Atomkraftwerke wg. regenerativer Ernergien im Dauerstress?

Ich weiß, ich sollte nicht so viel über Atomkraftwerke schreiben. Einmal, weil die hier gar nicht unser Thema sind (die c’t kann sich immerhin mit „Computer & Technik“ rausreden“ …). Zum anderen, weil ich von Kerntechnik kaum mehr Ahnung habe, als die meisten anderen Menschen auch.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Trotzdem, das Thema bewegt mich. Eben, wie die meisten anderen Menschen derzeit auch. Und daher sei mir ein kurzer Hinweis auf das TV-Magazin „Report Mainz“ gestattet, wo es – gerade eben im Ersten (Videolcip) – u.a. um den so genannten „Lastfolgebetrieb“ von Atomkraftwerken ging.

Genauer gesagt ging es um die Frage, ob man Atomkraftwerke einfach so rauf- und runterfahren kann. Was man muss, wenn durch regnerative Energien genügend Strom zu Verfügungen steht (Laut EEG müssen regnerative Energien bei der Einspeisung in das Stromnetz bevorzugt werden, was aber wohl auch nicht so gut funktioniert …):

Wind- und Solarenergie haben schon jetzt bei der Einspeisung ins Netz gesetzlichen Vorrang vor der Atomenergie. Bei besonders sonnigem und windigem Wetter müssen die Kernkraftwerke gedrosselt werden. Wenn Wind und Sonne nachlassen werden sie wieder hochgefahren. Doch die Reaktoren sind auf Volllast ausgelegt, nicht auf den flexiblen Betrieb.

Ja, da musste ich auch stutzen. Atomkraftwerke lassen sich offenbar nicht so einfach drosseln bzw. rauf- und runterfahren. Das behauptet jedenfalls Wolfgang Renneberg (Bis Ende 2009 Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium), der für Greenpeace eine Studie (PDF) zum Thema verfasst hat. Aber lest selber:

Der Studie zufolge führen die Lastwechsel dazu, dass „das Risiko des Betriebs weiter erhöht wird, weil es häufiger zu sicherheitsrelevanten Ausfällen und Schäden kommen wird, die sich auch zu gravierenden Störfällen entwickeln können.“
Der Lastfolgebetrieb bedeute einen „Dauerstress“ für die Kernkraftwerke, der schneller zu Materialermüdung, Korrosion und Rissen führe.

Gegenüber REPORT MAINZ erklärte Wolfgang Renneberg: „Dadurch besteht die Gefahr, dass es häufiger zu Störfällen kommt, dass Ereignisse, die sonst möglicherweise harmlos sind, gefährlicher werden können und insgesamt das Risiko beim Betrieb der alten Anlagen nochmals steigt.“

Eine etwas längere Schnittfassung des Interviews gibt es als Videoclip beim SWR. Unser Bundesumweltminister Norbert Röttgen wollte die Fragen von Report Mainz leider nicht beantworten.

 

67 Kommentare
  1. Ähnliches ist mir auch schon einige Male durch den Kopf gegangen. Irgendwann habe ich dann mal auf die Wortwahl geschaut:

    Gerade jetzt bei der deutschen „AKW-Pause“ wird immerzu davon gesprochen, dass die Kernkraftwerke „vom Netz gehen“ – so gut wie nie heißt es, dass sie runtergefahren werden. Ist es zum Schluss so, dass die AKW nach wie vor normal laufen, aber keinen Strom ins Netz einspeisen? Damit wären sie vom Netz, aber noch immer aktiv.

    Ohweh, das klingt aber jetzt sehr nach Verschwörungstheorie. ;) Vorsichtshalber habe ich mal eine Chronologie der Regierungskommunikation seit der Kathastrophe von Fukushima erstellt: http://www.bundestagsradar.net/?p=631

    (P.S.: >> Rechtschreibfehler in der Überschrift…)

  2. Vom Enddatum seiner Beschäftigung („Ende 2009“) her würde ich mal tippen, dass der Herr Renneberg von der aktuellen Regierung abgesägt wurde..?
    Nur mal so… auch wenn ich weiss, das man bei dem Thema völlig ohne QUellen auskommen muss, wenn man nur neutrale Quellen akzeptiert.

  3. \Ich weiß, ich sollte nicht so viel über Atomkraftwerke schreiben.\ Nö, lese ich gerne. Zumal die Atomkraft in höchstem Maße zweifelhaft – nicht erst seit den Ereignissen in Japan. Mir graut es davor, dass zum Beispiel China ganz und gar ignorant etliche weitere Atomkraftwerke bauen wird – Erdbebengefahr hin oder her.

  4. Dass AKWs nicht regelbar sind ist nun nicht wirklich was neues. Deswegen wird ja auch oft kolportiert, dass bei einem Atomausstieg die zuspeisende Quelle aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden muss. Kernkraft als Ausgleich bei Flaute oder Spitzenlasten ist eben nicht geeignet.

  5. PS: Nicht weniger problematisch ist Kernkraft auch deshalb, weil sie eben ein Innovationshemmnis ist. Betreibergesellschaften und Investoren wollen eben auch Planungssicherheit. Was beim Beschluss des Atomausstiegs noch möglich war, hat der Ausstieg vom Ausstieg wieder auf den Kopf gestellt. Fortschritte in der Neuen-Energien-Entwicklung droh(t)en in 15 Jahren zu veralten und Gelder vielleicht eher in die Wartung des Bestands investiert zu werden.

  6. Hört euch den Alternativlos Podcast an dann wisst ihr das die Regulierung der Neutronenaktivität oder das Gaspedal der Kernspaltung sehr schwierig ist.

    Imho etwa so als wenn man eine Auto ohne Bremsen mit nem Gummiseil abschleppt …

    Alles Gründe den Mist gleich zu lassen.

    1. In Ergänzung zu @Mr. Harmlos (#7) wollte ich den Link zum Podcast von Frank und Fefe mal posten.

      Dort erklären die beiden erst die ganze Technik und Probleme und danach reden sie noch eine Stunde mit einem Experten, der endlich mal alle drückenden Fragen ehrlich beantwortet.

      Sehr empfehlenswert: http://alternativlos.org/14/

  7. Ganz ehrlich, hör nicht auf die ganzen Nörgler in den Comments. Wers nicht lesen will, solls halt lassen! Es gibt genug „stumme“ Leser die sowas wirklich gerne lesen und keinen Kommentar abgeben. Ich gehöre oft dazu. Weiter so!

  8. Soviel zur Ernsthaftigkeit der Sicherheitsüberprüfungen und neuen Erkenntnissen. ;)

    Die Kernkraftwerke sind deswegen so ziemlich die letzten Kraftwerke die man nimmt um Last/Erzeugerschwankungen auszugleichen. Gaskraftwerke (schnell regelbar) laufen zu lassen kostet eben mehr.
    Halten Kraftwerke einem Betrieb nicht stand muss eben nachgebessert werden oder vom Netz, so einfach ist das. Wird bei notwendigen Wartungen geschlampt genauso. Das gilt aber für jedes.
    Vielleicht könnte die Bundesregierung zudem mal Genehmigungsverfahren für Projekte wie NorGer (hat wohl inzwischen eine Ausnahmegenehmigung) beschleunigen/vereinfachen anstatt irgendeinen hysterischen Nonsense zu verbreiten.

