Über 100.000 Webseiten sollen aus dem Bundestagsnetz nicht mehr erreichbar sein, wie der Spiegel berichtet. Diese Netzsperren sollen verhindern, dass sich weitere Rechner im Parlakom-Netz mit Schadsoftware wie Trojanern infizieren, die für den aktuellen Bundestags-Hack verantwortlich gemacht werden.
Die Quarantäne-Liste, die mehrere zehntausend Einträge enthalten soll, stellt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Verfügung. Beim Versuch, eine gesperrte Webseite aufzurufen, erscheint eine Nachricht, dass „der Zugriff auf diese Webseite automatisch blockiert“ wurde, was dem Schutz des Arbeitsplatz-PCs sowie des Regierungsnetzes dienen soll. Betroffene Nutzer mögen sich unter Angabe der Webseite sowie einer angezeigten Referenznummer beim Computer Emergency Response Team für Bundesbehörden (CERT-Bund) im BSI melden.
Dass bestimmte Webseiten nicht mehr aufrufbar sind, war Mathias Schindler, Mitarbeiter der EU-Parlamentarierin Julia Reda, bereits vergangenen Dienstag aufgefallen. Ob es sich um eine vorübergehende oder dauerhafte Maßnahme handelt, bleibt vorläufig unklar. Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sagte dem Spiegel: „Es ist mit dem freien Mandat unvereinbar, dass eine Regierungsbehörde entscheidet, auf welche Informationen Abgeordnete zugreifen dürfen, und diese Kommunikation zudem protokolliert.“ Dass im Bundestagsnetz Verbindungsdaten auf Vorrat gespeichert werden, sollte Klingbeil freilich nicht überraschen, denn das stellt schon seit längerem eine gängige Praxis dar.
Die Bundestagsverwaltung wollte unsere Nachfragen nicht beantworten und verwies darauf, dass man „aus Gründen der IT-Sicherheit dazu keine Auskünfte erteilen“ könne.
