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Pseudonymitätsdebatte: Offener Brief an Google

Im Rahmen der Pseudonymitätsdebatte hat Christoph Kappes das gemeinsame Schreiben eines offenes Briefes an Google organisiert, den ich mitgezeichnet habe. Dieser ging heute an Google und die Öffentlichkeit.


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Google UK Ltd.
Vice President, Northern and Central Europe
Philip Schindler
SW1W 9TQ London

Deutschland, den 5. September 2011

Sehr geehrter Herr Schindler,

wir, die Unterzeichner, wenden uns heute an Sie wegen der Unternehmenspolitik Ihrer Muttergesellschaft Google Inc.

Die Nutzungsbestimmungen Ihres neuen sozialen Netzwerkes “Google +”, das wir für einen gelungenen Wurf halten und gerne nutzen, sehen in Ziffer 13 vor, dass Nutzern den “volle(n) Name(n), mit dem Sie normalerweise von Freunden, Familie und Kollegen angesprochen werden“ verwenden müssen. Nach dieser sog. Common Name Policy ist also jeder Name erlaubt, unter dem man allgemein bekannt ist. Nicht erlaubt ist ein kaum bekannter Künstlername, ein Allerweltsname “Peter Meier23” oder ein Pseudonym, so dass Ihr Dienst in diesen Fällen nicht genutzt werden darf, wenn die Identität des Nutzers unter diesem Namen nicht allgemein bekannt ist.
Wir unterstützen die Argumentation Ihrer Muttergesellschaft, dass diese Regelung das Kommunikationsniveau heben soll. In der Tat gehört es auch für uns zum guten Ton, dass man sich einander vorstellt und namentlich miteinander kommuniziert. Dieses Ziel wird jedoch durch Ihre Maßnahme kaum erreicht, da jedermann versuchen kann, unter einer Anscheins-Identität aufzutreten, deren Echtheit Sie mit gängigen Online-Verfahren schwer überprüfen können. Auch die Verhinderung von Spam erscheint uns als sehr schwaches Argument, da jeder Spammer versuchen wird, sich einen glaubwürdigen Echtnamen zu geben.
Aus unserer Sicht sind diese Argumente bei weitem zu schwach für eine derart schwerwiegende Begrenzung in der Nutzung.

Wir begrüßen es sehr, dass es schon lange für ein Google-Konto unter Ziff. 2 Ihrer Nutzungsbestimmungen heißt: “Die Nutzung der Dienste ist auch unter einem Pseudonym möglich.” Wir würden uns daher auch wünschen, dass Sie dieselbe Regelung für Google Plus gelten lassen. Zudem ist auch die Rechtslage in Deutschland zu beachten. § 13 Absatz 6 TMG lautet: “Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.” Unsere Frage ist: Ist Ihnen die Bereitstellung mit pseudonymer Nutzung technisch nicht möglich oder nicht zumutbar?

Das TMG bringt klar zum Ausdruck, dass in der Sache seit Jahren durch den Gesetzgeber entschieden ist, was die Auffassung hierzulande ist: Dass nämlich die Nutzung eines solchen Dienstes grundsätzlich nicht an die Verwendung des echten Namens und auch nicht an einen Rufnamen gekoppelt sein soll, sondern pseudonym zu ermöglichen ist. Wir möchten Sie bitten, diese Entscheidung zu respektieren und darauf hinzuwirken, dass diese durch Ihre Muttergesellschaft eingehalten wird.

Wir glauben zudem, dass wir sehr gewichtige Argumente für unseren Standpunkt vorbringen können und möchten eindringlich an Sie appellieren, bei Ihrer Muttergesellschaft folgendes vorzutragen:
1. Wir sind uns darüber im Klaren, dass Pseudonymität nicht für jedermann Alltagsrelevanz aufweist. Sie erfüllt jedoch wichtige Schutzfunktionen: Menschen mit privaten Problemen aller Art, die sie nicht unter ihrem gesetzlichen Namen schriftlich besprechen können, sowie Personen des öffentlichen Lebens, die nicht immer öffentlich sein wollen, nutzen die Pseudonymität gleichermaßen wie Kinder, Lehrer und politische Akteure. Wir glauben zudem, dass in der weiteren konzeptionellen Entwicklung des Netzes auch und gerade der Schutz von Minderheiten und politisch Andersdenkenden, die sich nicht so frei wie wir artikulieren können, als maßgeblich herausstellen wird. Wenn die moderne Demokratie im Geiste Alexander Hamiltons den Schutz von Minderheiten vor Übergriffen der Mehrheit als ihren Kern definiert hat, dann sollten wir das Internet als Errungenschaft unserer demokratischen Gesellschaften nicht dahinter zurückfallen lassen.

