Kurzfazit: Sieben Monate Flattr im Einsatz

Nach sieben Monat Einsatz von Flattr als Micro-Donation-Service ist es mal Zeit für eine kleine Evaluation. Die kurze Version ist: Flattr hat sich als eine weitere Finanzierungssäule bei uns etabliert, reich werden kann man damit aber noch nicht. Über die sieben Monate sind insgesamt 4774,63 Euro an uns gespendet worden. Erstmal herzlichen Dank dafür.

Die Grafik zeigt die monatlichen Einnahmen ab Juni, wo wir den Dienst erstmalig den gesamten Monat über eingesetzt haben. Als Mittelwert wird jeden Monat rund 682 Euro gespendet. Der Dezember war am stärksten mit 775 Euro, der November am schwächsten mit 611 Euro (Ich hab keine Ahnung warum). Ich hab jetzt nicht jeden Monat ausgerechnet, aber im November wurden 204 Artikel (Plus das Blog als Ganzes) 2052x geflattrt und das macht rund 30 Cent pro Click, um mal einen statistischen Richtwert für den Wert eines Klicks zu haben. Berücksichtigen sollte man auch, dass alle Einnahmen erstmal mit 19% versteuert werden müssen, die tatsächliche Netto-Einnahmen damit nochmal weniger sind.

Flattr hat sich irgendwann als Dienst geöffnet und die Closed-Beta-Phase beendet. Zuerst hatte ich die Vermutung, dass damit die Einnahmen ansteigen, tatsächlich sind sie aber (erstmal) gesunken. Vielleicht liegt es daran, dass es auch mehr Angebote gab, die von unseren Lesern ebenfalls geflattrt wurden, so dass sich das eingesetzte Geld mehr verteilte. Im Dezember gab es dann nochmal einen Anstieg mit einem Rekordwert zum Abschluß (Wahrscheinlich auch nur, damit die Grafik besser aussieht).

Was wird geflattrt?

Wie man sich denken kann, werden längere Hintergrundberichte und arbeitsaufwändige Artikel in der Regel kaum geflattrt. Das ist zwar schade, aber kein neuer Effekt. Das spiegelte sich schon in den Vorjahren durch kaum Kommentare, Trackbacks und Verlinkungen für solche Beiträge wieder. Unsere Podcasts werden zwar zahlreich runtergeladen und gehört, aber kaum geflattrt. Das wundert mich etwas, weil viele andere Podcasts sehr viel über Flattr einnehmen. Vielleicht liegt das wenige flattrn bei uns daran, dass der Podcast hier im Blog integriert ist? Was vielleicht auch noch eine Steigerungsmöglichkeit wäre, ist de Einbau von Flattr-Buttons in unseren RSS-Feed. Ich vermute mal, dass ein großer Teil unserer Leser uns im RSS-Reader liest und flattrn ein Medienumbruch in den Browser wäre. Im Sommer funktionierte das Plugin noch nicht zufriedenstellend, vielleicht probieren wir es demnächt nochmal aus.

Aus kommerziellen Gründen müssten wir eigentlich nur noch Unterhaltung fahren. Eine Formel um reich zu werden scheint auf jeden Fall Boulevard zu sein. In der Netzpolitik heißt das möglichst polemisch sein, wenig Arbeit und Recherche reinstecken und ein klares Feindbild haben. Dumme Aussagen und Aktionen von CDU-Politikern oder Lobbygruppen wie der GVU kurz und polemisch kommentieren funktioniert immer, sofern der Leser nicht durch zuviel Hintergrund überfordert wird. (Auch nichts Neues, die Beiträge haben früher auch schon immer die meisten Kommentare und Verlinkungen bekommen).

Der große Teil der Artikel wird unter 10x geflattrt, da kommen also im Schnitt weniger als 3 Euro rein. Nur sehr wenige Artikel wurden in den sieben Monaten mehr als 100x geflattrt. Diese Artikel brachten dann zwischen 30-60 Euro ein. Wenn das hier eine Plattform zum Geld verdienen wäre, hätten wir das Geschäftsmodell schon lange beerdigt und würden aus Erlösgründen bei einer Zeitung schreiben. Selbst bei Ausbeuter-Medien erhält man in der Regel mehr Geld für einen Artikel als für die Best-geflattrten-Artikel aller Zeiten (Ok, es gibt sicher Ausnahmen). Aber das Blog dient hier nicht zuvorderst als Geschäftsmodell. Wenn es sich finanziert und wir dadurch mehr Zeit-Ressourcen zum bloggen und für Kampagnen und Lobbying haben, ist das aber natürlich auch toll. Mehr Geld bringt mehr Zeit für Netzpolitik – und dabei hat sich Flattr als weitere Finanzierungssäule etabliert. Insofern freuen wir uns über jedes einzelne flattrn.

Als Fazit läßt sich sagen, dass Flattr sich insofern etabliert hat, als dass es eine konstante Einnahmequelle pro Monat gibt, die für laufende Kosten, Anschaffung neuer Technik, Reisekosten etc. verwendet werden kann. Werbung haben wir ja nur ab und an, das ist also nicht so konstant und verläßlich. Allerdings muss man trotzdem sagen, dass dann jede einzelne Anzeige bei unseren Abrufzahlen immer noch mehr Geld einbringt, als über Flattr reinkommt. Gestern erst wurden neue Funktionalitäten wie direkte-Spenden vorgestellt, so dass man einem Blog oder Podcast über Flattr auch konkrete Geldmengen zukommen lassen kann als über das ursprüngliche Flattr-Prinzip, das monatlich eingesetzte Geld gleichmäßig über alle geflattrten Dinge zu verteilen. Wir sind gespannt, wie sich Flattr als Dienst und als Einnahmequelle bei uns und anderen weiter entwickeln wird. Und generell die Idee, durch Mikro-Spenden interessante Projekte und Menschen zu unterstützen.

Hier ist übrigens die Top10 aller Zeiten:

3473x Das Blog als Flattr-Thing.

202x geflattrt, erschienen am 17.8.2010 Loveparade: Stadt Duisburg untersagt Blog Veröffentlichung von Dokumenten

133x geflattrt, erschienen am 4.6.2010 Interview mit Peter Sunde über Flattr

131x geflattrt, erschienen am 1.7.2010 Flattr-Einnahmen im Juni

115x geflattrt, erschienen am 18.11.2010 “Die Bilder der Anschläge im Kopf” – Widerspruch zwischen Angst vor Terrorismus und Wirklichkeit

110x geflattrt, erschienen am 18.6.2010 Verleger: Leistungsschutzrecht soll Sprache monopolisieren

109x geflattrt, erschienen am 14.12.2010 +++ Eil & Kurz +++ Vorentscheidung in NRW (jetzt wirklich!)

105x geflattrt, erschienen am 9.8.2010 GVU läuft Amok und läßt unberechtigt Videos löschen

103x geflattrt, erschienen am 14.11.2010 Meme: Axel E. Fischer fordert….

100x geflattrt, erschienen am 11.6.2010 Für die Ausbildung nicht geeignet

42 Kommentare
  1. dot tilde dot 6. Jan 2011 @ 15:58
  2. Name (pflicht) 6. Jan 2011 @ 16:49
  3. Forengott86 8. Jan 2011 @ 17:29
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