Nach jahrelanger Debatte um russische Einflussnahme via Facebook bei der US-Präsidentenwahl 2016 und dem Brexit-Referendum macht die Plattform bezahlte Einschaltungen nun ein klein wenig transparenter. Facebook gab am Donnerstagabend weltweit ein neues Feature frei. Auf jeder Seite ist nun unter dem Reiter „Info and Ads“ einsehbar, welche gesponserten Posts die Betreiber gerade schalten. Auch Twitter machte zeitgleich ein ähnliches Tool verfügbar, während Google ankündigte, im Laufe des Sommers nachzuziehen.
Die Nachrichtenseite NBC News schreibt zur Ankündigung Facebooks:
Der Schritt kommt nur Monate vor den US-Kongresswahlen. Facebook geriet zuletzt weithin unter Kritik, da die Plattform für die Verbreitung von Fake News und spaltender politischer Propaganda ausländischer Akteure während der Präsidentenwahl 2016 verantwortlich gemacht wird – ein Problem, das der Konzern zu Beginn herunterspielte. „Wir haben zu wenig in Prävention investiert“, sagte Facebook-Topmanagerin Sheryl Sandberg am Donnerstag bei einem Treffen mit Journalisten am Firmensitz in Menlo Park, Kalifornien. […] Die am Donnerstag verkündeten Änderungen zeigten die „wirklich große Veränderung bei Facebook und wie wir uns als Firma unserer Verantwortung bewusst sind“, sagte sie. [Eigene Übersetzung]
Die neue Funktion macht allerdings nur aktive Einschaltungen sichtbar. Unklar bleibt auch, wer sie zu sehen bekam und wie viel der Werbekunde dafür ausgegeben hat. In den USA bietet Facebook zusätzlich ein Archiv von Anzeigen mit politischen Inhalten an. Dort finden sich ein paar vage Angaben über das Publikum der Anzeige und die ungefähre Höhe der Ausgaben. Wann die selben Informationen in Deutschland und anderen EU-Ländern verfügbar sein werden, ist unbekannt.
Puzzlesteine fehlen
Schon vor der Ankündigung gab es Kritik an den Transparenzgelöbnissen Facebooks. Die US-Organisation Upturn veröffentlichte zuletzt einem Bericht, der das Problem auf den Punkt bringt: Facebook weigert sich weiterhin, für das Verständnis von politischer Werbung entscheidende Puzzlesteine zu veröffentlichen. Dazu gehört, auf welche Zielgruppe die Einschaltungen zugeschnitten sind und wie viele und welche Leute sie tatsächlich sehen. Ohne solche Angaben ist es für die Öffentlichkeit schwer, die problematischsten Formen von Facebook-Werbung nachzuvollziehen, etwa ethnische Diskriminierung bei Immobilien-Anzeigen.
Ein paar Suchanfragen im Anzeigenarchiv machen zudem deutlich: Politische Werbung auf Facebook ist sehr kleinteilig – ein einzelner Kunde schaltet häufig dutzende Anzeigen und gibt jeweils nur ein paar Dollar oder Euro aus. Das macht eine größere Kampagne, die über verschiedene Seiten und aus unterschiedlichen Motiven betrieben wird, schwer nachvollziehbar. Dass nun aktive Anzeigen auf Seiten nachgesehen werden können, ist als erster Schritt nicht schlecht. Doch die angeblichen Transparenz-Tools von Facebook geben der Öffentlichkeit kaum Einblick darin, wohin die Millionen an politischer Werbung auf der Plattform genau fließen und wer sie steuert. Es fehlt noch einiges an Offenheit.