2. Die Nutzung eines Pseudonyms ermöglicht es Bürgern, im Einzelfall und nach ihrem eigenen Dafürhalten eine Meinung frei artikulieren zu können, ohne Ächtung und Nachteile befürchten zu müssen. Dies ist essentiell für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie. Es entspricht zudem auch der natürlichen Begegnung in der Realität, wo sich Menschen zunächst ohne Namensnennung begegnen und einander dann vorstellen, wenn sie selbst es für geboten halten. Ferner bietet die pseudonyme Nutzung Bürgern in totalitären Staaten gewissen Schutz vor Repressionen.

3. Ein Missbrauch ist zwar möglich, etwa durch Schmähungen und Beleidigungen. Ihm können aber durch Systemmaßnahmen (Meldeverfahren etc.) Grenzen gesetzt werden. Er ist im übrigen auch bei anderen Kommunikationsmitteln von Briefen bis zu Telefon und E-Mail nicht ausgeschlossen. Insbesondere Soziale Netzwerke sollten hier nicht hinter herkömmliche Kommunikationsmittel zurückfallen, wenn es keine zwingenden Gründe gibt: Wo jeder selbst entscheidet, wen er liest, ist auch die Reichweite von Missbrauch beschränkt.

Die Diskussion um die Nutzungsbestimmungen hält nun schon einen Monat an, ohne dass wir von Google Verbindliches über den weiteren Prozess gehört hätten. Wir hoffen natürlich, dass Sie sich angesichts der weltweiten Proteste in einer intensiven internen Diskussion befinden. Von außen ersichtlich ist es jedoch nicht, und daher bitten wir Sie um eine baldige Information, wo Sie in Ihrem Entscheidungsprozess stehen und welche Optionen Sie für gangbar halten. Sollten Sie sich schon entschieden haben, Ihre bisherige Linie nicht zu ändern, bitten wir Sie darum, uns die Gründe zu nennen. Wir möchten uns rational entscheiden können, ob wir Ihren Dienst weiter nutzen und wie weit wir ihn in unserem Kommunikationsverhalten im digitalen Raum berücksichtigen wollen. Diese Erwartung haben wir im übrigen auch an andere Netzwerke, insbesondere Facebook.

Wir laden Sie darüber hinaus herzlich zu einem Hintergrundgespräch ein, bei dem wir unsere Standpunkte austauschen können, eventuelle Missverständnisse ausräumen und auch sondieren können, welche vermittelnden Optionen es gibt.

Unseren Brief haben wir unter http://pseudonymmusssein.posterous.com/pseudonyme-auf-google-plus# veröffentlicht. Auf diese Weise sind Feedbacks vieler Internetnutzer für Sie gut auffindbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dorothee Bär, MdB, CSU
Sascha Lobo
Markus Beckedahl, Digitale Gesellschaft e.V.
Nico Lumma
Teresa Buecker
Falk Lüke
Stefan Gehrke
Wolfgang Macht
Peter Glaser
Stephan Noller
Joachim Graf
Dr. Konstantin v. Notz, MdB, Bündnis 90/Die Grünen
Anke Gröner
Enno Park
Lars Hinrichs
Ingo Scholz
Manuel Höferlin, MdB, FDP
Jimmy Schulz , MdB, FDP
Christoph Kappes
Christiane Schulzki-Haddouti
Lars Klingbeil, MdB, SPD
Michael Seemann
Jürgen Kuri
Dr. Peter Tauber, MdB, CDU
Christiane Link
Stephan Uhrenbacher
Ulrike Langer
Jörg Wittkewitz

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61 Kommentare
  1. Hm.

    Ich stoße hier an zwei Punkten. Wenn die Nutzung von G+ so wichtig ist, dass ein fehlender Account Nachteile birgt, die man unter Umständen nicht in Kauf nehmen kann, verstehe ich das vollkommen. Ich glaube, bei Facebook ist man teilweise schon soweit, man könnte theoretisch sagen, LinkedIn oder Xing haben diesen Status, weil sie bei einigen Menschen vielleicht das ganze Einkommen garantieren.

