Linkschleuder

Facebook behindert Forschung zu „Fake News“

Die Forschung zu Fake News in sozialen Netzwerken basiert hauptsächlich auf Daten von Twitter, da Facebook seine Daten nicht teilt. CC-BY-NC-ND 2.0 Tanja Djordjevic

Der Debatte über den Einfluss von Desinformation im Netz auf Wahlen mangelt es an belastbaren Zahlen. Zu einem guten Teil ist dafür Facebook verantwortlich, denn das größte soziale Netzwerk weigert sich beharrlich, anonymisierte Daten für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung zu stellen, berichtet Politico.


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Der Einfluss von auf Facebook zirkulierenden Falschmeldungen auf das Stimmverhalten von Wählerinnen, wie zuletzt am Wahlsonntag in Italien, wird vielfach diskutiert, allerdings gibt es bisher kaum überprüfbare Daten über das Ausmaß der verbreiteten Falschmeldungen. Facebook gewährt externen Wissenschaftlerinnen keinen Einblick in anonymisierte Daten und begründet das mit dem Schutz der Nutzerdaten. Zahlen über die Verbreitung von Falschmeldungen beziehen sich daher oft auf Twitter, obwohl Facebook das weit mehr genutzte und deshalb relevantere soziale Netzwerk ist.

Schnittstellen für die Bereitstellung von anonymisierten Daten existieren bereits für „öffentliche“ Facebook-Seiten. Technische Hürden müsste Facebook also kaum überwinden, sondern mehr politische und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Politico schreibt (unsere Übersetzung):

„Ohne Zugang zu Facebooks privaten Datensätzen sind Fake-News-WissenschaftlerInnen auf Datensätze von anderen sozialen Netzwerken angewiesen, um stellvertretend anhand dieser Daten ein Verständnis von der Verbreitung von Desinformationen auf Facebook zu bekommen. Viele (…) beruhen auf Twitter, hauptsächlich, weil die Beiträge auf dieser Plattform fast immer öffentlich sind.“

„[Facebook] gewährt keinen Zugang zu anonymisierten Daten für individuelle „private“ Facebook-Seiten (solche, die Du und ich nutzen, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben), welche – und das ist wichtig – den Löwenanteil der Online-Aktivitäten repräsentieren, also der Ort, wo die meisten Desinformationen erstellt und geteilt werden. (…) Ein Anfang für Facebook wäre, verifizierten WissenschaftlerInnen im Interesse der Allgemeinheit Zugang zu ihren Daten zu gewähren“

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6 Kommentare
  1. Fake News sind Stuss. Es handelt sich um Hetze, Lügen und Propaganda. Natürlich muss Facebook irgendwelchen arbeitslosen Datenforschern nichts zur Verfügung stellen. Es gibt mehr als genug Zensoren, auch im deutschen Teil des Internets.

    Wer wissen will, wer da die Hauptakteure sind, kann sich mal ZDFinfo-Filme von z.B. gestern Abend über die Mediathek ansehen. Auch andere Qualitätsmedien verlieren aus genau dem Grund immer mehr Leser/Zuschauer.

    Die Wahlen wurden nirgendwo in Europa durch Facebook, Twitter oder sonstwelche „sozialen“ Medien beeinflusst. Auch nicht durch irgendwelche Hacker Putins oder Trumps, sondern durch die jeweiligen Vorgängerregierungen. Die wurden und werden abserviert, weil einer erheblichen Menge von Wählern die Politik nicht gefiel.

  2. Ich habe den Eindruck, dass der Einfluss von FB massiv überschätzt wird. Zumindest inmeinem Umfeld ist FB mega out. Und politische Nachrichten, seien sie wahr oder geschönt, werden von FB Nutzern kaum wahrgenommen. Da geht es eher um persönliche Dinge.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass via (a)sozialer Medien ein größere Beeinflussung stattfindet, wie über die politisch unterwanderten mainstream Medien.

    Die ganze Diskusion erscheint mir eher als Ablenkungsmanöver.

    1. Naja, dass das wieder ein beabsichtigtes Ablenkungsmanöver sein soll ist eher Quark, aber ja, gibt diverse Studien, dass der Einfluss von Facebook auf die Meinungsbildung eher gering ist, da die meisten Menschen noch andere Medien konsumieren und generell in ihrem Alltag auf viel gesunde Diskussion stoßen. Wenn man nur Kommentarspalten auf Internetseiten liest wird einem leider ein anderes Bild vermittelt, im echten Leben ist soweit noch alles in Ordnung.

  3. @netzpolitik: Interessant ist, dass es genug Artikel bei Euch gibt, welche das Sammeln von nicht anonymisierten oder anonymisierten Daten über Nutzer eines Dienstes durch den Dienst selbst klar und nachvollziehbar kritisieren. Aber was ist jetzt schlimm daran, dass FB die Daten nicht rausrücken, wenn sie sich dabei auf den Schutz der Nutzer berufen?

    Das ist doch tatsächlich mal ein Schritt in die richtige Richtung. Ich als Betreiber, der ständig die Pelle von der Wurst gezogen bekommt, weil ich Daten sammle, würde in diesem Fall genauso reagieren. „Ihr kotzt ständig ab, dass ich Daten sammle, weil ihr Euch unsicher seid, ob ich die Daten safe verwende. Und jetzt heult ihr rum, weil ich sie wegen einer Studie nicht rausrücken will?“

    Als FB würde ich Euch aber sowas von was husten.

    Anmerkung:

    Ich finde es genauso zum Kotzen, dass überall Daten gesammelt werden. Ich lege ebenso großen Wert auf meine Privatsphäre und sehe auch zu, dass ich über Sachverhalte objektive und verifizierte Informationen erhalte, um mir ein ebenso möglichst objektives Bild zu einer Sache machen zu können.

    Aber wenn ich über einen Missstand aufmerksam mache, damit er abgestellt wird, dann kann ich im Nachhinein nicht plötzlich darauf pochen, mir den Umstand zu Nutze zu machen. Sobald ich der Nutznießer einer Sache bin, die ich kritisiere, dann bin ich genauso schuldig am Umstand, dass diese Sache existiert.

    1. Stimmt, die Aufforderung Facebook soll bitte Daten teilen erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich zur bisherigen Kritik an dem Verkauf dieser Nutzerdaten. Der Unterschied liegt meiner Meinung nach in der Art der Daten und an wen und zu welchem Zweck sie weitergegeben werden. Im oben zitierten Artikel von Politico heißt es zu den vorgeschobenen Datenschutzbedenken von Facebook:

      „But privacy concerns are an imperfect excuse. What researchers are looking for aren’t the names, likes and birthdays of Facebook users. Instead, they’re asking for anonymous datasets to analyze trends about how online content is produced and shared among groups of Facebook users — something that so-called data-brokers, or companies that sell users’ digital data, already get through existing commercial agreements with the social network.“

  4. Zwei Sachen könnten herauskommen:

    1) FB spielt bei Fake News eine große Rolle und sollte also stärker reguliert werden.

    2) FB spielt keine / kaum eine Rolle, weil es auf dem absteigenden Ast ist.

    Beide Erkenntnisse (vielleicht gäbe es noch andere) kann FB nicht wollen.

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