    Davon ab kann man halbwegs moderne Windkraftanlagen mit Hilfe von deren elektronischen Stromumrichtern so vielfältig steuern das diese ebenfalls Netzschwankungen ausgleichen können. Offshoreanlagen laufen auch um einiges konstanter als die onshore.

  9. In der Tat ist das nichts Neues. Die Reaktion lässt sich eben nicht einfach unterbrechen. Man kann da zwar mit den Steuerstäben ein bisschen herumspielen, aber selbst ich als blutiger Laie sehe, dass dies kein Dauerzustand sein kann. Die verbrauchen sich doch dabei auch, oder?

    Sogar ich als Laie verstehe, bei der Lektüre der Specs unserer alten AKWs, dass da irgendwas nicht ganz Stand der Technik sein kann. Nur ein Kühlkreislauf? Ähm … die russischen WWR haben drei. Containment aus Stahl? Schmilzt das denn im Ernstfall bei Temperaturen von 3000 Grad nicht einfach weg? Ich dachte in Fukushima hatten wir nur deswegen keinen Super-Gau bisher, weil die Beton statt Stahl verwendet haben? Irgendwas ist da einfach nicht koscher.

    Das Grundproblem in den AKWs ist bekannt seit dem Unfall in Skandinavien. Der gleiche Grund wie in Fukushima. Eine Grundannahme aller Reaktoren ist falsch. Wenn die erste Pumpe eine Eigenschaft hat die einen Ausfall verursacht, dann fällt die 2., 3., x-te Pumpe identischen Typs auch aus, weil sie alle den gleichen Fehler haben. Das bringt eben nicht 200 oder 300% Ausfallsicherheit sondern nur 130-150%.
    Das ist wie wenn man eine Sicherung in eine Stromleitung einbaut und dahinter zur Sicherheit 5 weitere identische. Wenn die erste durchbrennt, dann alle anderen auch. Bei elektrischen Schaltkreisen hat man es doch kapiert!

    In Skandinavien hatten alle Generatoren dieses Typs den gleichen Fehler und in Japan standen alle Generatoren am gleichen Ort und keiner davon war wasserdicht. Als man dann gerade noch rechtzeitig einen Ersatzgenerator brachte und versuchte ihn anzuschließen, stellte sich heraus, dass man auf Generatoren anderen Typs gar nicht vorbereitet war.

    Das Problem, dass Wind nicht immer weht und Sonne nicht immer scheint ist aber auch nicht neu. Genau diese Lücke sollen eigentlich Pumpspeicherwerke füllen. Leider haben wir davon zu wenige.

    Apropos Kraftwerke, da gab es neulich mal im MDR Radio ein paar schöne Kommentare: zur Kraft-Wärme-Kopplung, welche die Effektivität vorhandener konventioneller Kraftwerke erhöhen könnte. Demnach wären erst 30% der deutschen Kraftwerke damit ausgerüstet.
    Weiterhin wurde beklagt, dass die Bundesländer aufgehört hätten Flächen für Windenergie auszuschreiben. Wegen „Technogener Überprägung der Landschaft“ – auf Deutsch: zu hässlich.

    Interessanterweise ist das dicke neue Kohlekraftwerk in Rostock aber genehmigt worden. Dies ist eigentlich auch nicht unbedingt hübsch anzusehen. Da fragt man sich schon, was das soll. Mecklenburg Vorpommern hat ja nun weder eine dichte Bevölkerung noch zu wenig Wind.

  10. Schreib’ mir doch mal bitte einer, wie/womit ich den Film „Die Wolke – Tschernobyl und die Folgen“ („http://videos.arte.tv/de/videos/die_wolke_tschernobyl_und_die_folgen-3772992.html“) herunterladen kann? Das wär’ nett. Mich nervt es tierisch, dass solche Sendungen nach kurzer Zeit wieder gelöscht werden.

  11. @Tom:

    In der Tat ist das nichts Neues.

    Mag sein. Zumindest aber scheint es nicht sonderlich vielen Menschen bewusst zu sein. Vielleicht nicht einmal den politischen Entscheidern.

    Anders wäre unwürdige Schauspiel zwischen Wahnwitz und Realitätsverweigerung derzeit kaum zu erkären.

    Von daher ist es auch wenig hilfreich, mit dem Fuß aufzustampfen und zu betonen, dass man es schon immer gewusst hat. Es ist wie immer in einer Demokratie: Die anderen müssen es auch kapieren (bzw. verstehen wollen).

  12. @ Jörg-Olaf

    „Ich weiß, ich sollte nicht so viel über Atomkraftwerke schreiben.“

    Ich find’s gut. Warum muss Netzpolitik denn Politik über das Netz und nicht auch Politik im Netz bedeuten?

    Mich hat es schon vor den Bundestagswahlen gestört, dass Markus die FDP allein aufgrund ihrer netzpolitischen Positionen als wählbar eingestuft hat. Da dachte ich mir: „Mensch, Junge, ich wähl’ doch keine Partei, nur weil sie möglicherweise die bessere Netzpolitik macht als eine andere.“ Und neutral seid ihr doch sonst auch nicht, sondern ihr habt netzpolitische Ziele.

  13. @Slibulski: Auf’m Mac geht es mit dem Programm „Mediathek“. Für Linux und Windows funktionert es wohl mit einigen Downloadmanagern oder über Umwege mit VLC (Achtung, jeweils max. nur 7 Tage nach der Ausstrahlung!). Einfach mal mach „Arte +7“ und „Download“ suchen.

    Ansonsten suchen Dokumentations-Junkies wohl gerne nach dem vollen Titel einer Doku und nehmen noch den Namen bekannter Direkt-Download-Portale mit in die Suchanfrage. Solche Links würde ich hier aber nicht posten. Wegen Urheberrecht und so. Wissen’s schon.

  14. http://www.ier.uni-stuttgart.de/publikationen/pb_pdf/Hundt_EEKE_Kurzfassung.pdf

    Hier steht, dass in Frankreich 40 AKW im Lastfolgebetrieb betrieben werden um dem schwankenden Stromverbrauch im Land nachkommen zu können.

    Ich verstehe das so: Wenn man sehr viel Strom aus AKWs bezieht (wie in Frankreich) hat man genau das gleiche Problem wie wir neuerdings durch Ökostrom haben. Vermutlich wurden früher hierzulande einfach andere Kraftwerke (Kohle, Gas) zum Lastfolgebetrieb verdonnert weil das da besser machbar ist.

    Also wenn jemand erzählt, die Windmühlen machten uns die AKW kaputt – Stimmt nicht ganz. Die Dinger sind einfach nicht so clever wir oft behauptet.

  15. @Sibulski:

    Mich hat es schon vor den Bundestagswahlen gestört, dass Markus die FDP allein aufgrund ihrer netzpolitischen Positionen als wählbar eingestuft hat.

    Ich weiß nicht, was Markus bewogen hat, aber: Ohne die FDP, bzw. einige sehr engagierte NetzpolitikerInnnen der FDP im Hintergrund, wäre nach der Bundestagswahl 2009 wohl sowas wie ein netzpolitisches Mittelalter angebrochen.

    Der Rest ist eine Frage der persönlichen Wahlstrategie. Also z.B. ob man eine Partei wählt, mit der man zu weitgehend konform geht, bei der man aber auch sicher sein kann, dass die eigene Stimme konkret kaum mehr als ein Ausdruck der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist (Piraten z.B., wobei bei den Piraten auch schlicht zuviele Grundsatzfrage offen sind/waren. Das ist (no pun …) in einer parlamentarischen Demokratie ja durchaus ein Problem).

