Demokratie

Adoptier Deinen Abgeordneten

Wir haben beim Digitale Gesellschaft e.V. eine neue kleine Beteiligungsplattform gestartet: „Adoptier Deinen Abgeordneten“. Hier ist die Pressemitteilung:


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

„Adoptier Deinen Abgeordneten“ vergibt virtuelle Patenschaften an Nutzer, die Bundestagsabgeordnete netzpolitisch betreuen möchten. Kern der Plattform sind Patentagebücher, in denen die Paten über ihre Kommunikation mit den Abgeordneten öffentlich informieren. Der Digitale Gesellschaft e.V. benachrichtigt Paten, sobald ein netzpolitisch relevantes Thema bei den von ihnen adoptierten Abgeordneten zur Beratung oder Entscheidung ansteht. „Wir betreten mit dieser Plattform absolutes Neuland“, erklärt Lavinia Steiner, stellvertretende Vorsitzende des Digitale Gesellschaft e.V. „Das Konzept der Patenschaft verbindet ernsthaftes politisches Engagement mit einer spielerischen Herangehensweise, wie sie vielen Internetnutzern vertraut ist.“ Dabei steht das Konzept im Vordergrund, dass einzelne Nutzer sich intensiv um einzelne Abgeordnete kümmern. „Jeder Bundestagsabgeordnete entscheidet über netzpolitische Themen, auch wenn es nicht sein Fachgebiet ist“, erklärt Lavinia Steiner. „Daher suchen wir für alle 620 Abgeordneten Paten für individuelle Betreuungsverhältnisse.“

Zur Finanzierung des Betriebs werden Paten darum gebeten, den Digitale Gesellschaft e.V. mit Spenden zu unterstützen, deren Höhe von der formellen politischen Wichtigkeit der Abgeordneten abhängt. Die vorgeschlagene Mindestsumme beträgt pro Mandatsträger vier Euro monatlich. Ein Verhaltenskodex soll sicherstellen, dass Paten sich dabei dem politischen Anlass entsprechend wohlverhalten, Abgeordnete können bei Verstößen beim Digitale Gesellschaft e.V. Beschwerde einreichen. „Wir glauben, dass Nutzer und Abgeordnete mit dieser Plattform näher zueinander finden und ein besseres Verständnis für die jeweilige Gegenseite entwickeln können und möchten die Bundestagsabgeordneten zur Kooperation aufrufen“, sagt Lavinia Steiner. „Politische Bildung ist immer beiderseitig: Nutzer und Politik können viel voneinander lernen.“

27 Kommentare
  1. Interessante Projekt aber sinnlos. Der gemeinsame Nenner ist, egal wie man es sich schön redet, die Gier und die Machtsucht. Auf beiden Seiten! Diese Verhältnisse sind im übrigen uralt. Man kann seine Zeit als politisch Interessierte sinnvoller einsetzen, indem man zum Beispiel Verzicht übt und aktiv nach Alternativen sucht. Der mündige Bürger sollte dies im übrigen immer tun, sonst verliert er seine Autonomie und wird abhängig.

  2. Moment, ich soll also nochmal gesondert zahlen um mit einem Abgeordneten kommunizieren zu können, den ich ebenfalls (durch meine Steuern) finanziere und der ungeachtet dessen bislang ignoriert hat, was ich zu sagen hatte?

    1. Das ist auch genau meine Frage gewesen ^^
      Dafür, dass man die Arbeit auf sich nimmt, mit einem Abgeordneten zu kommunizieren (den man eh schon bezahlt) monatlich zu bezahlen ist irgendwie falschrum

    1. Ja – ne coole Idee

      Man koennte um die Geldproblematik zu entzerren, das ganze ueber einen finanzielle und eine zeitliche Patenschaft abwickeln: Jeder Abgeordnete bekommt zwei Paten: einen der die Platform zahlt und einen, der die Zeit investiert

  3. „formelle politischen Wichtigkeit“?
    Was bekommt der Pate?
    Bleibt er anonym?
    Wie wir das Tagebuch offen gelegt?
    Gibt es ein Beispiel?

