonys digitaler Hausfriedensbruch

    Für unseren Vortrag auf dem 22. Chaos Communication Congress zum Thema „Sonys digitaler Hausfriedensbruch“ haben wir uns mal die Entwicklungen rund um das Sony Rootkit in den letzten zwei Monaten angeschaut und eine Zeitleiste erstellt.

    Hier findet Ihr mehr:

    28. Dezember 2005 32
  • : Überraschung: NSA überwacht das Internet
    Überraschung: NSA überwacht das Internet

    Passend zum Weihnachtsfest wartet die New York Times mit einer bahnbrechenden Entdeckung auf: Die National Security Agency (NSA) soll doch tatsächlich das Internet überwachen.

    Heise berichtet über den Text der New York Times, welcher nur mit Registrierung zu lesen ist: US-Geheimdienst überwachte Internet-Kommunikation.

    Der Geheimdienst hat nach Informationen des Blattes in Zusammenarbeit mit einigen der größten Telefon- und Internetfirmen Zugriff auf Verbindungsknoten erhalten, über die amerikanische und internationale Netzwerke miteinander verzahnt sind. Nach Angaben eines ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters hat die amerikanische Regierung in den vergangenen Jahren die Internet-Firmen ermutigt, den internationalen Datenfluss über in den USA angesiedelte Knotenpunkte laufen zu lassen. Damit sollten die technischen Möglichkeiten des Geheimdienstes erweitert werden. Die amerikanischen Geheimdienste hätten traditionell sehr gute Beziehungen zu Telefon- und Computerfirmen, heißt es weiter.

    Mich verwundert die News, da das Europaparlament dies schon vor fünf Jahren in dem Echelon-Untersuchungsausschuss festgestellt hat. Den Abschlussbericht interessierte aber niemanden mehr, da dieser eine Woche nach dem 11. September 2001 veröffentlicht wurde. Positiver Nebenaspekt des Kampfes gegen den Terror ist ja auch noch, dass man nun in den USA weiter ungeniert Industriespionage betreiben kann, ohne dass sich jemand beschwert.

    Bei BoingBoing gibts auch eine Anleitung, wie man selbst überprüfen kann, ob die eMail-Kommunikation überwacht wird: Experiment to see if your mail is being tapped by the gov’t.

    1. Set up a Hotmail account.

    2. Set up a second email account with a non‑U.S. provider. (eg. Rediffmail.com)

    3. Send messages between the two accounts which might be interesting to the NSA.

    4. In each message, include a unique URL to a Web server that you have access to its server logs. This URL should only be known by you and not linked to from any other Web page. The text of the message should encourage an NSA monitor to visit the URL.

    5. If the server log file ever shows this URL being accessed, then you know that you are being snooped on. The IP address of the access can also provide clues about who is doing the snooping.

    The trick is to make the link enticing enough for someone or something to want to click on it. As part of a large-scale research project, I would suggest sending out a few hundred thousand messages using various tricks to find one that might work.

    Allerdings wird noch der Hinweis gegeben, dass man dies nur ausprobieren sollte, wenn man nicht unbedingt in den nächsten Jahren in die USA einreisen will. Ansonsten dürften einige Probleme an der Grenze zu erwarten sein.

    Auch die Futurezone berichtet: NSA überwacht Netz-Verbindungsknoten.

    Update: Nun auch Florian Rötzer bei Telepolis: Der Abhörskandal weitet sich aus.

    24. Dezember 2005
  • : Auskunftsrecht auf gespeichterte Daten nicht gewährleistet?
    Auskunftsrecht auf gespeichterte Daten nicht gewährleistet?

    Laut Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) § 34 müssen staatliche Stellen und Meldebehörden wie Unternehmen über die von ihnen erhobenen personenbezogenen Daten Auskunft erteilen. Zumindest diese Stellen des BDSG sind hier relevant:

    Zweiter Unterabschnitt
    Rechte des Betroffenen
    § 19 Auskunft an den Betroffenen
    (1) Dem Betroffenen ist auf Antrag Auskunft zu erteilen über
    1. die zu seiner Person gespeicherten Daten, auch soweit sie sich auf die Herkunft dieser Daten beziehen,
    2. die Empfänger oder Kategorien von Empfängern, an die die Daten weitergegeben werden, und
    3. den Zweck der Speicherung.
    […]

    § 34 Auskunft an den Betroffenen
    (1) Der Betroffene kann Auskunft verlangen über
    1. die zu seiner Person gespeicherten Daten, auch soweit sie sich auf die Herkunft dieser Daten beziehen,
    2. Empfänger oder Kategorien von Empfängern, an die Daten weitergegeben werden, und
    3. den Zweck der Speicherung.

