Ist heute der 1. April? BVDW warnt vor Bitcoin

Das experimentielle Bezahlungssystem Bitcoin macht gerade einen kleinen Medienhype durch, obwohl noch nicht mal klar ist, ob das System überhaupt richtig funktionieren wird. Das ruft den Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. (Slogan“Wir sind das Netz“) auf den Plan und dieser warnt heute in einer Pressemitteilung vor Bitcoin:


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

BVDW-Vizepräsident Christoph N. von Dellingshausen:
„Der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. warnt Verbraucher vor der Nutzung der Zahlungsmittel Bitcoins. Zum einen sind Ausgabe und Kontrolle von Zahlungsmitteln in unserer Gesellschaft eine hoheitliche Aufgabe. Durch die Nutzung von Bitcoins als Zahlungsmittel wird die notwendige Kontrolle durch den Staat in den Fällen von Steuerhinterziehung oder Geldwäsche unmöglich. Deswegen sind Bitcoins schlichtweg gefährlich und haben das Potenzial, der gesamten Gesellschaft eben durch Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder andere illegale Geschäfte nachhaltig zu schaden.

Die Argumentation geht noch weiter. Klingt alles nach 1. April, aber den haben wir heute nicht. Linus hat in seinem kleinen Privatblog die Pressemitteilung mal übersetzt: BVDW warnt Verbraucher und Händler vor Bargeld als Zahlungsmittel.

Apropos: Bei Linus im Blog könnt Ihr auch unser neues Blog-Maskottchen bewundern, eine Post-Privacy-Amsel beim brüten.

40 Kommentare
  1. Nochmal: Die Bitcoin-Fans hätten nichts lieber als ein staatliches Verbot. Aber das wird nicht kommen, da Bitcoin sich nicht als Ersatzwährung eignet und somit weder für Zentralbanken noch für Händler und Verbraucher eine Gefahr darstellen.

    http://notes.computernotizen.de/2011/05/31/niemand-hat-angst-vor-bitcoin/

    Eine Gefahr sind sie derzeit höchstens für Menschen, die sie als Geldanlage nutzen sollen. Aber idiotische Geldanlagen sind ohne weiteres legal.

    1. Bitcoin wird in Zukunft wohl auch zunehmend als kostengünstige alternative zu Liberty Reserve/Pecunix usw. verwendet werden. Es als Geldanlage verwenden würde ich nicht gerade, aber man kann sicher noch sehr lange gewinnbringend spekulieren.

  2. Das ist ja der Hammer !

    Am besten gefällt mir folgender Teil :
    “ Zum einen sind Ausgabe und Kontrolle von Zahlungsmitteln in unserer Gesellschaft eine hoheitliche Aufgabe. Durch die Nutzung von Bitcoins als Zahlungsmittel wird die notwendige Kontrolle durch den Staat in den Fällen von Steuerhinterziehung oder Geldwäsche unmöglich.“

    Zeigt er doch sehr gut wie viel diese Institution von Geld versteht – Nämlich nichts.
    Das Geld wird weder vom Staat erzeugt noch staatlich reguliert !!!!

    Die EZB gibt Geld an die deutsche Bank und die verleiht es dann an z.B. Griechenland.
    Die DB bekommt von der EZB 1-2% Zinsen und die DB gibt an Griechenland 13% Zinsen weiter. Das nenn ich Arbeit und Werte schaffen, nich wahr ;)?

    Wie in Amerika durch die FED wird auch in Europa / Deutschland kein Geld vom Staat geschafft oder „anständig“ kontrolliert . . .

    1. Richtig. Das mit der hoheitlichen Aufgabe stimmt so nicht. Der Wahrheit entspricht nur folgendes:

      Wir sind gezwungen den Euro anzunehmen. Deswegen wird es oft als staatliches Geldmonopol betrachtet.

      Ob wir aber gezwungen werden eine staatliche oder private Währung anzunehmen tut nicht zur Sache. Es ist beides eine gleich repressive Maßnahme.

    2. er sprach nicht von Erzeugung oder allgemeiner staatlicher Regulation, sondern nur von „Kontrollfunktionen“.

