Der Handelskonzern Amazon musste bei einem Rekordumsatz von 44 Milliarden Euro im Vorjahr in seinen europäischen Niederlassungen in Luxemburg keine Körperschaftssteuern zahlen. Das geht aus einem Bericht des Guardian hervor. Im Gegenteil: Ein beigefügtes Steuerdokument legt offen, dass die Amazon EU Sarl durch Steuergutschriften in Höhe von 56 Millionen Euro sogar zukünftige Steuerrechnungen ausgleichen könne, sollte sie Gewinne erzielen. Trotz der hohen Umsätze verzeichnete die Luxemburger Niederlassung einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.
Ein Sprecher von Amazon betont, das Unternehmen zahle „alle anwendbaren Steuern in allen Ländern, in denen wir agieren“. „Die Körperschaftsteuer basiert auf Gewinnen und nicht auf Umsätzen“, so der Sprecher weiter. Die Gewinne seien unter anderem aufgrund großer Investitionen und geringer Margen im Einzelhandel gering ausgefallen.
Laut Paul Monaghan, Geschäftsführer der Fair Tax Foundation, zeigten Steuerangaben des Konzerns in den USA außerdem, dass Amazon mehr Einnahmen in Deutschland habe als in jedem anderen Land außerhalb der USA. Amazons Umsätze sind im vergangenen Jahr in Deutschland um rund 33 Prozent auf etwa 24,7 Milliarden Euro angestiegen.
Steuernachzahlung gescheitert
Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon in der EU auffällig wenig Steuern zahlt. Bereits 2017 veranlasste die EU ein Verfahren gegen das Unternehmen. Der Konzern sollte Steuern in Höhe von 250 Millionen Euro aus einem Zeitraum von 2006 bis 2014 nachzahlen. Amazon wies die Anschuldigungen damals unter anderem aufgrund angeblicher rechtlicher und sachlicher Fehler zurück. In der EU gilt die Bekämpfung von Steuervermeidung als eines der wichtigsten Ziele innerhalb der Steuerpolitik.
Gestern hatten in Deutschland Tausende Amazon-Beschäftigte gegen Niedriglöhne und Tarifflucht des Unternehmens gestreikt. Das Presseteam von Amazon schrieb dazu in einer Stellungnahme, dass sie bereits bieten würden, was gefordert werde: „exzellente Löhne, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen – und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung“. Auf die Frage von netzpolitik.org, was die Steuerleistung von Amazon in Deutschland für 2019 und 2020 gewesen sei, äußerte sich Amazon nicht.
Redaktioneller Hinweis, 5. Mai: Um klarzustellen, dass es sich bei den fraglichen Steuern um Körperschaftssteuern und nicht um andere Steuerarten wie beispielsweise Umsatzsteuern handelt, haben wir das im Text präzisiert. Wir bitten, die Ungenauigkeit zu entschuldigen und bedanken uns für den Hinweis. Außerdem hat uns mittlerweile eine Stellungnahme von Amazon erreicht, die wir in den Text aufgenommen haben.
