Kommentare sind eine große Errungenschaft. Sie haben die Einbahnstraße der medialen Berichterstattung beendet. Sie bedeuten eine Demokratisierung der Medien und das Ende der Zeiten, in denen sich Journalisten kaum dem Echo ihrer Leserinnen und Leser stellen mussten. Wir lieben Kommentare. Wir halten Kommentare für unverzichtbar. Wir freuen uns jeden Tag aufs Neue auf sie. In einer idealen Welt.
In einer idealen Welt nämlich knüpfen die Kommentare der Leserinnen und Leser tatsächlich am Artikel an, gehen auf den Artikel ein und erweitern ihn konstruktiv um Fakten, Links, Büchertipps, Dokumente, Anekdoten und noch nicht genannte Aspekte. Leserkommentare korrigieren Fehler aller Art – vom Rechtschreibfehler, dem kaputten Link bis zum inhaltlichen Fehler, den ein Autor gemacht hat. Unsere Leserinnen und Leser haben ein riesiges Fachwissen, ihre Kommentare leisten einen Beitrag zum Artikel und sind ein wichtiges Korrektiv, wenn die Redaktion Fehler macht oder etwas vergisst.
Es wird gerungen und gestritten
In der Diskussion untereinander gehen die Kommentare auf Beiträge der anderen Kommentierenden ein und tragen zur inhaltlichen Meinungsbildung bei. Es wird um Auslegungen und Positionen gerungen und gestritten, auch durchaus ironisch und humorvoll. Doch die Kommentare sind im Grundton freundlich und argumentieren sachlich, so wie wir unter Freunden oder mit Unbekannten im realen Leben diskutieren würden. Zuhause beim Mittagsessen. Abends in der Bar. Oder beim zufälligen Gespräch in der U‑Bahn. Manchmal kann der Ton auch rauer werden. Oder der Stil hart. Manchmal wird auch ein falsches Wort gewählt. Doch im Kern bleiben die Kommentare immer an der Sache.
Unsere Kommentatorinnen und Kommentatoren hören den anderen zu. Das fängt dabei an, dass sie den Artikel und vorhandene Kommentare lesen, bevor sie sich beteiligen. Und endet damit, dass sie sich empathisch einfühlen in die Argumente und Positionen der anderen. Auch wenn sie diese nicht teilen.
Einen Raum bieten, in den sich alle hineingetrauen
In dieser idealen Welt reichern von Zeit zu Zeit Trolle den Kommentarbereich mit ihren Beiträgen an. Sorgen für ein gedankliches Stolpern. Eine kleine Verwirrung. Oder einen guten Lacher. Trolle sind natürlicher Teil des Lebensraumes Kommentarbereich. Sie stören aber nur selten die Diskussion der Kommentierenden und halten Maß in ihren Aktionen.
Grundsätzlich motivieren Kommentare die anderen Leserinnen und Leser von netzpolitik.org, selbst mitzukommentieren und mitzudiskutieren. Die Kommentierenden streiten sich sachlich über das Thema des Artikels und bringen die Debatte zum Wohle aller voran. Dabei bedienen sich die Kommentatoren fundierter Argumente, die im besten Fall mit Quellen belegt sind.
Den Kommentierenden ist klar, dass Meinungsfreiheit auch heißt, anderen Menschen überhaupt Meinungsfreiheit einzuräumen. Dass Meinungsfreiheit heißt, einen Raum zu bieten, in den sich alle Menschen hineingetrauen. Als Leserinnen und Lesers eines Blogs, das mit seiner Berichterstattung für Grund- und Freiheitsrechte und die Privatsphäre eintritt, sind Menschenrechte der Maßstab, der sich auch in den Inhalten aller Kommentare widerspiegelt.
Bereicherung und Korrektiv des Artikels
Kommentare sind Bereicherung und Korrektiv des Artikels gleichermaßen. Dabei nehmen die Kommentare größere Kontexte mit in den Blick, die der Autor bei seiner Fokussierung aufs Thema vielleicht vergessen hat. Kommentare geben den Autorinnen und Autoren ein kritisches Feedback. Aber es darf gerne auch mal ein „Danke“ oder ein Lob sein.
Grundsätzlich stellen Artikel und Kommentare eine Einheit dar. Die Leser hören nicht nach dem Artikel auf zu lesen, sondern freuen sich auf die angeregte Lektüre in den Kommentaren. Auch die Autorinnen und Autoren von netzpolitik.org lesen Kommentare zu ihren Texten, nehmen Anregungen auf und diskutieren mit.
Wir wissen, dass dies alles eine Wunschvorstellung ist, die schwer zu erreichen ist. Aber es braucht eine Utopie, um ein Leitbild anzustreben. Wir möchten Kommentare für alle Seiten attraktiver machen. Wir möchten Menschen motivieren, Kommentare zu lesen und selbst zu kommentieren. Wir haben Bock auf Kommentare, weil wir sie für unverzichtbar halten. Wir wollen mehr Spaß, Bereicherung und Freude mit den Kommentaren. Wir wollen einen Gegenpunkt setzen in einer Zeit, in der alle immer nur über den Verfall der Debattenkultur reden. Wir wollen Eure Kommentare.
Macht doch einfach mit!