    Oder eben, ob man taktisch ein kleines Übel wählt, um ein anderes zu verhindern. Rein aus netzpolitischer Sicht war es bei der letzten Bundestagswahl daher wohl – tja, vertretbar? – FDP zu wählen, auch wenn man z.B, im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik gänzlich anderer Meinung ist.

    Was letzteres betrifft, hatte man bei der letzten Wahl Bundestagswahl ja realistisch genau keine Option (zumindest keine mit realistischem Impact).

    Aus linker Sicht konnte man angesichts der aktuellen Wahlperiode fast von einem politischen Moratorium sprechen: Finden SPD und Linke zusammen? Nähern sich die Grünen weiter der Union an? Gibt es eine Chance für Rot-Rot-Grün? Alles Fragen für die Zukunft, im Oktober 2009 stellten sie sich so nicht.

    Aber das sind Dinge, die letztendlich jeder für sich selber entscheiden muss (Das da oben sind theoretisch/taktische Überlegungen ohne Parteipräferenz meinerseits).

  16. Erstmal: Auch ich finde es richtig und gut , dass im Netz-Politik-Blog nicht nur über „Politik-das-Internet-betreffend“ informiert und diskutiert wird, sondern über den „politischen-Diskurs-im-Netz“. Und da gehört das Thema Atomkraft und Atomausstieg selbstverständlich dazu.

    Zu den Atomkraftwerken im Dauerstress muss man sich nur mal mit einem Elektrotechniker unterhalten: Kernkraftwerke sind am schlechtesten dafür geeignet sind Lastwechsel zu vollziehen. Dafür eignen sich sinnvollerweise nur Gaskraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke die beide in Sekunden dem aktuellen Strombedarf angepasst werden können.
    Das ist übrigens mit ein Grund, weswegen es an der deutschen Strombörse auch schon kurzzeitig negative Preise für Strom gab … auf Deutsch: Die Entergieproduzenten mussten dafür zahlen, dass man als Verbraucher Strom abnimmt!
    Wieso die Bundesregierung auf dieser Basis von Atomkraft-als-Brückentechnologie sprechen kann ist mir – gelinde gesagt – schleierhaft.

    Der Aspekt, dass vermehrte Lastwechsel von Atomkraftwerken zu höherer Materialermüdung und damit zu einer erhöhten Störanfälligkeit führen, war mir bisher nicht bewusst. Doch er ist logisch und beängstigend. Noch ein Grund mehr für den Atomausstieg auf die Strasse zu gehen.

    1. @Christian Lupp:

      Die Bezeichnung \Brückentechnologie\ macht durchaus Sinn:
      Die Energiekonzerne scheffeln dadurch Milliarden, und was ist auf jedem Euro-Schein abgebildet? Eine Brücke!

  17. Atomkraft ist also:

    Contra:
    – hochsubventioniert
    – unflexibel
    – gefährlich für viele

    Pro:
    – viel Gewinn für wenige
    – auf den ersten Blick günstig produzierter Strom

    Der Strom mag aber günstig produziert werden, aber wenn wir die Subventionskosten der vom Staat übernommenen nicht geregelten Entsorgung dagegen rechnen, zahlen wir über Steuern diesen Strom erheblich teurer. Und welche Kosten z.B. die Relokation der ganzen Asse noch auf uns zukommen, ist ja nicht mal richtig beziffert … Wenn dann noch ein GAU käme, wären die Kosten unendlich …

    Unter dem Strich bleibt einfach nur, dass ein paar Leute auf Kosten der Allgemeinheit sehr reich werden. Unmoralisch, unethisch und es wird Zeit diese Leute vom Hof zu jagen …

  18. Jo, netzpolitik.org ist das grünste Blog, das ich kenne, abgesehen vielleicht von gruen-digital.de. Insofern erübrigt sich die Frage nach der Parteipräferenz.

    Ich musste mir übrigens gleich einen Screenshot anfertigen. Jo linkt auf Frank + Fefe!11 ;p

  19. Das Thema hat für mich sogar sehr viel mit Netz-Politik zu tun. Geht es in bei Atom-Kraftwerke etwa nicht um (Strom-)Netze? (Achtung Kalauer).

    Das eigentliche Problem wird doch ab jetzt sein, wenn die Energie-Politik umschwenkt, ob es die Energiekonzerne schaffen, ihre Monopolstellung zu erhalten. Alternative Energien haben nämlich eine für sie fatale Eigenschaft: sie sind dezentral. Jedes Stadtwerk kann in Zukunft die Gas-Kraftwerke betreiben, die die wirkliche Brücken-Technologie zu den alternativen Energien darstellen. Jeder Hausbesitzer und Bauer kann Strom einspeisen.

    Aber durch die aktuell stattfindende Beeinflussung der Politik, nämlich diese riesigen Windparks in der Nordsee zu fördern – natürlich wieder mit riesigen Summen Steuergeld -, wird schon wieder eine Technologie zum zentralen strategischen Element, welche nur von Großkonzernen beherrscht wird – genau wie Kernkraftwerke.

    Und da finde ich, ist jetzt dringend eine alternative Gegenbewegung notwendig, die darauf besteht, dass alternative Energien (und Netze) dezentral organisiert werden, also nicht am Ende wieder fast ausschließlich unter der Kontrolle der gleichen 4 Konzerne stehen, die heute die Atomkraft betreiben.

    Und von Dezentralität, da verstehen die Netzpolitiker doch etwas. Vielleicht kann man das Know-How ja in die Energiepolitik übertragen.

  20. Ob die KKWs im Dauerstress sind interessiert mich weniger, solange die anwohnende Bevölkerung ständig im Dauerstress ist.

    Gehen wir mal 100 Jahre zurück: Eine Dampfmaschine die sich über Jahrzehnte praktisch von selbst heizt ist auf den ersten Blick ein Gottesgeschenk – für den Besitzer allemal. Abends nimmt man den Treibriemen für Dreschmaschine und Sägewerk weg, das Feuer brennt aber weiter und man muss ständig darauf achten, dass der Druckkessel nicht explodiert. Spätestens jetzt wirds den Bauern mulmig. Nach eniger Zeit holt der Besitzer das ewige Feuer aus dem Kessel. Es brennt nur wenig schwächer, aber gerade so, dass der Betrieb nicht mehr so viel abwirft. Ein neue Feuer wird mit viel Geheimniskrämerei angefacht angefacht, und die Bauern selbst, ihre Kinder, Enkel und Urenkel müssen das alte, immer weiter drohend glühende und knisternde Feuer bewachen, weil der Besitzer nach Jahrzehnten, Jahrhunderten oder Jahrtausenden mit Sicherheit nicht mehr da sein wird. Spätestens jetzt holen sie ihre Dreschflegel und Forken und rebellieren gegen die magischen Dampfmaschinen.

    Aber es ist zu spät. Die alten Feuer als drohendes Überbleibsel werden noch vielen Generationen als Warnung dienen. Wenigstens kommen jetzt keine neuen mehr dazu.

    Alles klar?

  21. Berichte ruhig weiter über deine Gedanken um das Ding der Atomkraft. Es ist spannend zu erfahren wie jemand, der bisher keinen tiefen Einblick in die fragwürdige Technologie Schritt für Schritt die Unglaulichkeiten dieser Technologie, des Marktes und auch bzgl dem politischen Einfluss und mediale Manipulation erkennt. Für mich sind die aktuellen neuen Erkenntnissen uralter Hut, die waren schon bei Diskussionen in den 80igern gewichtig. Dass Brüderle und Co nun völlig neue Problemfelder erkannt hat, und jetzt einen Atomrat der Weissen brauchen ist lachhaft.