    Ist dies aber nicht der Fall – das wäre Punkt 2 – ist G+ einfach ein Produkt mit eigenen Regeln und Vorstellungen. Da wäre es schlicht eine Ausgrenzung, weil man verschiedene Ideale pflegt. Dieser Brief aber klingt so, als sei G+ schon so wichtig, dass man Google darum bittet, sich dem Wunsch des Nutzers zu beugen. Und ganz untypisch für das Internet hier nicht in Form eines Feedback-Formulars, sondern eines offiziellen Schreibens mit unterschriebenen Klarnamen. Ich begreife es in Hinsicht auf Eric Schmidts letzte Worte, die ich sehr erschreckend fand.

    Die Anonymität muss bewahrt werden. Davon abgesehen, sind Pseudonyme kein Zeichen von Identitätslosigkeit. Ich wage sogar zu behaupten, es gibt einige Menschen, die mehr Identität unter einem bestimmten Pseudonym spüren als unter einem anderen. Die mehr verlieren würden, wäre ihr „unechter“ Name mit Dreck beschmutzt als ihr echter. In geschlossenen Netzwerken mit einer kleinen Dichte, die aber durchaus auch in großen Netzwerken als kleine Gruppen existieren können, gibt es sowas ständig.

    Ohje, ich hoffe, man versteht, wovon ich spreche.

    1. Ich hoffe doch sehr, daß der Fortbestand unserer Demokratie nicht davon abhängt, ob man bei Google+ seinen Klarnamen angeben muß oder nicht. Das Argument ist so schwergewichtig, daß man kaum umhin kann, es als ‚vorgeschoben‘ zu betrachten. Es gibt keine Steigerungen mehr.

  2. Warum muss man ein Unternehmen, was in DE tätig ist, die geltenden Gesetze einzuhalten?

    Wenn dieser Absatz stimmt:

    „§ 13 Absatz 6 TMG lautet: “Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist.“
    einfach umsetzen oder für DE sperren.
    Wo kommen wir denn da hin, wenn man um die Einhaltung der Gesetze betteln muss?

      1. Ich denke genau darauf wird es hinaus laufen.

        – StreetView wird nicht aktualisiert werden und ist in Nürnberg schon so veraltet, dass fast nicht mehr verwendbar ist (zumindest nicht zur Suche nach Geschäften).
        – YouTube zeigt mit öfter „Dieses Video ist in Deinem Land nicht verfügbar“ an als ein Video.

        Ja, so riesigen Unternehmen wie Google (oder auch Apple) müssen Grenzen gesetzt werden, dem stimme ich zu. Doch die Vergangenheit hat ja gezeigt wie Google damit umgeht: „Deutschland wird ausgeschlossen.“

        Die Frage die sich mir stellt ist: „Kann Google auf Deutschland verzichten?“ Ich würde diese Frage eindeutig mit „Ja“ beantworten.

        Viel erschreckender ist die Frage „Können wir auf Google verzichten?“
        Ja, das muss jeder für sich selber wissen. Versucht doch mal eine Woche ohne Google auszukommen. Ich würde es nur schaffen wenn ich im Urlaub bin und auf Telefon und Internet verzichte.

        Es sollte deshalb nicht darum gehen ein Unternehmen zu bitten doch die Gesetze einzuhalten, sondern wir (die Benutzer) müssen durch unser Verhalten dafür sorgen, dass ein gesunder Mix an Alternativen existiert.

  3. Wir unterstützen die Argumentation Ihrer Muttergesellschaft, dass diese Regelung das Kommunikationsniveau heben soll.

    Das halte ich für einen ziemlich schwachen Punkt im Brief und riecht leider etwas nach Anbiederung als Einstieg, damit die darauf folgende Kritik nicht so böse wirkt.

    Es ist doch eine bloße, wenn auch breit vertretene Vermutung, daß beleidigendes oder sonstwie „unzivilisiertes“ (Kommunikations)verhalten v. a. im Internet durch dessen „gesichtslose“ Nutzung befeuert werde.

    Selbst angenommen, es träfe zu, daß sich Menschen im Netz dank irgendwie gearteter oder angenommener Anonymität wie eine offene Hose verhielten, halte ich es trotzdem für besser, daß dies als Ausdruck des tatsächlichen Wesens der Leute sichtbar, statt zugunsten einer netten und cleanen — aber eben unechten — Wirklichkeit auszublenden.