      Geld ist was Geldfunktionen erfüllt.
      Bei diesem System scheitert es imo schon an dem Kriterium „allgemein anerkanntes Zahlungsmittel.“ Ob das nun Bitcoins sind oder Glasmuscheln ist relativ egal – solange es die Geldfunktionen erfüllt.
      Weiterhin hat dieses Bitcoin wohl auch keine Geldmengenbandbreiten? Dann gibts ja da mehr Gemeinsamkeiten mit dem Euro als man vermuten möchte ;)

  3. 1. April? Es muss ja sehr lustig sein, sich über diese Pressemitteilung lustig zu machen und Bargeld mit Bitcoin gleichzusetzen. Der Vergleich hinkt und bestätigt die Kritiker nur in ihren Ansichten.

    Muss ich wirklich erklären, dass ich mir als Verkäufer Bargeld nicht anonym zukommen lassen kann? Bitcoin kann ich mir dagegen anonym über das Internet+Tor zuschicken lassen. Ist dieser Unterschied nicht eigentlich offensichtlich?

    Wer etwas von Wirtschaft und Geldschöpfung versteht, der weiß ganz genau, aus welchem Grund Bitcoin tatsächlich von manchen so gehasst wird. Wer Bitcoin auch nur im Spaß mit Bargeld vergleicht gibt den Kritikern wieder nur mehr Argumente in die Hand.

    Man könnte nämlich auch einfach seriös bleiben und feststellen:

    – Bitcoin ist nicht anonymer als P..pal.
    – Es darf kein staatliches Geldmonopol geben

    1. emarkus: Natürlich kannst Du Dir Bargeld anonym zuschicken lassen. Wo ist das Problem?

      BTW: Bitcoins ist pseudonym, nicht anonym. Wenn ein Händler erst Mal Deine Lieferdaten hat, weiß er nicht nur über Deine Identität, sondern kann auch Deine Transaktionen mit Bitcoins abrufen, da die ja im P2P-System gespeichert sind. Bei Bargeld hast Du dieses Problem nicht.

      1. Wenn du mir Geld per Brief schickst, dann bist vielleicht du anonym, aber nicht ich als andere Hälfte der Transaktion.

        Wenn du meine Real-Life-Adresse nicht kennst, dann kannst du mir auch kein Geld schicken. Wenn ich dir meine Adresse verrate, dann bin ich dir gegenüber nicht mehr anonym. Bei Bitcoin muss ich diese Abstriche nicht machen, da ich dir nur meine Bitcoin-Adresse schicken muss und schon kann ich anonym Geld empfangen.

        Und mein Wohnort bleibt geheim…

  4. http://www.fbi.gov/charlotte/press-releases/2011/defendant-convicted-of-minting-his-own-currency

    Defendant Convicted of Minting His Own Currency

    Article I, section 8, clause 5 of the United States Constitution
    delegates to Congress the power to coin money and to regulate the value thereof. This power was delegated to Congress in order to establish and preserve a uniform standard of value and to insure a singular monetary system for all purchases and debts in the United States, public and private.
    Along with the power to coin money, Congress has the concurrent power to restrain the circulation of money which is not issued under its own authority in order to protect and preserve the constitutional currency for the benefit of all citizens of the nation.

    “Attempts to undermine the legitimate currency of this country are simply a unique form of domestic terrorism,” U.S. Attorney Tompkins said in announcing the verdict. “While these forms of anti-government activities do not involve violence, they are every bit as insidious and represent a clear and present danger to the economic stability of this country,” she added. “We are determined to meet these threats through infiltration, disruption, and dismantling of organizations which seek to challenge the legitimacy of our democratic form of government.”

    Es geht in diesem Fall nicht explizit um Bitcoin, sondern um eine andere alternative Währung, aber die Tendenz in diesem Urteil ist klar.

  5. dpa-Meldung vom 01.06.11 14:42

    Wirtschaftsverband für Verbot von digitaler Währung „Bitcoin“

    „Bitcoins“ statt Euro oder Dollar – das alternative Zahlungsmittel eines Internet-Projekts fasziniert die einen und ängstigt andere. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) kritisierte am Mittwoch das Projekt als gefährlich und sprach sich für ein gesetzliches Verbot aus. Ein Experte des Blogs netzpolitik.org sagte hingegen über die Bitcoins: „Das ist durchaus interessant und wird von den meisten als funktionierend anerkannt.“

    Das 2009 gestartete Bitcoin-Projekt erzeugt das digitale Zahlungsmittel mit der Abkürzung BTC mit einer zeit- und rechenaufwendigen Verschlüsselungstechnik, die jedes Kopieren unmöglich macht. Die Zahl der Währungseinheiten ist auf 21 Millionen begrenzt. Der zuletzt stetig gestiegene Kurs gegenüber herkömmlichen Währungen ergibt sich aus Angebot und Nachfrage in Tauschbörsen.

