„Thin Blue Line“Polizei ist zu extremistischer Symbolik gespalten

Auch in Bayern liest die Polizei netzpolitik.org, zeigt ein internes Papier des LKA. Darin geht es um eine dünne blaue Linie, die für eine verschworene Solidargemeinschaft steht. Die in rechten Polizeikreisen verbreitete Symbolik könnte demnach gegen das Neutralitätsgebot verstoßen und dienstrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Nicht alle Polizist:innen sehen das so.

Das Bild zeigt eine linke Hand auf schwarzem Grund, am Zeigefinger befindet sich ein schwarz-blau-schwarz gestreifter Ring.
Die fragwürdigen Ringe, Armbänder, Flaggen, Tassen und Patches werden in Deutschland von einem Autohändler vertrieben. CC-BY 2.0 Eli Christman

Anfang des Jahres haben wir über den Umgang mit der so genannten „Thin Blue Line“ innerhalb der deutschen Polizei berichtet. Das Symbol dieser dünnen blauen Linie auf schwarzem Grund bezeichnet für viele Beamt:innen den Schutz der Gesellschaft vor Verbrechen, Gewalt und Chaos, den nach dieser Lesart nur sie bieten könnten. Andere wollen es als Zeichen der Solidarität und Anerkennung verletzter und getöteter Kolleg:innen verstanden wissen. Den unterschiedlichen Interpretationen ist gemein, dass sich die Polizei als eine verschworene Solidargemeinschaft begreift.

Anlass unseres Artikels waren erneute Äußerungen von Polizeibehörden, in diesem Fall aus Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz, die sich über Weihnachten positiv auf die blau-schwarze Symbolik bezogen haben. Die Polizei in Mannheim hat einen entsprechenden Tweet anschließend wieder gelöscht.

Merchandising-Webseite geschlossen

Der viel gelesene Beitrag hat für ebensoviel Furore gesorgt. Auch andere Medien wie das Magazin Belltower von der Amadeu Antonio Stiftung haben berichtet. Eine von einem Polizisten eingerichtete Webseite, die die „Thin Blue Line“ immer wieder positiv dargestellt und entsprechendes Merchandising vertrieben hat, wurde vom Betreiber eine Woche später geschlossen. Die Gründe werden in einem Abschiedsposting nicht benannt, der Mann arbeitete jedoch bei der Polizei in Mainz, vielleicht wurde er von seiner Dienststelle oder Kolleg:innen dazu angehalten.

Auch die Polizei in Bayern liest netzpolitik.org, das belegt ein uns vorliegendes „Informationsangebot“ des Landeskriminalamtes (LKA) in München zur Verwendung der „Thin Blue Line“ vom 31. März. Die elf Seiten starke Ausarbeitung wurde von der Abteilung „Strategisches Innovationszentrum“ verfasst und verweist an mehreren Stellen auf unseren Artikel.

Zunächst wird darin der in den USA verortete Ursprung des Symbols dargestellt und die Vereinnahmung durch rechte Kreise in den USA und Deutschland beschrieben. Problematisiert wird auch die von US-Polizist:innen gegründete, rechte Bewegung „Blue Lives Matter“, die als bewusste Gegenbewegung zur „Black Lives Matter“ entstand.

„InstaCops“ befördern Akzeptanz von Polizeigewalt

2016 startete eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Thin Blue Line Germany“. Auch auf Instagram sind Polizist:innen seitdem unter dem Hashtag #InstaCops zur dünnen blauen Linie unterwegs. Ein Beitrag in der Zeitschrift CILIP beschreibt, wie dort autoritäre und rechte Narrative dazu beitragen, rechtswidrige Polizeigewalt zu akzeptieren.

