Demokratie

#Peerblog: Ausgebloggt!

Am Sonntag berichteten wir über das Peerblog, ein neues Angebot der Düsseldorfer PR-Agentur steinkuehler-com.de. Diese erzählten vollmündig, dass sie jetzt den Onlinewahlkampf in Deutschland revolutionieren wollten, indem sie durch anonyme Unternehmer finanziert inoffiziell für Peer Steinbrück bloggen wollten. Allerdings wirkte das Jubelpeerser-Blog mit samt seiner Texten und Tonalität wahlweise wie ein schlecht inszenierter Medienguerilla-Versuch oder wie ein Ausdruck ziemlicher Ahnungslosigkeit.


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Mit dem Peerblog wollten die Macher das Beste aus den USA rüberholen. Das wirkte aber etwas unbeholfen, weil Blogs im US-Präsidentschaftswahlkampf 2004 eine große Rolle spielten, 2012 aber nur noch ein Instrument neben vielen anderen waren. Was das Unternehmen tatsächlich aus den USA importierte war die Herangehensweise, als eine Art Super-PAC intransparent Geld aus Unternehmskreisen zu sammeln, um einen Kandidaten, in diesem Fall Peer Steinbrück, medial irgendwie zu helfen.

Die SPD hat nun vermutlich bemerkt, dass das eine ziemlich blöde Idee war. Das Blog ist jetzt vermutlich Geschichte, zumindest wenn man dem dazugehörigen Twitter-Account @peerblog Glauben schenken mag:

https://twitter.com/PeerBlog/status/299554381760704512

Vielleicht hat man sich auch nur seine Social Media Accounts klauen lassen, aber auf der dazugehörigen Facebook-Seite steht dieselbe Info. Infos sollen folgen. Wir sind auf die Begründung gespannt.

Vorangegangen waren kindische DDos-Attacken von einem „TEAM M3DU5A“, die von vielen Medien fälschlicherweise als „Hacker“ bezeichnet wurden, und deren Sinn sich mir nicht erschloss. Derzeit steht unter der URL dieser Text:

Aufgrund von Wartungsarbeiten ist der Peerblog derzeit nicht verfügbar. Wir bitten um Verständnis.

Update: Der Grund für die Abschaltung könnte folgender sein: Die Linksfraktion erklärte heute, dass die Macher und Peer Steinbrück wohl der Meinung waren, geschickt das Parteienfinanzierungsgesetz umgangen zu haben, dabei dummerweise aber das Abgeordnetengesetz übersehen haben. Demnach müssen alle Spenden in der verkündeten Höhe offen gelegt werden.

Nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts sind geldwerte Zuwendungen u.a. die unentgeltliche Bereitstellung von sächlichen Mitteln, Personal oder vorhandenen Organisationsstrukturen. All das trifft auf ‚peerblog‘ zu. Umso mehr, als Peer Steinbrück sein Einverständnis zur Nutzung seines Namens gegeben hat und an der Konzeption des Blogs direkt beteiligt war, indem er ‚analysiert und zugehört‘ hat, wie es im Blog beschrieben wird. Die Bundestagsverwaltung sollte ihre Prüfung des Vorgangs also nicht nur auf die Frage der verdeckten Parteienfinanzierung konzentrieren, sondern vielmehr in den Blick nehmen, inwieweit eine Verheimlichung der Geldgeber mit den Verhaltensregeln für Abgeordnete zu vereinbaren ist.

Da hatte die Tonalität und Redefreudigkeit der Macher doch was Gutes!

Update: Die Begründung ist da und die ist ganz großes Kino:

Der peerblog.de ist als normale Website online gegangen. Firewalls gegen unerwünschte Eindringlinge auf CIA-Niveau kamen und kommen für uns nicht in Frage. Das offene Konzept führt nun dazu, dass unsere Inhalte nicht geschützt sind, von Hackern jederzeit gefälscht und manipuliert werden können. Wir wissen nicht, ob diese Attacken von Dritten bestellt oder gar bezahlt worden sind. Diese Angriffe aus dem Netz waren zusätzlich mit Erpressungsversuchen verbunden, unsere Geschäftsbeziehungen offenzulegen. Darauf werden wir aus grundsätzlichen Erwägungen selbstverständlich nicht eingehen. Jedenfalls ist nun der politische Dialog über und für Peer Steinbrück auf dieser außerparteilichen Plattform brachial zerstört worden. Die kriminellen Attacken auf das von uns herausgegebene Medium peerblog.de haben zu der Entscheidung geführt, dass wir unsere Sponsoren, Unterstützer und uns selbst nicht länger diesen skrupellosen und inhaltsleeren Anfeindungen aussetzen wollen. Wir bedauern, dass wir unter diesen Umständen den PeerBlog nicht fortführen können.