  22. Ernstgemeinte Frage.
    Gibt es eigentlich außer dem Renneberg noch weitere „Experten“ auf diesem Gebiet? Irgendwie sieht man nur den in den ganzen Atom-Info-Sendungen.

    Mir ist bewusst, dass der durchaus Ahnung von der Materie hat, nur manchmal kommt es mir so vor, als wäre eine weitere Meinung nicht gerade das Schlechteste.

  23. „Zum anderen, weil ich von Kerntechnik kaum mehr Ahnung habe, als die meisten anderen Menschen auch.“
    Immerhin bist du so ehrlich und gibst es zu. Gefühlte 99% der Atomkraftgegner halten sich ja für nichts geringeres als promovierte Atomphysiker.

  24. Mich würde es interessieren, welche Möglichkeiten es gäbe, den Energiebezug dynamisch an das Angebot anzupassen?

    1. Ich bräuchte einen Strompreis, der sich Stundenweise an das Stromangebot anpasst.
    2. Eine API bei der ich den Strompreis abfragen kann.
    3. Dann würde ich schon mal alle Cronjobs (Backup, Crawler, Filesystemcheck…) dann starten, wenn der Strompreis niedrig ist.
    4. Als nächstes eine Smartphone App, die mir sagt, wann ich Wäsche waschen sollte.

    … Und schon haben wir einen Netzbezug :-)

  25. Oh man!
    Hier in diesem Blog kochen doch immer die Beschwerden hoch, dass sich andere (Politiker) unqualifiziert über Dinge äußern, von denen sie nichts verstehen (die Macher und Leser dieses Blogs aber um so mehr, was ich auch garnicht in Abrede stellen will).
    Ich habe Physik studiert mit der Ausrichtung Kern/Teilchenphysik, hab also ein wenig Ahnung von der Sache. Apropos, hat mal einer die Promotionsarbeit unserer Kanzlerin gelesen? Für ein Meisterwerk halte ich sie jetzt nicht, aber die Frau hat auf dem Gebiet wenigstens ein bißchen Ahnung, auch wenn sie sich die durch die Meinung der Massen kaputt reden läßt.
    Ich bin nicht Blüm und sage „die Kernkraft ist sicher“. Aber was ich da die letzte Woche über in den deutschen Medien lesen musste grenzt an Volksverhetzung und sollte angezeigt werden.
    Punkt 1: es gibt keine „gute“ Radioaktivität neulich gelesen in der Münchner Abendzeitung. Es gibt Radioaktivität seit Anbeginn der Zeit und ohne Radioaktivität gäbe es uns nicht. Ob jetzt künstlich oder natürlich, das ist unserem Körper echt schnuppe.
    Punkt 2: Es ist nicht die Radioaktivität selbst, die uns schadet, sondern die ionisierende Strahlung, die dabei entstehen kann(!); die kann(!) in unserem Körper Gifte, freie Radikale, Genschäden entstehen lassen bzw Zellen abtöten. Manchmal ist das in der Medizin ein gewollter Effekt.
    Punkt 3: Ionisierende Strahlung kommt von oben (kosmische Strahlung), von unten (natürliche zusammensetzung des Bodens; halloh Schwarzwald!), wir atmen es ein (Stichwort Radongas) und auch wir strahlen selbst (schon mal was von C14-Methode gehört). Das macht rund die Hälfte unserer durchschnittlichen Belastung aus. Das was wir uns selbst antun ist: medizinische Diagnostik (wann war die letzte CT), rauchen (da geht die Luzi ab!) und ach ja, wann war der letzte Transatlantikflug?
    Punkt 4: Die Kohlekraftwerke haben mehr (!!!) Strahlentote zu verantworten als die KKW (pro erzeugter kWh). Das liegt daran, dass mit der Kohle auch natürlich vorkommende radioaktive Teilchen in die Luft geblasen werden.
    Punkt 5: KKW waren NIE dafür geplant, die Strombedarfsschwankungen auszugleichen. Die sind für die Grundlast gedacht, weil das das ist, was sie am besten können. Und mit ein wenig gesundem Menschenverstand hätte man sich ja auch sagen können, dass da, wo ich sich bewegende Teile habe, Verschleiß auftreten kann.
    Punkt 6: es heißt KernKraftWerk (bzw KernEnergie) und nicht -mir dreht sich der Magen um- „AtomKraft“. Bitte dreht sofort alle Atomkraftwerke ab. Das wären dann Gas, Kohle, Biogas… Bei dem worüber man sich da aufregt handelt es sich um die Energie die im Nukleus (Kern) der Atome freigesetzt wird.
    Punkt 7: bei uns kann kein Reaktor wie bei Tschernolyl (http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl) in die Luft fliegen. Der war kriminell schlecht gebaut. Und wenn das nächste Mal bei uns in D ein Erdbeben der Stärke 9 auftaucht, dann werde ich zugeben, dass Fukushima auch bei uns passieren kann.
    Punkt 8: Kernkraft ist sicher nicht das Non-plus-ultra, aber es ist das einzige was wir im Moment haben um die Strommenge zu erzeugen, die wir benötigen, v.a. weil sinnvolle Alternativlösungen von unserer Politik ignoriert werden (http://de.wikipedia.org/wiki/Darrieus-Rotor, http://de.wikipedia.org/wiki/Aufwindkraftwerk,…).
    Punkt 9: Und so viel sicherer sind die anderen aktuellen Technologien auch nicht, neulich ein Rotor von einem Windrad abgefallen. Hat mit viel, viel Glück niemanden erschlagen; gab nur Sachschaden. Aber niemand hat von diesem Störfall gehört, der ja durchaus Menschenleben hätte kosten können. Und was ist mit Chemiewerken. Wenn bei BASF die Erde bebt ist bei uns auch die Kacke am Dampfen!

    Radioaktivität bzw. ionisierende Strahlung ist unsichtbar, nicht zu hören, geruch- und geschmacklos und die wenigsten verstehen tatsächlich, was da passiert, darum kann man ganz einfach Panik verbreiten. Aber echt geschmacklos ist es, wenn Greenpeace und Konsorten die furchtbare Katastrophe in Japan für ihre Zwecke instrumentalisieren.

    tiegerzahn

    1. @tigerzahn

      „Volksverhetzung“ gegen Dinge? Ist jetzt auch die Würde von Atomreaktoren unantastbar? Das halte ich doch etwas übertrieben.

      Und was die Doktorarbeit unserer Kanzlerin angeht: etwas über die Physik von Atomen und deren Zerfall zu wissen, befähigt jemanden nicht zu verstehen ob Reaktoren sicher sind. Ein Physiker der weiß wie ein Verbrennungsmotor funktioniert (auch im Detail) kann dir auch nicht bestätigen ob die neue S-Klasse sicher ist. Ich bin Informatiker und kann dir trotzdem nicht pauschal sagen das Windows7 „sicher“ ist. Zwischen Grundprinzipien und dem „Produkt“ KKW liegen Welten IMHO.