Die dünne blaue Linie ist mit einem „zum Teil historisch begründeten, aber auch aus der Vereinnahmung durch extremistische Kreise herrührenden Symbolgehalt verbunden“, fasst das LKA in München unter der Überschrift „Warum bei der Verwendung des ‚Thin Blue Line‘-Symbols unbedingt Vorsicht geboten ist“ im letzten Kapitel zusammen. Sie könne demnach gegen das Neutralitätsgebot verstoßen und dienstrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Als mögliche Verstöße nennt die Ausarbeitung die Nutzung auf Uniform und Einsatzmitteln, als Schmuck oder in der Signatur des dienstlichen E-Mail-Accounts. Dies gelte „insbesondere wegen des Protestcharakters, den das Symbol ebenfalls verkörpert“.

Beamt:innen zu Neutralität und Mäßigung verpflichtet

Auch außerhalb des Dienstes wird die Verwendung als „nicht völlig unproblematisch“ bezeichnet, etwa als Patch, Anstecker, Fahne oder bedruckten T-Shirts, die auf Veranstaltungen getragen werden. Dies betreffe auch die Nutzung „Thin Blue Line“ als Hashtag auf dem privaten Account bei Twitter oder Instagram.

In beiden Fällen sei zur dienstrechtlichen Bewertung dieser „außerdienstlichen Verwendung“ aber der Kontext sowie die zugrundeliegende Motivation „im jeweiligen Einzelfall zu würdigen“. Zwar müsse die Meinungsäußerungsfreiheit berücksichtigt werden, jedoch oblägen Beamt:innen auch der Pflicht zur Neutralität und Mäßigung.

In der Bevölkerung könnte etwa die mit der „Thin Blue Line“ induzierten Unterscheidung in rechtschaffene Bürger:innen und „die Kriminellen“ Zweifel an der Objektivität und Unparteilichkeit der polizeilichen Dienstausübung hervorrufen.

GdP vs. DPolG

Ein klares Verbot der Verwendung der „Thin Blue Line“ gibt es in Bayern aber nicht. Es ist deshalb fraglich, was das „Informationsangebot“ des LKA bewirken soll. Dass es auch anders geht, zeigt die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die 2019 noch von der Symbolik begeistert war und in der Mitgliederzeitung schrieb, der Bundesvorstand habe „die Signale auf grün für die Produktion des Patches gestellt“. Eine Weisung des Bundesinnenministeriums, die Aufnäher nicht an der Uniform zu tragen, kommentierte der Landesvorstand im Saarland damals vielsagend, er habe dazu „eine spezielle Meinung, die an dieser Stelle besser nicht veröffentlicht wird“.

Später vollzog die GdP jedoch eine Kehrtwende. Der Bundesvorstand stehe „der Aktion seit Längerem skeptisch gegenüber“, zur Begründung wird gegenüber netzpolitik.org „insbesondere der erschütternde Vorfall um den Tod des US-Amerikaners George Floyd sowie folgende Entwicklungen“ genannt, außerdem der Umgang mit dem daraus bei der Polizei entstandenen Hashtag #BlueLivesMatter.

Dass die als eher sozialdemokratisch geltende GdP Abstand nahm, dürfte bei der oft rüpelhaft auftretenden Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) als Herausforderung verstanden werden. Demonstrativ zeigte sich der Kölner Ableger auf Twitter mit einem US-Polizeisportwagen der Autohändler von „tributecopcar.de“. Ihr Gründer hat nach eigener Aussage ab 2016 für die Einführung der „Thin Blue Line“ in Deutschland gesorgt. Über die Webseite werden deutsche Polizist:innen seitdem mit reichlich Armbändern, Flaggen, Tassen und Patches mit dem Symbol versorgt.

31 Ergänzungen

  1. Die DPolG hat das Ansehen und Vertrauen der Polizei in weiten Teilen der Bevoelkerung mehr beschaedigt als alles andere in den letzten 50 Jahren, und sie macht munter weiter. Genauer gesagt: die DPolG und das akzeptierende Schweigen der meisten Polizisten dazu.

    1. Ich würde mal gerne wissen, was der Autor glaubt zu sein! Die Polizei der Polizei! Eher jemand der sich eher mal um sein eigenes Leben, Familie und Kinder kümmern sollte. Als so ein linksorientierte Meinung zu schreiben. Er hat weder Ahnung von Polizeiarbeit noch vom wahren Leben!

