Strafanzeige gegen Tagesspiegel und die ZEIT nach der Nennung des Namens einer illegalen Webseite

Gegen die beiden deutschen Zeitungen Der Tagesspiegel und DIE ZEIT wurden Strananzeige gestellte, da sie den Namen einer Webseite nannten, die urheberrechtlich geschütztes Material verbreitet. Die Begründung: Sie würden die Seite bei den Lesern erst populär machen und hätten auf die Nennung des Namens auch verzichten können.

Der Journalist Kolja Mensing führte für den Tagesspiegel ein Interview mit dem Betreiber der Onlinelattform boox.to, die E-Books zum Downloads anbietet. Das Interview wurde am 25.08. vom Tagesspiegel online gestellt und am 26.08. ebenfalls von der ZEIT veröffentlicht. In dem Interview ging es vor allem um die Rechtmäßigkeit von boox.to. Zitat:

„Ich sag’s ganz offen: Uns interessiert die Rechtsauffassung deutscher Verlage nicht.“

Außerdem kündigte der namenlose Betreiber von boox.to an, demnächst auf ein Bezahlmodell umsteigen zu wollen, bei dem Nutzer 10 Euro pro Monat zahlen müssten, um weiter in den Genuss des Dienstes zu kommen. Nach Angaben der Betreiber werden zur Zeit pro Monat rund 1,5 Millionen Bücher von der Seite heruntergeladen. Tendenz stark steigend.

Der Name der Plattform boox.to wurde in dem Interview mehrfach genannt. Warum auch nicht, werden sich der Tagesspiegel und die ZEIT gedacht haben, das gehört schließlich zum transparenten und objektiven Journalismus dazu. Am 28.08. berichtet jedoch der Buchreport, dass Strafanzeige gestellt wurde. Nicht jedoch gegen die auch im Interview mehrfach als Urheberrecht verletzende Plattform boox.to sondern gegen den Tagesspiegel und die ZEIT.

Mit der direkten und mehrfachen Nennung der Internetadresse wurde der Leser unmittelbar auf das illegale Angebot der Internetseite aufmerksam. Hinsichtlich einer objektiven journalistischen Berichterstattung bestand keine Notwendigkeit der direkten Nennung.

Und weiter:

Durch die Veröffentlichung der Internetadresse wurde die Webseite und deren widerrechtliches Angebot einer breiten Masse von Lesern unmittelbar bekannt gemacht. Der Leser wurde darüber hinaus dazu mittelbar angeregt, das Angebot in Anspruch zu nehmen, indem die Vorteile des illegalen Angebotes durch die Wiedergabe des Interviews hervorgehoben wurden.

So steht es in der Strafanzeige. Dass die Veröffentlichung von urheberrechtlich geschütztem Material verfolgt wird ist nichts Neues. Das aber bereits die Nennung einer solchen Plattform strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht sehr wohl. Dabei hat heise bereits im Jahr 2010 vor dem Bundesgerichtshof bestätigt bekommen, dass Links zur journalistischen Arbeit gehören. Anstatt ihre Energie in solche Klagen zu stecken, sollte die Buchindustrie vielleicht besser neue Vermarktungskonzepte entwickeln um Angeboten wie boox.to von vorne herein den Wind aus den Segeln zu nehmen.

26 Kommentare
  1. Nina Williams 11. Sep 2013 @ 20:40
  2. Jörg Mutke 12. Sep 2013 @ 10:36
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