Steuervermeidung in der EUAmazon zahlt trotz Rekordumsatz keine Körperschaftssteuer

Amazon hat im vergangenen Jahr keine Körperschaftssteuern in der EU gezahlt. Bei einem Umsatz von 44 Milliarden Euro machte das Unternehmen in Luxemburg 1,2 Milliarden Euro Verluste.

Graues Gebäude mit Amazon Schriftzug hinter Bäumen und vor blauem Himmel
Amazon zahlt erneut keine Unternehmenssteuer – trotz großer Profite. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Daniel Holland

Der Handelskonzern Amazon musste bei einem Rekordumsatz von 44 Milliarden Euro im Vorjahr in seinen europäischen Niederlassungen in Luxemburg keine Körperschaftssteuern zahlen. Das geht aus einem Bericht des Guardian hervor. Im Gegenteil: Ein beigefügtes Steuerdokument legt offen, dass die Amazon EU Sarl durch Steuergutschriften in Höhe von 56 Millionen Euro sogar zukünftige Steuerrechnungen ausgleichen könne, sollte sie Gewinne erzielen. Trotz der hohen Umsätze verzeichnete die Luxemburger Niederlassung einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.

Ein Sprecher von Amazon betont, das Unternehmen zahle „alle anwendbaren Steuern in allen Ländern, in denen wir agieren“. „Die Körperschaftsteuer basiert auf Gewinnen und nicht auf Umsätzen“, so der Sprecher weiter. Die Gewinne seien unter anderem aufgrund großer Investitionen und geringer Margen im Einzelhandel gering ausgefallen.

Laut Paul Monaghan, Geschäftsführer der Fair Tax Foundation, zeigten Steuerangaben des Konzerns in den USA außerdem, dass Amazon mehr Einnahmen in Deutschland habe als in jedem anderen Land außerhalb der USA. Amazons Umsätze sind im vergangenen Jahr in Deutschland um rund 33 Prozent auf etwa 24,7 Milliarden Euro angestiegen.

Steuernachzahlung gescheitert

Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon in der EU auffällig wenig Steuern zahlt. Bereits 2017 veranlasste die EU ein Verfahren gegen das Unternehmen. Der Konzern sollte Steuern in Höhe von 250 Millionen Euro aus einem Zeitraum von 2006 bis 2014 nachzahlen. Amazon wies die Anschuldigungen damals unter anderem aufgrund angeblicher rechtlicher und sachlicher Fehler zurück. In der EU gilt die Bekämpfung von Steuervermeidung als eines der wichtigsten Ziele innerhalb der Steuerpolitik.

Gestern hatten in Deutschland Tausende Amazon-Beschäftigte gegen Niedriglöhne und Tarifflucht des Unternehmens gestreikt. Das Presseteam von Amazon schrieb dazu in einer Stellungnahme, dass sie bereits bieten würden, was gefordert werde: „exzellente Löhne, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen – und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung“. Auf die Frage von netzpolitik.org, was die Steuerleistung von Amazon in Deutschland für 2019 und 2020 gewesen sei, äußerte sich Amazon nicht.

Redaktioneller Hinweis, 5. Mai: Um klarzustellen, dass es sich bei den fraglichen Steuern um Körperschaftssteuern und nicht um andere Steuerarten wie beispielsweise Umsatzsteuern handelt, haben wir das im Text präzisiert. Wir bitten, die Ungenauigkeit zu entschuldigen und bedanken uns für den Hinweis. Außerdem hat uns mittlerweile eine Stellungnahme von Amazon erreicht, die wir in den Text aufgenommen haben.

Du möchtest mehr kritische Berichterstattung?

Unsere Arbeit bei netzpolitik.org wird fast ausschließlich durch freiwillige Spenden unserer Leserinnen und Leser finanziert. Das ermöglicht uns mit einer Redaktion von derzeit 15 Menschen viele wichtige Themen und Debatten einer digitalen Gesellschaft journalistisch zu bearbeiten. Mit Deiner Unterstützung können wir noch mehr aufklären, viel öfter investigativ recherchieren, mehr Hintergründe liefern - und noch stärker digitale Grundrechte verteidigen!

 

Unterstütze auch Du unsere Arbeit jetzt mit deiner Spende.

16 Ergänzungen

  1. Die GroKo macht wirklich eine aeusserst erfolgreiche Steuerpolitik. Halt nicht fuer die Buerger.

    Aber sie macht ja auch keine Umweltpolitik fuer die Buerger. Oder Gesundheitspolitik. Oder Bildungspolitik. Oder Energiepolitik. Oder Verkehrspolitik. Oder Pandemie-Bekaempfung. Trotzdem wurde sie soweit gewaehlt, Andi Scheuer ist noch immer Minister, Olaf Scholz stolzer Kanzlerkandidat…

      1. Union und SPD machen auch auf EU und globaler Ebene dieselbe Politik und unternehmen keine signifikanten Anstrengungen zur Besteuerung, ganz im Gegenteil. Dass man leider national nichts machen koenne ist halt die bequeme Ausrede.

