ArbeitsbedingungenDeutsche Amazon-Beschäftigte streikten

Die Gewerkschaft ver.di will durch Aufrufe zur Arbeitsniederlegung Druck auf den Handelskonzern ausüben. Der Konzern müsse endlich bessere Löhne zahlen.

Graues Gebäude mit Amazon Schriftzug vor blauem Himmel
Amazon entzieht sich weiterhin einer angemessenen Bezahlung seiner Mitarbeitenden. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Yender Gonzalez

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat Amazon-Beschäftigte in sieben deutschen Versandzentren zum Streik aufgerufen. Der Protest in der Nacht auf Montag richtet sich gegen Tarifflucht und Niedriglöhne. Weiter fordert die Gewerkschaft, dass das Unternehmen Flächentarifverträge für seine Angestellten anerkennt. 

Gewerkschaften in zahlreichen Ländern stehen seit längerem mit Amazon auf dem Kriegsfuß. „Der größte Online-Händler der Welt ist zugleich der schlechteste Arbeitgeber der Welt„, sagte Sharan Burrow, die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB). Auch in Deutschland gab es bereits Streikaufrufe gegen Amazon.

Angestellte von Amazon sollten nun unter dem Motto „Tarifflucht beenden, Dumpinglöhne bekämpfen, Gesundheit schützen!“ ihre Arbeit einstellen, hieß es in einer Pressemitteilung von ver.di am Wochenende. Konkret ging es um die Standorte Werne, Leipzig, Rheinberg, Koblenz, Graben und zwei Zentren in Bad Hersfeld. Nach Aussagen der ver.di-Pressesprecherin Daniela Milutin sei die Sache gut gelaufen, rund 2.500 Beschäftigte hätten sich Corona-konform dem Streik angeschlossen. 

Drohende Altersarmut durch Niedriglöhne

Einhergeht der Aufruf der Gewerkschaft mit den neuen Tarifverhandlungen. Ver.di fordert den Konzern auf, Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels anzunehmen und den Tarifvertrag ‚Gute und gesunde Arbeit‘ einzuführen. Ver.di zitiert eine Aussage ihres Gewerkschafters Orhan Akman, der für den Einzel- und Versandhandel zuständig ist:

Wir fordern in den Tarifrunden der verschiedenen Bundesländer Gehaltssteigerungen von 4,5 Prozent plus 45 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem darf kein Stundenlohn unter 12,50 Euro liegen. Das muss auch für die Kolleginnen und Kollegen bei Amazon gelten.

Trotz des Eintritts in den Handelsverband Deutschland (HDE) zahle der Konzern weiterhin keinen Tariflohn aus. Gewerkschafter Akman kritisiert die dominante Stellung von Amazon auf dem Markt. Durch seine Finanzmacht stelle das Unternehmen nicht nur eine Gefahr für andere Unternehmen, sondern auch für die Demokratie dar. Damit sieht der Gewerkschafter die Aufgabe bei Bundestag, Bundesregierung und EU, Amazon für seine Tarifflucht verantwortlich zu machen.

Eine Erklärung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels als allgemeingültig könne nach Akman dafür sorgen, dass auch Amazon sich dem anpassen müsse. Niedriglöhne und damit einhergehende Altersarmut könne damit verhindert werden.

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