Linkschleuder

Studie über Twitter: Menschen neigen zum Verbreiten von Fake News

Alles Fake News. Twitter hat der Präsident noch nicht beschuldigt. CC-BY 2.0 Matt Johnson

Das US-Magazin Science hat vor kurzem eine Studie des Massachusetts Institute of Technology zu Fake News veröffentlicht. Computerlinguist Soroush Vosoughi und seine Kollegen untersuchen darin mehr als 4,5 Millionen Tweets der vergangenen zwölf Jahre. Das Ergebnis: Falschmeldungen werden von menschlichen Nutzern auf Twitter im Durchschnitt fast doppelt so häufig geteilt wie andere Inhalte. Eine Falschmeldung erreicht 1.500 Nutzer außerdem 6 Mal so schnell wie eine als wahr eingestufte Nachricht.


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In der Studie heißt es:

Wir haben die Meldungen in Übereinstimmung mit sechs unabhängigen Organisationen als wahr oder falsch klassifiziert. Unwahrheiten verbreiteten sich in allen Informations-Kategorien signifikant weiter, schneller und tiefgehender als die Wahrheit. Die Effekte waren ausgeprägter für politische Falschmeldungen als für Falschmeldungen über Terrorismus, Naturkatastrophen, Wissenschaft, städtische Legenden oder Finanzen. Wir haben ermittelt, dass falsche Meldungen überraschender sind als wahre. Das impliziert, dass Menschen mehr dazu neigen, überraschende Informationen zu teilen. [Eigene Übersetzung]

Die Aktivitäten von Social Bots sind nicht Bestandteil der Studie. Vielmehr sei es insbesondere menschliches Verhalten, das zur weiten Verbreitung von Falschmeldungen beitrage. So wie auch im echten Leben Gerüchte als besonders interessant wahrgenommen werden, gehen sie laut den Forschern in den sozialen Medien häufiger viral. Fake News könnten nicht allein durch technische Maßnahmen verhindert werden, sondern man müsse beim Menschen ansetzen.

Besonders viele Retweets gab es 2016 im Wahlkampf der US-Präsidentschaftskandidaten. Die damalige Beliebtheit von Verschwörungstheorien auf Twitter fand bereits die Universität Oxford heraus: Insbesondere in den sogenannten Swing States, in denen der Wahlausgang traditionell besonders knapp ausfällt, war dies der Fall. Viele Nutzer sozialer Medien können nicht unterscheiden, ob Informationen wahr oder falsch sind.

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7 Kommentare
  1. Ich finde das relativ wenig erstaunlich. Man muss sich mal folgendes überlegen:

    Die Realität ist niemals so eindeutig und spannend, wie es eine attraktive Lüge sein kann.

    In dem Moment, in dem du die Realität als Maßstab für deine Agenda fallen lässt, bekommst du plötzlich alle Freiheiten, um spannende Geschichten zu erzählen, die deine Agenda unterstützen. Es spielt überhaupt keine Rolle mehr, ob etwas passiert, was dich bestätigt, weil du dir ja eh alles passed hinlegst. Und dann teilen die Leute auch mehr, weil die Geschichte so zurechtgelegt ist, dass sie die Emotionen anspricht, die Wut und natürlich das „wir-haben-es-ja-immer-gewusst“.

    1. Nachtrach:

      Irgendwie scheints mir witzig, wie nun alles „neu“ erforscht wird, nur weil es im „neuen“ Medium stattfindet.
      Ich könnte mir gut vorstellen, daß man zu sehr ähnlichen Ergebnissen kommen würde, wenn man einen beliebigen Dorftratsch studieren würde.

      #irgendwasmitmedien
      #irgendwasmitnetz

      1. Wobei es einen eklatanten Unterschied gibt zwischen Dorfklatsch und landesweiter politischer Kommunikation – deshalb auch die eigentliche Frage: Wie viel Fake News kommt vom Menschen, wie viel von den technischen Spielereien der sozialen Netzwerke?

        1. Ist ein rechter Twitter Accound „landesweite politische Kommunikation“?
          Das ist das, was in solchen Studien fast immer fehlt. Eine nachvollziehbarer Weg, wie die auf ihre Schlussfolgerung kommen. Eine Aussage wie „Eine Falschmeldung erreicht 1.500 Nutzer“ ist für Twitter absolut nichtsagend.
          Es gib unzählige Accounts hinter denen keine Menschen stecken die etwas lesen, sondern die aus vielfältigen Zwecken angelegt wurden oder könnt ihr sagen wieviele von den 400K Follower die ihr habt Bots und wieviele „echte“ Menschen sind?

          Für mich ist Twitter tatsächlich nicht mehr als „Dorfklatsch“ und vor allem spiegelt es in keinsterweise eine gesellschaftliche Haltung oder Kommunikation wieder. Im gegenteil, die Menschen sind oft völlig überrascht wenn man die Themen die in Twitter grassieren angesprochen werden. Kaum 5% der Menschen „nutzen“ Twitter, wobei man das dann auch differenzieren muss. Ich habe ungefähr 20 Accounts denen ich folge, die ich persönlich kenne und die noch nie etwas getwetet haben und von denen ich aussgehe, dass die seit ihrer Anmeldung nicht mehr eingeloggt waren.

          Twitter ist nur Leute die gerne Unsinn schreiben und für Journalisten wichtig.

          1. In der Studie wurden Tweets von Bots durch einen Algorithmus aus dem Untersuchungsmaterial entfernt.
            Die Reichweite von Twitter kann man mit Recht infrage stellen.
            Trotzdem gibt es Phänomene wie den Account von Donald Trump oder den Pizzagate-Vorfall,
            die schon eine gewisse Relevanz haben.

          2. Und was, liebe Sophie, haben wir in der AG „Junge Statistiker und -Innen“ gelernt, wie mit statistischen Ausreißern umzugehen ist?

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