  4. Also dafür zahlen dne Jungs unntericht geben zu können find ich naja …. (Auch wenn dadurch die Plattform betrieben wird)
    Es gibt sicher keine Garantie das der gewählte Abgeordnete überhaupt reagiert oder sehe ich das falsch?
    Also ich glaube da wären mal Schulungen, etc. im Bundestag Sinnvoller, natürlich als MUSS nicht als KANN Veranstaltung.

    1. Ja, dachte ich mir auch. Die Frage ist wie „gut“ der Erstkontakt wird und was die Politker davon halten — die haben ja meist genug zu tun …

      Die Idee ist aber lustig und durch das Geld kommt ja auch ein gewisses „Commitment“ zustande. Aber wenn die Gegenseite keine Lust hat …

      Dieter Wiefelspütz ist noch fuer nur 4 EUR zu haben :)

      1. Meine Probleme:

        1) Der Pate muss, besonders fuer den Erstkontakt gecoacht werden. Man sollte schon im Vorfeld das Umfeld des Abgeordenten abklopfen wie das Ganze ablaufen soll. Sonst schreibt man schnell fuer den Muelleimer. Geht gerade bei jungen Gruenen schnell. (Meine Erfahrung)

        2) „Sie werden vom Digitale Gesellschaft e.V. darauf hingewiesen wenn es an der Zeit wäre, den/die Patenabgeordnete/n mit Informationen per E-Mail zu versorgen, dort anzurufen oder einen Leserbrief an die Lokalzeitung zu schreiben ….“ Hinweis ist gut, aber ich wuerde da gerne zusammen mit dem Abgeordneten meinen eigenen Weg finden. Ihn vorzufuehren wird da nicht der richtige Weg sein …

        3) Oh, packt mal die Leute vom SSW rein, ich glaube die koennten auch gut einen Mentor gebrauchen …

  5. Absurdistan?
    Also, ich nutze insofern die mir sowieso zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, meinen Abgeordneten zu kontaktieren und kann das in einem Blog darstellen und dafür zahle ich Geld an die DigiGes?
    Also, mir erscheint das Konzept bestenfalls unausgegoren.

    Außer, dass Geld für die DigiGes verfügbar wird, sehe ich den Vorteil nicht, sorry.

    Klingt irgendwie nach der zehnten Version von direkt-zur-kanzlerin usw. usf.

    1. Klar, Mails an MdBs sind kostenlos. Aber eine Antwort gibt es nicht immer. Ein System indem man dies etwas besser festhaelt „tracked“, finde ich nicht schlecht und abgeordnetenwatch ist mir etwas zu unpersoenlich und unuebersichtlich (zu viele Themen und Ideologien). Zudem voll mit Standardantworten und Vorwuerfen …

      Einen Dialog zu veroffentlichen finde ich interessant. Aber ich denke bei heiklen Aussagen koennte das Tagebuch schnell rechtlich relevant werden. Ich hoffe, dass digiges hierfuer auch ein paar Experten hat …

  6. Ich finde es unangebracht zusätzlich Geld zu verlangen.
    Wenn sich schon jemand ehrenamtlich engagiert den Politikern Netzpolitik näher zu bringen, dann sollte dieser nicht noch extra zur Kasse gebeten werden.

    Ich finde das mit den Spenden kann man auch separat handhaben, quasi diejenigen, die die Aktion unterstützen wollen, aber keine Zeit/Lust haben mit den Politikerin zu diskutieren.

  7. Man kann einem altem Hund keine neuen Tricks mehr beibringen.

    und wenn die Politiker sich nicht selbst weiterbilden wollen müssen die halt gehen, ist in der Wirtschaft genauso

  8. Ich glaube, es fehlen noch Abgeordnete aus den Ausschuessen. Ist das gewollt und man will nur Sprecher und Obleute „betreuen“?

    Evtl. sollte angegeben werden, wie die Leute ausgesucht werden. Gerade junge Juristen aus konservativen Parteien wie z. B. Nadine Schön zu betreuen und die Auswirkungen der aktuellen Gesetze aus EDV Sicht aufzuzeigen koennte Sinn machen.

