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Bericht: EU-Kommission will flächendeckend 100 MBit/s

Die EU-Kommission will die Gigabit-Gesellschaft vorantreiben und Mitgliedstaaten dazu anhalten, mehr staatliche Förderungen für den Breitbandausbau auszuschütten. Fair kann ein solches Modell aber nur dann sein, wenn wir starke Regeln zur Netzneutralität haben.

Der EU-Kommission ist bewusst, dass Europa eine bessere Breitbandinfrastruktur benötigt. CC BY 2.0, via flickr/Alan Levine

Jedem EU-Haushalt sollen innerhalb der kommenden zehn Jahre Internetanschlüsse mit Geschwindigkeiten von mindestens 100 MBit/s zur Verfügung stehen, berichtet die Financial Times unter Berufung auf Dokumente aus der EU-Kommission. Zudem sollen „nahezu alle Schulen und Unternehmen“ laut den ambitionierten Kommissionsplänen auf Bandbreiten von einem GBit/s zurückgreifen können.

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Offiziell vorstellen wolle die Kommission die Pläne im Rahmen der angekündigten Neuregelung der europäischen Telekommunikationsmärkte im September, heißt es im Bericht. Die Mittel für das Erreichen des Breitbandziels sollen teils aus privaten und teils aus staatlichen Quellen kommen, während letztere öfter als bisher angezapft werden sollen. Der vermehrte Einsatz öffentlicher Gelder, gepaart mit privaten Investitionen von etwa 155 Milliarden Euro, soll demnach zu einer Gigabit-Gesellschaft führen.

Staatliche Förderung hilft

Dass öffentlich finanzierte Infrastruktur kein Tabu mehr ist und durchaus sinnvoll sein kann, hat erst vor Kurzem ein Berichtsentwurf des Dachverbandes der EU-Telekom-Regulierungsbehörden, BEREC, festgestellt. Zwar seien staatliche Zuwendungen „generell inkompatibel mit dem europäischen Binnenmarkt“, schreiben die Regulierer, im Zusammenhang mit dem in vielen Mitgliedstaaten lahmenden Breitbandausbau aber durchaus zulässig. Besonders in Portugal und im Vereinigten Königreich habe sich die Versorgungslage im ländlichen Bereich deutlich gebessert, was vermutlich zu einem großen Teil auf öffentliche Subventionen zurückzuführen sei.

Die Pläne der Kommission gehen weit über die der deutschen Bundesregierung hinaus, die zwar auch von einer Gigabit-Gesellschaft spricht, sich bislang aber lediglich auf ein Bandbreitenziel von 50 MBit/s bis 2018 festgelegt hat. Zudem dürfte der Fokus auf die kupferbasierte Vectoring-Technik, die von der Deutschen Telekom und der Bundesnetzagentur als FTTC-Ausbau (Fiber To The Curb) verkauft wird, den Ausbau mit tatsächlich gigabitfähigen Glasfaserleitungen bis in die Wohnung zumindest verzögern.

Doppeltes und dreifaches Abkassieren verhindern

Immerhin hat das Verkehrsministerium das „Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau“ unlängst auf vier Milliarden Euro aufgestockt. Unklar bleibt aber vorläufig, wieviel davon direkt an Kommunen beziehungsweise kommunale Unternehmen ausgeschüttet wird, die sich für ein „Betreibermodell“ entscheiden und die passive Infrastruktur selbst aufbauen und betreiben werden. Alternativ steht das sogenannte „Wirtschaftlichkeitslückenmodell“ bereit, das Netzbetreibern die Finanzierungslücke schließen und dafür sorgen soll, dass sich der Ausbau in sonst unrentablen Gebieten rechnet.

Bis Ende August bleibt außerdem unklar, wie stark und klar die Regeln zur Netzneutralität in Europa ausfallen werden, an denen BEREC derzeit arbeitet. Es käme einem Treppenwitz gleich, wenn die EU-Kommission den Mitgliedstaaten einen verstärkten Einsatz von staatlichen Subventionen nahelegt – die zu einem überwiegenden Teil an Netzbetreiber ausgeschüttet würden – und der Industrie gleichzeitig diskriminierende Instrumente wie Spezialdienste oder Zero Rating in die Hände gegeben würden, mit denen sich Netzwerkressourcen, auf Kosten der Allgemeinheit, zusätzlich zu Geld machen lassen.