        1. Im Grunde ist es doch relativ einfach: Berechnungen bei der Steuer sind AUSSCHLIESSLICH „Landes-/Staats-bezogen“ anwendbar !!! Vorsteuerabzug MAXIMAL auf die geleistete „Einfuhrumsatzsteuer“ oder andere TATSÄCHLICH GELEISTETE Steuern anrechenbar und NATIONAL BEGRENZT !
          Ich kann als Deutscher meine im Ausland anfallenden Miet-/Immobilien- oder sonstige Aufwands-Kosten hier steuermindernd geltend machen ! Gleichgültig welches Land ich auch immer als „FIRMENSITZ“ für meinen „Unternehmenszweck“ (Überleben, Vermögensoptimierung, „soziale Sicherung meiner Angehörigen“ , Förderung des lokalen Klimawandels durch Reduzierung des örtlichen CO2 Ausstoß oder sonstigen „AUSREDEN“ !

      2. Nach geltender Steuergesetzgebung ist ein Unternehmen, das nachweislich KEINE oder nur minimal GEWINNE erzielt (also den eigentlichen Unternehmenszweck nicht erfüllt) das angebliche GEWERBE abzuerkennen und als „HOBBY“ (ohne dauerhafte Gewinnabsicht) anzusehen!!!
        Alle ! bisher in Anspruch genommenen Steuerlichen Vorteile, Ermäßigungen und/oder Erstattungen sind rückwirkend abzuerkennen und auszugleichen !!!

  2. Mehr als die Hälfte des Amazon-Handelsumsatzes wird inzwischen von Marketplace-Händler erwirtschaftet, die natürlich ganz normal entsprechend den jeweiligen Landesregeln versteuern. Zudem macht die Wertschöpfung eines jeden Handelsunternehmens immer nur einen Teil der Gesamtwertschöpfung aus, der größte Teil liegt natürlich bei Herstellern und Zwischenhändlern. Ihr setzt oben „Einnahmen“ quasi mit „Umsätzen“ gleich, das ist bei Handelsunternehmen grob irreführend.

    Man darf auch nicht vergessen, dass Amazon immer stärker zu einem IT-Unternehmen mit angeschlossenem Handelsmodul wird – und die IT-Wertschöpfung liegt natürlich hauptsächlich in den USA. Handel war bei Amazon eigentlich schon immer ein Minusgeschäft. Und dass Amazon „in seinen europäischen Niederlassungen in Luxemburg keine Steuern gezahlt“ hat, wie ihr schreibt, kann so nicht stimmen. Was ist z.B. mit der luxemburgischen Mehrwertsteuer („reverse charge“ bei grenzüberschreitenden Käufen)? Darüber lese ich bei euch nichts. Dass lokale Amazon-Firmen natürlich ebenfalls ganz normal in zu den lokalen Bedingungen besteuert werden, ebenfalls nichts.

    Man kann bei Amazon so manches beklagen, aber diese einseitige Deutung hat mit der Realität nicht viel zu tun.

    1. @Tim Sorry, aber Du verknüpfst (vorsichtig ausgedrückt) die verschiedensten Themen miteinander. Es geht hier allgemein um Etragssteuern, speziell Körperschaftssteuer – siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Körperschaftsteuer_(Deutschland)
      Genauer gesagt, um Steuervermeidung. Amazon nutzt die Möglichkeiten und Lücken der Steuergesetzgebung aus, um den Gewinn dahin zu lenken, wo der niedrigste Steuersatz anfällt.
      @Titus von Unhold hat weiter unten mit seinem link schon den richtigen Weg gewiesen.

      1. @ GustavMahler

        Schau in die Schlagzeile: Es geht um 44 Mrd. Euro Umsatz, auf die Amazon angeblich keine Steuern gezahlt hat. Dass auf einen Großteil dieser 44 Mrd. Euro natürlich Steuern gezahlt werden und warum, habe ich ja oben angerissen. Das Thema ist viel komplexer als hier im Artikel verhandelt. Und darum *muss* man hier eben die verschiedensten Themen miteinander verknüpfen, da es sonst populistisch wird.

        1. Ok. Wir reden hier über die Körperschaftssteuer. Das haben wir nun geklärt. Dass Amazon möglicherweise andere Steuerarten zahlt, macht eventuelle Steuervermeidungstricks bei der Körperschaftssteuer auch nicht besser.

