Für einen Neustart der Urheberrechtsdebatte: rechtaufremix.org

Die Urheberrechtsdebatte im Jahr 2012 hat im Zuge von Anti-ACTA-Protesten und diversen Kampagnen zwar enorme Aufmerksamkeit erfahren, aber letztlich auch zu verhärteten Fronten geführt. An dem Umstand, dass viele alltägliche Online-Nutzungspraktiken mit dem aktuellen Urheberrecht nicht kompatibel sind hat sich deshalb auch nichts geändert.

Avatar_01Mit rechtaufremix.org versucht der Digitale Gesellschaft e. V. jetzt einen konstruktiven Neustart der Urheberrechtsdebatte zu initiieren. Die derzeitige Rechtslage ist zum Nachteil aller Beteiligten: Wer Werke verändert und anderen zugänglich macht, riskiert abgemahnt zu werden, gleichzeitig bekommen die UrheberInnen der verwendeten Werke keine Vergütung. Der Vorschlag des Digitale Gesellschaft e. V. sieht stattdessen ein Bündel aus drei vergüteten Kreativitätsrechten vor:

  • Das Recht, Werke bei der Nutzung zu verändern und das Ergebnis öffentlich zugänglich zu machen. (Pauschalvergütetes Transformationsnutzungsrecht – Beispiel: Hintergrundmusik im Handy-Video)
  • Das Recht, Remixes von bestehenden Werken zu erstellen und diese öffentlich zugänglich zu machen. (Pauschalvergütetes Remixrecht – Beispiel: Fake-Trailer einer Fernsehserie)
  • Das Recht, gegen Zahlung einer angemessenen Vergütung Remixes auch kommerziell zu verwerten. (Lizenzpflichtiges Remixverwertungsrecht – Beispiel: Verkauf von Musik-Mashup via iTunes)

Jenseits von großen Lösungen á la Kulturflatrate soll mit einem Recht auf Remix das kreative Potential von Internet und digitalen Technologien zur Entfaltung gebracht und gleichzeitig eine Verbesserung der Einkommenssituation von Kreativen erreicht werden. Details zu den rechtlichen Möglichkeiten, ein solches Recht auf Remix zu realisieren, sowie eine erste Liste mit FAQs finden sich auf der Homepage zur Kampagne.

Da es sich beim Urheberrecht um ein besonders dickes Brett handelt, ist die Kampagne längerfristig angelegt. Ab sofort gibt es die Möglichkeit, die Forderung nach einem Recht auf Remix per Unterschrift zu unterstützen. Bei dieser Gelegenheit werden die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner auch gebeten, einen Link zu ihrem persönlichen Lieblingsremix mit anzugeben. Auf diese Weise soll nicht nur dokumentiert werden, wie lebendig und wertvoll Remixkultur bereits heute ist. Die vorgeschlagenen Remixes bilden auch die Basis für die Verleihung von Remix-Awards in den Kategorien Musik, Video und Freestyle.

Avatar_04Außerdem in Entwicklung ist ein digitales Remix-Museum, das Geschichte, Gegenwart und rechtliche Fragen von Remix und Remixkultur einer breiten Öffentlichkeit erlebbar machen wird. Als KuratorInnen für das Museum konnten für den Bereich „Geschichte“ Susanne Regener, Inhaberin des Lehrstuhls für Mediengeschichte an der Universität Siegen, für den Bereich „Memes“ Dirk von Gehlen, Autor des Buchs „Mashup – Lob der Kopie“ und Betreiber des Phänomeme-Blogs sowie für den Bereich „Recht“ Till Kreutzer, Rechtsanwalt bei iRights.Law, gewonnen werden.

Via Twitter oder Facebook kann man über den Fortgang der Kampagne am Laufenden bleiben. Außerdem ist „Recht auf Remix“ heute ein Thema des netzpolitischen Nachmittags auf der re:publica 13.

22 Kommentare
    • suppenkasper 7. Mai 2013 @ 10:30
  1. suppenkasper 7. Mai 2013 @ 10:29
  2. PurpleRain 7. Mai 2013 @ 11:44
      • PurpleRain 7. Mai 2013 @ 15:12
  3. Dr.Klusenbreuker 8. Mai 2013 @ 8:59
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