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18 Kommentare
  1. Wenn man dafür das neu geschaffene Geld nehmen würde das die EZB jeden Monat in die Finanzmärkte pumpt liese sich damit locker flächendeckend Glasfaser finanzieren und millionen Arbeitsplätze in der Baubranche schaffen, zumindest vorüber gehend. Die Bürger würden profitieren und die Wirtschaft eben so.

  2. Und wozu braucht ein normaler Haushalt diese Affengeschwindigkeit, ist das nicht eher diese altbekannte „Größer ist besser“-Angebots-Leier, möchte das jemand auch bezahlen und bedeutet das nicht eine Stärkung der fragwürdigen Cloud-Angebote?

    Nachwievor lautet das Problem nicht, dass heute die schnellen Anschlüsse nicht ultraschnell genug sind, sondern dass viele entlegenere Gebiete gar keinen Breitband-Anschluss bekommem können. Oder dass die Anbieter nicht liefern können, wofür sie kassieren.

    Für Schulen und Betriebe sehe ich da einen Nutzen.

    1. Wenn du keine Familie hast, dann reichen auf 50 MBit/s.
      Je nach deinem Surf- und Download/Upload Verhalten auch weniger.

      Aber im Schnitt hängen an den Leitungen Haushalte mit 1-2 Kinden/Jugendlichen sowie teilweise TV Streaming etc.
      Entsprechend braucht man auch dafür bei guter Auflösung sowie parallelen Streams etc. mehr Bandbreite.
      50 bis 100 MBit/s sind da heute die Regel.
      Da die Auflösungen zu künftig auch größer werden, wird auch die Bandbreite größer.
      Games sind jetzt schon teilweise bei 50-60 GB
      Da will man nicht Wochenlang runterladen sondern direkt in 10-20 Min.
      Wenn man dann auch noch während das Spiel runterlädt noch einen Stream schauen will, sind 100 Mbit/s schon am besten.
      Da ich auch keinen Fernseher habe, sind bei mir am Tag mal 1-2 GB für Streaming fällig.
      Was mich halt aktuell noch stört sind eben mieses Peering bei den großen Telkos und teilweise Drosseltarife.
      Ich hoffe, hier kann mit Netzneutralität auf EU Ebene langsam mal das Problem gelöst werden!
      Ansonsten finde ich die Ansätze bis 2025 nur 100 MBit/s zu haben für sehr untertrieben.
      Hier sollten auch im privaten mindestens 500 MBit/s oder direkt 1 GBit/s fällig sein.
      Bei Schulen sehe ich keinen so riesigen Bedarf, bei Unternehmen hingegen schon.
      Wir hängen im Büro auch noch an einer 16 MBit/s Leitung obwohl ich im selben Ort Wohne und dort dann 50 MBit/s habe.
      Hier sollte das halbherzige ausbauen per Gesetzt auf den gesamten Ort gelegt werden!

      Martin

      1. Okay, Danke für die Erläuterung. :)

        Allerdings finde ich 16Mbps schon relativ ausreichend, wenn man von dem Designfehler IPTV absieht und so Sachen wie Streams mit 1080p60 kann ich wirklich nicht nachvollziehen – für optischen, minimalen Effekt doppelte Datenmenge? Wenn man das Internet mal so nutzen würde, wie es sinnvoll ist, anstatt sich da durchzuYOLOn (ein Seitenaufruf? 10MB; 1080p60-Streams auf kleinen Bildschirmen; Gigabyteweise Downloads statt Datenträger, Win 10 erst mal ungefragt herunterladen) würde man plötzlich merken, dass man schon mit nicht mal 16Mbit/s genau so viel downloaden kann, das gleiche wüsste und dasselbe ansehen kann, dafür hätten vielleicht mehr Leute was von der Bandbreite – der Ausbau wäre fürs gleiche Geld räumlich weiter fortgeschritten. Hier wirft man einfach noch mehr Ressourcen auf ein Verschwendungsproblem, denke ich.