    Zudem geht diese Annahme davon aus, daß sich Menschen nur dann „vernünftig“ oder eben „zivilisiert“ verhalten, wenn ihre Äußerungen auf sie als konkrete Person rückverfolgbar und sie dadurch sanktionierbar sind.

    Das halte ich für ein unschönes Menschenbild, da es vom Negativen ausgeht und in gewisser Weise dem (nicht zuletzt bei Konservativen und v. a. Innenpolitikern mit der Muttermilch aufgesogenen) Gedanken „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ ziemlich nahesteht.

    Tatsächlich kriegt das Schreiben ganz schnell die Kurve und kritisiert derlei auch zumindest zwischen den Zeilen.
    Diesen Einstieg hättet ihr euch aber IMO sparen können.

    Ansonsten klare Worte und v. a. gut, daß endlich nach klaren Vorgaben gefragt wird.

    1. Zustimung. Wenn ich gelegentlich mal beim Facebook Diskussionen zu umstrittenen Themen wie S21 anschaue, dann mobben, pöbeln und proleten da auch die Klarnamen um die Wette. Nur wer da beruflich, „professionell“ auftritt, legt sich die unverbindlich-höfliche PR-Sprache zu. Natürlich geht es eher um den Wert der Profile. Schamlos und dreist möchte man mit Namen identifizierbare Datensammlungen haben: Fritzi Müller ist befreundet mit…, kauft…, mag…, wählt… . Wer da mitmacht, nur weil das gerade so schick ist wie es Second Life oder myspace am Anfang mal waren, und das nicht so schlimm findet, hat echt nicht mehr alle Latten am Zaun. Oder ist eine brave Borg-Drohne der modernen Marktwirtschaft 2.0, trendhörig, transparent, steuerbar, geheimnislos und durchschnittlich. Oder beides.

  4. Ja, da bin ich sehr dafür. Entscheidend ist für mich das Argument, dass es „im Internet“ keine anderen Regeln geben sollte, als außerhalb. Denn „im Internet“ gibt es nicht .

    Vielleicht mache ich dann eines Tages auch bei G+ mit – bis dahin gibt es für mich nur twitter.

      1. Ich habs entschlüsselt:
        Zunächst werden alle 28 Namen in alphabetischer Reihenfolge nach dem Nachnamen sortiert. Dann wird die untere Hälfte der Liste in die oberer reingeschoben. Also:
        1
        15
        2
        16
        3
        17
        4
        etc…!

        Übrigens: Cooler Brief!

      2. B-L-B-L-B-L-G-M-G-N-G-N-G-P-H-S-H-S-K-S-K-S-K-T-L-U-L-W
        krass zieht euch das rein:
        B-L-B-L-B-L-
        G-M-
        G-N-G-N-G-
        P-
        H-S-H-S-
        K-S-K-S-K-
        T-
        L-U-L-
        W

        B-L-B-L-
        B-L-G-M-
        G-N-G-N-
        G-P-H-S-
        H-S-K-S-
        K-S-K-T-
        L-U-L-W

      3. Das war sicher mal alphabetisch geordnet zweispaltig gesetzt. Linke Spalte Bär bis Langer, rechte Spalte Lobo bis Wittkewitz. Dann ist das bei der Konvertierung nach HTML verloren gegangen, bzw. wurde wie zwei Kartenstapel ineinander geschoben.

        Inhalt des Briefes: Nunja. G+ ist ein Produkt. Ich finde es ungewöhnlich, offene Briefe mit Forderungen Produktveränderung zu schreiben. Das muss Google letztlich selbst wissen. Wenn G+ wegen der Pseudonym-Sache nicht fliegt, haben sie es eben versemmelt. Wenn es aber trotzdem Erfolg hat, scheint es so dringend mit den Pseudonymen dann doch nicht gewesen zu sein.

        Andererseits finde ich die Idee des Briefes irgendwie auch cool. Wie wäre es demnächst mit einem offenen Brief an die Telekom? Ich würde zB. gern keine Werbeanrufe mehr bekommen. Dafür wüsste ich eine Menge rationaler Argumente…

  5. Etwas weniger geschleime wäre okay gewesen, der Brief ist insgesamt zu lang und zu pseudofreundlich. Das hat bei facebook auch nicht funktioniert.

    Ob G+ ein toller Dienst ist, ist noch gar nicht geklärt. Zudem setzt Google bei immer mehr Diensten auf eine „Nutzerpersonaliserung“ (= einloggen …)

    Auch sollte man die Verknüpfung von Android & Co. bei Google nicht vergessen und die weiteren Lock-in Phänomene, welche User zu angepassten Verhalten zwingen.

