Es ist wie ein gutes klassisches Drama. Von der Exposition (Wir, die Philosophische Fakultät der Universität Rostock, denken darüber nach, Snowden den Ehrendoktor zu verleihen) zu der Steigerung (Wir haben im Fakultätsrat darüber entschieden, Snowden die Ehrendoktorwürde zu verleihen) bis hin zum Wendepunkt (Rektor Schareck ist dagegen, sieht Snowdens wissenschaftliche Leistung nicht).
Jetzt kündigt sich das retardierende Moment an (Verzögerung, Hoffnungsblick) – Medienberichten und einer Pressemitteilung der Uni Rostock zufolge hat der unbeugsame Fakultätsrat heute beschlossen, sich nicht mit der Ablehnung des Rektors zufrieden zu geben. Wird nun doch alles gut? Oder ist das nur ein weiteres Element in einem Schlagabtausch, in dem der Wunsch, einen Menschen, der sich wesentlich um Wissenschaft, Freiheit, Forschung, Bürger- und Grundrechte verdient gemacht hat, für seine Taten auszuzeichnen, der (politisch motivierten?) Wort- und Satzungstreue eines mutlosen Universitätsrektors entgegen steht?
Was geschieht als nächstes? Folgt diese Inszenierung dem vorgezeichneten Weg, dann gibt es keine andere Möglichkeit, als dass die Ehrendoktorwürde-Causa ihrem unweigerlichen Ende (Katastrophe) entgegenschreitet, nämlich der Einmischung der Landespolitik, die für sich entschieden hat, Grundrechte würden im Internet nicht gelten. In Hochschulangelegenheiten wird sich ja offiziell nicht eingemischt, aber wenn man uns schon fragt…
Zückt schon einmal eure Taschentücher für das herzzereißende Finale dieser unglaublichen Show, in der es ein einfaches Zeichen zur Würdigung Snowdens Verdienste nicht durch den Genehmigungsdschungel der politischen Gegner schafft. Immerhin, können wir noch sagen, nimmt eine andere Uni jetzt die ‚Bürde’ auf sich, die Anerkennung der Öffentlichkeit in akademische Anerkennung umzuwandeln: Wer Lust hat auf ein leichteres Lustspiel, der wende sich in Richtung der FU Berlin, deren akademischer Senat Snowden jetzt zum Ehrenmitglied ernennen will, wie der Tagesspiegel weiß. Da an „Ehrenmitglieder“ vermutlich geringere wissenschaftliche Anforderungen gestellt werden als an „Ehrendoktoren“, können wir unseren durchnagten Fingernägeln eine Pause gönnen und uns entspannt zurücklehnen, während wir mit letzter Kraft ein „Herzlichen Glückwunsch“ hauchen.