Kultur

Freie Kinderlieder für Kindergärten und Co.: Mithilfe und Spender gesucht

Im Auftrag der VG Musikedition hatte die GEMA zuletzt deutschlandweit Kindertagessstätten angeschrieben und darauf hingewiesen, dass das Anfertigen von Kopien von Notenblättern der Genehmigung der Rechteinhaber bedarf. Auch ein Angebot war gleich parat: 56€ plus Mehrwertsteuer für 500 Kopien sollten Kindergärten und Co. berappen. Neben der Finanzierung stellt dabei für die Kinderbetreuungseinrichtungen wohl vor allem der  notwendige Verwaltungsaufwand ein Problem dar, denn jede einzelne Kopie muss an die GEMA gemeldet werden, damit diese mit der VG Musikedition korrekt abrechnen kann.


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Der Musikpiraten e.V. hat daher mal wieder eine tolle Aktion gestartet und will die rund 50.000 Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland mit einem freien Liederbuch mit gemeinfreien Kinderliedern versorgen. So soll ein einfacher Zugang zu dem teilweise jahrhundertealten Kulturgut gewährleisten werden und Aufwand und Kosten für die Einrichtungen gesenkt werden.

„Damit sich die Erzieher und Erzieherinnen nicht noch aufwändig um die Recherche kümmern muss, ob nun ein Lied gemeinfrei ist oder nicht, werden wir ein Liederbuch mit ausschliesslich gemeinfreien Kinderliedern erstellen. Unser Ziel ist, allen 50.299 Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland mindestens ein Liederbuch zukommen zu lassen – und zwar kostenlos.“ erklärte Christian Hufgard, 1. Vorsitzender des Musikpiraten e.V.

Damit dies gelingt, werden allerdings sowohl noch viele Helfer, die die Bücher verteilen, als auch weitere Sponsoren und Spender  gesucht. Ebenso ist aufgerufen, wer dabei helfen kann, Kinderlieder neu zu setzen. Bislang sind bereits rund 9.000€ Spenden zusammengekommen, d.h. die Aktion ist schon jetzt ein großer Erfolg und es wird auf jeden Fall einen Druck geben. Um allen Einrichtungen ein freies Exemplar zur Verfügung stellen zu können, werden allerdings geschätzte 50.000€ benötigt.

Spendeninformationen so wie (ganz vorbildlich und transparent) der tägliche Spendenstand sind auf der Webseite der Musikpiraten verfügbar.

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18 Kommentare
  1. Sehr schöne Idee und unterstützenswerte Initiative.

    Was ich aber nicht ganz verstehe: Warum soll der band gedruckt werden, statt die gemeinsfreien Lieder in der geplanten Aufbereitung einfach viel billiger im Netz zur Verfügung zu stellen? Wenn jede Stätte *ein* Exemplar bekommen soll, wird doch ohnehin davon ausgegangen, daß die Sachen dort vervielfältigt werden. Was übersehe ich?

  2. Es wird auch als PDF veröffentlicht!
    Manche KiTas/Kindergärten o.ä. haben aber vielleicht kein Internet oder zumindest niemanden der auf die Idee käme von dort ein PDF zu laden. So ist zumindest meine Erfahrung mit Einrichtungen dieser Art.
    Echt gedrucktes ist zum „anschieben“ ein sehr gute Idee meiner Meinung nach.

  3. Etwas ausgedrucktes vorlegen zu können gibt der Sache mehr Gewicht, sowohl was die Kitas angeht (es ist dann auf der gleichen Stufe wie ein anderes Musikbuch und nicht nur irgend so eine Webseite) als auch die klassischen Medien, bei denen etwas „verlegtes“ auch mehr Gewicht hat.

    Zumindest ist das meine Erfahrung bisher.

  4. Ein PDF kann man schlecht mit einem Kopierer vervielfältigen :b Ich finde die 2 Wege Lösung auch ganz gut.

    Wenn man ein Lied heraussucht, ist ein Buch immer noch die einfachere Methode als ein PDF durchzuscrollen.

    Durch das PDF haben zudem die Eltern zu hause die Möglichkeit Zugriff auf dieselben Lieder zu erlangen.

    Außerdem kann man die Übergabe des Liederbuchs medial ausschlachten. Man findet sicher die ein oder andere Tageszeitung dafür.

  5. Zusätzlich zu dieser erstklassigen(!) Aktion, die schon einmal einige GEMA-Steine aus dem Weg räumt, geht es auch um Folgendes:
    Wenn zum Beispiel Kinderheime Auftritte machen, müssen sogar die dort vorgetragenen Stücke bei der GEMA eingereicht und abgerechnet werden!

    Aber dieses „GEMA-Instrument“ muss dann wohl wieder extra angegangen werden.

  6. @HarryHIII: Das ist aber eine komplett andere Baustelle.

