Ein Großteil der bisherigen Veröffentlichungen von Dokumenten aus dem Fundus von Edward Snowden zeigte die massenhafte Sammlung und Speicherung von Metadaten aller Art auf. Seit heute gibt es weitere Belege, dass auch Inhalte von den Geheimdiensten flächendeckend weggespeichert werden: Die NSA hat ein System, um alle Telefonate, die in einem Land geführt werden, aufzuzeichnen und für einen Monat aufzubewahren. Das berichtet die Washington Post unter Berufung auf Snowden und vertiefende Recherchen.
Das Programm um das es dabei geht nennt sich MYSTIC, existiert seit 2009 und bietet ein RETRO genanntes Tool zum beliebigen Rumhören in der aufgezeichneten Kommunikation. Analysten exzerpieren dabei das Gehörte und sorgen dafür, dass Millionen von Ausschnitten langfristig aufbewahrt werden. Erstmals eingesetzt wurde es 2011. Gegen welches Land es dabei ging, wird von der Washington Post aus Rücksicht auf US-Regierungswünsche nicht gesagt. Codename für den Ort der Sammlung ist SCALAWAG, was nicht gerade für besondere Wertschätzung spricht. Außerdem legen die Dokumente nahe, dass es nicht bei der Erfassung eines einzelnen Staats geblieben ist.
Das Programm hat einer weiteren Folie zu Folge zu Kapazitäts-Engpässen bei der Speicherung geführt. Diese dürften allerdings durch das schillernde neue Datenspeicherzentrum in Utah weitestgehend der Vergangenheit angehören.
Am 17. Januar hatte US-Präsident Barack Obama in einer Rede noch behauptet, dass die Vereinigten Staaten auf das Ausspähen „gewöhnlicher Menschen“ verzichte:
The bottom line is that people around the world, regardless of their nationality, should know that the United States is not spying on ordinary people who don’t threaten our national security, and that we take their privacy concerns into account in our policies and procedures. This applies to foreign leaders as well.
Schon vor dem Beginn der Snowden-Enthüllungen hatte ein früherer FBI-Agent von einem solchen Programm berichtet.
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