    „Wir gehen davon aus, dass ‚Ersatzwährungen‘ wie Bitcoins über kurz oder lang auch durch den Gesetzgeber verboten werden“, erklärte BVDW-Vizepräsident Christoph von Dellingshausen. „Durch die Nutzung von Bitcoins als Zahlungsmittel wird die notwendige Kontrolle durch den Staat in den Fällen von Steuerhinterziehung oder Geldwäsche unmöglich.“ Für die Sicherheit von Verbrauchern wie Online-Händlern müsse es ein Regulativ für Zahlungsmittel geben, forderte der Verbandsvertreter und fügte hinzu: „Die reale Wirtschaft darf nicht zum Monopoly-Spiel werden.“

    Auch Bargeld könne für kriminelle Handlungen missbraucht werden, sagte hingegen Linus Neumann von netzpolitik.org im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Rein technisch betrachtet beruhe das Bitcoin-Projekt auf einer soliden Basis. „Die Frage ist nur: Ist das am Ende konvertibel? Ist das nur ein Hype oder mehr?“ Beim vertrauten Zahlungsmittel Geld sorge der Staat für das nötige Vertrauen. „Solange es kein allgemeines Grundvertrauen zu Bitcoins gibt, ist das nicht mehr als ein Spaß.“

  6. „Ist heute der 1. April?“…

    Ich würde die Frage in der Überschrift mit Ja beantworten… Jedenfalls für ein paar Leute scheind Heute erst der 01.04 zu sein…

    Ich seh das ganze BitCoin-System auch ehr als Spass, aber wer weis… Einstein sah die Quantenphysik auch nur als Spass und kommentierte diese mit „Gott würfelt nicht“ ;-)

    Ich bin ja immer noch dafür alles in Tomaten bezahlen zu können, die wachsen hier im Treibhaus… ob die dann auch verboten werden wenn ich Tauschhandel damit betreibe?

    So genug lustig gemacht… Mir ist es relativ egal ob man den Herrn Wasser oder Öl ins Feuer gekippt wird, mir zeigt es nur wieder, das es genug Menschen gibt die keine Ahnung haben und trozdem etwas sagen bzw. in diesem Fall verbieten wollen…

    1. Sorry aber woher kommt eigentlich diese Plötzliche „Nachrichten-/Artikel-“ Schwemme über BitCoins? o.0
      Ich werd hier ja erschlagen von „Artikeln“ in meinen RSS-Feeds… -.-

  7. Hm, Bitcoin basiert doch auf CPU-Leistung (oder ähnlichen Hardware-Ressourcen) und kann daher nur mit massivem Aufwand „gefälscht“ werden.
    Damit ist es in etwa vergleichbar mit Bargeld in früheren Zeiten, dessen Wert auf dem Goldanteil in der Münze selbst oder später bei Papiergeld auf den Goldreserven des ausgebenden Staates basierte.
    Somit dürfte es auf jeden Fall sicherer sein als moderne Währungen, bei denen Staaten locker das 10-fache ihrer Goldreserven an Geld (physisch oder virtuell) ausgeben können…

  8. völliger schwachsinn. der euro ist weder gesetzliches Zahlungsmittel unseres Staates noch ein hoheitliches. der euro ist copyrighted..nuff said.

  9. Dank der ersten JS-Maleware ist Bitcoin nun die symbiotische Antwort auf AJAX und Web20-Crosssite-Wahn geworden. Finde ich irgendwie lustig. Auch wenn es sich vermutlich nicht durchsetzt.

    Und letztendlich sind so oberflächliche Warnungen erst recht Werbung für das System. Hatte Lutz Donnerhacke nicht auch mal etwas Richtung crypto-Geld gedacht? Ich erinnere erinnere mich nicht mehr so genau, fand die Idee aber noch sympathischer.

