Die Lücke des 20. Jahrhunderts: Visualisierung des Schutzfristenproblems im Urheberrecht

In ihrem offenen Brief and „die Netzgemeinde“ haben die 51 Tatort-Autoren ja die Kritik an der Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen als „Lebenslüge“ und „Symbolpolitik“ abgetan. Da trifft es sich besonders, dass gestern im Atlantic ein Bericht über die jüngste Forschung zur Verfügbarkeit von Büchern von Copyright-Forscher Paul Heald von der University of Illinois erschienen ist. Das dort präsentierte Diagramm sagt eigentlich schon alles:

Verteilung von bei Amazon verfügbaren neuen Büchern (Zufallsstichprobe von 2.500 Büchern)

Es zeigt sich, wie die Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen Digitalisierung und Zugang zu Büchern und damit dem kulturellen Erbe behindern, weil große Mehrzahl der Werke zwar auch noch Jahrzehnten noch urheberrechtlich geschützt sind, eine Verwertung sich aber bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lohnt. Das Diagramm veranschaulicht also sehr schön, was in der Debatte um „verwaiste Werke“ als die „Lücke des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wird.

Die Zahlen wären noch beeindruckender bzw. die Lücke noch größer, wenn sie zur Gesamtzahl der jeweils in einer Dekade erschienen Bücher ins Verhältnis gesetzt würden. Aber schon in absoluten Zahlen ist es so, dass Amazon gleich viele neue Bücher aus den Jahren 1900 bis 1910 wie aus den Jahren 2000 bis 2010 im Angebot hat.

Eine englische Vorlesung von Paul Heald zu diesem Thema findet sich auf YouTube, die Tonqualität ist allerdings nicht berauschend:

27 Kommentare
    • Kam Solusar 31. Mrz 2012 @ 15:15
      • ninjaturkey 1. Apr 2012 @ 7:40
  1. Ein Steuerzahler 1. Apr 2012 @ 1:28
Unterstütze unsere Recherchen und Berichterstattung für Grundrechte und ein freies Internet durch eine Spende. Spenden