      1. Und wer ist DANN die Polizei der Polizei?
        Irgendwer oder irgendwas muss die Rolle ja innehaben, in einem System, das auf „Checks and Balances“ beruht.

      2. Ich würde gerne mal wissen, was Gehtdichnixan glaubt zu sein! Die Polizei der Medien! Ist das dann die 5. Gewalt?

        Jedenfalls finde ich es erschreckend, so eine Ergänzung zu lesen. Geht es nur mir so oder sind diese „unqualifizierten Poebeleien“ ein Einschüchterungsversuch (vermutlich nicht im juristischen Sinn, dazu sind sie vielleicht zu vage und lassen Interpretationsspielraum)?

        Für mich zeigt das offensichtlich, was für ein Kielwasser die blaue Linie (zumindest auch) hat. Daher finde ich es gut, dass die Ergänzung veröffentlich wurde.

        1. So sehe ich das auch, deshalb habe ich den Kommentar freigeschaltet. Frappierend finde ich den Ausspruch „Die Polizei der Polizei!“, der zeigt weshalb es dringend eine Debatte um die fehelnde Neutralität vieler Beamt:innen braucht.

          1. Warum redet eigentlich niemand über die Ursachen der fehlenden Neutralität vieler Polizeikräfte? Wenn Du nur einen Tag mit den armen Hunden tauschen müsstest (vorzugsweise in der Großstadt), dann würde sich deine Neutralität ganz schnell neutralisieren. Und vergiss nicht, russische Produkte zu boykottieren und die ukrainische Fahne zu hissen, sonst bist du kein Demokrat.

    2. Besagter Artikel ist tendenziös und entbehrt jeglicher Hintergrund-Informationen. Was genau ist denn „Thin Blue Line“? Wie und vor welchem Hintergrund ist dieser Begriff, ist diese Symbolik entstanden? Wieso liegt hier extremistische Symbolik vor? Spielen Hintergrundinformationen zur Verurteilung einer Symbolik denn keine Rolle mehr in unserem Land, in unserer Gesellschaft? Genügt es für die Verurteilung einer unter positiven Gesichtspunkten für hunderttausende von Polizeibeamten in aller Herren Länder erstellten und genutzten Symbolik, dass diese von einigen rechtsextremen und ausländerfeindlichen Personen missbräuchlich verwendet wird? „Thin Blue Line“ gab es bereits lange vor „Black Lives matters“. Die „Thin Blue Line“ wurde bereits 1995 in der gleichnamigen britischen Sitcom als polizeiliche Symbolik thematisiert. Bezüge zu Ausländerfeindlichkeit oder Rechtsextremismus gab es da noch nicht. Das sind Informationen, die man ganz leicht googlen kann! Ist das Erheben und Bewerten von derart einfach zu findenden Information durch deutsche Medien etwa zu viel verlangt? Sollen wir uns von extremistischen Idioten gleich welcher Couleur jeglicher Symbolik berauben lassen? Dank Euch lassen wir uns von extremistischem Pack durch die Gassen treiben und bilden uns auch noch ein, dass das klug und richtig sei! Oder glaubt Ihr, man müsse die Polizeieinheiten auf dieser Welt von jeglichem Stolz, jeglichem Zugehörigkeitsgefühl, jeglichem Korpsgeist befreien? Denkt Ihr wirklich, dass die Polizei dann bürgernäher arbeitet? Ist der Korpsgeist einer Organisation, die den Willen und den Auftrag hat, gegen das Unrecht einzustehen und dem Bürger Schutz zu gewähren ein schlechter Antrieb? Was für eine Polizei wollt Ihr denn haben? Seit 25 Jahren verrichte ich meinen Dienst in einer Polizeidienststelle. Ich habe unzählige Leichen untersucht, viele Todesnachrichten überbracht, habe körperliche und sexuelle Gewalt in einem Ausmaß erlebt, das den meisten von Euch fremd sein wird. Ich habe Leid und Elend in einem Umfang erlebt, dass bei vielen anderen zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen würde. Ja, ich werde dafür ausreichend alimentiert. Und natürlich ist dies das Los, das ich selbst als junger Mann für mich gewählt habe. Damals war ich voller Enthusiasmus, voller Drang, der Gesellschaft einen guten Dienst zu leisten. Ich war voller Ideale und meine Moral war unschlagbar. Ich habe nie nach Ruhezeiten gefragt, hatte ein Feldbett auf dem Schrank meines Büros liegen. Jetzt stütze ich mich nicht mehr auf mein Feldbett, sondern auf die europäischen Arbeitszeitvorschriften. Denn inzwischen hat sich das Blatt bei mir gewendet. Ich verrichte meinen Job größtenteils emotionslos und frei von jugendlichen Illusionen. Ich bemühe noch in ausreichendem Maße, meinen Job vor meinen Kollegen gut zu machen. Gedanklich habe ich meinen Dienst aber bereits hinter mir. Das einzige Ziel, dass ich noch vor Augen habe, ist meine Pensionierung. Die Polizei bedeutet mir nicht mehr viel. Deswegen bin ich selbst auch gar nicht übermäßig davon berührt, dass man der Polizei hier eines Symbols für den Zusammenhalt (gegenüber dem Unrecht, nicht gegenüber den Bürgern!) beraubt. Schade ist das alles nur für die jungen Kollegen, die noch nicht so weit sind wie ich (aber irgendwann sicher auch mein Frustrationsniveau erreichen).