    2. @tigerzahn:

      Punkt 7: Ich frage mich wie Brunsbüttel und Brokdorf dastehen, sollte nochmal eine Flut wie 1962 in Hamburg passieren, und die stehen viel näher an der Küste als Hamburg. Zu sagen, hier gibt es kein Hochwasser ist vielleicht etwas voreilig. Kann jemand hier eine Aussage zur Auslegung dieser KKWs für so einen Fall machen?

    3. @31
      Punkt 4: Die Kohlekraftwerke haben mehr (!!!) Strahlentote zu verantworten als die KKW (pro erzeugter kWh). Das liegt daran, dass mit der Kohle auch natürlich vorkommende radioaktive Teilchen in die Luft geblasen werden.

      Sorry, aber das halte ich schlicht für Unsinn. Ich wüsste jetzt nicht das um Kohlekraftwerke erhöhte Radioaktivität gemessen wird. Dafür hast du doch bestimmt glaubwürdige Quellen?
      Allein Tschernobyl hat direkt und indirekt viele Tote zur Folge. Vom Abbau des Urans mal zu schweigen. Warum gibt es wohl keinen Abbau mehr in Westeuropa.
      Da hat es irgendwo ein Windrad abgeknickt oder es gab womöglich einen Chemieunfall. Das ist nun bei allen technischen Anlagen nichts neues aber das Schadenspotential eines AKWs ist unbestreitbar enorm höher als der eines Kohlekraftwerks. Völlig wegdiskutiert können die Auslöser Terrorismus, menschliches Versagen, Schlamperei, technisches Versagen, Naturkatastrophen auch nicht.

    4. @tiegerzahn: Schön dass Du den Vergleich mit Tschernobyl (anderer Kraftwerkstyp) und Fukushima (starkes Erdbeben + Tsunami) ziehst, aber den vergleichbarsten Unfall außer Acht lässt: Three Mile Island. Das ist 1979 passiert, ich wüsste keinen Grund wieso so etwas ähnliches nicht morgen in einem deutschen Kraftwerk passiert.

  26. @tiegerzahn:
    Danke für die Aufklärung, das ist so ziemlich der sinnvollste und klarste Beitrag den ich bisher zum Thema gelesen habe.
    Nur zu Punkt 9 kann ich nicht ganz zustimmen: der BASF-Vergleich mag stimmen, aber die Gefahr durch andere Technologien, abfliegende Windräder oder was auch immer, liegt Welten entfernt von der Gefahr eines GAUs im KKW…

  27. Da hier einige Leute meinten, mit den Steuerstäben würde die Leistung von KKWs geregelt werden:
    Das ist nicht der Fall. Ja, es wäre möglich, aber das würde zu ungleichmäßigem Abbrand der Brennstäbe führen. Deswegen macht man das nicht.

    Sidewasserreaktoren kann man durch die Geschwindigkeit des Wasserdurchlaufs regeln, da Wasser als Moderator dient und mit höherem Gehalt an Dampfblasen die Wirksamkeit als Moderator sinkt. Das geht ungefähr zwischen 60% und 100% der Leistung.
    Bei geringerer Leistung entstehen mehr Dampfblasen an den Brennelementen, die die Korrosion der Brennelemente erhöhen.

    Bei Druckwasserreaktoren wird die Stärke der Reaktion durch Beimischung von Borsäure eingestellt. Damit sind diese nur äußerst schwer regelbar, da man zur Verstärkung der Reaktion das Kühlwasser wieder verdünnen muss.

  28. @31
    „Punkt 9: Und so viel sicherer sind die anderen aktuellen Technologien auch nicht, neulich ein Rotor von einem Windrad abgefallen. Hat mit viel, viel Glück niemanden erschlagen; gab nur Sachschaden.“

    Ich kann dir damit nicht widersprechen. Nur will ich ergänzen, dass das Maß an Schaden bei Störfällen in einem KKW erheblich größer ist.

    Das ist doch genau der Knackpunkt.

  29. Ich kann an der Stelle auch die Elementarfragen empfehlen. Hier geht es zwar um Tschernobyl, aber selten so einen hörenswerten Podcast genossen:

    Der Physiker Dr. Sebastian Pflugbeil berichtet in dieser Folge der Elementarfragen, als einer der wenigen Menschen, die den Sarkophag um den explodierten Reaktorblock von Tschernobyl von innen inspiziert haben, unter anderem von seinen Erkenntnissen bezüglich des schweren Unfalls, der sich am 26. April 1986 in dem ukrainischen Kernkraftwerk ereignete.

    Link: http://goo.gl/euqIC

  30. Die Argumentation leuchtet mir ehrlich gesagt nicht ganz ein. Auch ohne Regenerative Energien gibt es im Stromnetz doch ständig Schwankungen, allein wenn man den Unterschied im Verbrauch zwischen Tag und Nacht betrachtet. Ich dachte bisher immer, dass überschüssiger zwischengespeichert wird, bis der Verbrauch wieder ansteigt.

    @tigerzahn
    Tut mir leid, aber das meiste was du zu sagen hast, sind ja wohl pure Nebelkerzen. Selbst wenn die natürliche Strahlung der Motor bakterieller Evolution gewesen war, macht das Strahlung für Menschen nicht weniger gefählich.

    Und einen herunterfallenden Rotor mit einem Super-GAU zu vergleichen ist angesichts der aktuellen nuklear Katastrophe ziemlich fresch.

  31. @tiegerzahn:

    Der Hinweis auf natürliche Radioaktivität tröstet Strahlenopfer eines Super-GAUs natürlich wenig. Wenn ich jemanden mit Arsen vergifte, ist es auch keine Entschuldigung, dass viele Heilwässer arsenhaltig seien und für Trinkkuren verwendet würden.

    „Atomkraft“ ist ein etabliertes, eindeutiges Wort. Die Präzision von Benennungen ist auf allen Gebieten sehr unterschiedlich und irrelevant solange jeder dasselbe darunter versteht. Ein Fahrstuhl ist auch kein fahrender Stuhl. In Deutschland hat es sich etabliert, dass „Kernkraft“ eher von den Befürwortern verwendet wird, um die negative Assoziation zu „Atombombe“ zu vermeiden.

    Grundproblem der Atomkraft ist aber nicht, dass das Risiko eines Unfalls so hoch wäre, denn das lässt sich technisch tatsächlich senken, sondern dass die AUSWIRKUNGEN eines auch noch so unwahrscheinlichen Unfalls, wenn er denn mal eintritt, derart verheerend sind. Und dann nützt alle Technik nichts mehr, sondern dann sind plötzlich die einzigen hochtechnologischen Schutzmaßnahmen das Zuhausebleiben und Jodtabletten Schlucken.

    Die ungelöste, wenn nicht gar unlösbare, Entsorgungsfrage ist der andere Punkt, der Atomkraft zu einer untauglichen Form der Energieversorgung macht.

  32. Also was soll denn der Mist bitte?

    Wieso sollte eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie denn nach Ewigkeiten exklusiv Report Mainz vorliegt?

    Das ist doch schon mal sehr fraglich.

    Eine mögliche Lösung für das Problem:

    Immer heißt es, dass Energiespeicher eingesetzt werden müssen, um Eneuerbare Energie wirklich nutzen zu können. Diese sind heute noch nicht weit genug, aber für AKW-Strom und Erneuerbare-Energien-Strom muss hierbei natürlich die gleiche Speicherbarkeit vorausgesetzt werden.