Das bestätigt fast wieder die These, dass das doch eien Medienguerilla-Aktion sein soll. Wir haben auf jeden Fall Tränen in den Augen.

Von @metronaut gibt es in Anleihe des heutigen Ponader/Lauer-Memes diese Ausgestaltung für Steinbrück/Steinkühler.

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57 Kommentare
  1. Wieso ein einziger Blog, der nicht mal vom Kandidaten selbst geschrieben wird, ein „Social Media Wahlkampf“ sein soll, erschliesst sich mir einfach nicht.

  2. Einen DoS-Angriff als Begründung für die Einstellung zu nehmen passt ins Bild. Mich wundert, das Provider Strato da nicht laut widerspricht. Das sollten die in den Griff bekommen. Wenigstens für einen so prominenten Zweck, wie den peerblog.

  3. Warum bezeichnet man DDoS Attacken direkt als kindisch oder „Script Kiddies“? Wie sagte Roberto B. so schön „Ein bisschen Spaß muss sein“. Ob DDoS Sinn hat oder nicht, ist eine andere Frage aber „kindisch“ bedeutet für mich, dass dort Leute operiert haben, welche noch nicht erwachsen sind? Doch woher will man das wissen?

    Solche komischen Nebenkommentare klingen meist 1. nicht neutral (unobjektiv) und 2. eher butthurt ;)

    1. @Bernd Liefert: Bei mir kommt an, dass die Blogbetreiber jetzt eine Geschichte haben, die sie den Medien erzählen können, Medien schreiben irgendwas von Hackern und sonst erschließt sich mir der Sinn auch nicht. Aber erklär doch mal, was an der Aktion gut sein soll.

      1. Wie gesagt, ich habe nicht geschrieben „das ist gut“, sondern „Ein bisschen Spaß muss sein“, dass liegt wohl im Auge des Betrachters. Eher hätte gepasst „[…]sinnlose DDoS Attacken[…]“ als „kindisch“ (Meine Meinung).

        Und woher will man wissen, dass diese Menschen dort keine Hacker sind? Natürlich ist es nicht gut, wenn die Medien schreiben „Der Blog wurde gehackt“ obwohl der Server nur geflutet wurde aber was diese komischen Nebenkommentare angeht, erreicht man hier bald „Heise Forum“ Niveau, muss man wissen.

        Ich verteidige nicht die Medusa-Aktion sondern eher kritisiere ich hier die Qualität des Autors.

      2. Ist DDoS nur Spass?

        Fuer mich ist es in diesem Fall eine eindeutige Einschraenkung der Meinungsfreiheit, wohl ohne einen echten Sinn.
        Welche Folgen hat diese Attacke?
        1) Alle sprechen ueber die Arme SPD als Opfer der „Hacker“, den doch mutigen Vorstoss, etc.
        2) „Die boese Netzgemeinde sperrt Politiker aus, dann brauchen wir alle Politiker aller Parteien ja eh nicht dahinzugehn“, ums mal auf die Spitze zu treiben.

        Sinnvoll ist die Attacke vielleicht, wenn sich die oben in den Updates genannten Vermutungen bestaetigen, und wenn das die tatsaechliche Begruendung dieser Attacke war.
        Sonst halte ich jeden Vorstoss (sei er noch so schlecht gemacht) des Wahlkampfes ins Netz fuer begruessenswert, wenn dieser um das Erreichen von Menschen geht, und nicht zum Umgehen irgendwelcher Gesetze.

  4. Möglicherweise ist der Entschluss die Konsequenz aus den Hackerangriffen und der Prüfung durch die Bundestagsverwaltung. – Objektiv betrachtet gibt es aufgrund der unklaren Finanzierung durchaus Grund zur Kritik, mit Blick auf die Strategie der politischen Kommunikation, hatte PeerBlog jedoch noch nicht wirklich die Möglichkeit große Fehler zu begehen.

  5. Peer Steinbrück ist mir immer sympathischer. Peer statt PR.

    Die Abgeordnetenregeln sind anachronistisch. Der einzige der sich trauen würde das zu sagen wäre Peer Steinbrück und hätte wieder eine klebrige Debatte am Hacken. Der Kandidat Steinbrück muss erst noch lernen, was er nicht sagen dürfen soll.

    Wäre gut, wenn wir alle ein bischen peerdenken würden!

  6. Ach sind das alles tolle Spekulationen. In Wirklichkeit standen die Blogbetreiber der CDU nahe und wollten mit diesem medialen GAU nur dem SPD Kanzlerkandidaten schaden.
    Da Peer eben nur Finanzfachmann ist hat er das alles nicht geschnallt und ist in die Falle getappt. Ich glaube ihm, dass er die Namen nicht kennt. Wäre ja auch sofort aufgefallen wenn CDU-nahe Unternehmer die SPD unterstützen würden….