      1. „Die „Thin Blue Line“ wurde bereits 1995 in der gleichnamigen britischen Sitcom als polizeiliche Symbolik thematisiert. Bezüge zu Ausländerfeindlichkeit oder Rechtsextremismus gab es da noch nicht.“
        Die Kinderficker vom BBC hat man auch erst gefunden, als man da mal nachgeschaut hat. 1995 ist nicht für Untersuchungen zu systematischem Rassismums, oder rechten Netzwerken bekannt, im Gegenteil.

        „Thin Blue Line“ ist nicht „ein Symbol für den Zusammenhalt“ sondern ein sehr spezifisches Bild.
        – Was trennt die Linie von was?
        – Was passiert, wenn die Linie wegfällt?
        – Was verbindet die Linie?
        – Gibt es noch dünne Linien anderer Farbe?
        – Wenn die Polizei die dünne Linie ist, eingedenk der „dünnen Decke der Zivilisation“, was ist denn mit dem Äquivalent auf Bürgerseite? Wo gerade alles den Bach runtergeht, ist nicht der kleine bürgerliche Rest an Selbstbeherrschung doch auch schon eine dünne Sache?
        – Fallen Gesetze und Kriminelle und sonstwas vom Himmel? Das ist für mich einer der entscheidenden Teile. Spätestens wenn die Polizei umsetzt, was Feinde der Gesellschaft wollen (Hausdurchsuchung für 1 Pimmel /Link ist ganz glasklar so ein Fall, Urheberrecht zugunsten der Investoren vom Axel Springerverlag, …), ist sie eben auch Handlanger, bzw. repräsentiert den Teil des Systems mit, der hier schiefläuft. Insofern ist es schon wichtig, dünne blaue Linien zu hinterfragen.

        Hier ist eigentlich ganz nett „erklärt“: https://www.ukcophumour.co.uk/shop/thin-blue-line-velcro-patch/
        Die Linie geht mitten durch die Nation [-alflagge]. Trennt sie also quasi in zwei Hälften. Das kann es nicht ernsthaft sein.

        Dass die Polizei überdurchschnittlich viel mit Verbrechen zu tun hat, ist leider klar. Die Frage ist, ob das Symbol für sich bereits wirklich einen gesellschaftlich akzeptablen Sinn trägt. Ein guter Anfang wäre ja mal eine Erklärung, was mit der „Thin Blue Line“ gemeint ist. Es ist ja nicht so, dass z.B. Hakenkreuze prinzipiell ok sind, weil sie mal ganz was harmloses dargestellt hatten. Dumm wäre, das Symbol mitzumachen, nur weil andere es machen – auf diese Sorte Korpsgeist können wir alle gerne bitte verzichten.

