Öffentlichkeit

Zu extremistisch? Britische Provider filtern Chaos Computer Club weg

In Großbritannien können wir leider seit einiger Zeit beobachten, wie eine Netzzensur-Infrastruktur, die ursprünglich mit der Begründung einer Bekämpfung von Kinderpornographie eingeführt wurde, auf andere Inhalte ausgeweitet wird. Mittlerweile gibt es Filterlisten auch für unterschiedlichste Sex-Fetische und gegen extremistische Seiten. Jetzt ist ccc.de Opfer dieser Filterlisten geworden und da auf der Seite keine Pornos gefunden wurden bleibt nur die andere Variante übrig. Und hier sehen wir eine eklatante Einschränkung von Meinungs- und Informationsfreiheit in einem unserer EU-Nachbarstaaten.

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Der Chaos Computer Club ist not amused, auch weil die 31c3-Congressseiten samt Ticketvorverkauf gesperrt sind: Chaos Computer Club zur Zensur seiner Inhalte in Großbritannien. Britischen Internetnutzern sei die Ip-Adresse http://213.73.89.123/ empfohlen.

Die technischen Umgehungsmöglichkeiten der Zensurlisten ändern aber nichts daran, daß es – wie beim Beispiel der Seiten des CCC – zum sogenannten Overblocking kommt, also auch Inhalte gesperrt werden, die keine der faktisch zensierten Themen enthalten. Möglicherweise geht aber der CCC in Großbritannien, einem Land, das seit Jahren abseits mitteleuropäischer Standards der Meinungsfreiheit agiert, als „extremistisch“ durch. „Schon bei der Einführung dieser Filter war klar, daß sie mißbraucht werden würden. Daß sie nun aber nicht nur den Zugang zu unserer Seite, sondern auch noch zu unseren Veranstaltungen erschweren, das schockiert selbst uns,“ sagte Dirk Engling, Sprecher des CCC. „Wir sehen uns leider darin bestätigt, daß Zensurinfrastruktur – ganz unabhängig vom Land, in dem sie eingesetzt wird – früher oder später auch zur Durchsetzung politischer Interessen eingesetzt wird.“

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37 Kommentare
  1. Wen wundert es? Schließlich hat der CCC doch schon vor einiger Zeit gesagt „Durch den Whistleblower Edward Snowden wurde in den vergangenen Wochen der mit Abstand umfangreichste weltweite Überwachungsskandal aller Zeiten nachgewiesen. Neben offensiver politischer Spionage und großflächiger Wirtschaftsspionage gegen Europa und insbesondere Deutschland durch Geheimdienste der USA, Großbritanniens und weiterer Staaten wurde ein Netz der Massenüberwachung offenbart, dessen Ausmaß für die meisten Menschen völlig unfassbar ist.“. Das England und der GCHQ sich so was merken und irgendwann darauf nach dem Motto „wehret den Anfängen (von Widerstand gegen die Überwachung)“ reagiert erstaunt mich nicht besonders. Möglicherweise gibt es ja auch schon ein Einreiseverbot für den CCC Vorstand.

    1. Nein, es gibt kein Einreiseverbot fuer irgendwelche CCC Mitglieder.

      Es gibt noch nicht einmal eine Zensur der CCC Website. Es gibt zwei Provider (Three und Vodafone) bei denen der CCC aus irgendwelchen Gruenden auf der Kinderschutzblockliste gelandet ist. Weitere Provider sind mir nicht bekannt bei denen der CCC auch geblockt ist. Bei mir (und vermutlich der Mehrheit der Internetnutzer hier) ist der Filter auch gar nicht angeschaltet, also ist auch nichts geblockt.

      Es gibt keine Reaktion von „England“ (was immer das sein soll) oder GCHQ den CCC zu blocken.

    1. So was muss man hinnehmen, der CCC gefährdet schliesslich dadurch das Bruttosozialprodukt, dass er ansonsten potentiell verkaufbare Produkte kritisiert!