    Er soll die Art der personenbezogenen Daten, über die Auskunft erteilt werden soll, näher bezeichnen. Werden die personenbezogenen Daten geschäftsmäßig zum Zwecke der Übermittlung gespeichert, kann der Betroffene über Herkunft und Empfänger nur Auskunft verlangen, sofern nicht das Interesse an der Wahrung des Geschäftsgeheimnisses überwiegt. In diesem Falle ist Auskunft über Herkunft und Empfänger auch dann zu erteilen, wenn diese Angaben nicht gespeichert sind.

    §6a Automatisierte Einzelentscheidung
    (3) Das Recht des Betroffenen auf Auskunft nach den §§ 19 und 34 erstreckt sich auch auf den logischen Aufbau der automatisierten Verarbeitung der ihn betreffenden Daten.

    Wie die „Berliner Woche“ berichtet, stehen in Berlin die erforderlichen Anlagen zum Auslesen der im RFID-Chip gespeicherten Daten nicht zur Verfügung, bis auf eine Ausnahme: das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten in der Friedrichstraße 219, 10958 Berlin, Telefon: (030) 90269 – 0, Fax: (030) 90269 – 1299. Dazu § 6c des BDSG:

    § 6c Mobile personenbezogene Speicher- und Verarbeitungsmedien
    (2) Die nach Absatz 1 verpflichtete Stelle hat dafür Sorge zu tragen, dass die zur Wahrnehmung des Auskunftsrechts erforderlichen Geräte oder Einrichtungen in angemessenem Umfang zum unentgeltlichen Gebrauch zur Verfügung stehen.

    Das ist nicht gewährleistet, wie es scheint. Eine Auskunftsstelle für ganz Berlin mit ca. 3 Millionen Einwohnern und Dutzenden Meldeämtern? Schwer zu erklären, dass diese Abdeckung „angemessen“ sein soll. Wer kann da helfen und aus den Ämtern berichten?

    Das Amt verzeichnet auf seiner Webseite:

    Zentrale Ordnungsaufgaben Einwohnerwesen
    Auskünfte zur eigenen Person

    Auskünfte zur eigenen Person und Bescheinigungen aus dem Melderegister

    Jeder Einwohner hat gegenüber der Meldebehörde ein Recht auf gebührenfreie schriftliche Auskunft über alle zu seiner Person gespeicherten Daten.

    Diese Auskünfte können nur persönlich oder schriftlich (bitte Kopie des Personalausweises/ Reisepasses beifügen) mit eigenhändiger Unterschrift beantragt werden.

    Zumindest für die offline zu beantragende Auskunft gibt es vermutlich keine Bedenken, was die Verfügbarkeit und Bereitstellung der Dienstleistung angeht. Es wäre mal zu überprüfen, wie es mit der Auskunft über die auf dem Chip gespeicherten Daten aussieht. Spätestens ab 2007, wenn biometrische Fingerabdrücke mitgespeichert werden, wird das interessant.

    Am Rande: Der Zugang zur Datenbank Juris ist nicht nur teuer, sondern auch im öffentlichen Teil nicht immer aktuell: die Webseite zeigt das BDSG von 1990, wo die jüngeren Änderungen von 2003 nicht enthalten sind. Fündig wird man z.B. beim Infomaten des Berliner Beauftragten für den Datenschutz, wo das BDSG in der geltenden Fassung vom 14.1.2003 zu haben ist (PDF). Guter Start ist natürlich auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz. Dort gibt es neben dem BDSG als PDF auch nicht-deutschsprachige Informationen und europa-bezogenes Material.

    21. Dezember 2005
  • : Bundestags-Grüne gegen EU-weite Überwachung / Datenspeicherung
    Bundestags-Grüne gegen EU-weite Überwachung / Datenspeicherung

    Das haben wir hier bisher übersehen: Die Grünen haben noch am Tag des Beschlusses im EU-Parlament einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der
    – an zwei Entschließúngen des Bundestages gegen Data Retention erinnert,
    – das „mangelnde Engagement der Bundesregierung“ missbilligt,
    – sich gegen eine Änderung von §96 Abs 2 (Speicherung von Verkehrsdaten) des TKG ausspricht,
    – die Bundesregierung auffordert, die Verhandlungen im Ministerrat wieder aufzunehmen mit dem Ziel einer Ablehnung der Mindestspeicherfrist,
    – sich gegen „bürokratische Maßnahmen“ ausspricht, die „Unternehmen mit Kosten belasten“.