  2. „Die … Symbolik könnte demnach gegen das Neutralitätsgebot verstoßen … . Nicht alle Polizist:innen sehen das so.“

    Wen interessiert schon wie die Polizisten das sehen? Wichtig ist, wie es das Gericht sieht.

    1. Sehe ich genauso, die Polizei ist kein Verein wo sie sich die Trikots aussuchen können. Solche Gang Symbole haben an der Uniform nichts zu suchen.

  3. Letzter Absatz, zweite Zeile
    „bei der oft rüpelhaft auftretenden Gewerkschaft der Polizei (DPolG)“ soll sicherlich heißen:
    > bei der oft rüpelhaft auftretenden Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG)

    Bitte korrigieren, danke.

  4. Ich kenne zufällig zwei Polizisten, die wenig über den Dienst reden. Wenn aber doch mal, dann geht es in die Richtung: dass nach Vorgaben „der Politik“ die Polizeiarbeit in ihrer tagtäglichen Härte und in einer zur Gewohnheit gewordenen gerichtlichen Unterlaufen dieser Arbeit in der Öffentlichkeit nicht richtig dargestellt wird. Auch und vor allem von den Zeitungen nicht. Diese Falschdarstellung laufe über entsprechende „Richtlinien“. Etwa dass als Angriff auf einen Polizeibeamten nur Delikte gelten, bei denen der betreffende Beamte anschließend für mindestens 3 Tage krankgeschrieben worden sei. (Von mir nicht nachgeprüft.) — Dass es unter diesen Umständen zu einem gewissen Korpsgeist kommt, ist für mich persönlich nicht weiter verwunderlich.

    1. „Etwa dass als Angriff auf einen Polizeibeamten nur Delikte gelten, bei denen der betreffende Beamte anschließend für mindestens 3 Tage krankgeschrieben worden sei.“ – das würde ich jetzt im Ordner gefährliches Halbwissen abheften. Was – soweit ich das überblicke – vorkommt, das die Verfolgung von Angriffen wegen der Dauerüberlastung der Justiz nur gefiltert nach „erheblichen Delikten“ stattfindet, die Zählung oder Erfassung (oder Schätzung) sehr wohl funktioniert.

      Wenn sich eine Gruppe dauerhaft unfair behandelt fühlt, schürt das den Korpsgeist (kann man auch auf der Seite der durch die Polizei behandelten beobachten), das ist verständlich, aber keine Lösung.

      (Drauf warten, das sich die „andere Seite“ zunächst bewegt, übrigens auch nicht.)

      1. Die meisten Polizisten ueberschaetzen die eigene Qualifikation und Kentnisse von Rechtsfragen erheblich, setzen diese aber kompromisslos durch und deuten jeden Widerspruch als zu unterbindenden ungerechtfertigten Zweifel an ihrer Autoritaet.

        Im Ergebnis sind Aussagen von Polizisten zu Rechtsfragen generell nicht vertrauenswuerdig.

        1. Und was ist, wenn die Tätigkeit der Polizei sich tatsächlich Wort für Wort an den Gesetzestext hält und die Entscheidung des Gerichtes nicht? Richter sind auch Einzelpersonen, die Entscheidungen aufgrund eigener Erfahrungen oder politischer Zugehörigkeiten treffen. Auch wenn das nicht so sein soll!

          Ich habe fast 30 Dienstjahre und erlebe das leider nur zu oft.

          Ich denke schon, dass „wir“ Polizisten in unserem eigenen, täglich ausgeübten Bereich, ausreichende Kenntnisse über die jeweiligen Rechtsfragen haben. Was glaubt ihr, was mancher studierte Anwalt für einen Murks erzählt.