      Nicht auszudenken, was passieren könnte wenn der CCC z.B. die kommenden Windows „every breath you take“ Wanzen öffentlich als das was sie sind kritisieren würde, dann würden ja nach TTIP Konventionalstrafen fällig, so was geht gar nicht! :)

      windows.microsoft.com/en-us/windows/preview-privacy-statement

      „Data We Collect

      Microsoft collects many kinds of information in a variety of ways in order to operate effectively and provide you the best products, services and experiences we can. We may combine this data with information that is linked to your user ID, such as information contained in your Microsoft account.

      When you acquire, install and use the Program, Microsoft collects information about you, your devices, applications and networks, and your use of those devices, applications and networks. Examples of data we collect include your name, email address, preferences and interests; browsing, search and file history; phone call and SMS data; device configuration and sensor data; and application usage. For example, when you:

      install the Program, we may collect information about your device and applications and use it for purposes such as determining or improving compatibility,

      use voice input features like speech-to-text, we may collect voice information and use it for purposes such as improving speech processing,

      open a file, we may collect information about the file, the application used to open the file, and how long it takes and use it for purposes such as improving performance, or

      enter text, we may collect typed characters and use them for purposes such as improving autocomplete and spellcheck features.

      The Program contains internet-enabled features and social functionality. When these features are used, they transmit certain standard computer information („Standard Computer Data“) to Microsoft. Standard Computer Data may include information about the Program computing environment such as IP address, network status, operating conditions and information about devices and software used with the Program.“

  2. Sag ich jetzt, es war absicht klingt es paranoid, sag ich es war ein Versehen bin ich naiv.
    Aber mal ernsthaft. Ist doch bestimmt nicht die erste Seite, die versehentlich in den Filter gekommen ist. Könnte mir durchaus vorstellen, dass es einfach eine bürokratische Schlamperei war…

    1. Es ist meiner Meinung nach nicht ausschlaggebend, ob es ein Versehen war oder mit Absicht gesperrt wurde. Eine Antwort wird man ohnehin nicht erfahren. Dass es den Chaos Computer Club und damit in dem Sinne Unschuldige trifft, offenbart hingegen, dass die Idee der Netzsperre nicht funktioniert.

    2. Allgemein wäre es sehr interessant zu wissen, wie oft Webseiten da im Filter hängenbleiben ohne etwas mit den verbotenen Inhalten zu tuen zu haben. Hier steht z.B. in einem Nebensatz reddit und Linuxtracker
      http://www.golem.de/news/streaming-grossbritannien-verbietet-bestimmte-stellungen-bei-pornos-1412-110974.html

      Die Kontrollen versagen da scheinbar öfter (absichtlich oder unabsichtlich).
      @Klaus D. Ebert: Ich glaube das hat mit „Herrschaften“ wenig zu tun, viele Briten ticken so. Mir wäre zumindest nicht bekannt, dass es wirkliche Massenproteste gab bei der Einführung ;-)
      @m.: Wie gesagt viele Briten scheinen mit den Filtern wenig Probleme zu haben. Wegen ein paar unschuldig gesperrten Webseiten wird sich daran garantiert nicht ändern. Naja wems gefällt…

      1. Lese gerade in verschiedene Meldungen, dass die Mehrheit der Briten die Filter beim Provider wieder deaktivieren lassen. Sind damit vlt doch nicht so glücklich wie ich dachte.

  3. Der Artikel ist mal wieder herrlich entsetzt geschrieben. Da kommt also nun eine Folgeauflage nach der damaligen Idee Kipo im netz zu dezimieren. Ich bin gar nicht entsetzt, ich habe genau das erwartet. Darauf setuert eurer heißgeliebtes Internet schon seit Jahren zu aber den Kern dieser Problematik erwähnt niemand. Denn der Kern der Problematik ist die Tatsache, dass Konzerne und Regierungen das Internet steuern. Nicht wir und auch NICHT Netzpolitik.

    Klar passiert dann genau das, was hätte auch sonst passieren sollen? Ihr habt euer Netz zurück frei und unbewacht?