    Klingt alles sehr schön, ist aber wohl doch etwas illusorisch. Die Grünen waren immerhin unter Schily und Zypries an der Regierung und haben ihre Minister hier auch nicht im Griff gehabt. Es würde sicher helfen, wenn die Partei-Promis wie Fischer, Künast, Kuhn, Roth oder Bütikofer mal deutlich und öffentlich etwas gegen den Datenspeicherzwang sagen, nicht immer nur die zweite Reihe.
    (Danke an Hanno Stock für den Hinweis, der auf der neuen, aber inzwischen recht aktiven Mailingliste AK-Vorrat kam. Wer drauf will: mailto:majordomo@mail.stop1984.com, Subject=„subscribe ak-vorrat“, Text=„subscribe ak-vorrat“.)

    20. Dezember 2005 1
  • : Rechtliche Fragestellungen des SonyBMG Rootkit
    Rechtliche Fragestellungen des SonyBMG Rootkit

    Fred von Lohmann von der Electronic Frontier Foundation kommentiert in Law.com das SonyBMG – Rootkit: Sony BMG’s Copy-Protection Quagmire

    From a legal perspective, the many suits against Sony BMG will raise a welter of questions of first impression for the courts on whose dockets they appear. Whether those courts have an opportunity to rule on all of them may depend on whether Sony BMG opts to seek an early and comprehensive settlement aimed at repairing the damage that already has been done by its ill-considered copy-protection strategy. But irrespective of the outcome in these cases, counsel advising companies that distribute software with their products have been afforded a sneak preview of the kinds of legal actions that can be brought against clients that release defective software into the national marketplace.

    19. Dezember 2005
  • : Die elektronische Gesundheitskarte
    Die elektronische Gesundheitskarte

    Das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF) hat einen Reader zur elektronischen Gesundheitskarte veröffentlicht. Darin finden sich viele Informationen zu der eingesetzten Technik, dem Datenschutz und was auf die Patienten zu kommen wird. Derzeit gibt es hier einen provisorischen Download.

    15. Dezember 2005 3
  • : Vorratsdatenspeicherung hacken
    Vorratsdatenspeicherung hacken

    Anfang September hatte ich schon mal über „10 Wege, eine Vorratsdatenspeicherung zu umgehen“ geschrieben. Da sie jetzt definitiv kommen wird, kann ich den dazu passenden Artikel von Brenno de Winter aus den Niederlanden und meinen alten Beitrag dazu nur empfehlen. Brenno de Winter wird auch auf dem 22. Chaos Communication Congress über dieses Thema („Hacking Data Retention“) sprechen.

    15. Dezember 2005 1
  • : Europaparlament beschliesst Vorratsdatenspeicherung
    Europaparlament beschliesst Vorratsdatenspeicherung

    Soeben hat das Europaparlament die Vorratsdatenspeicherungs-Richtlinie mit 378 Stimmen beschlossen. 197 Abgeordnete stimmten dagegen bei 30 Enthaltungen. Damit ist leider der Weg frei für eine flächendeckende Überwachungsinfrastruktur in Europa, die 450 Millionen Bürger unter Generalverdacht stellt. Jetzt kann man nur noch auf die Gerichte hoffen und die Politiker bei den nächsten Wahlen zur Verantwortung ziehen.

    Was bekommen wir jetzt?

    * Auf jeden Fall eine Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikations- und Internetverbindungsdaten
    * Entgegen dem Anliegen keine Harmonisierung der Speicherdauer. Eigentlich sollen die Daten zwischen 6 und 24 Monaten aufbewahrt werden, aber länger ist erlaubt, da Polen mindestens 15 Jahre alles speichern möchte.
    * Keine Harmonisierung bei der Entschädigung der entstandenen Kosten für die Umsetzung der Richtlinie
    * Es wurde keine Beschränkung auf Terrorismus und Organisiertes Verbrechen festgelegt, sondern allgemein auf „schwere Straftaten“. Nationale Gesetze sollen hierfür die Grundlage bieten, was eine „schwere Straftat“ ist. Wieder keine Harmonisierung.
    * Nicht zustande gekommene Telefonanrufe werden trotzdem gespeichert
    * Es gab keine unabhängige Evaluation, dass diese invasive Massnahme überhaupt was bringt.
    * Es wurden keine Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien in die Richtlinie integriert

    Und in der europäischen Union wird sowas als Harmonisierung verkauft?

    Update: Wer sich dafür interessiert, welcher Abgeordnete für welche Änderungsanträge gestimmt hat, wird hier fündig. Kleiner Tip: Die Farbe „Grün“ sind die „Guten“. Die Farbe „Rot“ steht für alle, die der „Kompromisslinie“ zugestimmt haben.

    14. Dezember 2005 54