          Ich habe vor Jahren einen Patch mit einer „dünnen blauen Linie“ erworben.
          Diesen habe ich aufgrund der Zusammengehörigkeit zu den Kollegen weltweit verstanden.
          Das dieses Symbol auch eine andere Bedeutung haben soll, habe ich erst in diesem Artikel erstmals gelesen!

        2. Nun, leider sind die meisten Polizisten nur im Glauben, wirklich das Gesetz zu verstehen. Vor Jahren kam ein Polizist mal zu uns in die Schule. Damals galt das Streamen und Downloaden von Filmen auf dubiosen Seiten noch als Grauzone. Der Vortrag des Polizisten handelte von Straftaten im Netz.
          Zitat: „Und wenn ihr diesen Kreis da seht, der sich in der Mitte immer dreht, dann wird der Film im Hintergrund gedownloaded. Das ist dann illegal und ihr macht euch Strafbar. Also da müsst ihr wenn dann aufpassen, dass dieser Kreis nicht kommt.“
          Ich kann mich leider nicht mehr an den Rest des Vortrages erinnern, aber dieser Blödsinn schwiert mir noch ein Jahrzehnt später im Kopf. Da kann man sich vorstellen, was für wirres Zeug dieser Herr noch so alles an dem Tag geplappert hat, welches weder technisch, noch rechtlich auch nur annähernd korrekt gewesen wäre.

          Es gibt einen Grund, warum sich viele Anwälte auf gewisse Themengebiete spezialisieren. Gesetze gibt es viele, sie sind lang, ändern sich stätig und oft kompliziert. Einem Polizisten kann und will ich nicht zutrauen, dass er sich immer an die aktuelle Gesetzeslage hält und diese für alle Situationen kennt. Deswegen haben wir die Gewaltenteilung.

          Aber der Dunning Krüger Effekt macht auch nicht vor Polizisten halt. Wer nur die Oberfläche eines Fachgebietes kännt, kann gar nicht wissen, wie tief dieses tatsächlich ist.

      2. „… bei denen der betreffende Beamte anschließend für mindestens 3 Tage krankgeschrieben worden sei.“ – das würde ich jetzt im Ordner gefährliches Halbwissen abheften.“

        Das ist kein Wissen meinerseits, weder ein halbes, noch ein ganzes. Ich hatte von der Mitteilung gesprochen und davon, dass ich das nicht überprüft habe. Wenn Sie in dieser Hinsicht ein Ganzwissen haben — nur her damit! Vielleicht gleich auch noch, ob das von Bundesland zu Bundesland oder von Stadt zu Stadt sogar unterschiedlich gehandhabt wird.

    2. Mit der Feststellung „einer zur Gewohnheit gewordenen gerichtlichen Unterlaufen dieser Arbeit“ positionieren sich diese Polizisten in einer Rolle, die der Polizei aus guten Gründen nicht zusteht. Das ist genau das Problem.

        1. Das wird nur mit einer Politik gehen, die die Polizei nicht primaer als ihre Kampftruppe gegen Buergerinteressen definiert. Also nicht mit Union und SPD.

      1. Ok, doch noch mal.

        „… diese Polizisten in einer Rolle, die der Polizei aus guten Gründen nicht zusteht.“

        Schon gut. Aber mir als Bürger, der ich Zeitungen lese und hin und wieder SPIEGEL-TV schaue, ist es mit guten Gründen erlaubt, über die Fälle nachzudenken, in denen Menschen — na gut: Männer wegen durchaus schwerer Delikte festgenommen und von Richtern bis zum Verfahren wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Leicht zu erschließen, dass es eine bestimmte Klientel der Polizei und der Gerichte gibt, die dieses System als ein System von Schwächlingen versteht. Eingeschlossen der Strafen, die nach dem Selbstverständnis der Täter „mit einer Backe“ abgesessen werden.

        Und auch das noch: Die Sache mit dem „nicht zustehen“ läuft doch auf eine alte Arbeitsteilung hinaus: Die mit den schlecht bezahlten Jobs tun die Knochenarbeit vor Ort und die Akademiker der höheren Gehaltsstufen befinden, wie es zu sein hat.