    Google ist momentan für Nutzer nicht besser als facebook. Don’t be google.

    1. Ich kann die Kritik am Stil nicht nachvollziehen.
      Einer guten und harten Argumentation geht nichts verloren, wenn man die richtigen Aspekte der Gegenseite anerkennt. In diesem Brief erkenne ich eine gewisse Schulung an internationaler Diskussionskultur. Unsere deutsche Eigenart, gleich das Negative voll zu attackieren ohne das Positive zu würdigen hat uns einen „Arschloch-Koeffizienten“ nahe Eins eingebracht. Besonders in dieser schriftlichen Form begrüße ich die differenzierte Ansprache des Themas, wozu auch gehört, darzustellen, wo bereis Konsens herrscht.

  6. Das nenne ich ja mal eine Richtig gute Begründung: Zitat „§ 13 Absatz 6 TMG lautet: “Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.” Bin wirklich gespannt wie sich das noch entwickeln wird.

  7. Mal wieder ein Hinterzimmerprojekt von Euch ausgekaspert. Ihr wollt wirklich nichts mehr verändern. Früher wart ihr besser… . ich werde dann demnächst wohl lieber andere Netzpolitikblogs aufsuchen denen die Sache noch ernst ist.

  8. Verständnisproblem:

    G+ ist doch Googles Spielzeug, oder? Und haben die damit jetzt nicht auch irgendwie das Recht, die Spielregeln zu bestimmen?

    Eine Spielregel lautet: Klarname.

    Und ihr stampft jetzt mit dem Fuß auf, haltet die Luft an, schreit und zetert, damit Google diese Regel ändert, weil ihr nur dann mitspielen wollt?

    Oder sitzt da jetzt gerade der Google-Geheimdienst mit durchgezogener Knarre hinter euch und zwingt euch, mitzuspielen?

    Wie gesagt… Verständnisproblem. Denn: Wenn es einem nicht passt, dann kann er doch eigentlich auch einfach wegbleiben, statt ellenlange Texte zu schreiben?!?

    Das ist ja, als wenn ich einem Filmproduzenten nach miesen Kritiken mitteile, ich würde den neuen Film nur ansehen, wenn er ihn neu besetzen und die Dialoge umschreiben würde.

    Nutzt doch eure Energie lieber, um all die Deppen aufzuklären, die blauäugig bei G+ mitmachen… und wenn keiner mehr mitspielen mag, dann erledigt sich das Thema von alleine.

    Oder setzt euch mit den Datenschützern zusammen und bereitet eine einstweilige Verfügung vor, wenn es denn gegen deutsches Datenschutzrecht verstößt.

    1. Klappte bei facebook, apple und MS ja auch so prima. Die Leute klicken ja alles weg. Kostet ja nichts …

      Das Prinzip mündiger Bürger funktioniert im Netz leider nur begrenzt. Den meisten sind die Zusammenhänge des Dataminings bei der Erstellung eines Accounts (noch) nicht präsent. Außerdem haben viele PostPrivacy Kinder noch nicht mal die Grundlagen von Privacy verstanden, um überhaupt in eine erweiterte Debatte um eine offenere Privatsphäre einsteigen zu können.

      Traurig ist eher, wie um bestehende Rechte bei Monopolisten gebettelt wird.

      Die Dirndl-Verbraucherministerin hat in diesem Bereich auch nichts verstanden.

      1. Eben, und weil in diesem Bereich so hoher Aufklärungsbedarf besteht, würde ich doch eher alle Kräfte bündeln und in diese Richtung aktiv werden, als bei Google mit zweifelhaften und konsequenzfreien „Bettelbriefen“ anzuklopfen.

        Geht an die Schulen und fördert digitale Kompetenz ab Klasse 5 (AGs, Seminare, Projektgruppen). Eltern, Lehrer und Politiker versagen da nämlich auf ganzer Linie!

        Dieser Schrieb da oben ist kaum zielführend.

  9. Miasama du hast vollkommen Recht mit deinen Kommentar – Aus meiner Sicht ist Goolge+ ein Spielzeug von Google, ja bei Google+ sollte man sich die Nutzungsbedingungen noch stärker durchlesen als wie bei Facebook. („Obwohl bei Facebook kaum einer Durchblickt“)

  10. Hach, der Berliner Pseudo Promi Netz Club möchte mal wieder etwas Aufmerksamkeit, die Interview Anfragen scheinen zu stagnieren.