          Was mir hier insgesamt fehlt, sind Zahlen zu den Gewinnen. Die Bildunterschrift sagt „trotz großer Profite“, ohne Zahlen zu nennen. @Tim sagt, „Handel war bei Amazon eigentlich schon immer ein Minusgeschäft“. Das hier klingt anders: https://www.t-online.de/finanzen/boerse/news/id_88844680/amazon-verdreifacht-gewinn-rekordergebnisse-in-corona-krise.html

          Auch im vergangenen Quartal: „AWS brachte von Januar bis März 4,16 Milliarden Dollar von insgesamt 8,87 Milliarden Dollar des operativen Gewinns.“ https://finanzmarktwelt.de/amazon-quartalszahlen-gewinn-deutlich-besser-als-erwartet-198367/
          Die Cloud-Sparte macht also nur die Hälfte des Gewinns.

          Man sieht in der Aufschlüsselung auch, dass im Vorjahresquartal international ein Verlust gemacht wurde (was zu den Angaben hier im Artikel passt), während in Nordamerika Gewinn gemacht wurde. Das könnte einen skeptisch machen. Gewinnverschiebungstricks, oder hat Amazon tatsächlich so viel investiert, dass der Verlust gerechtfertigt ist?

  3. Hat jemand noch mehr Informationen, wie das möglich ist? Ich dachte, Luxemburg ist ein Niedrigsteuerland, wo man seine Gewinne hinverschiebt. Wenn Amazon in Luxemburg Verluste anhäuft, wo sind denn dann die Gewinne? Amazon gesamt macht doch irgendwo Gewinne, oder?

  4. Nachdem Jeff Bezos vor einigen Wochen überraschend seinen Abgang an der Amazon-Spitze angekündigt hat, hat der 57-Jährige in dieser Woche erneut Unternehmensaktien in Milliardenwert verkauft. Mitteilungen der Börsenaufsicht SEC zufolge stieß er Papiere im Wert von fast zwei Milliarden Dollar ab.

    Bezos hatte in jüngerer Vergangenheit schon mehrmals in größerem Stil Amazon-Aktien zu Geld gemacht. Im Februar und November 2020 hatte Bezos sich SEC-Daten zufolge beispielsweise bereits von Amazon-Anteilen im Wert von insgesamt mehr als sieben Milliarden Dollar getrennt.

  5. Warren Buffett stated that he only paid 19 percent of his income for 2006 ($48.1 million) in total federal taxes (due to their source as dividends and capital gains), while his employees paid 33 percent of theirs, despite making much less money. „How can this be fair?“ Buffett asked, regarding how little he pays in taxes compared to his employees. „How can this be right?“ He also added, „There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.“

    Warren Buffet ist kein Dummschwätzer. Er meint, was er sagt und folglich sollte man das ernst nehmen. Allerdings erscheint nachfolgendes in einem anderen Licht:

    On December 9, 2010, Buffett, Bill Gates, and Facebook CEO Mark Zuckerberg signed a promise they called the „Gates-Buffett Giving Pledge“, in which they promise to donate to charity at least half of their wealth, and invite other wealthy people to follow suit.

    Perfektionierte Steuervermeidung ermöglicht die Anhäufung von Kapital bei gleichzeitiger Schwächung des Staates. Es ist eine Art von Sonder-Kapital, das man auch als Diebesgut bezeichnen könnte. Es fällt vergleichsweise leicht, von etwas einen Teil abzugeben, dass man erbeutet oder erschlichen hat. Dies um so mehr, als es für Reiche überlebensnotwendig ist, vom 99%-Rest der Bevölkerung nicht als Vielfraß angesehen zu werden. Dafür gibt es das Vehikel „Charity“.

    Charity lässt den Staat schlecht aussehen, weil er nichts verteilen kann, was man vor ihm zur Seite geschafft hat. Charity macht es möglich, als Steuerdieb Ansehen und Anerkennung zu erlangen. Charity ist eine Kriegskasse die einen Zweck erfüllt. Dies muss man verstehen, um Steuervermeidung und ihre Auswirkung bewerten zu können. Doch dabei bleibt es nicht und längst nicht alle Superreichen haben das Bedürfnis, als Wohltäter angesehen zu werden.

    Jeff Bezos und Elon Musk scheinen selbst das nicht mehr nötig zu haben, als völlig enthemmte Krieger in ihrer eigenen Sache.

    1. Dazu kommen Sachen, die außerhalb der Versteuerung, wie sie bei Gehaltszahlung o.ä. auftritt, in professionellen Strudeln gehalten wird, bereit zur Auszahlung zum Zeitpunkt X, bzw. auch gern mal jederzeit.

      Von einfachem Geschäftsführerunternehmern bis zur gedienstleisteten „Unternehmung“, hat wer oder was hat, grobe Vorteile gegenüber vielfachen Bürgern.

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.