Kommentarlesung 2021„Die Dümmsten grölen am lautesten“

Mit ätzenden Zuschriften umzugehen ist im Zeitalter der digitalen Gereiztheit eine eigene Kulturtechnik geworden. Wir zelebrieren sie Jahr für Jahr mit einer Lesung. Auch an diesem Weihnachtsfest hat sich Constanze Kurz an den virtuellen Kamin gesetzt und gibt ein paar der schlimmsten Kommentare zum Besten.

Blonde Frau auf Ohrensessel an Kamin
Manche Kommentare kann man nur mit geeigneten Flüssigkeiten am Kamin verdauen.

Traditionen soll man pflegen. Jahrelang war eines der Highlights auf unserer Konferenz „Das ist Netzpolitik“ die Lesung der schlimmsten und lustigsten Kommentare. Als die Konferenz 2020 coronabedingt ausfallen musste, haben wir die Lesung kurzerhand ins Netz verlegt. Auch 2021 gab es keine Konferenz, dafür gibt es jetzt wieder eine Lesung am virtuellen Kamin.


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Auch in diesem Jahr konnten wir Constanze Kurz dafür gewinnen, ein paar der schlimmsten Kommentare zum Besten zu geben. Die Lesung ist unsere Form, mit der Masse an beleidigenden, verschwörungsfreundlichen oder einfach nur wirren Zuschriften umzugehen, die uns Jahr für Jahr erreicht. Wer also die Feiertage mit einer Portion Hasspoesie garnieren möchte, ist hier an der richtigen Adresse.

Zuvor möchten wir allerdings unsere Warnung aus dem Vorjahr wiederholen:

Der Inhalt des Videos ist nicht für Kinder geeignet, da wüste Beschimpfungen, beleidigende Sprache und unwahre Tatsachenbehauptungen darin vorkommen. Außerdem ist dieser Zusammenschnitt in keiner Weise eine Wiedergabe von typischen Kommentaren. Wer sich danach also bemüßigt fühlt, hier auch mal ordentlich Dampf abzulassen: Nein. Denn wir löschen solche Kommentare, daher sind die hier verlesenen mit sehr wenigen Ausnahmen auch gar nicht erschienen.

Zuhören und genießen

Jetzt wünschen wir aber wirklich frohes Anschauen:

In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

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Kommentarkultur als Dauerbaustelle unserer Zeit

Die Kommentarkultur auf unserer Seite ist ein Thema, das uns seit Jahren beschäftigt. Während der offene Raum unter unseren Artikel über viele Jahre in bester Blog-Manier ein Ort war, an dem wir hilfreiche Ergänzungen, spannende Diskussionen, konstruktive Kritik und auch nettes Trolling gefunden haben, verschlechterte sich der Stil in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre massiv. Beleidigungen, Vorurteile und Pauschalisierungen, verrohte Sprache, rechtsextreme Kommentare und wirre Pamphlete ohne Bezug zum Artikel nahmen Überhand.

Wir haben deshalb zuletzt 2019 eine große Änderung vorgenommen. Uns ist immer noch wichtig, dass man bei uns ohne Angabe persönlicher Daten und ohne Account kommentieren kann. Aber wir lassen nicht mehr per Default alle Kommentare durch und löschen erst im Nachhinein, was gar nicht geht. Sondern wir moderieren nun vorab, was gegen unsere Kommentarregeln verstößt. Bei manchen Leser:innen ist das Verfahren als „Vorzensur“ bekannt, aber wir sehen uns schon allein aus rechtlichen Gründen dazu verpflichtet.

Statt nach Kommentaren fragen wir nun zudem bewusst nach Ergänzungen. Wir sind offen für interessante, erkenntnisreiche Anmerkungen, für Humor und Geistreiches, für von uns Übersehenes, selbstverständlich auch für technische Hinweise und Kritik oder Rückfragen zu unseren Texten. Aber ein reines Abladen der eigenen Meinung ohne Eingehen auf den Text erscheint uns wenig konstruktiv. Beschimpfungen landen im Papierkorb oder zuweilen eben in der Kommentarlesung.

12 Ergänzungen

  1. Danke für die Auswahl und eure hervorragende Arbeit! Zwei Kommentare zur Technik:
    1) Der Ton ist etwas seltsam ausbalanciert, es kommt fast alles nur aus dem linken Audiokanal (ja, ich weiß, dass Constanze links im Bild sitzt, aber).
    2) Wie schaut es eigentlich mit eventuellen Plänen aus, eure Inhalte parallel zu YouTube auf datenschutzfreundlichere Plattformen zur Verfügung zu stellen – z. B. auf einer PeerTube-Instanz? Euch nahestehende Organisationen wie die FSFE und Digitalcourage stellen da inzwischen auch ihre Inhalte zur Verfügung.

    Ich hoffe euer Team hat entspannte Feiertage – anschließend viel Spaß auf dem rC3! :)

    1. Danke für das Lob!

      Zu 2) Eigentlich hosten wir sowas am liebsten selbst. Allerdings haben wir eine Größenbegrenzung für Uploads und alle Leute, die diese aufheben könnten, sind im wohlverdienten Jahresendurlaub. Deshalb gehen wir hier ausnahmsweise den Umweg über YouTube. Ich nehme die Anregung aber mit, künftig auch datenschutzfreundlichere Alternative wie PeerTube zu bespielen. Danke!

    2. Hast du die Ausrichtung des Stereo-Mics bemerkt? Wenn das axial um 90° verdreht wäre, bekämen beide Kanäle den gleichen Schalldruck. Das Mic ist, mal abgesehen von der LED, dezent, passt aber optisch nicht ins heimelige Kaminfeuer-Bild. Und in diesem Sinne passt der linkslastige Ton dann wieder gut zum Bild.

