Überwachung

Fragwürdige Behauptungen, China und Russland hätten die Snowden-Dokumente entschlüsselt

Hat Snowden wirklich zur möglichen Identifizierung britischer Spione geführt? CC BY 2.0 via flickr/tonythemisfit

Laut Berichten von BBC und der Sunday Times soll es China und Russland gelungen sein, die Dateien der Snowden-Dokumente zu entschlüsseln. Das habe laut „höheren Geheimdienstkreisen“ dazu geführt, dass Agenten der britischen Geheimdienste aus Aufgaben abgezogen worden seien, da die Gefahr einer Identifizierung bestanden habe.

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Doch wie soll das passiert sein, wenn man Edward Snowden Glauben schenkt, der stets beteuerte, es sei unmöglich, dass Dritte Zugang zu den Dokumenten bekommen hätten? Auf den ersten Blick wirkt die Nachricht mehr wie eine Stimmungskampagne, vor allem wenn aus dem britischen Innenministerium in der Folge wieder einmal Anschuldigungen kommen, Snowden habe „Blut an seinen Händen.“ Eine Rhetorik, die wir aus dem Wikileaks-Fall der Afghan War Logs kennen.

Noch dazu passt die Behauptung in die Zeit kurz nach der Veröffentlichung eines von dem britischen Premierminister David Cameron in Autrag gegebenen Berichtes von David Anderson, der Vorschläge für eine bessere Kontrolle der Geheimdienste enthält. Je mehr Snowden als verantwortungslos handelnde Bedrohung für die gern beschworene nationale Sicherheit dasteht, desto leichter lässt sich rechtfertigen, den eigenen Diensten ihre Befugnisse zu lassen oder sie sogar zu erweitern. Bisher mangelt es an faktischen Belegen dafür, dass Snowdens Enthüllungen jemals reale Konsequenzen für die Sicherheitslage gehabt hätten.

Eric King von Privacy International bemerkt außerdem:

Looking at the Sunday Times, it asks more questions than it answers […] Given Snowden is facing espionage charges in the US, you would have thought the British government would have provided them with this information.

Auch Shami Chakrabarti, der Vorsitzenden der Bügerrechtsorganisation Liberty, kommt die Sache komisch vor:

Last week, David Anderson’s thoughtful report called for urgent reform of snooping laws. That would not have been possible without Snowden’s revelations. Days later, an ‚unnamed Home Office source‘ is accusing him of having blood on his hands. The timing of this exclusive story from the securocrats seems extremely convenient.

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8 Kommentare
  1. Super ärgerlich ist, dass es praktisch von jedem großen online Nachrichtenmagazin einfach nachgeplappert wird, völlig undifferenziert, da könnte man so einen Hals kriegen…..

  2. Das sie die Journalisten abhören, bei ihnen einbrechen und die Snowden Daten in die Finger bekommen haben, könnte ich mir dennoch vorstellen.

  3. Greenwalds Antwort auf die Sunday Times Schmierenkampagne gegen Edward Snowden wurde heute teilweise auch in der ARD überliefert. In dem Artikel der Times wurde beispielsweise behauptet, dass David Miranda, der Partner von Glenn Greenwald, vor seiner Verhaftung am Flughafen Heathrow, Edward Snowden in Moskau getroffen habe. Eine glatte Lüge. Miranda war nie in Moskau. Die Times strich diese Passage anschließend klammheimlich aus dem Online-Artikel.

    Dennoch: die ARD schaffte es mittels prominenter Platzierung der Nachricht, samt manipulativer Grafiken sich als Sprachrohr einer auf anonymen Regierungsquellen beruhenden Diffamierung von Edward Snowdon zu betätigen. Auch die medial gerne propagierte Frage “Snowden:Held oder Verräter?” wurde in diesem Zusammenhang erneut aufgewärmt.

    https://machtelite.wordpress.com/2015/06/14/ard-kolportiert-sunday-times-propaganda-uber-snowdon/

  4. wer glaubt dass britische geheimagenten nur mit den dokumenten von snowden entarnt werden könnten … weiß nicht das es in jedem land so etwas wie spionageabwehr gibt.
    wenn man jedoch die bahauptung etablieren kann, dass snowdens dokumente dafür geeignet sind – und tatsächlich dafür gebraucht werden konnten – dann erhöht sich das strafmaß und die möglichkeiten snowden in einer nacht und nebel aktion habhaft zu werden.
    kontrolliere die nachrichten … kontrolliere die meinung … nutze das stimmungsbild nach deinen wünschen … geziehlte desinformation seitens geheimdiensten ist ein arbeitsinstrument …

  5. Und ich dachte, die wüßten das sowieso schon… Sonst wäre Ed Snowden den Weg niemals angetreten… So zumindest hatte ich seine Mission verstanden. Wo werden noch einmal die ganzen Hardwareteile produziert?

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