    Reduziert man jetzt die Grundlastversorgung etwas, z.B. durch die Aufgabe von Braunkohlekraftwerken, könnten die Erneuerbaren den Rest der Grundlast sichern und Überschüsse gespeichert bzw. bei Unterversorgung Energie aus den Speichern genommen werden.
    Das angereichert mit ein paar relativ schnell regelbaren Gaskraftwerken und schon sollten die AKWs nicht dem beschriebenen Stress ausgesetzt sein.

  33. soviel Resonnanz :D
    Ich hatte nicht vor die Opfer der Katastrophe in Tschernobyl zu verleugnen. Die gab es durchaus. Die vielen vielen Menschen, die im hochstrahlenden Bereich die Aufräumarbeiten machen mussten, ohne zu wissen, welcher Gefahr sie sich aussetzten, oder die Kinder, die unwissentlich Iod-131-verseuchte Milch zu trinken bekamen, und die Regierung hat das alles tatenlos mitangesehen. Furchtbar!
    Aber unser Körper ist durchaus in der Lage mit einer gewissen Menge ionisierender Strahlung bzw deren Auswirkungen klar zu kommen, das darf natürlich eine bestimmte Menge nicht überschreiten. Aber man muß auch ein Auge auf Sinn und Unsinn (oft bei „chemischen“ Grenzwerten) dieser Mengen haben.
    Tschernobyl war geographisch gesehen „in der Nachbarschaft“. Trotzdem haben WIR hier, in Süddeutschland (dem Teil von D in dem das meiste der Brühe runterkam) im bis zum 27.4.87 (1jahr) gerade mal die Hälfte der natürlichen Strahlenbelastung zusätzlich abbekommen und in Summe(!) über die nächsten 49 Jahre nochmal das gleiche. Das ist mit der Panikmache unserer grünen Gruppen nicht zu vereinbaren. Ein Päckchen Zigaretten weniger und wir ham’s wieder drin.
    Ach ja, Geigerzähler sind alle in D, aber was solls, was hier ankommen würde ist sowieso nicht messbar.

    Und im Übrigen, ich bin kein Verfechter der Kernkraft. Ich bin davon selber nicht begeistert und es gibt so viele tolle Konzepte bei den regenerativen Energien, viel besser als die doofen Windräder (schlecht zu warten, stehen still bei hohen Windstärken, Generator ist oben!?) oder diese Siliziumverschleuderei. Das ist meines Erachtens Augenwischerei und naja, das muss man eingestehen: sehr gute Lobbyarbeit einiger weniger Firmen.
    Wir (v.a. in D) sollten sehen, dass wir diversifizieren, uns neue Standbeine schaffen und nicht nur die Ställe im regnerischen Allgäu mit Solarzellen zupappen.
    Und dann bleibt uns ja noch die Fusionskraft. Oh, aber wartet mal, der einzige Reaktor, der einen netto-ouput haben sollte wird nie gebaut werden, weil sich die Regierungen nicht einigen können wer die Lorbeeren ernten soll.
    Toll!

    1. @41 tiegerzahn

      “in der Nachbarschaft” will heißen ~1500km

      Wie weit ist denn ein AKW Krümel von Hamburg entfernt? Oder Biblis von Frankfurt Main, oder Kernkraftwerk Philippsburg von Mannheim/Stuttgart oder … ? Nur um mal ein paar in Deutschland und die größeren Städte drumherum zu nennen.

  34. @markus Schon recht. Oh! Wieso machen wir es nicht richtig bunt auf np.org? Wir? Ja, ich zähle mich wohl irgendwie schon zum Kommentatoreninventar. Also, holt doch mal ein paar Gastautoren aus den übrigen politischen Parteien. Haben wir hier einen CDUler? FDP scheint auch eher auf dem derzeitigen Umfrageniveau vertreten zu sein.

    Wie heißen noch diese esoterischen Rosenquarz-Freaks? Nein, nicht die Grünen … die Violetten? ;)

    1. @Tharben: Danke für die Vorschlag, in den letzten sieben Jahren sind wir aber ganz gut damit gefahren, die hier mitschreibenden Autoren nicht nach Parteibuch auszusuchen, sondern aufgrund von (in der Regel zivilgesellschaftlicher) guter Arbeit.

  35. @kleiner:

    Wieso sollte eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie denn nach Ewigkeiten exklusiv Report Mainz vorliegt?

    Nun, von Ewigkeiten kann keine Rede sein, sie ist vergleichsweise aktuell. Sie liegt nicht Report Mainz auch nicht exclusiv vor, sondern ist frei herunterladbar (Bei Greenpeace übrigens auch).

    Ansonsten kennen wir das Prinzip doch von Wikileaks: Die schönsten Leaks sind nix wert, wenn man keinen „Medienpartner“ oder Anlass zur Veröffentlichung hat. Beim Lastfolgebetrieb ist es offenbar wie bei vielen Problemen der Atomkraft. Irgendwie hat es jeder schon immer gewusst, gleichzeitig aber auch erfolgreich verdrängt.

    Offenbar braucht es tatsächlich erst eine Katastrophe wie jetzt in Japan, damit Menschen beginnen sich ernsthaft mit bekannten Problemen und Risiken auseinanderzusetzen.

  36. @tiegerzahn: Mit vielen Punkten erzeugst Du bei mir Widerspruch. Das fängt mit der KKW vs. AKW Geschichte an. http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk#Wortherkunft erzählt warum das keinesfalls so einfach ist wie Du das behauptest. Interesanterweise ist nämlich der Begriff Atomkraft älter als Kernkraft.

    Mein Beweggrund gegen Kernkraft zu sein ist immer schon die ungelöste Frage der Endlagerung. Aber es ist nun mal so, dass man mit der Angst vor einem GAU mehr Menschen mobilisieren kann.

    In einem weiteren Punkt muss ich Dir widersprechen. Eine andere Technologie die beim Ausfall (wie unwahrscheinlich der auch immer sein mag) von Sicherungssystemen völlig unbeherrschbar wird und die zudem weit verbreitet ist gibt es schlichtweg nicht. Allenfalls unkontrollierte Gentechnik käme ansatzweise nahe.

    Der Punkt an dem ich die Befürworter einer Laufzeitverlängerung nicht verstehe ist gerade der, dass wir in Zukunft erheblich weniger Grundlastkraftwerke brauchen und daher das Stichwort Brückentechnologie einfach nur Käse ist.

    Um wieder ein wenig On-Topic zu werden. Ich wundere mich schon seit Jahren warum man nicht Rechenzentren in Windkraftanlagen einbaut und per Anycast dahin umschaltet wo gerade der Wind weht.

  37. @amsel nr 37

    Doch das stimmt. Auch Kohlekraftwerke emmitieren Radioaktive Substanzen. INternetsuchmaschinen helfen schnell weiter ;)

    @41
    „Aber unser Körper ist durchaus in der Lage mit einer gewissen Menge ionisierender Strahlung bzw deren Auswirkungen klar zu kommen, das darf natürlich eine bestimmte Menge nicht überschreiten.“
    Nach meinem Kenntnisstand erhöht ausnahmslos jede Strahlung (natürliche eingschlossen) erhöht das Risiko. Auch die noch so kleinste Dosis kann am Ende die tödlich sein.

    „WIR hier, in Süddeutschland (dem Teil von D in dem das meiste der Brühe runterkam) im bis zum 27.4.87 (1jahr) gerade mal die Hälfte der natürlichen Strahlenbelastung zusätzlich abbekommen und in Summe(!) über die nächsten 49 Jahre nochmal das gleiche.“

    Das gilt nur für Leute die keine Pilze/Wild gegessen haben, weil beides heute noch merklich belastet ist.
    Insoweit ist die Aussage nicht ganz richtig.
    Stichwort: irische Milch. Die hat heute noch erhöhte Werte von radioaktivem Caesium afaik.