        1. Kann ich nachvollziehen.
          Wenn man auf vieles verzichten kann, was eben Bandbreite frisst, kommt man auch mit 16 MBit/s aus.
          Ich nutze aber nur das Internet als Quelle für alle Sorten von Medien.
          Dazu gehören Spiele, Musik und Filme.

          Entsprechend brauche ich auch mehr Bandbreite.
          Wenn man aber z.B. Musik durchs Radio, Filme durch Fernsehen und keine großartigen Spiele nutzt, dann würden 16 MBit/s für Surfen etc. auch reichen.
          Aber gerade die jüngere Generation, mich mit unter 30 noch eingeschlossen, nutzt eben das Internet als Hauptmedium und Bezugsquelle für digitale Medieen wie Musik, Filme und Spiele.

          Leider sehe ich das Problem hier sowohl bei der Koalition und den Telkos.
          Die Telkos zum einen, da diese nur Ausbauen wenn es ihnen Vorteile bringt.
          Hier will man eben effektiv Kosten minimieren und Gewinne maximieren.
          Kann ich nachvollziehen aber ist für die Situation nicht förderlich.

          Die Regierung will eigentlich kein Geld investieren, darf es sogar eigentlich.
          Den Förderungen mit größeren Summen wäre ein Eingriff in den Markt.
          Entsprechend kann die Regierung hier nur in einem gesetzlichen Rahmen Fördergelder bereitstellen.
          Die Telkos nutzen dies aber um natürlich um bestehenden bzw. die günstigeren Lösungen auszubauen.
          Bei Vodafone ist das eben Koax und bei Telekom eben VDSL/VDSL Vectoring.

          Hier müsste das Netz vom Staat aufgebaut und den Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden.
          Aktuell haben wir aber die Situation der Mehrfachen Ausbaus.
          Hier baut die Telekom, Vodafone und viele regionale Anbieter ihre Glasfasernetze.
          Diese werden auch nicht direkt zusammen geschlossen, sondern an den Peering Points.

          Dies bedeutet eine unnötigen Doppelausbau sowie starke Fragmentierung.
          Und genau dies wird uns noch auf Jahre Probleme machen und den nötigen Glasfaserausbau nicht nur verzögern sondern für alle die Kosten hoch halten.

          Ich hoffe ja, dass dieser Unsinn irendwann mal durch anstendige Regulierung oder durch angepasste Gesetzte gelöst wird.
          Es bringt auch nichts wenn sich Fr. Merkel oder ein andere/r Kanzerler/in alle 4 Jahre hinstellt und die gleichen Breitbandziele + 4 Jahre als Ziel an gibt.
          Diese Aussagen sind nicht binden.
          Seit 2009 will Fr. Merkel ja schon 50 MBit/s in 4 Jahren flächendeckend.
          Davon werden wir auch 2018 nur in bestimmten Regionen was haben.
          In dieser Zeit hätte man auch ein deutschlandweites Glasfasernetz aufbauen und einen Großteil der Häuser direkt mit FTTB anschließen können.

          1. @Frl. Unverständnis
            Nun … für eine flächendeckende Überwachungsstruktur, benötigen die Dienste Bandbreite … Audio und Video benötigen eben Bandbreite und der/die Überwachte soll schließlich nicht merken, das seine/ihre Webcam er/sie ständig beim Nasebohren filmt, wie peinlich wäre das denn!

  3. Gummiband-Effekt.Erst künstliche Verknappung von Bandbreite,alle meckern.Keiner denkt an die Risiken der 100Mbit,weil…alle wollen nur die 100Mbit…dann bekommen es alle,und „die“ nuckeln mittels „anti-terror-backdoor“ an euren Daten.Bei 100Mbit und SSD’s fällt es nichtmal auf wenn in echtzeit ein Backdoor aktiv ist.Bei einer normalen HDD tauchen immerhin noch Verzögerungen durch die Bewegung des Lesekopfes auf (das „schaben“ der Festplatte“,jeder kennt das noch aus alten Zeiten).Bei SSD’s und dicker Bandbreite merkt man 0.

