Überwachung

Sunday-Times-Korrespondent im CNN-Interview: „Wir veröffentlichen einfach die aktuelle Meinung der britischen Regierung“

Screenshot

Nachdem am Wochenende erschienenen Artikel aus der britischen Sunday Times (Paywall), – zum Beispiel hier auch ohne Bezahlung einsehbar – über den wir schon hier berichtet haben, wonach angeblich russische und chinesische Geheimdienstmitarbeiter Snowden-Dokumente gehackt oder zugespielt bekommen hätten und dadurch britische „Agenten“ in Gefahr gebracht worden wären, führte CNNs George Howell mit einem Korrespondenten der Sunday Times ein Interview. Schnell wird klar, dass außer Informationen durch „various sources“, „multiple sources“, „highly placed sources“ und sonstigen – nicht benannten – Informanten keinerlei Beweise für auch nur eine der gemachten Behauptungen im Artikel der Sunday Times vorliegen. Der Bericht hat wohl nur einen Zweck, den der nette Korrespondent auch im Interview benennt.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

We just publish the position of the British Government at the moment.

George Howell (CNN) fragt aber nochmal ganz genau nach, möglicherweise, weil er es selbst nicht so richtig glauben kann.

So, essentially you’re reporting what the government is saying but as far as the evidence, you know, to substantiate it, you’re not really able to comment or explain that at this point, right?

Tom Harpers (Sunday Times) Antwort:

No, [we are not able to comment or explain that at this point] … unless you actually have leaked intelligence documents, like Snowden had, it’s very difficult to say anything with certainty.

Leider weiß man also gar nichts. Schuld am Unwissen ist aber nicht die fehlende Recherche oder gar die Sunday Times selbst. Man könnte einfach gar nichts genau wissen, gar keine Faktenbasis haben, weil man dafür offizielle geheimdienstliche Dokumente, wie die von Snowden, brauchen würde. Das ist wirklich „Journalism at its worst“ (Artikel von Glen Greenwald zum Thema).

Schade ist, dass sich die Tagesthemen mit der Berichterstattung auf Basis einer nicht vorhandenen Faktenlage auf ein Niveau begeben, das man sonst so nur von der „Bild“ kennt.

10 Kommentare
    1. Die werden das bestreiten mit der Aussage das die reine Weitergabe von Informationen ja keine Berichterstattung wäre dementsprechend CNN nichts vorzuwerfen ist ;-)

  1. Auf tagesschau.de wird doch recht differenziert berichtet. Weder werden die unbewiesenen Behauptungen als Fakten dargestellt, noch wird die Stellungnahme von Greenwald verschwiegen. Mit der Verwendung des Fragezeichens in der Überschrift und des Konjunktivs in der Wiedergabe wird deutlich, dass man mit gebotenem Abstand lediglich über die Berichterstattung der Sunday Times Bericht erstattet. Mit dem Schlusssatz wird Snowden selbst zitiert. Das alles kann man m. E. nicht mit „Bild“ vergleichen.

  2. eine plumpe Lüge zur Ehrenrettung nach dem vermutlich entstandenen Shitstorm, denn wäre das von Anfang an so gedacht gewesen, hätte man auf diesen Umstand deutlich hinweisen können. Zur Ehrenrettung der Sunday-Times kann man nur anführen, dass sie mit solchem Verhalten nicht alleine da stehen, denn auch Teile der Deutschen Presse / der deutschen Journalisten und Autoren plappern alles brav nach, was der Staat so von sich gibt, wie man besonders deutlich im Fall NSU sehen konnte und nein selbst das war bei uns kein Einzelfall. Besonders schlimm finde ich solches Verhalten bei namhaften investigativen Journalisten weil sie den Eindruck des Aufklärungswillen erwecken und Teile der Bevölkerung ihnen deshalb besonders vertraut.

  3. Die ARD hat komplett versagt. Nicht nur die Tagesthemen:

    Greenwalds Antwort auf die Sunday Times Schmierenkampagne gegen Edward Snowden wurde heute teilweise auch in der ARD überliefert. In dem Artikel der Times wurde beispielsweise behauptet, dass David Miranda, der Partner von Glenn Greenwald, vor seiner Verhaftung am Flughafen Heathrow, Edward Snowden in Moskau getroffen habe. Eine glatte Lüge. Miranda war nie in Moskau. Die Times strich diese Passage anschließend klammheimlich aus dem Online-Artikel.

    Dennoch: die ARD schaffte es mittels prominenter Platzierung der Nachricht, samt manipulativer Grafiken sich als Sprachrohr einer auf anonymen Regierungsquellen beruhenden Diffamierung von Edward Snowdon zu betätigen. Auch die medial gerne propagierte Frage “Snowden:Held oder Verräter?” wurde in diesem Zusammenhang erneut aufgewärmt:

    https://machtelite.wordpress.com/2015/06/14/ard-kolportiert-sunday-times-propaganda-uber-snowdon/

    1. Wenn die Verleumdungs- und Propagandakampagne nicht sehr vorsichtig gemanagt wird sondern von solchen Anfängern, dann wenden sich hoffentlich mehr vom Mainstream ab.

      War ich vorher skeptisch, ob die Tagesschau wirklich mit Lügenpresse zu betiteln ist, nun habe ich leider den Beleg vor Augen. Die von Dir verlinkten Screenshots sprechen für sich. Widerlich, einfach nur erbärmlich, wie das Pack mit Edward Snowden umgeht. Schauderhaft, wie bereitwillig die Verleumdungen geglaubt werden.

  4. Ich habe immer gesagt das die ARD (und auch das ZDF) nur Propagandasender der Regierung sind……nun liefern Sie zum 100dersten mal den Beweis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.