In der Debatte um Internet Governance bewegt sich endlich was. Das US-Handelsministerium hat angekündigt, die US-Kontrolle über ICANN aufzugeben und zukünfig in einen internationalen Multi-Stakeholder-Prozess zu überführen. Die Ankündigung kommt einen Monat vor der brasilianischen „NetMundial-Konferenz – The Global Multistakeholder Meeting on the Future of Internet Governance“, wo grundsätzlich über Fragen der Internet Governance diskutiert und neue Prozesse definiert werden sollen.
Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) koordiniert die Vergabe von einmaligen Namen und Adressen im Internet. Dazu gehört die Koordination des Domain Name Systems und die Zuteilung von IP-Adressen, was auch als IANA-Funktion bezeichnet wird.
Aus der Pressemeldung des US-Handelsministeriums: NTIA Announces Intent to Transition Key Internet Domain Name Functions.
NTIA has communicated to ICANN that the transition proposal must have broad community support and address the following four principles:
Support and enhance the multistakeholder model;
Maintain the security, stability, and resiliency of the Internet DNS;
Meet the needs and expectation of the global customers and partners of the IANA services; and,
Maintain the openness of the Internet.
Der internationale Druck auf die USA hatte sich in den vergangenen Jahren verstärkt, endlich mal die Kontrolle über ICANN aufzugeben. Trotzdem ist die Meldung eine kleine Revolution, die als eine Folge der Snowden-Enthüllungen interpretiert wird. Auf der kommenden ICANN-Konferenz in Singapur Ende des Monats und vor allem auf den NetMundial-Konferenz in Sao Paulo nach Ostern wird sich zeigen, welche Richtung die Debatte nimmt und wie ein Multi-Stakeholder-Prozess dafür konkret ausgestaltet werden kann, der größtmögliche staatliche Unabhängigkeit bringt.
Mehr Hintergrund und Einordnung bietet unser Interview mit Jeanette Hofmann: EU-Kommission bekennt sich irgendwie zu Internet-Governance.