Die Links-Fraktion hat nach SPD-Fraktion und Piratenpartei ebenfalls ein Thesenpapier zum Urheberrecht veröffentlicht und schafft es damit, die aussagekräftigsten und zugleich progressivsten Positionen von allen dreien zu formulieren. Nach dem Lesen weiß man wenigstens, was sie konkret wollen und die Forderungen sind auch alle sinnvoll:
Die Links-Fraktion möchte „die Praxis von „Total-Buy-Out“-Verträgen unterbinden“ und „die rechtliche Stellung von Urheberinnen und Urhebern und ausübenden Künstlerinnen und Künstlern gegenüber den Verwertern in den Vertragsverhandlungen stärken“. Man möchte den „Abmahnwahn beenden“ und wünscht, dass „horrende Abmahnkosten bei unerlaubten Downloads von Musiktiteln, Software, etc. auf den tatsächlich entstandenen Schaden“ begrenzt werden. Was immer der ist. Man will dazu „die Anwaltsgebühren bei Abmahnungen […] deutlich begrenzen“. Man fordert „ein Recht auf Weiterverkauf von digitalen Kulturgütern“ und meint damit dass der Weiterverkauf von MP3s und eBooks ermöglicht werden soll. Die Links-Fraktion will „Open Access-Veröffentlichungen als Bedingung für Forschungsförderung“ machen. „Wissenschaftliche Autorinnen und Autoren sollen darüber hinaus das Recht erhalten, ihre Forschungsergebnisse sechs Monate nach einer Veröffentlichung auf klassischem Wege auch unter Open Access-Bedingungen zu publizieren.“
Die Verbreitung und Nutzung freier Lizenzen will man fördern und „alternative Vergütungssysteme“ sollen „durch entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen und eine Reform der Verwertungsgesellschaften“ unterstützen werden. Ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage lehnt man ab. Keine klare Aussage gibt es zum Thema Urheberrechtslaufzeiten. Allerdings ist eine Tendenz auszumachen, die Schutzfristen als „Erbrecht“ ablehnt, aber über eine genauere Definition als „So lange wie nötig, so kurz wie möglich“, kommt die Linke nicht heraus. Den digitalen Verbraucherschutz will man durch ein durchsetzungsfähiges Recht auf Privatkopie fördern, „Technische Schutzmaßnahmen und Vertragsbedingungen dürfen die Möglichkeit zur Privatkopie und zur uneingeschränkten Nutzung nicht unterlaufen“. Den ACTA-Ratifizierungsprozess will man stoppen, außerdem lehnt man 3‑Strikes, Warnhinweise und mehr Überwachung ab.
Die Piraten sind knapp dahinter, aber manche Thesen sind nicht so deutlich ausformuliert (andere einzelne etwas besser), die SPD ist natürlich ganz schön schwammig.