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USA: Google Fiber verbietet das Betreiben von eigenen Servern

Google hat sich in der Vergangenheit gerne als Verfechter der Netzneutralität präsentiert. Seit 2011 ist Google mit seinem Projekt Google Fiber aber nun auch selbst Internetprovider und scheint die Sache nun ein wenig anders zu sehen – jedenfalls was das eigene Projekt angeht. Google verbietet es nämlich seinen Kunden eigene Server über die von Google bereitgestellte Internetverbindung zu betreiben. Google gibt aber ab mit diesem Verbot keineswegs die Netzneutralität zu verletzten, wie Wired berichtet.


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Die Regeln zur Netzneutralität der Federal Communication Commission (FCC) in den USA sind eigentlich kurz und eindeutig:

Fixed broadband providers may not block lawful content, applications, services, or non-harmful devices.

Ein potentieller Kunde von Google Fiber, Douglas McClendon, hat deshalb bereits 2012 eine Beschwerde bei der FCC eingereicht, worauf die FCC bis zum 29. Juli diesen Jahres eine Stellungnahme von Seiten Googles erwartete. In dieser Stellungnahme, die McClendon nun veröffentlicht hat, beteuert Google vollständig innerhalb der Regeln der Netzneutralität zu operieren:

Google Fiber’s server policy is an aspect of “reasonable network management” that the Open Internet Order and Rules specifically permit. Mr. McClendon appears to allege that Google Fiber’s server policy violates the prohibitions against “blocking” and/or “unreasonable discrimination.“ The Order, however, provides an exception in both instances for “reasonable network management.” As the Order explains, “[a] network management practice is reasonable if it is appropriate and tailored to achieving a legitimate network management purpose, taking into account the particular network architecture and technology of the broadband Internet access service.”

Google Fiber’s server policy is prototypical “reasonable network management,” with no discriminatory impact on any content, application, or service provider. The server policy has been established to account for the congestion management and network security needs of Google Fiber’s network architecture, particularly given that Google Fiber does not impose data caps on its users.

Wired vermutet hinter dem Verbot, eigene Server oder Dienste zu betreiben, rein wirtschaftliche Gründe. Wired geht davon aus, dass Google in naher Zukunft nicht nur Privatkunden- sondern auch Geschäftskundenverträge anbieten möchte, mit denen dann das Betreiben von eigenen Servern gestattet wird – selbstverständlich gegen einen Aufpreis. Rein technische Gründe scheinen auch nicht plausibel, bietet Google mit Fiber seinen Kunden doch Übertragungsraten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde (1 GBit/s) an. Bei diesen Bandbreiten stellt das Betreiben von kleinen Servern zum Heimgebrauch keine Einschränkung dar.

Gleichzeitig geben Mitarbeiter von Google Fiber aber in den eigenen Foren an, niemanden wegen dem Betreiben eines Minecraft-Servers den Vertrag zu kündigen:

But in the Google Fiber forums, employees assure subscribers the rules aren’t meant to apply to Minecraft servers. And, in reality, Google Fiber probably won’t notice, let alone kick you off, for using a Slingbox or peer-to-peer software.

Call it net neutrality by the grace of cool Google employees.

Google ist in den USA auch nicht der einzige Anbieter der die Regeln zur Netzneutralität verletzt. Auch der Internetprovider Comcast gibt in seinen Nutzungsbestimmungen an bestimmte Server nicht zu erlauben, darunter „e-mail, Web hosting, file sharing, and proxy services and servers.“

11 Kommentare
  1. Das ist auch in Deutschland bei fast allen ISPs üblich (wird aber meines Wissens nicht durchgesetzt). Hier ein Beispiel aus den AGBs von KabelBW:
    3.6 Die Nutzung der von dem Kabelnetzbetreiber gewährten Internetdienste zum Zwecke der Bereit-
    stellung von Telemedien und/oder anderen Telekommunikationsdiensten durch den Kunden gegenüber
    Dritten ist nicht gestattet, der Betrieb von Servern an dem Internetanschluss durch den Kunden ist
    nur gestattet, wenn Vertragsgegenstand ausdrücklich ein als „Business“ bezeichneten Dienst und/oder
    eine statische IP Adresse ist.

    1. Jupp, Untitymedia verbietet es auch. Hat sich allerdings bisher nicht dran gestört. Möchte aber auch mal sehen, wie die das durchsetzen wollen. Fängt bei der Definition von „Server“ an und endet damit, daß sie mir zumindest den Betrieb von SSH und VPN schlecht verbieten können sollten.