      Ist vielleicht auch eine sublime Botschaft. „Hier spielt die Musik links.“ xD

  2. Eure „Gehirnwäsche“ funktioniert bei mir bestens. Ab nächstem Jahr gibt’s von mir jeden Monat das doppelte an Piepen für euch. Somit wird mein schlechtes Gewissen auch etwas erleichert. Vielleicht. Hoffentlich. Puh. ;-)

    Vielen Dank für eure sehr wichtige und großartige Arbeit.

  3. Interessant das dieser geistige Sondermüll zeitlich mit der Entstehung der AfD zuzunehmen schein. Ich vermute mal das dies kein Zufall ist sondern das die Diskussionskultur der AfD viele dazu motiviert hat Dinge zu äußern die vorher unsagbar waren. Bleibt zu hoffen das dies durch Querdenker und co nicht noch mehr aus dem Ruder läuft !

  4. An der Stelle eine Anregung: Lasst doch auch Kommentare, die Typos etc korrigieren, weg. Ist manchmal etwas doof, wenn oben steht 2 Ergänzungen, ich scroll extra runter und dann kommt „Da fehlt ein Komma“ und „Danke, ist korrigiert“.
    Das ist zwar eine Ergänzung mit Mehrwert, aber nicht für mich als Leser, vorallem, wenn ihrs schon korrrigiert habt. Wenn ihr euch bedanken wollt, könnt ihr das ja per Mail tun falls angegeben oder so.

    Ansonsten auch von mir Danke für die Arbeit. Die Kommentarkultur hier funktioniert tatsächlich deutlich besser als früher und als woanders. :)

  5. Überwiegend finde ich Euer System für Ergänzungen gut, jedoch wünsche ich mir eine Funktion: Eine Checkbox „Ergänzung nicht veröffentlichen“.

    Manchmal möchte man auf einen Schreibfehler aufmerksam machen, ohne dass das Kommentar veröffentlicht wird. Manchmal wird aber auch eine wertvolle Ergänzung nicht veröffentlicht (nach eigenen Erfahrungen sehr selten, aber passiert) und man möchte niederschwellig nachfragen – also ohne eine E-Mail zu senden – ob ein Versehen seitens der Moderation vorlag oder es tatsächlich einen Grund gegen die Veröffentlichung gab.

    Moderation durch Menschen bedeutet, dass mal Kommentare wie „haha xD“ oder „+1“ veröffentlicht werden, während andere Kommentare viel Zeit kosteten und ohne ersichtlichen Grund unveröffentlicht bleiben. Ansonsten schätze ich die Ergänzungsfunktion auch deshalb sehr, weil die Kommentare im Schnitt deutlich nützlicher/interessanter sind als auf anderen Seiten. Danke!

    1. Ich veröffentliche Hinweise auf Rechtschreibfehler in der Regel, weil das die einzige Möglichkeit ist, sich für den Hinweis zu bedanken ;) Manchmal schreiben Leute, die uns auf Rechtschreibfehler hinweisen, einfach „Ergänzung nicht veröffentlichen“ dazu. Dann machen wir das nicht. Quasi selbstgeschriebene Checkbox.

  6. Gesunde, friedliche und vor allem: mal richtig entspannte Feiertage, Euch Allen.

    Ach menno… ihr seid ja so inkosequent. Und irgendwie macht Euch das so „menschlich“.

    Was haben denn da Aber und Sondern zu suchen?
    „Aber wir lassen nicht mehr per Default alle Kommentare durch und löschen erst im Nachhinein, was gar nicht geht. Sondern wir moderieren nun vorab, was gegen unsere Kommentarregeln verstößt.“

    Wenn nach den Sondern das wir weg geht, reicht davor das löschen eines Satzzeichen sowie die Verbindung mit „und“.
    Ok. Kann man machen muss man nicht.

    Was mich mehr stört: Also entweder ihr wollt Kommentare oder Ergänzungen.
    Keine Kommentare Keine Kommentarregeln.

    :)

    Euch Vollzeit-, Teilzeit-, Halbzeit-, Lehrzeit-, Unzeit- (und welche Zeiten es noch gibt) -Mitarbeitenden vielen Dank für die doch manchmal sehr aufwändig recherchierten, und auch für die geflissentlich sehr kurz gehaltenen Artikel.

    Und ja, auch mal ein Dank an die Leute im Hintergrund, die Infrastruktur, Finanzen, et.al. zusammenhalten und den Überblick darüber nicht verlieren.

  7. Schöne Auswahl. Habe sehr geschmunzelt über die Ergüsse unserer doppelplus überdeutschen „Dichter und Denker“. Was diese Leute noch nicht erkannt haben ist, dass Netzpolitik.org in Wirklichkeit die Islamisierung des deutschen Abendlandes oktroyiert (das beste Abendland von allen) ! Das Nutzen von arabischen Zahlen offenbart die Agenda ! Warum werden keine deutschen Zahlen benutzt ? Eins, Zwei und Drei sind denen wohl nicht gut genug ! Damit kann man genauso gut schreiben ! Und rechnen ! Alle nicht-deutschen Schriftzeichen und Begriffe müssen sofort verboten werden ! Wir Freiheitsliebenden (GmbH und Co. e.V.) wehren uns hiermit offiziell gegen die Sprachpolizei bei Netzpolitik.org ! Wir sind Viele ! Wir sind laut ! Weil man (frau) unser Deutschland klaut (verkaufen tut) !!1!1elf!

  8. Nach den Warnungen vorab, hatte ich mit dem Schlimmsten gerechnet. Diese Kommentare sind einfach nur blöd, bereitem aber sicherlich keine schlaflosen Nächte, wie Morddrohungen etc.

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.