    Versucht es doch mal wieder mit einem Irgendwas-Manifest. Das bringt doch bestimmt auch ein paar Klicks und kommt super an.

  11. Ich finde die Aktion irgendwie unsinnig.
    Wenn Euch die Regeln von Googles Netzwerk (welches übrigens nach wie vor Beta Stadium hat) nicht passen, dann nutzt es doch einfach nicht.

    Einen Bettelbrief zu schreiben, damit google die Regeln ändert ist da doch total unangebracht.
    Der hier bereits gefallene Vergleich eines schmollenden Kindes passt da ziemlich gut.
    Dann macht doch einfach eben mal nicht jeden Trend mit und verzichtet auf google+
    Die Energie sollte man tatsächlich lieber in etwas sinnvolleres (zB Aufklärung Datenschutz etc) stecken.

    Wenn Ihr google+ unbedingt nutzen wollt ohne Euren echten Namen, dann meldet Euch dort doch einfach mit irgendeinem x-beliebigem Namen an (Peter Müller oder sowas).

  12. Meine Güte!

    Langsam wird es für mich schwierig, meine Wortwahl einigermaßen zahm zu halten. Was ist denn dieses Google Plus? Ist es „das Internet“? Verliert jemand etwas dadurch, dass er dort nicht seinen Datenstriptease macht? Gewinnt jemand dadurch, dass er dort seinen Datenstriptease unter Pseudonym macht? Oder ist es nur eine weitere, bei genauerer Betrachtung völlig entbehrliche Website? Und können sich hier angesichts der strategischen Geschäftspläne Google einmal mehr ein paar PolitikerInnen, die ich persönlich nicht mit der Kneifzange anfassen würde und einige Gestalten aus der gescheiterten Selbstdarstellungsmonetarisierung, die ich… ach, das habe ich schon gesagt… nur mal wieder in dem üben, was sie am besten beherrschen, nämlich darin, mit ihrer Stimme für mich zu sprechen. Während sie gleichzeitig ihre Schizophrenie dadurch belegen, dass sie selbstverständlich bei einem Google Plus mitmachen, das seinen Nutzern solche, die Usancen und die gewachsene Kultur des Internet mit Füßen tretende, Unverschämtheiten zumutet. Obwohl ein solches Auftreten seine besondere Idiotie darin offenbart, dass der Eindruck einer ganz besonderen Unentbehrlichkeit einer Website wie Google Plus verstärkt wird, dass ein solches Auftreten also eine Werbung für ein Google Plus ist, das sich in meinen Augen schlicht widerwärtig verhält.

    Meine Zeit mit einem kleinen Ich-schaue-es-mir-an-bevor-ich-gehe-Account bei Google Plus war jedenfalls vorbei, als die Menschen, an denen mir dort etwas lag, einer nach dem anderen von Google gesperrt wurden — anfangs sogar mit vollständiger Sperrung des gesamten Google-Accounts, also auch mit Sperrung aktiv benutzter Mailadressen.

    Wer sich aufführt wie Google bei der Einführung seines Google Plus, hat keine Werbung verdient, indem ein derartiger „Dienst“ als unentbehrlich dargestellt wird, sondern Ächtung. Deutlich geäußerte Ächtung, die vielleicht verhindert, dass schon wieder ein börsennotierter Konzern das virtuelle Miteinander der Menschen in einen sozial optimierten Geschäftsvorgang umdeutet und damit entwertet.

    Ich bin jedenfalls froh darüber, dass es für das Miteinander noch andere Wege gibt.

  13. Die Vorstellung von Google, dass ich dann leichter gefunden werden könnte, scheitert ja schon an den Namensvettern. Wenn ich nach meinem RN google, kriege ich aktuell 13.800.000 Treffer. Unter den ersten 1000 bin ich nicht zu finden, danach habe ich die Suche nach mir aufgegeben. Ich habe locker drei Dutzend Menschen mit dem gleichen Namen finden können. Mein Pseudonym hingegen ist ziemlich einmalig. Ich erstellte es 1994 und habe es immer wieder online verwendet.

  14. Ich denke bei Pseudonymen irgendwie an Kurt Tucholsky. Hat der nicht erst neulich bei G+ etwas veröffentlicht? (Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel)… Ich finde den Brief gut. Vielen Dank.

