Gestern noch ein Hack, morgen offizielle Politik:
Auf dem CCC-Kongress bereichteten unsere Freunde aus Österreich von einem Hack der örtlichen Überwachungskameras. Sie konnten sich (über die Funksignale soweit ich mich erinnere) Zugang zu den Bildern verschaffen und so sehen, was die Leute in den Überwachungszentralen so interessiert. Das waren dann interessanterweise mehr die umliegenden Wohnzimmerfenster als die Straßen – was die öffentliche Akzeptanz nicht gerade gefördert hat, als es raus kam.
In England ist man nun dabei, diese Idee als öffentliche Infrastruktur zu implementieren, wie Telepolis berichtet: In einem Modellversuch in einem Stadtteil von London bekommen die Anwohner dort ab März über Kabelfernsehen Zugang zu den 400 Überwachungskameras auf den Straßen. Am Ende sollen 20.000 Haushalte angeschlossen sein.
Das scheint wie eine Annäherung an das Konzept von „sousveillance“ (etwa: „alle überwachen“), aber im Rahmen einer öffentlichen Infrastruktur. Endlich wird dann Reality-TV nicht mehr vom Privatfernsehen angeboten, sondern kommt gleich aus dem richtigen Leben. Die beiden Bedeutungen von „Big Brother“ (RTL-Show und Überwachung) werden damit wieder zusammenfallen. Weiss jemand, was die britischen Datenschützer dazu sagen? Wilde Zeiten sind das jedenfalls.