        1. Das mit dem Zustehen ist wohl eher aufgrund der Machtposition und der Berufsbedingten Häufigkeit der Konfrontation mit Kriminalität und gesellschaftlichen Abgründen aller Art, und der sicherlich im Schnitt daraus entstehenden stärkeren Voreingenommenheiten, die sich statistisch schon ganz einfach ergeben dürften, gedacht?

          Also kurz und falsch gesagt: Ich will nicht von einer Polizistin hören, was „normal“ ist.

          „Leicht zu erschließen, dass es eine bestimmte Klientel der Polizei und der Gerichte gibt, die dieses System als ein System von Schwächlingen versteht.“
          Die gibt es auch unter Kriminellen und sogar kurz vorher noch allgemein unter Menschen, die gerne mehr tun dürfen wollen, z.B. in der Wirtschaft. Das Ergebnis?
          Es gibt einfach kein Beispiel für ein funktionierendes System mit „Härte“. Vielleicht liege ich da falsch, gerne korrigieren, oder es liegt vielleicht an der Mehrdimensionalität der Vorgänge, dass bei Zulassen von Härte automatisch Korruption und irgendwann auch wieder Schlachtbetriebe (überspannt für US-Verhältnisse), und nicht mehr allzusehr differenzierende Zubringersysteme entstehen.

          Unter der Perspektive ist eine Position seitens „irgendwie Polizist“ bei Auslassen der Gesamtschau einfach auch etwas, was zu einer Formulierung wie „nicht zustehen“ verleiten könnte.

  5. Der Begriff Sozialdemokratie hat schon länger nicht mehr die Bedeutung, wie als er vor langer Zeit erfunden wurde. Die Passage „die als eher sozialdemokratisch geltende GdP“ hat mich dennoch sehr schmunzeln lassen. Zu dem Verein fällt mir einiges ein, aber auf den Begriff wäre ich nie gekommen. Es ist immer wieder erstaunlich, welch kuriose Beschreibungen verwendet werden. Aber irgendwer wird dies wohl so sehen, ich denke nicht das der Autor sich das selbst ausgedacht hat.

  6. Mir will noch immer nicht in den Kopf warum Blue life matters rechtsradikal sein soll. Klar gibt es auch bei der Polizei wie überall anders auch schwarze Schafe, aber der größte Teil der Polizisten tut was er oder sie tut, um Menschen zu schützen. Dazu riskieren sie mitunter auch ihre Leben und es kann doch nicht rechtsradikal sein zu sagen, dass diese Leben etwas zählen.
    Blue life matters heißt ja nicht, dass andere Leben nichts zählen. So wie black life Matters ja nicht bedeutet, dass andere Leben wertlos sind.
    Blue life matters ist keine Gegensatz zu black life Matters, sondern eine parallel Bewegung und Gegenstück zum von Linken gern beschrieenen „ACAB“ Unsinn.
    Davon abgesehen kenne ich den besagten Autohändler persönlich. Ein engagierter Mann, der z.B. nach dem Ahrhochwasser seinen Betrieb wochenlang zu gemacht hat um Hilfslieferungen zu organisieren und ins Ahrtal zu fahren.
    Ein Mann, der Charity Aktionen für krebskranke Kinder organisiert und sich gegen Gewalt an Polizisten und Rettungskräften stark macht.
    Was man ihm aber in keiner Weise nachsagen kann, ist rechtsradikale Gesinnung.
    Das scheint dem Autor dieses Artikels aber völlig gleichgültig zu sein.

    1. Dass „thin blue line“ zu nutzen rechtsradikal ist, hat niemand gesagt.

      Da es aber in der Historie jüngst viel von Rechten benutzt wird, und zudem für sich ein Symbol von zweifelhafter Aussage ist, wäre es vielleicht doch naiv, es einfach so mitzumachen, nur weil andere es auch machen?

      Insofern ist es eher so, dass hier Naivität vorgeworfen werden muss.

      ***

      Oh wie peinlich, sie schrieben von „blue life matter(s)“. Was „blue life matters“ sein sollen, ist mir nicht ganz klar, meinen die „Angelegenheiten des blauen Lebens“?

