Überwachung

Wenn Drohnen vom Himmel fallen: Absturzraten von Flugrobotern der US-Armee und der Bundeswehr

Jährliche Absturzraten: Screenshot der "Washington Post".
Jährliche Absturzraten: Screenshot der „Washington Post“.

Unter dem Titel „When drones fall from the sky“ hat die Tageszeitung „Washington Post“ über eine größere Untersuchung zu Abstürzen von US-Drohnen berichtet. Demnach haben sich seit 2001 bereits 418 Unfälle mit großen Drohnen der US-Armee ereignet. Kleinere Drohnen sind in der Aufstellung nicht berücksichtigt. Als Ursachen der Abstürze gelten technische Defekte, schlechtes Wetter und menschliches Versagen.


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Betrieben wurden die abgestürzten Flugroboter entweder von der Luftwaffe, dem Heer oder der Marine. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, tödliche Vorfälle in einigen Fällen aber jedoch nur knapp vermieden worden. Eine Drohne stürzte etwa nahe einer Grundschule ab. Die meisten Crashs ereigneten sich in Afghanistan, es folgen die USA und der Irak. Auch in Dschibuti, Pakistan oder in Mali ereigneten sich Unfälle. Nicht immer hat die US-Armee aber Abstürze zugegeben.

Die Vorfälle sind in einer Grafik dargestellt und lassen sich den Teilstreitkräften, Orten oder Typen zuordnen. Für den Artikel hatten die AutorInnen ein Jahr lang 50.000 Seiten mit Unfallberichten ausgewertet. Die höchste Absturzrate verzeichnet die Langstreckendrohne „Predator“ bzw. ihr Nachfolger „Reaper“. So wie es aussieht wird auch die Bundeswehr dieses bewaffnungsfähige Modell beschaffen. Auch fünf Exemplare der Riesendrohne „Global Hawk“ fielen bereits vom Himmel. Die „Global Hawk“ ist nahezu baugleich mit der „Euro Hawk“, die von der Bundeswehr in einer Kleinserie von ebenfalls fünf Stück beschafft werden sollte. Erst ein Gerät ist geliefert und nach explodierenden Kosten vorübergehend eingemottet worden.

Bundeswehr wirft Nebelkerze: Verschiedene Arten von „Landungskategorien“

Aufgeführt sind auch Abstürze der US-Drohnen „Raven“, „Hunter“ und „Shadow“. Alle drei Typen hat die US-Armee auch in Deutschland stationiert. Die „Hunter“ soll zukünftig sogar außerhalb militärischer Anlagen verkehren. Eine Genehmigung wurde aber vom Verteidigungsministerium noch nicht erteilt. AktivistInnen hatten unter Bezug auf Meldungen in US-Soldatenzeitungen berichtet, dass bald auch die (ebenfalls häufig abgestürzten) größeren Drohnen „Gray Eagle“ in Bayern stationiert würden. Die Bundesregierung dementiert das aber.

Letztes Jahr hatten Berichte über Abstürze von Drohnen der Bundeswehr Furore gemacht. Das Verteidigungsministerium hatte in Antworten auf parlamentarische Anfragen zunächst falsche Angaben über die Anzahl der Vorfälle gemacht. Später wurde behauptet, die Abgeordneten hätten die falschen Fragen gestellt: Denn es gebe verschiedene Arten von „Landungskategorien“. Ein Absturz sei nur dann gegeben, wenn „durch einen unkontrollierbaren Flugzustand das Luftfahrzeug am Boden zerstört wurde“. In der entsprechenden Vorschrift des Generals für Flugsicherheit wird dies als „Beendigung eines unkontrollierbaren Flugzustandes am Boden durch Zerstörung“ definiert. Ein Flugunfall liegt nur vor wenn mindestens eine Person tödlich oder schwer verletzt worden ist, „verwendungsunfähig“ ist oder als verschollen gilt. Das Gleiche gilt für das Luftfahrzeug, das entweder zerstört, vermisst oder „nicht zugänglich“ ist.

Auch wenn die Drohnen außer Kontrolle geraten liegt nicht immer ein Flugunfall vor. Denn wenn es den PilotInnen gelingt, ein Notlandeverfahren auszulösen, handelt es sich offiziell um eine „systemkonforme Landung“ – auch dann, wenn die Drohne Schaden nimmt. Derartige Ereignisse würden werden in der „Fluggeräteakte“ erfasst, aber nicht statistisch ausgewertet. Selbst wenn die Datenverbindung zwischen Drohne und Bodenkontrollstation unterbrochen wird, gilt dies nicht als Unfall. Über die Anzahl derartiger Vorkommnisse werden vom General Flugsicherheit der Bundeswehr ebenfalls keine Statistiken geführt.

Ein Sechstel aller Bundeswehr-Drohnen gecrasht – mindestens

Vorbehaltlich dieser Einschränkungen hatte der Presse- und Informationsstab der Bundeswehr im Juni 2013 die Angaben zu Abstürzen nach oben korrigiert. So sei es bei insgesamt 137 Flugunfällen und Zwischenfällen zu einem „Verlust“ gekommen. Nicht alle Verluste seien als als Flugunfall eingestuft worden. Letztes Jahr zählte die Bundeswehr 871 Drohnen der Typen „ALADIN“ (Abstürze: 30), „KZO“ (Abstürze: 18), „LUNA“ (Abstürze: 52), „MIKADO“ (Abstürze: 4) sowie „HERON 1“ (Abstürze: 3). Rund ein Sechstel ist also bereits vom Himmel gefallen. Die meisten Abstürze (numerisch) verzeichnete die „LUNA“. Dennoch will der Hersteller bald die Zulassung nach „Kategorie 3“ beantragen, um das Gerät auch im allgemeinen zivilen Luftraum fliegen zu dürfen.

Im Verhältnis betrachtet weist aber die Langstreckendrohne „Heron“ die meisten Abstürze auf: Von den drei aus Israel beschafften Exemplaren sind alle bereits einmal mit Totalschaden gecrasht. Zu dem jüngsten Unfall im November will die Bundeswehr immer noch nicht erklären, wie es dazu kam und wer verantwortlich ist. Die Drohne sei in Afghanistan „aus bisher ungeklärter Ursache mit einem Berg“ kollidiert. Die Verbindung zwischen der Bodenstation in Mazar-i Sharif und der „Heron“ sei abgebrochen gewesen.

Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr drückt sich um die Frage, ob die „Heron“ wegen fehlerhafter Steuerung, technischer Defekte oder Manipulationen Dritter zu Boden ging. Laut dem Militär habe es sich um einen Unfall während eines Aufklärungsfluges gehandelt. Sie sei demnach zum Zeitpunkt des Unfalls nicht von Technikern der Betreiberfirma EADS Cassidian geflogen worden. Ein endgültiger Unfallbericht ist für Ende Juni angekündigt.

Letztes Jahr bezifferte die Bundeswehr die Kosten der abgestürzten Drohnen auf rund 109,39 Millionen Euro. Die Reparatur von Drohnen bei nicht als „Unfall“ eingestuften Vorfällen dürfte aber mit weiteren, hohen Kosten zu Buche schlagen.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
4 Kommentare
  1. Kurios, wenn man bedenkt wieviele Modellflieger quasie mit gleichem Equibment in Deutschland fliegen und wenig dabei passiert!? Die Bundeswehr und die US Armee sollte mal bei uns anklopfen und fragen wie das sicherer geht. Das einzig gefährliche is der Lipoakku! Vieleicht sollten beide auch in Zukunft einfach vermeiden über bewohntes Gebiet zu fliegen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.