Die Versicherung „Die Bayerische“ bietet den ersten Dashcam-Tarif an. Wer sich eine Überwachungskamera im Auto installiert, die den Verkehr vor dem Fahrzeug aufzeichnet, der erhält einen Rabatt auf die Versicherung von 15 Prozent.
Laut der Pressemitteilung erhofft sich die Versicherung gleich mehrere Vorteile: Da die Kamera auch das eigene Fahrverhalten aufzeichne, bewirke der Einsatz einer Dashcam generell ein bewussteres, weniger risikoreiches Fahren beim Versicherungsnehmer. Außerdem sollten Unfallhergänge schneller geklärt werden können. Die Kameras unterstützten zudem bei der Klärung der Schuldfrage, könnten Betrugsversuche vermeiden und würden Zeit und Kosten langwieriger Verfahren sparen.
Bundesgerichtshof lässt Dashcam-Aufnahmen zu
Möglich macht den neuen Tarif auch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem vergangenen Jahr. Das Gericht hatte entschieden, dass Dashcam-Videomitschnitte von Unfällen in Gerichtsprozessen verwertbar seien, sprach sich aber gegen eine andauernde Aufzeichnung aus:
[…] eine permanente anlasslose Aufzeichnung des gesamten Geschehens auf und entlang der Fahrstrecke des Klägers ist zur Wahrnehmung seiner Beweissicherungsinteressen nicht erforderlich, denn es ist technisch möglich, eine kurze, anlassbezogene Aufzeichnung unmittelbar des Unfallgeschehens zu gestalten, beispielsweise durch ein dauerndes Überschreiben der Aufzeichnungen in kurzen Abständen und Auslösen der dauerhaften Speicherung erst bei Kollision oder starker Verzögerung des Fahrzeuges.
Zulässig sind deswegen nur Kameras mit sogenannter Loop-Funktion: Die Kameras überschreiben fortlaufend das aufgezeichnete Material und lösen eine permanente Speicherung bei einem Unfall automatisch aus. Allerdings lässt sich die Speicherung auch manuell auslösen.
Dashcams erhöhen die Überwachungskamera-Dichte
Dashcams erhöhen deswegen trotz der Loop-Funktion die Überwachungskameradichte. Wie eine einfache Suche bei Youtube zeigt, führen die Dashcams zu einem Mehr an privater Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Zahlreiche Videos zeigen zufällig aufgenommenes Material, das dann in die sozialen Medien gelangt. Ganze Communitys und Kanäle mit hundertausenden Abonnenten haben sich um das Genre „Dashcam“ gebildet.
Der Vorstoß mit der Dashcam-Versicherung reiht sich ein in eine ganze Reihe von überwachungsintensiven Versicherungstarifen. Angeboten werden mittlerweile auch so genannte Telematik-Tarife, bei denen die Versicherungsnehmer:innen sich eine Blackbox installieren, welche die Fahrweise und Fahrwege auswertet. Kritisiert wird an diesen Tarifen nicht nur die Sammlung von Daten, sondern auch die Undurchsichtigkeit, wie die Algorithmen die Fahrweise bewerten.
