Amazon macht, was auch viele Supermärkte machen. Der Onlinehändler verkauft Produkte von anderen Anbietern, zugleich macht er ihnen jedoch mit eigenen Produkten Konkurrenz. Amazon nutzt die fremden Angebote nach Einschätzung der EU-Kommission geschickt für sich: Der Konzern analysiere, was sich gut verkauft, und zieht dann nach.
Die EU-Kommission hält das für problematisch. Sie eröffnete heute formell eine Untersuchung möglicher wettbewerbswidriger Verhaltensweisen durch Amazon. Die Wettbewerbswächter der Kommission wollen prüfen, ob und wie die Nutzung der Daten, die Amazon als Einzelhändler über die Marktplatzhändler sammelt, den Wettbewerb beeinträchtigt.
Verträge und Algorithmen im Visier
„Wir müssen sicherstellen, dass große Online-Plattformen diese Vorteile nicht durch wettbewerbswidriges Verhalten aushebeln“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager laut einer Pressemitteilung. Im Visier stehen die Standardvereinbarungen zwischen Amazon und Marktplatzhändlern, aber auch der Empfehlungsalgorithmus für Waren.
Voruntersuchungen in dem Fall liefen schon seit einigen Monaten. Die Wettbewerbsbehörden einiger Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, Österreich und Italien, beschäftigen sich bereits seit längerem mit Amazon.
Die EU-Kommission verhängte in den vergangenen Jahren bereits Milliardenstrafen gegen Google und Apple. Kommissarin Vestager baute sich damit einen Ruf als Gegenspielerin der Digitalkonzerne auf.
Das Verfahren gegen Amazon sei ein wichtiger Schritt und eine „Botschaft gegen die großen Techgiganten“, sagte Wettbewerbsjurist Andrea Collart der Financial Times. Gefühlt sei Amazon so stark in vielen Märkten vertreten, dass der Konzern fast zu groß sei, um reguliert zu werden. „Die Durchsetzung des Wettbewerbsrechts ist die Schleuder, mit der David Goliath besiegt“, sagte Collart.
