Öffentlichkeit

UK: Internetfilter sperrt VPN-Anbieter im mobilen Netz

Großbritannien ist in letzter Zeit häufiger durch den Einsatz von Internetfiltern aufgefallen, allen voran ihrem „Porno-Filter„. Im mobilen Internet existieren solche Filter zum Schutz der Jugend vor „gefährlichen“ Inhalten schon länger. Nun sperrt ein Mobilfunkanbieter aber sogar VPN-Dienste, mit der Begründung, dass sich mit einem VPN-Dienst Altersschranken im Internet überwinden ließen.


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Alle britischen Mobilfunkanbieter unterwerfen sich freiwilligen einem „Code of Practice“, dem sogenannten „Independent Mobile Classification Body“ (IMCB). Nach diesem IMCB sperren alle großen Mobilfunkunternehmen den Zugriff auf Inhalte im Internet, die nicht für Jugendliche unter 18 Jahren geeignet sind. Ähnlich dem geplanten „Porno-Filter“ für das gesamte Internet vorinstalliert und Kunden müssen nachweisen, dass sie 18 Jahre oder älter sind, um die Sperre aufzuheben.

Wie Torrentfreak nun erfahren hat, werden aber keineswegs nur jugendfreie Inhalte in den Netzen geblockt. Demnach wird mindestens ein VPN-Dienstleister, der schwedische VPN-Anbieter IPredator, durch den Mobilfunkanbieter giffgaff aktiv geblockt. Die Begründung:

[…] websites or services that offer, inter alia, a method for younger members to access over 18 content, without age verification; such as VPN services, are blocked


Wie aus einem von Torrentfreak veröffentlichten Dokument hervorgeht, scheint giffgaff für diese Sperrung jedoch gar nicht verantwortlich zu sein. Nach Angaben von giffgaff erfolgt die Sperrung von IPredator und möglicherweise auch anderer VPN-Anbieter, direkt durch den Netzbetreiber O2. Demnach müssten auch Kunden von Tesco Mobile, KC Mobile und anderen Mobilfunkanbietern die ebenfalls das O2-Netz nutzten und direkte O2-Kunden von der Sperrung des VPN-Dienstes betroffen sein.

giffgaff-blocked

Torrentfreak hat bereits beim IMCB nachgefragt, ob die Sperrung eines VPN-Anbieters den Richtlinien entsprechen würde. Bisher haben sie allerdings keine Antwort erhalten.

Dieses Beispiel zeigt erneut auf, das Netzsperren keineswegs das richtige Instrument sind, um Nutzer vor bestimmten Inhalten zu schützen, da sie schnell missbraucht werden können. Bereits Ende Juli wurde bekannt, dass auch der von der britischen Regierung geplante „Porno-Filter“ keineswegs nur pornographische Inhalte im Internet sperren soll. Damals veröffentlichte die Open Rights Group ein Dokument aus dem hervorging, dass ebenfalls Alkohol, Esoterik und Webforen durch den Filter gesperrt werden sollen.

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7 Kommentare
  1. so ist es in ordung. schnüffeln und sperren, und keine sau juckts…..fast so wie hierzulande…hie rhaben sie ja nichts zu verbergen. ausserdem ist es grundrechtsschonend und alternativlos (raute machend). und ein rechtsfreier raum darf es schon gar nicht geben, höchstens mehr netto vom brutto.

  2. Der nächste logische Schritt nach einem VPN-Verbot wäre dann ein komplettes Verschlüsselungsverbot, denn man weiß ja nie, welche 18+-Inhalte sich dahinter verbergen. Und die NSA kann sich dann 100e Millionen Dollar sparen, um uns zu totalüberwachen.

  3. „Wie Torrentfreak nun erfahren hat, werden aber keineswegs nur jugendfreie Inhalte in den Netzen geblockt.“

    sollte wohl eher heißen:

    „Wie Torrentfreak nun erfahren hat, werden aber keineswegs nur _NICHT_ jugendfreie Inhalte in den Netzen geblockt.“

  4. Dann bitte auch demnächst alle Nachrichtenseiten sperren. Sonst kommen Minderjährige noch etwas über Krieg mit. Internetshops wie Amazon müssen auch gesperrt werden, immerhin kommen sonst unsere Kleinen noch erotische Artikel zu Gesicht.
    Zensur und fehlende Netzneutralität, der Überwachungswahn, vor den uns unsere Regierung nicht schützen möchte und auch die SPD gerne will. Wozu brauchen wir noch Terroristen, wenn wir diese in Wirklichkeit schon haben?

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