    1. @46 mayleen
      Mag sein das das mehr als bei einem störungsfrei laufenden AKW ist, aber „erhöht“ ist das nicht wirklich. Das ist Minimal verglichen mit dem was man sowieso abbekommt. Da von Strahlentoten zu reden schon sehr weit hergeholt.
      (Wie tiegerzahn schon richtig schrieb beim Rauchen von Zigaretten erhält man da ganz anderen Dosen.)

      @45 Sven Geggus
      Weil man dann Rechenzentren bräuchte die teils nicht laufen und so nur unnütz Geld kosten.
      Die Vibrationen dürften den Servern auch nicht soo prima bekommen. Müsste man auch syncron mit Servern an anderen Standorten halten, was das auch nicht gerade einfacher macht. Deswegen ist einfach besser der Strom, woher auch immer, kommt zum gut ausgebauten RZ.

  38. @ Jörg-Olaf

    […] Für […] Windows funktionert es wohl mit einigen Downloadmanagern oder über Umwege mit VLC (Achtung, jeweils max. nur 7 Tage nach der Ausstrahlung!). Einfach mal mach “Arte +7″ und “Download” suchen.

    Hat zwar noch nicht geklappt, direkt von arte runterzuladen, aber danke.

    Ansonsten suchen Dokumentations-Junkies wohl gerne nach dem vollen Titel einer Doku und nehmen noch den Namen bekannter Direkt-Download-Portale mit in die Suchanfrage.

    Links zu File-Hostern wie Rapidshare hatte ich schon gefunden. Aber ich würde aus zwei Gründen lieber selbst Videos von arte herunterladen können: Erstens weiß ich nie, wer da womit wie verlustarm herumkonvertiert hat und zweitens, um unabhängiger zu sein.

    Wahrscheinlich ist das irgendwann schon mal auf Netzpolitik thematisiert worden – mich interessiert das, was ihr bisher unter Netzpolitik verstanden habt zwar, aber nur begrenzt (z. B. weil ich mich persönlich viel betroffener von den Missständen in unserem Gesundheitssystem fühle / weil ich das Netz zwar intensiv zur Kommunikation nutze, aber im Netz keine Freundschaften gewinnen kann und auch nicht will, weil es gleich drei meiner fünf Sinne ausklammert): Ich frage mich, weshalb einem die Sender in Bezug auf die Möglichkeit, Sendungen lokal zu speichern, Steine in den Weg legen. Eigentlich sind es ja alle Sender, denn keiner bietet eine Downloadmöglichkeit offiziell an, bei arte werden einem aber besonders große Steine in den Weg gelegt. Und mich ärgert das schon deshalb, weil ab 2013 jeder Haushalt Rundfunkgebühren zahlen muss. Ich zahle zwar die Gebühren, obwohl ich seit einigen Monaten keinen Fernseher und kein Radio mehr habe und beides auch nicht mehr haben will, aber Filme aufzuzeichnen, ist schließlich jedem möglich, der einen (im weitesten Sinne) Videorekorder hat.

    ————————-

    Noch etwas über das Format von Netzpolitik: Diskussionen in der Kommentarspalte sind kaum möglich, weil sie sich nicht verzweigen können. Außerdem sind die Diskussionen extrem kurzlebig. Ich fänd’s schön, wenn Netzpolitik die Kommentarspalte irgendwann in ein Forum auslagern würde, etwa so wie auf Telepolis, aber auf höherem Niveau, also mit ein wenig Moderation.

  39. @50 amsel

    Da hast du schon recht, dass andere Dinge deutlich höhere Dosen verursachen.

    Man darf aber bei dem Blick auf die pure Dosis eines nicht vergessen:
    Eine einzige Zigarette oder gar ein einziger Atemzug passivrauch (entsprechend bei Strahlung!) können am Ende die sein, die jemanden ins Grab befördert.

    Die Nachweissituation (Strahlentote beim Kohlekraftwerk) ist in der Tat schwierig. Aber das ist eigentlich auch unabhängig von der Tatsache, dass eine Risikoerhöhung in dem Bereich durch diese Kraftwerke stattfindet.
    Nur darum geht es. Nachdem das viele nicht wissen (wollen).
    Wollte ich das nur der Vollständigkeit halber deutlich machen.

    Übrigens keines Falls mit der Intention Kernkraftwerke zu verteidigen oder in ein besseres Licht zu stellen ;-)
    Abschalten am besten gestern!

  40. @ Tiegerzahn, Kommentar 31:

    Zu Punkt 7 stellt sich mir die Frage, ob unsere Kraftwerke wirklich auf Erdbeben der Stärke 8,2 hin abgesichert sind, wie es bei den Meilern in Japan der Fall ist…

  41. Die Erdbebensicherheit der deutschen AKWs genügt nicht den hier zu erwartenden Stärken

    Siehe Internet scnr (zu faul zum Suchen, aber es ist wirklich nicht schwer die Studien zu finden!)

    ;-)

  42. Haben wir denn gar nichts gelernt? Wir, die wir mit der Umweltbewegung groß geworden sind? Wir, die wir mit einer rot-grünen Regierung den Ausstieg aus der Atomkraft gewählt haben? Immer noch entscheidet das Geld, der Preis, die Leistung über unser Handeln. Doch die Natur bittet nicht um Kapital. Die Natur hat ihren eigenen Preis, vielmehr gar keinen oder einen unbezahlbaren: Das Leben. Je mehr wir also im Einklang mit der Natur leben desto besser könnte ein Fazit lauten. Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel.

    Warum investieren wir dann nicht in die Natur? Die Atomlobby ist die stärkste Lobby im Deutschen Parlament.diktiert der Politik förmlich ihr Handeln. Getrieben von Riesengewinnen, frohlockt sie: „Huhu, Steuerabgaben winken. Winke, Winke.“ Und die Macht im Staat, also die Mehrheit im Volk, fällt scheinbar darauf herein. Vergessen, der saure Regen, in den man vor ca. 25 Jahren vielleicht versehentlich reingeraten ist. Vergessen, das tagelange Spielplatzverbot. Vergessen die Angst und die Sorge, die uns Aufklärungsfilme wie „Wenn der Wind weht“ gemacht haben. Alles ist gut, solange es gut ist.

    Sogar Greenpeace Gründer Patrick Moore wechselte die Seiten und ließ sich von der Atomkraft kaufen. Weniger CO2 sei schließlich auch gut fürs Klima. Ein Riesen Glaubwürdigkeitsverlust, den Greenpeace aber locker wegzustecken scheint. Kein Wunder, nur beim Gedanken an Greenpeace kommt das wohlige Gefühl unserer Kindheit hoch: Wir sind doch diejenigen die sich für die Umwelt stark gemacht haben. Und in Gedanken tun wir es immer noch. Alles nur Sofaaktivismus.

    Fand Umweltprotest früher auf der Strasse statt, macht es heute einem das Internet einfach sich zu engagieren, z.B. als Mitglied in der Greenpeace Facebook-Gruppe „We want facebook to use 100% renewable energy“. Auf den ersten Blick ist der Protest ins Netz eingezogen wie auch hier: Facebook „Atomkraft Nein Danke“, doch was sich dahinter verbirgt ist Lifestyle. Hat das noch mit wirklichem Protest zu tun? Die Suchmaschine „ecosia“ suggeriert CO2-armes recherchieren im Internet. Dabei basiert sie nach eigenen Angaben auf Produkten von Microsoft und Yahoo. Der Nutzer wird allerdings nur über die FAQs darüber aufgeklärt.