  4. Neuigkeiten zu dem Thema:
    http://www.teltarif.de/vdsl-vectoring-vorleistung-gleichzeitig/news/64773.html

    Ich bin überrascht, dass die EU Kommission hier so Verbraucherfreundlih ist.
    Den wenn das Kvz-VULA Produkt hier durch die Anforderungen der EU Kommission so aufgewertet wird, dass ein physischer Zugang gleichgestellt ist, dann wäre dies ein enormer Fortschritt und würde auch entsprechende Probleme bei den Alternativen Anbietern nehmen.

    Martin

    1. Ein Schelm wer hier an „Verbraucherfreundlich“ denkt … Schily, Malmström, Schäuble und alle Folgefälle!
      Alle wollen … das Internet, den Bürger explizit (wegen der Terrorgefahr *lach*) überwachen und „im Notfall“ präventiv mit der Bundeswehr Einschreiten!
      … wie in München -> https://netzpolitik.org/2016/gesetzesaenderung-fuer-autopiloten-dobrindts-black-box/#comment-2060741

      So schön und verlockend das alles Klingen mag, auch hier muss man Haken und Ösen, samt Stolperdraht vermuten und wird auch alles im „Kleingedruckten“ finden!

      1. @habo
        Du wirst aufgefordert, Deinen vereinbarten Verpflichtungen nachzukommen.
        Zwischen 07:54 Uhr und 09:25 Uhr hast Du eine längere Pause gemacht hast.
        Diese Abweichung vom vereinbarten Soll wird negativ bewertet. Auch sind deine
        Beträge zu intellektuell für Leser am Sonntag Morgen. Also bitte noch mehr Masse anstatt Klasse, Habo!

        Du bist für ein weiteres Motivationsgespräch nominiert.

        1. Es ist schon eine Ehre!
          Ich nehme diese Auszeichnung würdig an, ich freue mich darüber, jemanden so auf die Hühneraugen getreten zu sein, das er/sie/es davon so vehement Aufschreit!

        2. Mein Kommentar ist leider „Your comment is awaiting moderation“ …

          Habo 24. JUL 2016 @ 11:56
          Your comment is awaiting moderation.
          Es ist schon eine Ehre!

          1. Ich nehme diese Auszeichnung würdig an, ich freue mich darüber, jemanden so auf die Hühneraugen getreten zu sein, das er/sie/es davon so vehement Aufschreit!

          2. Hmmmm …

            habowatch 24. JUL 2016 @ 10:10
            @habo
            Du wirst aufgefordert, Deinen vereinbarten Verpflichtungen nachzukommen.
            Zwischen 07:54 Uhr und 09:25 Uhr hast Du eine längere Pause gemacht hast.
            Diese Abweichung vom vereinbarten Soll wird negativ bewertet. Auch sind deine
            Beträge zu intellektuell für Leser am Sonntag Morgen. Also bitte noch mehr Masse anstatt Klasse, Habo!
            Du bist für ein weiteres Motivationsgespräch nominiert.
            Antworten
            Habo 24. JUL 2016 @ 11:56
            Your comment is awaiting moderation.
            Es ist schon eine Ehre!
            Ich nehme diese Au*zeichn*ng würdig an, ich freue mich darüber, jemanden so auf die Hü*nera*gen getr*ten zu sein, das er/sie/es davon so vehement Auf*chreit!

          3. Hmmm … entweder Au*zeichn*ng oder Hü*nera*gen oder getr*ten oder Auf*chrei … eines oder mehrere Wörter ohne Sternchen ( * ), also mit die richtichen Buchstaben statt die Sternschen … wird es wohl dem Filter angetan haben!

          4. Habo!

            Du langweilst uns mit deinen Sternchen. Das ist wie pubertärer Blümchen-Sex.
            In deiner Ausbildung wurden dir aggressive characters gezeigt. Nutze sie, oder brauchst du noch eine Nachschulung?

            Es ist an der Zeit, an deinen Schreibblockaden zu arbeiten! Sei nicht so faul!

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