    Bei Martin Dörmann mache ich mir allerdings keine Hoffnung mehr.

  9. Adoptianismus in der repräsentativen Demokratie: Abgeordnete als adoptierte Spielfiguren einer Plattform der „Digitalen Gesellschaft“ begreifen.

    Wollt ihr nicht lieber abgeordnetenwatch.de unterstützen, statt ein eigenes Süppchen zu kochen? Falls nicht, bitte besser abschmecken. Euer Adoptionismus klingt eher nach Aktionismus.

    1. Naja, abgeordnetenwatch faengt Dialoge an, aber irgendwie entwickeln sie sich da nicht wirklich, es kommt kaum eine echte Ebene auf. Ich koennte mir vorstellen das dies hier langfristig etwas besser klappen koennte, zumindest koennte man so dahinterliegende Bedenken und Argumente der anderen Seite besser deutlich machen.

      Lobbyarbeit? Ja. Geldeinwerbeaktion? Ja. Aber etwas anderes als ein Clone ist es schon. Und ob es je klappt? Wer weiss. Und welcher Abgeordnete laesst sich schon auf einen solchen Kontakt ein. Da liegt wo eher das Problem.

  10. Bei allem Verständnis, dass „Bürgerrechtsorganisationen“ wie Digitale Gesellschaft, CCC, Foebud,… dringend viel mehr Geld für ihre gute und wichtige Arbeit benötigen.

    Aber dass Paten dafür auch noch zahlen sollen, „ihren“ Abgeordneten kontaktieren zu „dürfen“… ich weiss nicht. Ich glaube, das ist irgendwie falschrum aufgezogen. Eher sollte der Pate Geld dafür bekommen, diese aufwändige Arbeit zu machen. Ich schreibe aus eigener Erfahrung beim Vermitteln von Netzpolitik an Bundes- und Landtagsabgeordnete aus meiner Region: Es kostet verdammt viel Zeit und es kommt nur wenig positives bei rum. Das ist nicht gerade motivierend.

    Wenn es von der Digitalen Gesellschaft speziell ausgearbeitetes Informationsmaterial gäbe (z.B. „Howto: Wie kontaktiere ich meinen Abgeordneten am besten“, „die 10 besten Gründe gegen Vorratsdatenspeicherung“) und vielleicht Vorlagen und Satzbausteiner für bestimmte Aktionen, also Dinge, die das Leben des Paten einfacher machen würden, dann würde ich die Zahlung einer Adoptionsgebühr verstehen und gutheissen. Aber für ein öffentliches Tagebuch?

    1. Der CCC macht keine Spendenakquise, er arbeitet vollständig ehrenamtlich. Das unterscheidet ihn von der Digiges und vor allem dem foebud.

  11. Irgendwie verstehe ich das Prinzip der Preisgestaltung nicht ganz…
    Der Wahlkreis, in dem ich lebe, wird von drei Bundestagsabgeordneten vertreten – einem Staatssekretär, der für 4 € zu haben ist; einem Obmann in einem Ausschuß für 6 €, und einer Obfrau in einem Beirat, die auch 6 € kostet.

    Dass es teurer ist, eine(n) MinisterIn zu adoptieren, leuchtet mir ja ein, die sind ja viel exklusiver als einfache Abgeordnete – aber insgesamt erscheint mir die Preisgestaltung sehr willkürlich.

  12. Liegt es nicht auf der Hand, weswegen man dafür bezahlen soll, wenn man einen Politiker adoptiert?

    Ich gehe stark davon aus, das es insofern Sinn macht, dass nur Leute sich darum bewerben, die es wirklich ernst meinen und am Ball bleiben werden und sich nicht spontan anmelden und es schleifen lasse.

  13. Ihr habt auch Lucia Puttrich dabei; sie ist aber ausgeschieden.
    Sie ist nicht mehr im Bundestag sondern jetzt in der Landesregierung, weshalb ich momentan auch keinen Abgeordneten habe.

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