Demokratie

Nach Rekordstrafe: Google kündigt neues Lizenzmodell für Android an

Bislang waren Google-Dienste wie der App-Store Google Play eng mit Vorgaben von Google verknüpft. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Ali Yahya

Im Streit zwischen Google und der EU-Kommission rund um unlautere Geschäftspraktiken im Android-Ökosystem hat der US-Konzern nun bis auf Weiteres eingelenkt. Google kündigte heute konkrete Schritte an, um die Vorgaben der EU-Kommission umzusetzen. Diese hatte den Hersteller des Handy-Betriebssystems Android im Juli zu einer Milliardenstrafe und zu Änderungen seiner Geschäftspraktiken verdonnert, da er gegen europäische Wettbewerbsregeln verstoßen habe. Google will trotz des nun angekündigten Schrittes weiter gegen das Urteil gerichtlich vorgehen.


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Obwohl Android auf dem Papier quelloffene Software ist, nutzte Google bislang seine Marktmacht, um Hardware-Hersteller mit Knebelverträgen an das Android-Ökosystem zu binden. So war es ihnen etwa nicht erlaubt, eigene, von Google nicht genehmigte Android-Versionen auf den Markt zu bringen und gleichzeitig elementare Apps wie den App-Store Google Play oder den Browser Chrome mitzuinstallieren. Zudem waren diese und andere Apps wie die Google-Suche nur in einem Bündel erhältlich. Unterm Strich hieß es also für Hersteller: Friss oder stirb.

Google entkoppelt Dienste

Gegen einen Aufpreis wird es künftig Herstellern möglich sein, sich in Europa aus der Umklammerung von Google ein Stück weit zu lösen. So dürfen sie nun ihre selbst angepassten Android-Versionen vertreiben und dennoch Google-Apps vorinstallieren. Auch gestattet ihnen Google, seinen App-Marktplatz Google Play Store gesondert von der Google-Suche und dem Browser Chrome zu lizenzieren. Für letztere Anwendungen wird es künftig separate Lizenzen zu erwerben geben. Gewillten Herstellern bleibt zudem frei, nicht-exklusive Vorinstallationen der Google-Suche and Chrome auszuliefern. Apps von Wettbewerbern dürfen weiterhin vorinstalliert werden, betont Google. Die neuen Lizenzoptionen gelten ab dem 29. Oktober.

„Wir haben der EU-Kommission gegenüber bestätigt, wie wir den Auflagen ihrer jüngsten Android-Entscheidung nachkommen werden“, sagte ein Google-Sprecher. Hersteller von Android-Smartphones und Tablets, die Google-Apps vertreiben wollen, dürften künftig „nicht-kompatible oder ge-forkte“ Android-Versionen auf den europäischen Markt bringen. „Sie werden auch in der Lage sein, Lizenzen für Google Play unabhängig von der Suche-App und Chrome zu erwerben, mit der vollen Freiheit, Apps von Rivalen vorzuinstallieren“, so der Sprecher.

Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte gegenüber netzpolitik.org, die Brüsseler Behörde werde Google genau auf die Finger schauen und überprüfen, ob das heute vorgestellte Maßnahmenpaket „effektiv“ ist und das Urteil der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager respektiere. Schließlich seien die geforderten Maßnahmen der europäischen Wettbewerbshüter so angelegt, damit konkurrierende Websuche- und Browser-Anbieter „zum ersten Mal“ mit den Google-Angeboten um die Vorinstallation auf Android-Geräten wetteifern können, was zu einer größeren Auswahl für Verbraucher führen werde.

Google will Android finanzieren

Laut Google habe man sich für ein kostenpflichtiges Lizenzprogramm entschieden, um die weitere Finanzierung von Android sicherzustellen. Bislang hat die (de facto erzwungene) Vorinstallation der hauseigenen Apps die Entwicklung und „freie“ Distribution des Betriebssystems ermöglicht. Mit dieser Verzahnung hat das Unternehmen in der Vergangenheit Milliardengewinne erwirtschaftet, da viele Nutzer die mitgelieferten und prominent platzierten Apps verwenden, anstatt sich auf die Suche nach möglichen Angeboten der Konkurrenz zu begeben.

Ob die Lizenzzahlungen den Einnahmenausfall ausgleichen werden, bleibt derzeit noch unklar. Ebenfalls offen bleiben die Auswirkungen auf das hochintegrierte Android-Ökosystem, das bisher von dieser Koppelung gelebt hat. Vor allem zeigt sich aber, dass „frei“ nur selten wirklich kostenfrei bedeutet. Entweder lässt man sich in die Google-Dienste einsperren, bezahlt aber mit seinen persönlichen Daten dafür. Oder erkauft sich, wie etwa das Geschäftsmodell von Apple vormacht, ein wenig mehr an Privatsphäre – über höhere Gerätepreise.

3 Kommentare
  1. Die Rekordstrafe in Höhe von 4,34 Milliarden Euro hat es wirklich in sich. Ich rechne wie am Ende aufgeführt mit höheren Gerätepreisen. Klar, dass Google das irgendwie finanzieren muss. Wir werden sehen, was die Nutzer davon halten.

  2. Also von ‚einsperren‘ zu schreiben, bei einem offenen Betriebssystem ist nicht nur wenig übertrieben.
    Ich kann diese Message von einem Firefox schreiben, der auf Android im Gegensatz zu IOS sogar die eigene Engine verwenden darf und ich dürfte auf meinem Smartphone auch Apps installieren, die nicht erst in Cupertino oder sonstiger Konzernzentrale genehmigt werden müssen.
    Wenn hier jemand eingeschränkt war, dann die Hardwarehersteller. Und was die aus der neu gewonnenen ‚Freiheit‘ machen werden, bleibt abzuwarten. Ich fürchte jedoch, dass ich diese Freiheit beim nächsten Handykauf als ein großes Loch im Geldbeutel spüren werde. Und dass meine Daten zukünftig nicht nur von Google, sondern zusätzlich noch von Microsoft und diversen anderen abgegriffen werde, die es schaffen, ihre Bloatware den Hardwareherstellern schmackhaft zu machen.

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