      3.6 Die Nutzung der von dem Kabelnetzbetreiber gewährten Internetdienste zum Zwecke der Bereit-
      stellung von Telemedien und/oder anderen Telekommunikationsdiensten durch den Kunden gegenüber
      Dritten ist nicht gestattet, der Betrieb von Servern an dem Internetanschluss durch den Kunden ist
      nur gestattet, wenn Vertragsgegenstand ausdrücklich ein als „Business“ bezeichneten Dienst und/oder
      eine statische IP Adresse ist.

  2. Tut mir leid, aber hier schon wieder die Netzneutralität zu Grabe zu tragen, halte ich für vollkommen verfehlt. Dann geht es euch nicht anders als den Feministinnen, die inzwischen von fast allen normalen Leuten ausgelacht und nicht mehr ernstgenommen werden, weil sie überall „Diskriminierung“ rufen.

    Dass Google Server bei Fibre verbietet, hat wohl eher mit den unterschiedlichen Datenvolumina und Verwendungszwecken zwischen Standardanwendern und Servern zu tun. Standardanwender lasten i.d.R. die Leitung bei weitem nicht voll aus und haben nur kurzzeitige Spitzen (beim Download von Videos etc), während Server den ganzen Tag über hinweg konstant hohe Zugriffszahlen, im Fall von Downloadservern oder (auch legalen) Torrentseeds sogar konstant hohe Bandbreitennutzung. Das widerspricht letztlich der Idee, die _alle_ Netzbetreiber beim Aufbau ihres Netzes zugrundelegen: Dass man Multiplexing ab der Straße verwenden kann, weil nicht alle Häuser einer Straße gleichzeitig Volllast beziehen.

    1. Du hast nicht wirklich verstanden was Netzneutralität ist, oder?

      Das macht keinen wesentlichen Unterschied ob bestimmte Daten nach Format, Zeit oder Verwendungszweck gefiltert werden oder man gleich ein komplettes Informationssystem aussperrt. (Den Minecraft Server aber nicht ;))

    2. Sorry, aber das ist Schwachsinn. Wenn ich für X MBit/s bezahle dann ist es auch mein Recht diese voll zu verwenden. Warum sollte es auch ein Problem des Kunden sein wenn die Provider mehr Bandbreite verkaufen/vermieten als deren Infrastrukur bietet, nur um die Gewinne zu maximieren?

      1. Anderes Szenario:
        Ist es besser für den Kunden, wenn die ISPs das Multiplexing streichen würden und stattdessen stark reduzierte statische Bandbreiten bei gleichem Preis anbieten würden?
        Das würde heißen, dass ein Verteilerknoten mit 100 Mbit und 50 angeschlossen Kunden jedem maximal 2 Mbit zur Verfügung stellt, obwohl höchstwahrscheinlich nie mehr als 50 Mbit des Knotens zu einem beliebigen Zeitpunkt ausgelastet sind.
        Effiziente Ressourcennutzung sieht anders aus.

    3. Wo Du gerade von auslachen sprichst: das Phänomen ausgelacht zu werden ist Dir hinlänglich bekannt, nicht wahr? Vielleicht solltest Du einfach mal den Versuch starten zu begreifen was Netzneutralität ist und was unlauterer Wettbewerb. Alternativ bist Du auch einfach nur eine Konzern-Drohne mit Auftrag. ;-)

  3. Wenn die Regeln zur Netzneutralität von der FCC sind, haben die dann nicht Gesetzesrang?
    Gibt es auch vom FTC eine Definition zur Netzneutralität?

  4. …was ist mit Tor-Hidden-Services?
    versuchen die Tor zu blocken? Oder werden die einfach alle Kunden abmahnen die zuviel Traffic über einen zu langen Zeitraum generieren/bzw Bandbreite „verbrauchen“ bzw. nutzen…?

  5. Das, was Google hier verbieten will, fällt doch punktgenau mittig *genau* in den Kernbereich der Netzneutralität: freie End-zu-End-Konnektivität ohne Bewertung von „Inhalten“ oder „Arten“ der Nutzung. Hier sollen offensichtlich mal wieder Nutzer zu bloßen Konsumenten herabgestutzt werden? Das hat leider Konjunktur. Dagegen müssen wir ankämpfen.

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