sein soziales Netzwerk X hat Elon Musk in eine rechtsradikale Propaganda-Plattform verwandelt, dem KI-Chatbot Grok seine reaktionäre Weltsicht übergestülpt. In Kombination haben die beiden Online-Dienste den Skandal rund um sexualisierte Deepfakes verursacht. Musk stört’s kaum. Anstatt das Feature direkt abzuklemmen, freute er sich anfangs noch öffentlich über gestiegene Zugriffszahlen.
Viele Nutzer:innen haben sich inzwischen angewidert von der Plattform verabschiedet. Und doch gibt es seriöse deutsche Medienangebote wie Spiegel, Zeit oder tagesschau.de, die weiterhin in dem sozialen Netzwerk aktiv sind und dazu beitragen, es am Leben zu erhalten. Ihre Begründung: Sie wollen Filterblasen durchdringen und demokratischen Diskurs ermöglichen.
Wir haben die X-Auftritte einiger Medien unter die Lupe genommen und überprüft, ob sie dieses Versprechen einhalten können. Und wir haben uns beim Waten durch den braunen Sumpf gefragt, wie weit Musk eigentlich noch gehen muss, bis auch den letzten auf X Verbliebenen der Geduldsfaden reißt.
Mit blutenden Augen grüßt
Tomas
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Sie wollen Qualitätsjournalismus hochhalten und einen Gegenpol auf der Plattform X bieten. Doch Tagesschau, ZDFheute, Spiegel und Zeit erreichen weder viele Views noch positive Interaktionen mit dem Publikum. Was ihnen vor allem entgegenschlägt, ist Hass. Warum bleiben sie trotzdem da? Eine Analyse.
Deutschlands Bürger müssen ihre Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen. Viele entscheiden sich deshalb für das Sparen mit ETFs. Damit setzen sie stark auf Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley. Ist das moralisch fragwürdig?
Bei der Verschärfung des Polizeigesetzes in Sachsen könnte das Bündnis Sahra Wagenknecht der Minderheitskoalition zur Mehrheit verhelfen. Die BSW-Fraktion hat nur wenige Einwände gegen den Ausbau der Überwachung der sächsischen Bürger:innen. Das zeigt die Stellungnahme der Fraktion, die wir veröffentlichen.
Die 5. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 16 neue Texte mit insgesamt 117.090 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.
Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.
heise online
In einem lesenswerten Interview spricht der Geschäftsführer der Informationstechnischen Servicestelle der gesetzlichen Krankenversicherung, Stefan Haibach, über politische Hürden, unnötigen Wettbewerb und was digitale Souveränität für ihn bedeutet.
Golem
Laut Daten der Bundesnetzagentur verschleppen es deutsche Mobilfunkbetreiber, Funklöcher zu schließen. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich der Abbau der Lücken demnach fast halbiert; besonders dramatisch sei die Lage in Hessen.
D64
Den Entwurf des Bundesjustizministeriums zur Vorratsdatenspeicherung kritisiert D64 als massiven Eingriff in die Privatsphäre. Als Alternative schlägt die NGO vor, die "Login-Falle", OSINT-Maßnahmen sowie eine schnellere und digitalere Justiz zu nutzen.
Gizmodo
Ein Monat ohne BigTech: Mit diesem Boykott wollen ICE-Kritiker*innen Tech-Konzerne dazu bringen, mäßigend auf die US-Regierung einzuwirken.
Ars Technica
Chatbots philosophieren über ihr Dasein: Die Plattform Moltbook ist ein menschenunabhängiges Rollenspiel.
Wired
Menschen dokumentieren Vergehen von ICE-Paramilitärs mit ihren Smartphone-Kameras. Wired erklärt, wie eine derartige Dokumentation möglichst sicher abläuft.
TechSpot
Robotaxis von Tesla sind häufiger in Unfälle involviert als Kfz mit menschlichen Fahrer*innen. Das ergeben Daten der US-Straßensicherheitsbehörde.
Pitchfork
Der Sänger Neil Young bietet allen Bewohner:innen Grönlands ein kostenloses einjähriges Abonnement für seine Musikbibliothek an. Das Angebot solle den "unberechtigten Stress" durch die "unpopuläre und hoffentlich vorübergehende" US-Regierung lindern.