    Auf der einen Seite geht es um das Kopieren von Notenblättern, bzw. um eine Kompensation für die Arbeit ein Notenbild zu arrangieren (Das wäre auch bei gemeinfreien Werken so).

    Wenn es nun Menschen gibt, die Notenblätter für gemeinfreie Werke erstellen und der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung stellen, ist das ein gutes Werk und unterstützenswert.

    Auf der anderen Seite haben wir die Nutzung der Musikwerke als solche. D.h. wenn jemand (ganz gleich ob Kind oder Erwachsener, bzw. Heim oder nicht) Stücke eines Gema-Künstlers singen will, die noch nicht gemeinfrei sind, kostet das (was ich grundsätzlich nicht einmal kritikwürdig finden).

  7. Aber warum schaffen die Kindergärten nicht einfach einen Gruppensatz Kinderliederbücher an? Da kauft man einmal 30 Bücher, spart das Kopieren, das ja auch nicht gerade umweltfreundlich ist, und hat zumindest dieses Gema-Problem nicht mehr am Hals. Bei Amazon kosten entsprechende Bücher etwa 10 Euro, und sie halten sicher mehr als nur ein Jahr…

    1. @Müller: Ich vermute mal dass die Bücher dann doch nicht so lange halten und nicht mit nach Hause gegeben werden könnten.

      Allgemein finde ich es einfach gut wenn man den Einrichtungen mehr Möglichkeiten bietet.

  8. @KinNeko:

    Wenn man ein Lied heraussucht, ist ein Buch immer noch die einfachere Methode als ein PDF durchzuscrollen.

    Das ist nicht dein Ernst oder?
    Also wenn ich so einen 300-Seiten-A4-Wälzer hier rumliegen habe und ich suche etwas Spezielles, dann bin ich doch heilfroh eine digitale Sicherheitskopie (aus obskurer Quelle) mit Volltext-Suche zu haben.
    Hinzu kommen (wenn man sich die Mühe macht) beliebig strukturierte Inhaltsverzeichnisse:
    * Lieder Alphabetisch
    * Lieder nach Sprache
    * Lieder nach Alters-Eignung
    * Lieder nach Themen
    * Lieder nach musikalischer Komplexität
    * Lieder nach beteiligten Instrumenten
    * Lieder nach Stimmung
    * Lieder nach (…)
    und jedes Mal sind es zwei bis drei Klicks bis du das auf dem Schirm hast was du willst (und zwei weitere zum Drucken).
    Papier hat auch seine Vorzüge, keine Frage, aber „etwas einfacher/schneller darin finden“ gehört überhaupt nicht dazu.
    Papiervorzüge sind z.B. höhere Wertschätzung, ewige Daten-Kompatibilität (wer weiß ob man in 70 Jahren noch PDF 1.4 lesen kann, Papier aber bestimmt), kippelnde Möbel, Insektenvernichtung, einfacheres/bequemeres „schmökern“ (zielloses Lesen), stomunabhängig (funktioniert allein mit Sonnen- oder Kerzenenergie) etc.
    Also ich bin durchaus für Papier was die Aktion angeht, aber nicht weil Erzieher darin etwas schneller finden :)

  9. #11 @Jörg-Olaf Schäfers
    (Vorausgesetzt ich habe das richtig verstanden), Musik-Noten sind schon äußerst speziell: von Tonträgern (z.B. CD, MP3 usf.) darfst Du zum Zwecke der Sicherung eine Kopie auf dem heimischen rechner erstellen – machst Du von Musiknoten eine maschinelle oder auch nur manuelle Sicherungs-Kopie: ist es sofort eine Raubkopie. (Also: hat die hier thematisierte gute Aktion sogar mehrere Haken?!)

    Hingegen empfinde ich es doch als recht peinlich und kurzsichtig vonseiten der GEMA, dass sie sogar hinsichtlich Musik-Auftritten von Kindern (und Jugendlichen) aus Einrichtungen (Heim, Kita us.) so rigoros agiert: Ist es nicht so, dass gerade solche Auftritte zu verstärktem Kauf von Tonträgern der entsprechenden Interpreten animieren? – ganz abgesehen davon, dass der Zweck solcher Auftritte der Kinder (und Jugendlichen) oft genug Spenden-Einnahmen für die entsprechenden Einrichtungen sind!

  10. @Deus Figendi

    Doch, das meine ich durchaus ernst. Es ging aber nicht um die gezielte Suche, sondern mehr um das stöbern. Bei der gezielte Suche ist natürlich die digitale Kopie besser. Aber stell dir mal eine Kindergärtnerin vor, die ein paar gute Lieder raus suchen will.

    Hast du dich noch nie gefragt, warum man auf dem IPad blättern kann und warum man für eine Literaturrecherche immer noch Papierbücher genutzt werden.

    Übrigens müsste man mal schauen, ob das PDF nachher die richtigen Indexe enthält. Ich bin nicht so der Musiker aber ich denke dein Vorschlag ist gut.

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