    Ich jedenfalls amüsiere mich köstlich

    1. Es gibt immer noch die Meinung, die SPD würde nach den Wahlen eine andere Politik vertreten als sie im Wahlkampf verspricht. Eine CDU-dominiierte Regierung hätte wohl nie die Agenda-Politik von Schröder verabschieden können, also Billiglohn und Leiharbeit bei gleichzeitig privatisierter Rente = Altersarmut, denn dann wäre die geballte Opposition dagegen aufgestanden. Und genau aufgrund der identischen Politik ist auch Steinbrück gern gesehener Redner vor der Finanzwelt. Warum also sollten die Nutzniesser dieser Politik Steinbrück schaden?

  7. Danke für den aufschlussreichen Artikel, scheint ja nach einer weiteren Schlappe für Peer Steinbrück in diesem Wahlkampf auszusehen. Und das Eigentor war sicher eines, das sich der Ex-Ministerpräsident von NRW selbst geschossen hat…

  8. Die Kriminellen DDoS Attacken.auf diesen Blog will ich mal
    sehen.Manche PR Agenturen und“Politgrössen“,sind eben richtig gute PC Fachleute..Da geht einem doch der Hut hoch.

    1. DDoS-Attacken sind anti-demokratisch. Ein gewöhnlicher Blogger ohne (großen) finanziellen Hintergrund ist machtlos, wenn er ins Visier gerät.
      Aber beim „PeerBlog“ ist das anders.
      Erstens traue ich es dem Herrn Steinkühler zu, dass er selbst hinter den Angriffen steht.
      Zweitens wurde er von anonymen Millionären großzügig unterstützt. Da hätte er im Vorfeld oder jetzt technische Abwehrmaßnahmen veranlassen können.
      Das bekannte verhasste Hassblock war stets Ziel von DDoS-Attacken und im vergangenen Jahr oft nicht erreichbar. Die haben um Spenden gebeten, angeblich gut 30.000 Euro – von wem auch immer – gesammelt und technisch aufgerüstet. Nun sind sie (leider) wieder meistens erreichbar.
      Das müsste doch einem Herr Steinkühler mit oder ohne SPD im Rücken, aber gesponsert von ehrenwerten Unternehmern, doch erst recht möglich sein.

      1. Ich sage es nochmal, der Blog wurde bei Strato gehostet. Man sollte dort mal fragen, warum sie ein so prominentes Blog nicht gegen einen Standardangriff schützen konnten.
        Ich vermute, dann löst sich das Argument mit dem Angriff in Luft auf.

    1. Vor allem: Viren und Trojaner haben kaum etwas mit einer DDoS-Attacke auf den Server zu tun. Man gewinnt den Eindruck, dass die Betreiber einfach irgendwelche Vokabeln für »böse Programme« zu einer Begründung zusammengestellt haben.

      1. Die Viren und Trojaner kommen da ins Spiel, wo die Peerblog-Leute ein Botnetz als DDoS-Ausführendes vermuten. Welches man ja durch massenhafte Viren- und Trojanerattacken aufbaut. Von Malwareattacken auf den Server steht da schlauerweise nix.

        Das politische Fettnäpfchen, in das Steinbrück da mit sechsstelliger anonymer Wahlkampfhilfe getreten ist, illustrieren die Nachdenkseiten knapp, aber wirkungsvoll.

      2. Nein, die Pressemitteilung ist da einfach geschickt geschrieben:

        „Die technische Analyse hat ergeben, dass die Cyber-Angriffe durch Massenfragen von sogenannten Zombies (infizierte Rechner unbeteiligter Personen) ausgelöst worden sind. Hinter den Virus- und Trojaner-Attacken steckt die Hacker-Gruppe „T3AM M3DUSA“, die auf Twitter ankündigte, den PeerBlog auf Dauer anzugreifen.[…]“

        Sie lassen es so klingen, als hätten böse Hacker die Rechner hunderter Unschuldige extra infiziert, um das peerblog anzugreifen. Aber sie behaupten das nicht explizit.

    2. Die Gruppe gibt es schon, so ist es nicht. Der Twitter-Account ist nur mittlerweile gesperrt. Im Google-Cache vom 26.01.13 gibt es ihn noch.

      Siehe auch dieser Artikel auf ruhrbarone.de. Klar, ein Screenshot von einem Tweet beweist wenig und die Twitter-Unterhaltung mit @ruhrbarone ist – da der Medusa-Account ja nun gesperrt ist – nur noch einseitig nachzuvollziehen. Die Puzzle-Teile sind alledings da.