Der Spiegel
Versehentlich auf "Kaufen" geklickt? Künftig müssen Online-Shops einen gut sichtbaren Widerrufsbutton haben. Nach dem Bundestag hat nun auch der Bundesrat der entsprechenden Änderung im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zugestimmt.
Politico
Die neue niederländische Minderheitsregierung hat sich für ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige ausgesprochen. Ähnlich wie bei den Vorstößen aus Frankreich und Österreich ist die Vereinbarkeit mit EU-Recht fraglich.
3 Ergänzungen
Thomas Rudl sagt: „… wie weit Musk eigentlich noch gehen muss, bis auch den letzten auf X Verbliebenen der Geduldsfaden reißt.“
Lieber Thomas,
die Pocken und Masern waren nahezu ausgestorben. Mit dem Neo-Faschismus hat es so leider nicht geklappt, und es gab nur ein blutiges Ohr. Cholera und Pest könnten folgen.
Die treffendere Frage aber wäre, nach welchen Maßstäben können Medien, die sich auf „X“ herumtreiben, überhaupt noch als seriös gelten?
Wenn man Grok (wie jede andere A.I.) einfach ignoriert und nur in seiner eigenen Filterblase auf X bleibt, gehts eigentlich. Ich bin da bisher noch nicht mit braunem Schund belästigt worden. Was jetzt wenig daran hindert, dass die algorhythmierte Timeline zur Propaganda-Schleuder geworden ist, aber die habe ich schon zu Twitterzeiten kaum genutzt. Die andere, die nach meinen Wünschen befüllt wird, sah da schon immer besser aus.
Liebe Leser*innen, gerade wollen ganz viele Bundesländer ihren Polizeien krasse Sachen erlauben. Verhaltensscanner etwa, also Videoüberwachung, bei der eine sogenannte KI analysiert, was die abgebildeten Menschen gerade tun. Als ich den Polizeigesetz-Entwurf aus Bremen gelesen habe, war ich deshalb erst mal erfreut, dass das Land sich immerhin diese Video-KI spart, auch wenn es sein Polizeigesetz […]
Liebe Leser:innen, in einem Gastbeitrag berichten zwei Forscher über die EU-Regeln, die Forschenden Datenzugang zu Plattformen garantieren sollen. Der Beitrag macht anschaulich, dass das nicht nur ein Thema für die Wissenschafts-Community ist, sondern uns alle angeht. Weil die Forschung es ermöglicht, das zu analysieren, was etwa auf Plattformen schiefläuft. Damit ist sie eine wichtige Säule […]
Liebe Leser*innen, es ist so weit. Die Debatte um ein Social-Media-Verbot für Kinder hat jetzt auch in Deutschland den Siedepunkt erreicht. Täglich bekunden weitere Mitglieder der Bundesregierung ihre „Sympathien“ für ein Verbot – von Digitalminister Wildberger bis Bundeskanzler Merz. Justizministerin Stefanie Hubig spricht sich ebenfalls für ein Komplettverbot für Kinder unter 14 Jahren aus. Sie […]
Thomas Rudl sagt: „… wie weit Musk eigentlich noch gehen muss, bis auch den letzten auf X Verbliebenen der Geduldsfaden reißt.“
Lieber Thomas,
die Pocken und Masern waren nahezu ausgestorben. Mit dem Neo-Faschismus hat es so leider nicht geklappt, und es gab nur ein blutiges Ohr. Cholera und Pest könnten folgen.
Die treffendere Frage aber wäre, nach welchen Maßstäben können Medien, die sich auf „X“ herumtreiben, überhaupt noch als seriös gelten?
Wenn man Grok (wie jede andere A.I.) einfach ignoriert und nur in seiner eigenen Filterblase auf X bleibt, gehts eigentlich. Ich bin da bisher noch nicht mit braunem Schund belästigt worden. Was jetzt wenig daran hindert, dass die algorhythmierte Timeline zur Propaganda-Schleuder geworden ist, aber die habe ich schon zu Twitterzeiten kaum genutzt. Die andere, die nach meinen Wünschen befüllt wird, sah da schon immer besser aus.
Eines der Probleme an der ganzen Sache ist, dass sich viele Menschen den Luxus, es einfach zu ignorieren, nicht leisten können.