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Wenn wir bald alle winzige Peilsender haben, werden wir dann auch alle GPS stören und fälschen?

GPS-Geräte werden bald kleiner und genauer als bisher, mit gewaltigen Auswirkungen auf die Privatsphäre. Neben praktischen Vorteilen wächst damit die Gefahr, ausgespäht zu werden. Beispiele gab es schon. Jetzt haben zivile Forscher einen GPS-Spoofer entwickelt, mit denen sie auch Drohnen austricksen und übernehmen können.


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Dr. Todd Humphreys vom Radionavigation Laboratory an der University of Texas hat auf der TEDxAustin einen Vortrag zu „GPD Dots und Unbehagen“ gehalten, davon gibt’s ein Script und das Video:


Am 2. Mai 2000 schaltete die US-Regierung die die künstliche Verschlechterung der Genauigkeit von GPS-Signalen ab. Damit erhöhte sich die Genauigkeit von ca. 100 Meter auf etwa 10 Meter, was den privaten Einsatz von GPS erst richtig ermöglichte. Mittlerweile sind Navigationssysteme und Ortungs-Sensoren in Smartphones allgegenwärtig.

Laut Humphreys geht diese Revolution noch weiter. Schon heute sei eine Genauigkeit im Millimeter-Bereich möglich und nur ungenutzt, weil man nicht wüsste, was Endverbraucherinnen damit wollen könnten. Doch es wird kommen. Eine Möglichkeit sind beispielsweise Augmented reality Anwendungen, die virtuelle Informationen in die reale Welt projizieren. In wenigen Jahren werden Anwendungsfälle wie dieses günstig und allgegenwärtig.

Eine weitere Nutzungsmöglichkeit sind „GPS dots“, GPS-Peilsender in Knopfgröße. Was bisher der Science-Fiction vorbehalten war, ist langsam klein und bezahlbar genug für den Alltag. Das Versprechen dabei ist, nie wieder Schlüssel oder Portemonnaie zu verlieren – oder das eigene Kind. Bald könne man alle Wertsachen damit taggen und wiederfinden, so Humphreys.

Das Missbrauchspotential liegt auf der Hand. Eine große Suchmaschine meldet über drei Millionen Ergebnisse für die Begriffe „GPS“ und „Stalker“. Humphreys selbst berichtete von einer Frau, deren Auto von ihrem Ex-Freund mit einem Peilsender verwanzt wurde. Sowohl Autowerkstatt und Polizei als auch das FBI hatten demnach keine Ausrüstung, den Sender zu finden. Zudem ist, auch nach einem Urteil des Supreme Court vom Januar, unklar, ob es überhaupt illegal ist, wenn Privatpersonen Andere mit GPS-Peilsendern verwanzen.

Eine Möglichkeit, sich davor zu schützen, sind GPS Jammer. Deren Nutzung ist jedoch illegal. Aus gutem Grund, denn viele moderne Steuerungen basieren „fast blind“ auf GPS, darunter Flugzeuge und Schiffe. Und nicht immer funktioniert die Backup-Navigation. Die Nutzung eines solchen Jammers kann daher potentiell tödlich sein.

Humphreys Forschungsteam hat eine weitere Möglichkeit entwickelt, die eigene Privatsphäre vor GPS zu schützen. Mit ihrem GPS Spoofer ist es möglich, GPS-Empfängern einen falschen Wert vorzugaukeln. Da die zivilen GPS-Signale nicht verschlüsselt und nicht authentifiziert sind, kann man (grob verkürzt) einfach ein stärkeres Signal senden.

Die theoretische Möglichkeit ist schon seit Jahren bekannt. Doch erst letzten Monat gelang es Humphreys Team, diesen Angriff durchzuführen und zu demonstrieren. Passenderweise entführten sie damit gleich eine Drohne. Gerüchten zu Folge war es genau diese Technik, wie der Iran eine amerikanische RQ-170 in seine Gewalt gebracht haben soll.

Das Fälschen von GPS-Signalen kann dabei noch gefährlicher sein als das Abschalten. Letzteres bekommen Flugzeug- und Schiffskapitäne wenigstens mit, ein falsches Signal nicht. Humphreys Fazit:

Ich bin fasziniert von diesem sich abzeichnenden Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Privatsphäre einerseits und der Notwendigkeit sauberer Funkfrequenzen andererseits. Wir können Jammer und Spoofer nicht einfach tolerieren, aber können wir Menschen verurteilen, die damit ihre Privatsphäre schützen, wenn es das Gesetz nicht tut?