  15. >>Eine Spielregel lautet: Klarname

    #iminternet gibt es lustige sachen. hier z.b. das engagierte (nutzer) versuchen eine firma vor einer grossen dummheit zu bewahren. das ist sehr nett wenn man bedenkt das das zugrunde liegende problem nicht lösbar und die google’sche lösung nicht nur google sehr grossen ärger einbringen wird. ich rate mal das diese firma in einer phase ist in der die marketingabteilung das steuer übernommen hat während unten im keller „die techniker“ haare raufen und augenrollen.

  16. Ich sehe es anders. Sicherlich gibt es viele Diskussionswürdige Punkte in/an eurem Brief.
    Zwei möchte ich allerding hervorheben:

    1.) Glaube ich nicht, dass man einen Nachteil dadurch erreicht, nicht Mitglied bei Google+ zu sein. Warum auch? Man könnte sonst bei jeder beliebigen Internetseite / Internetdienst argumentieren, man hätte einen Nachteil, wenn man kein Mitglied sei.

    2.) Geht es im Grund doch um die grundsätzliche Diskussion von Klarnamen vs. Pseudonyme. Warum nun also plötzlich dieser Versuch zu polarisieren?


    http://twitter.com/stelten

  17. Hallo? Was ist denn hier los? So viele verletzte „ich durfte nicht mitzeichen“-Egos? Ist doch gut, wenn auf verschiedensten Ebenen und an tausenden Fronten parallel argumentiert und gekämpft wird. Nun kriegt euch mal ein, und macht eure eigene Aktion, mal groß, mal klein, mal hochvernetzt, mal im Alleingang. Freundlicher Brief? Ja, aber nicht nur. Abmahnung wenn bockig? Ja, aber bitte nicht nur. Große Mobilisierung? Ja,aber bitte auch Nadelstiche.

  18. Im Internet darf es keinen Klarnamenzwang geben.

    Bei Google+ aber durchaus!
    Und ich hoffe auch, dass dieser erhalten bleibt. Wenn ich einen alten Schulfreund suche, nennen wir ihn mal „Hansbert Derpirat“, dann werd ich ihn nicht finden, wenn er sich „Hans Bert“ nennt, und auch nicht bei „Hansbert D“ oder „Ano Nymous“ oder unter seinem Netzpseudonym „Random Blogger“. Und wenn ich in einem sozialen Netzwerk niemanden finde, dann ist es für mich sinnlos. (Ja, mir ist klar dass diese Argumentation bei „Peter Müller“ nicht so gut funktioniert, aber „Peter M“ hilft da auch nicht weiter.)

    Das mag anders sein bei sehr netzaffinen Bloggern und netzpolitik.org-Lesern, die fast ihr gesamtes soziales Netzwerk sowieso im Internet haben und mit Pseudonym kennen. Aber normale Menschen kennen andere Menschen beim normalen Namen und suchen so auch nach ihnen. Daher bitte Google: Belasst es bei der Klarnamenpflicht! Ansonsten geht es mit Google+ schneller bergab als mit Facebook und studiVZ.

    P.S. Schon mal im studiVZ jemanden gesucht in letzter Zeit? Ich erkenn nicht mal mehr meine eigenen Kontakte, weil alle ihren Namen (und Profilbilder) verfremdet haben. Vollkommen sinnlos geworden, das Netzwerk.

  19. Oh fein.
    Ein Bettelbrief an Google mit dem Charakter eines sich an der Eiche kratzenden Schweins. Einem jeden sollte doch klar sein, dass ein dauerhafter just for fun Dienst von den Google Aktionären negativ beschieden wird.

    Machen wir mal einen Strich drunter und halten fest:

    Es gibt mit aller Berechtigung Dienste, die auf Pseudonyme angewiesen sind. Jene lassen sich auch mit einer entsprechend präparierten googlemail Adresse ohne weiteres nutzen.

    Natürlich kann man nun versuchen, ein derartiges Netzwerk auch bei Google + aufzubauen. Die Nullkosten bzgl. der Infrastruktur verlocken auf Ihre Art natürlich dazu. Dementgegen steht allerdings die Art des Geldverdienens von Google, ohne Daten gibt es eben auch keine Plattform.

    Nun sollte man abwägen, ob das für den ein oder anderen Vernetzungszweck wirklich die ideale Plattform darstellt, ich habe da so meine Zweifel.

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