    Schön Naiv. Und das ist erst der Anfang.

    1. Entsetzen darüber – auch wenn man es hat kommen sehen – ist wichtig. Ohne Dir zu nahe treten zu wollen: mit Deinem passiven Widerstand („Ich bin gar nicht entsetzt, ich habe genau das erwartet“) oder sogar der Diskreditierung von Kritikern solcher Umstände unterstützt Du diese Entwicklung, so meine ich.

  4. [Sarkasmus]Also, etlichen Hackern geht bei heißer Hardware ja echt fast schon einer ab, insbesondere, wenn diese jünger als 14 Jahre ist.[/Sarkasmus]

  5. Ich find das gut. Wenn sie als nächstes die Überseekabel unterbrechen sind sie entlich allein.
    Die wurden nie damit fertig, dass das Groß im Namen schon längst klein ist. Kleinbritannien, oder Darmfortsatz der USA ist glaube ich ist besser. Kämpften tapfer gegen die Nazis und sind selbst auf dem besten Weg dahin. Na, dann befreien wir halt jetzt die Insel.

    Aber was soll man von einem Volk erwarten, dass sich mehr um seine König/in kümmert oder besorgt ist. Die wollten nie und werden nie Teil von Europa sein. Laßt sie verdummen und in ihrem eigenen Saft schmoren. Wie will man jemand davon überzeugen, dass was er tut nicht richtig ist, wenn er selbst der Meinung ist, dass es richtig ist. Siehe Ungarn. Das gleiche Spiel. Was macht das Europaparlament? Nichts. Hauptsache die eigene Kohle stimmt.

    Wieviel Kameras stehen in London. > 60000

  6. Auf Spiegel Online findet sich folgender Kommentar:

    F.Z. heute, 18:53 Uhr:
    „CCC steht fuer Color Climax Corporation. Wer ein wenig googelt findet schnell raus warum hier gefiltert wird!“

    Wenn dem so wäre, fände ich ich das „Sperren“ aufgrund von Namensähnlichkeiten als noch skandalöser als das Sperren (politisch) unangenehmer Webseiten.

    Ich bin mal gespannt, welche Erklärungen in den nächsten Tagen vorgeschoben werde.

  7. Mal davon abgesehen dass sich sowohl Chrome als auch Firefox ueber ein ungueltiges Zertifikat beschwerten konnte ich gerade eben ueber BT (WiFi) und EE (mobile broadband) problemlos auf die Seiten des CCC zugreifen.
    Da BT einer der groessten Provider hier ist duerfte die Ueberschrift so nicht ganz stimmen.

      1. Kann ich dir nicht sagen, musst du den Autor fragen ;) Beim CCC steht es korrekt. Wobei es vielleicht auch nur eine Frage der zeitlichen Umsetzung ist, wenn die wirklich alle dieselbe Sperrliste nutzen

      2. Nein, tun sie nicht. Weil das alles unterschiedliche Filter sind die von verschiedenen Anbietern angeboten werden. Mal ganz davon abgesehen dass genuegend Leute (mich eingeschlossen) den Filter gar nicht erst haben. Und gerade bei denen die irgendein Interesse am CCC haben wuerde ich davon ausgehen dass die den Filter auch nicht haben.

      3. Im CCC Artikel steht
        „daß ein Teil der britischen Netznutzer nicht mehr auf die Webseiten des Chaos Computer Clubs (CCC) zugreifen kann. Kunden des Providers Vodafone können darüber hinaus auch die gerade bereitgestellten Vorverkaufsseiten [1] für den diesjährigen Chaos Communication Congress (31C3) nicht mehr erreichen.“
        Auf deutsch: mehrere nicht näher genannte Provider sperren CCC. Zusätzlich sperrt Vodafone nicht nur den CCC, sondern auch die Vorverkaufsseiten des 31C3. Mittlerweile ist die Sperre vlt einfach aufgehoben worden? Ist doch oft so, sobald es öffentlich bekannt wird, gibs ein kurzes sry und die Seiten werden wieder freigeschaltet. Aber nur eine Vermutung meinerseits, ich bin aktuell nicht in England.