    1. Wer es nicht mitbekommen hat, Paypal hat vor ca 1 Monat Bitcoin als Gegner entdeckt:

      Over the weekend PayPal froze the accounts of both Morpheus and CoinPal, two online exchangers that sold bitcoin. In taking this step, PayPal is making it clear that they intend to view bitcoin as a full-fledged e-currency and not just a reusable proof-of-work „math puzzle“. Ultimately, the enforcement relies upon PayPal’s Acceptable Use Policy, which prohibits transactions that are associated with money service business activities, including currency exchanges. So, the real surprise here is that, at least according to PayPal, bitcoin is now a currency. Undoubtedly, this decision will have implications in future legal cases against bitcoin.

      http://themonetaryfuture.blogspot.com/2011/05/paypal-freezes-accounts-of-two-bitcoin.html

  10. Habt ihr nicht neulich selbst darauf hingewiesen, dass viele Bitcoin bereits als gefährlichstes OSS-Projekt aller Zeiten ansehen? Wieso dann die künstliche Aufregung?

  11. Das albernste an dem Artkiel finde ich das Motto von diesem Bundesverband Digitale Wirtschaft: “ Wir sind das Netz“.

    Wie bitte? Hab ich was verpasst? *rofl*

  12. Hätte nicht gedacht, dass ich DAMIT mal in einer Überschrift zitiert werde (#bitcoin-de, Chatroom mit etwa 25-35 Usern).
    War natürlich als Scherz gemeint, da ich schon davon ausgehe, dass die Mitarbeiter der BVDW einen Kalender lesen können…

    (06:57:33 PM) chmod755: Ich möchte darauf hinweisen, dass heute der 1.Juni und nicht der 1.April ist.
    (06:57:36 PM) A*: das ist eine Sache von 5 Mintuen
    (06:57:46 PM) B*: chmod755: lolwtf?
    (06:57:59 PM) C*: lol
    (06:58:02 PM) chmod755: http://www.bvdw.org/presse/news.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=3137&cHash=b381dbd064226660caece99c8b1675c1
    (06:58:51 PM) B*: chmod755: jo, die PM hab ich gelesen
    (06:58:56 PM) chmod755: eben
    (06:58:58 PM) chmod755: ;)

    * Andere Benutzernamen hab ich mal abgeändert, da ich nicht weiß ob diese Personen hier erwähnt werden wollen.

  13. Mjam, mit nem schicken Botnet liese sich da sicher einiges an Bitcoins zusammenfarmen…

    Meine laienhafte Vorstellung ist jemand hat vll. ein Botnet mit, sagen wir mal, 1.000.000 Zombies. Wenn diese mit unauffälligen 2 – max. 5% dahinrechnen dann dürfte da kein Rechenzentrum der Welt auch nur im entferntesten drankommen…

    Oder würde das nicht funktionieren?

  14. Mal abgesehen davon, dass Bitcoin ein Hype ist, sollte dieser Bundesverband jemanden leisten, der sich mit Geldtheorie auskennt. Oder gleich Schumpeters Geldtheorie lesen, der hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, was passiert, wenn Ford und General Motos und General Electrics eigene Währungen herausgeben, in denen die Zinsen der „Autobanken“ besser versteckt sind. –Detlef

  15. Naja, besonders schön ist:

    „Die reale Wirtschaft darf nicht zum Monopoly-Spiel werden. “ (PM, BVDW-Vizepräsident Christoph N. von Dellingshausen).

    In diesem Zusammenhang kann ich statt Bitcoin auch mal Texte über die Finanzlobby auf EU-Ebene empfehlen. Vielleicht sollte man da mal als „Digitale Wirtschaft“ etwas arbeiten, wenn man Währung und Wirtschaft für die Zukunft stabilisieren will …

    1. Um etwas ins Detail zu gehen, dem BVDW geht es vor allem wohl um PSD, 2007/64/EC und besonders um die Single Euro Payments Area (SEPA).

      Wer mal Langeweile hat, kann ja mal beim Händler seines Vertrauens nachfragen, welchen Nachlass er bekommt, wenn er nicht mit EC-Karte zahlt … Oder seine Bank fragen, warum die HBCI Karte immer noch etwas kostet …

      Der Schutz des Bürgers vor Betrug geht meist eher in Richtung einer höheren Steuergerechtigkeit ™ mit gewissen extra Transaktionskosten für die ganzen Datenbanken und die Überwachung, sowie einer kleinen Prämie für die Bank … Kostenlos oder günstig sind die ganzen Systeme nie.

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