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10 Kommentare
  1. Kleine Korrektur: Flug- und Schiffsteuerungen verlassen sich eben nicht blind, auch nicht fast blind auf GPS. Da die US-Regierung jederzeit die Genauigkeit herunterfahren kann, wurde GPS nie als primäre Steuerungsquelle zugelassen.

  2. „Amerikanische Forscher haben einen GPS-Spoofer entwickelt, mit denen sie auch Drohnen austricksen und übernehmen können.“

    Ganz nett , nur wenn feindliche Staaten ihre Drohnen über GPS steuern , haben sie wohl schon verloren , da ja die USA GPS kontrolliert.
    Übrigens wurden sie selber als erste mittels GPS-Spoofer herreingelegt , angeblich entwendete damit der Iran einge Tarndrohnen.

  3. Der Angriff funktioniert prinzipiell auch für den verschlüsselten militärischen Code: Man muß ’nur‘ die originalen Signale mit dem richtigen Zeitversatz wieder aussenden; das geht auch ohne den Schlüssel zu kennen.

    1. Das Thema „eCall ab 2015“ wäre mal einen eigenen Artikel wert. In der EU-Spec steht drin, dass das Gerät (ist im wesentlichen auch nur eine Kombination von GPS und GSM-Kommunikation mit Anbindung an den Fahrzeugbus) nicht im Mobilfunknetz eingebucht sein soll. Erst beim Unfall (oder wenn man die Notruftaste drückt), soll der Schlafmodus verlassen werden – dann sendet das Gerät seine Position an die nächste Rettungsleitstelle. Die LKAs und das BKA haben aber bereits ihr Interesse angemeldet – wenn man den Schlafmodus verhindert, dann kann das Gerät von jedem geortet werden, der die Rufnummer des Fahrzeugs (der SIM-Karte) kennt.

    2. Das dies der geseztliche Einstieg für die nächsten Vorratsdaten-Überwachung wird sollte eigentlich jedem klar sein.

      Hier noch ein Funstück in die selbe Richtung:
      „GPS-Empfänger in japanischen Handys ab 2007 Pflicht“
      http://www.heise.de/newsticker/meldung/GPS-Empfaenger-in-japanischen-Handys-ab-2007-Pflicht-98963.html

      Der „Notruf“ soll also nach den Willen der Regierungen die „Einstiegsdroge“ für die totale mobile Überwachung werden.
      Gegen „lebensrettene“ GPS-Sender für Notrufe kann man schließlich genauso schlecht Argumentieren wie gegen Kinderpornos.

  4. In diesem Artikel steht viel Halbwissen.
    1) GPS-Empfänger benötigen eine Antenne, die man aufgrund der geringen Sendeleistung nicht beliebig verkleinern kann. Chips unter der Haut bleiben der feuchte Traum der Überwacher.
    2) sowohl GPS als auch das europäische Galileo werden „regulated Services“ bekommen, die nicht Störer sind bzw falsche Daten erkennen. Es gibt also Wege, das Spoofing einzudämmen.
    3) Zum Lokalisisren bedarf es nicht nur des GPS, sondern auch einer Kommunikationskomponente, zB. GSM. Die Daten müssen ja auchirgendwie versendet werden, das geht nicht per GPS, weil GPS eine Einbahnstraße ist. Das Kommunikationsmodul ist notfalls viel einfacher zu stören oder abzuschalten als GPS.

    1. Naja, der Artikel ist eine sinngemäße Übersetzung des Videos. Was nicht im Video erwähnt wurde, kommt auch nicht im Artikel vor.
      Zu Punkt 3 erklärt Todd Humphreys, dass er im Fall der gestalkten Frau zwar die Möglichkeit gehabt hätte, das Auto in seinem Labor zu durchleuchten/scannen – es aber bereits GPS-Wanzen gibt, die nur dann ein Signal aussenden, wenn sie sich in einer „safe zone“ befinden oder das Fahrzeug sich bewegt, der Erfolg also durchaus fraglich war.

    2. Wozu noch extra Verwanzen der Normalbürger trägt heutztage sein Handy immer bei sich.
      Der „feuchte Traum der Überwacher“ ist schon fast Realität , die „Türöffner“ heißen (noch)nicht „Chips unter der Haut „, sondern Notrufsysteme wie „eCall“ oder „GPS Pflicht für Handys“.

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