      4. Die einzigen Provider die mir bisher bekannt sind waeren Vodafone und Three. Letzterer ist meines Wissens rein mobile, Vodafone groesstenteils mobile, glaube nicht dass viele ihr broadband mit denen haben. Das ist deren kaputter Kinderschutzfilter, den ein Grossteil der Kunden gar nicht eingeschaltet haben wird. Passiert leider immer mal wieder dass da was falsches blockiert wird. Das ist nicht gut und nicht richtig, aber keine aktive Zensur.

        Und da redet ihr Netzzensur-Infrastruktur die auf andere Bereiche ausgeweitet wird?

  8. Ok ich mach mal noch einen Punkt unter den Satz.

    Diese Filter sind OPT-OUT Filter mit dem Unterschied, dass einige Leute keine Ahnung davon haben. Das wurde im hroßen und ganzen auf den Filesharing Blogs durchgekaut und getestet. Andererseits wirft das trotzdem kein gutes Licht auf die Insel. Da wird doch praktisch alles mit Man in the Middle abgeschnorchelt und im Nachhinein entschieden was abgeht und was nicht.

    Vorratsdatenspeicherung an der Stelle: Das ist sowieso nur Gefasel. Gespeichert wird alles bei jedem. Keine Logs zu haben kann im Endeffekt den Ruin der FIrma bedeuten (je nach Standort und Legislatur) deshalb sollte man auch bei den sog. Versteckspielern ala Virtual private Network und sowas immer im Hinterkopf haben, dass sie auch nur eine Marktlücke mit einer gesetzl. Grauzone ausfüllen bis den Obrigkeiten wieder mal eine Neuauflage der Sicherheitsparagraphen in den Sinn kommt.

    Der Fall Megaupload z.B. (Millionen privater Daten für immer in der Beschlagnahmungshölle gefangen oder Leasenets große Säuberung) sollte jedem klar machen, dass die Regelmacher sie auch einfach brechen können mithilfe der Ausnahmen (die mal eben so nach belieben definiert werden).

    Sieht man ja anhand von Kampf gegen Drogen, Terror, Kinderpron und Proliferation blabla scheiss die Wand an Freiheit.

  9. Über Schikanen ostasiatischer Art darf man nicht schockiert sein, man muss sich überall massiv beschweren. Und V*d*f*n* scheint einfach noch zu viele Kunden zu haben.

  10. Das Sperren von Pornoseiten müsst ihr aus dem Blickwinkel der Terrorbekämpfung sehen.
    Die Muslime können sich dann keinen mehr vor dem PC Runderholen und müssen auf die Straße.
    Dann erkennen sie wie scheiße Scharia ist und dass das verstecken von Frauen unter ihrer Bekleidung noch viel blöder ist.

    Weiter so England, verteidige unser europäisches Reich.

  11. Die Sperrliste ist im Prinzip die gleiche Idee wie bei Zensursula. Technologisch ist die Massenüberwachung- und Steuerung heute auf dem höchstmöglichen Stand. Gehirnwäsche durch Massenmedien und Volksverdummung gepaart mit subtiler Zensur zementiert die Vorherrschaft riesiger transnationaler Unternehmen (Familienclans) und degradiert Politiker und Lobby zu Mietsoldaten, die Gesetze und Währungssystem für die globale Elite anpassen. Bereits jetzt ist das Ende abzusehen, denn zusammenbrechende Imperien sind im fast freien Fall.

  12. Ich tippe mal darrauf das dies evtl ein kleiner Test ist…. es wird geschaut wer und wie heftig reagiert wird…. und da es kaum einer mitbekommt und es warscheinlich kaum Wiederstand geben wird, ausser von Denen die es betrifft, denkt man sich in Zukunft „Och, wenn das so einfach geht, dann schauen wir mal was wir noch so alles ausprobieren können….“ die alte Leier…

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