      Da könnte man Naivität unterstellen, denn wir sind die Blaublütler und ihren verrückten Scheiß kaum schon losgeworden, und da kommen wieder welche mit an… vielleicht ein anderes Thema.

      „Blue lives matter“ dahingegen ist ein direkter Anklang an „Black lives matter“ und damit automatisch als Gegenpol zu „Polizisten üben de facto rassistische Gewalttaten gegen Schwarze aus, z.B. weil sie irgendwie nicht Weiß sind.“, eine äußerst naive Sache, die ich auch plakativ in den Bereich von rechter Gegenpropaganda stellen würde, also im Prinzip ganz nah dran an „rechtsradikal“, weil es konstruktionsbedingt die berechtigte Aussage von „Black lives matter“ zu relativieren versucht.

      Spätestens die interne Aufsicht sollte solches untersagen. Das ist kein akzeptables Symbol, auch nicht von und nicht überm Teich.

  7. Ich würde weiter gehen: „Thin blue line“ ist eine Mischung aus Hybris und Erfüllungsgehilfentum für konkrete Menschenfresserei.

    1. Ordnung ist wichtig, aber es gibt auch noch das Ordnungsamt.
    2. Die Polizei löst keine gesellschaftlichen Probleme. (Aktiv, bzw. auf eigene Faust. Die Polizeigewerkschaft offenbar auch nicht).
    3. Diejenigen, die die Bedingungen für die Menschen derart an die Wand fahren, dass weder Polizei noch Menschen klarkommen, sitzen in anderen Etagen und rauchen anderes Zeug. Wer schützt die Zivilisation vor denen? Die Polizeien dieser Welt wohl nicht.

    „Thin blue line“ als Parole, also weitergedacht, stützt die Etagen unter 3. gegenüber allen anderen.

    1. Andere formulieren es so: https://www.ukcophumour.co.uk/shop/thin-blue-line-velcro-patch/ „It is generally agreed that the badges represent good and evil in the world – with the only thing standing between them is the “Thin Blue Line” of Law Enforcement.“

      Also nicht zu dünn aufgetragen. Die Frage ist, an wen sich so ein Symbol wenden soll, und wie das qualitativ wie auch quantitativ eigentlich aussieht. Das Argument mit der Linie scheint ja eines der Sorte zu sein, wo man von einem Tag auf den anderen einen Systembestandteil herausnimmt, und sich dann vorstellt, wie es dann weitergeht, wobei nicht an blumigen Beschreibungen gespart wird. Natürlich würden sich Milizen bilden, lokal Zufallssteuern erhoben werden, Lynchjustiz, Warlords oder Militärdiktatur (Flecktarn ist eine insel!), usw., Regierungszonen zerfallen, usw., und irgendwann sind wir wieder bei einem Staat mit Law Enforcement.

      Während das allmähliche erodieren der Gesellschaft nur isoliert als Gesetzesbrecherei wahrgenommen wird, dankbar eingeteilt in Gut und Böse – Ausführende mit Bedürfnis für Wertschätzung?

      Das Problem an der Linie ist eben, dass sie von den tatsächlich zugrundeliegenden Problemen ablenkt. Als Unmutsbekenntnis ist das völlig in Ordnung, aber als Bewegung und allgemeines Symbol, aus Sicht der Zivilisation, im Wesentlichen inakzeptabel. Das heißt nicht, dass Polizei und Prävention kaputtzusparen, Infrastruktur und Versorgung auf Kante zu nähen und von Spekulation abhängen zu lassen, etc. pp. in irgendeiner Weise akzeptabel sein könnten.

      Das ist eben die Wahrnehmungsdiskrepanz, dass die „Linientreuen“ genau das System (u.a.!) umsetzen, dass sie selbst in eine schwierige Situation bringt. Kurz zusammengefasst könnte man sagen: „Die Alieninvasion geht nun mal nicht einfach so vom Volk aus.“

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge! Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.