      Die Begründung seitens Steinkühler ist furchtbar formuliert und vielleicht passt denen das auch ganz gut, DDoS-Attacken als Grund vorzuschieben – aber völlig frei erfunden ist es zumindest nicht.

  9. Aus dem Steinkuehler-Statement:

    Hinter den Virus- und Trojaner-Attacken steckt die Hacker-Gruppe „T3AM M3DUSA“, die auf Twitter ankündigte, den PeerBlog auf Dauer anzugreifen.

    Wo bitte ist diese Ankündigung? Es gibt keine Fundstellen für „T3AM M3DUSA“ (ausser bei steinkuehler), weder bei twitter noch bei google. Die haben sich den ganzen scheiss einfach ausgedacht. Wahrscheinlich einmal nach password cracking software gegoogled (medusa) und beknackten l33t sprech rangepappt.

    1. und wer weiß dann morgen noch, wie unglaublich unglaublich dem peerblog seine lyrik war.

      auch visuell und vom umfang her ist das jetzt viel übersichtlicher mit den zwei sätzen times new roman. war so gesehen alles halb so schlimm.

      .~.

  10. Ich dachte mir noch aus Spaß: Was hosten die auch auf Strato. Und dann habe ich eine whois-Abfrage gemacht. Jetzt nehme ich Wetten an, welches „PowerPaket“ da genommen wurde. Das für 3 oder doch tatsächlich die 30-Euro-im-Monat-Variante? Ich komme aus dem Rofln nicht mehr raus…

  11. „DDoS-Attacken“ – ist das irgendwo herauszubekommen ob es die gab? irgendwelche „öffentlichen logfiles“ oder so. bin da jetzt nicht so fit.

    „TEAM M3DU5A“ – naja …

  12. Ich habe diese Seite aus Interesse in den letzten Tagen mehrere Male aufgerufen. Ich wollte einfach wissen, welche Argumente für Peer Steinbrück kommen würden und vor allem: Wie man mit Kritik in den Kommentaren umgehen würde.

    Nicht ein einziges Mal musste ich längere Zeit warten, nicht ein einziges Mal habe ich eine Fehlermeldung bekommen. Ich halte die »Begründung« für vorgeschoben.

  13. einen sechsstelligen €-betrag im rücken und sich kein infrastruktur leisten können, die nem ddos von ner handvoll l33ten hax0rn mit ihren loics standhält? das ist in etwa so als würde rheinmetall die produktion einstellen weil vor dem haupteingang eine taube sitzt. da wird wohl jemand die notbremse gezogen haben und die rechtfertigung, warum man nichts im bösen netz macht (und sich jeglicher kritik jenseits von talkshow und jubelpresse verschliesst) gleich mitgeliefert.

  14. Oh gott wenn ich das schon wieder lese…
    Abgesehen davon ob die attacke nun gefakted ist oder nicht.
    Wenn leute hier solche ahnung haben von diesen leet haxorn dann müssten sie wissen das es scheiss egal ist wieviele leet haxor am start sind. Entscheidend ist die grôsse des botnetzes.

  15. cia niveau, tra lalalala,
    cia niveau, trah la la la la la,
    wen juckt’s, dass wir keine ahnung ham.

    funkelndes rauschen, tra lalalala,
    bullshit verkaufen, trah la la la la la,
    schreiend weglaufen, tra lalalala,
    gedruckt kommt das alles anders an.

    wortreich herum um den brei
    nirgendwo her kommt das moos.
    inhaltlich einerlei
    und kling nicht, als wärst du schon groß.

    (und alle jetzt)

    cia niveau…

    .~.

    p.s.: mirror corporis delicti, anyone?

  16. Wunderbar! Ich liebe auch die Formulierung „politische Dialog über und für Peer Steinbrück“! Hauptsache kein politischer Dialog MIT Peer Steinbrück.

  17. Hallo, ich arbeite in der Pressestelle von STRATO. DoS-Abwehr ist Teil des Tagesgeschäfts aller Hoster, ganz besonders bei Hosting-Paketen („Shared Hosting“).
    peerblog.de zeigt jedoch auf einen Server, das lässt sich via Traceroute bestätigen. Bei Servern gibt es einige Angriffsszenarien, die für einen Hoster nicht unterbunden oder überhaupt erkannt werden können. Insofern können wir das weder bestätigen noch dementieren, ob es da Angriffe gegeben hat. Seriös kann das nur der Admin des Servers tun.

    1. Viel wichtiger als die Aufklärung dieser Kinderhackereien sind die Antworten auf die Fragen, die Die Linke der Bundestagsverwaltung gestellt hat. Da auch diese Lachnummer von Blog sicher mehr als 5000 Euro gekostet hat muss Steinbrueck jetzt Auskunft darüber geben woher das Geld kommt. Da werden jetzt wohl Köpfe rauchen…

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