    Atomkraft, nein Danke. Wir stellen Profilbilder mit einer Protestsonne auf Facebook, wodurch wir ausdrücken wollen, wir sind dabei. Wir sind dagegen. Wiegesagt, es weckt Erinnerungen. Leider konnte ich das Video eines in die Jahre gekommenen Ehepaars nicht mehr finden, in dem die Frau gegen Castoren protestiert und sagt:„1985 waren wir das erste mal hier, wir machen das jetzt als Revival der Familie“ Aber nicht nur das. Es gehört auch zu unserem Lifestyle. Dennoch frage ich mich, ob der Mac-User aus dem Prenzlauer Berg ausgestattet mit grüner Kampagnensymbolik und weiß-grauer Website mit abgerunden Ecken, sich einen Gedanken darüber gemacht hat, woher sein Provider den Strom bezieht. Es wäre doch geradezu absurd über den Computer gegen Atomkraft zu protestieren, wenn der Computerstrom aus dem Atomkraftwerk gespeist wird. Aber das nur am Rande. Andersherum grotesk ist ja auch, dass die Seite kernenergie.de größtenteils über einen Ökostromprovider läuft. Hier der Link zum selber ausprobieren: http://www.heise.de/netze/tools . Irgendwie verkehrte Welt. Atomausstieg könnte doch so leicht sein. Man wechselt seinen Stromanbieter und bezieht Ökostrom. Meistens gibt es sogar einen Gutschein eines Biosupermarktes noch dazu. Dennoch beziehen nur ca. 5% der deutschen Haushalte Strom des beruhigten Ökogewissens. Hm, sollte man das Gewissen von 95% der Verbraucher in Frage stellen?
    Naja, Kindheitserinnerungen blenden ja im Allgemeinen negative Erinnerungen verstärkt aus.

    Zurück zur Kohle. Also vielmehr zum Geld und denjenigen, die in Atomkraft investieren. Auf der Seite nuclearbanks.org werden die Geldgeber der Atomlobby aufgezeigt. Die Sicherheit der Kernkraftwerke ist ein globales Thema. Selbst wenn Deutschland von heute auf gleich den Atomausstieg umsetzen würde, bleiben die Atomkraftwerke unserer Nachbarn, z.B. in Frankreich (Cattenom). Doch selbst dieses Land, das derzeit zunehmend auf mehr Atomkraft setzt, kauft Strom aus Deutschland. Diese Seite versucht die finanziellen Verknüpfungen aufzuzeigen: Ist ein ideologisch aufgeladener Protest überhaupt geeignet, sich gegen rein wirtschaftliche Interessen durchzusetzen?

    http://generationnetz.blogspot.com/2011/03/wir-sind-dabei-wir-sind-sind-dagegen.html

  43. Das traurige an der Sache ist, das was du da geblogt hast ist alles schon ewig bekannt. Ich arbeite selber bei einer Energie Branchenzeitung. Da ist es echt frustriened wenn man schon seit vilene Jahren von dem Unsinn weis, ihn kommuniziert und sich nichts tut.
    Ich finds auf jeden Fall super, dass das Thema nun auch in den Massenmedien angekommen ist. Vieleicht bewegt sich ja nun doch was.

  44. Da wir 143 AKW in Europa haben, 40 weitere im Bau oder geplant sind, finde ich die gesamte Diskussion albern. Niemand wird aussteigen, solange 15 KM neben der eigenen Landesgrenze AKWs im Ausland betrieben werden. Und nach uns die Sintflut. Ich möchte gerne mal Gast sein in 50 000 Jahren, wenn irgendein Forscher, wie heute in Ägypten, die netten gelben Fässer ausgräbt. Ob er dann auch so schnell abkratzt, wie die Typen, die durch Bakterien bei der Ausgrabung des Tut umgekommen sind? Oder wird es noch lustiger, also erstmal Glatze etc.? Wird man dann noch wissen, daß da mal was Strahlendes in die Erde versenkt wurde? Oder gibt es uns dann gar nicht mehr, was natürlich die beste Annahme wäre.

    Meine Ahnung: Wir werden weiterhin Atomstrom haben, die „Brücke“ ist Millionen KM weit“, und die nächsten Generationen werden sowieso nicht geboren. Irgendwann verglüht der gesamte Planet sowieso in der Sonne, die sich aufblähen wird wie ein Riese. Merkel als Physikerin weiß das natürlich. Wahrscheinlich regt sie sich daher nicht so auf wie die breite Masse.

    Mich juckt es auch nicht.

    Frank`n

  45. Ps. Einer geht noch rein:

    Wenn es soweit ist und die Erde verglüht im Sonnensystem, dann sehe ich schon die Demos:

    WIE SIND DAGEGEN!

    …ok, ich gönne es den Dauerempörten. Erst ordentlich Protest, dann verkohlt nebst Demoschildern.

    Frank`n

  46. Dass unsere Entscheider die mangelnde Lastfolgefähigkeit der AKW nicht bewusst wäre ist, mit Verlaub, Bullshit.

    Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat während der Entscheidungsphase dringend von einer Laufzeitverlängerung abgeraten:

    Zitat:
    «Laufzeitverlängerung gefährdet Erfolg der erneuerbaren Energien»

    Und:
    «Obwohl die ursprünglich zur Erzeugung von Grundlaststrom entwickelten Kohle- und Kernkraftwerke bereits heute in geringem Umfang zum Lastfolgebetrieb eingesetzt werden, erfüllen sie aufgrund ihrer technischen Eigenschaften (Mindeststillstandzeiten, Anfahrdauer, Mindestbetriebszeit, Teillast- und Lastwechselverhalten) nur bedingt die neuen Flexibilitätsanforderungen. Kernkraftwerke können unter Berücksichtigung entsprechender Leistungsgradienten für den Lastfolgebetrieb nur in dem Bereich von 50 bis 100 % ihrer Nennleistung eingesetzt werden (HUNDT et al. 2009, S. iv). Wird die Leistung konventioneller Kraftwerke häufig geändert, führt das zum einen zu einer Absenkung des Wirkungsgrades im Teillastbetrieb und damit zu höheren spezifischen Kosten der Elektrizitätserzeugung. Zum anderen sind Materialermüdungen von Bauteilen die Folge, die hohen Drücken und Temperaturen ausgesetzt sind. Eine solche Betriebsweise mindert somit ihre zu erwartende Lebensdauer und erhöht die Anforderungen an die Betriebssicherheit.»

    Quelle: http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/05_Kommentare/2010_KOM_08_Laufzeitverl%C3%A4ngerung_gefaehrdet_Erfolg.html

    Eine ähnliche Argumentation im Sondergutachten vom Mai 2010:

    http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/04_Stellungnahmen/2010_05_Stellung_15_erneuerbareStromversorgung.html

    Das Umweltministerium wusste das übrigens schon 2009:

    Zitat:
    «Atomkraftwerke sind die unflexibelsten Anlagen im traditionellen Kraftwerkspark. […] häufiges An­ und Abschal­ten wird schon aus Sicherheitsgründen soweit irgend möglich vermieden.»

    Quelle:
    http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/studie_hindernis_atomkraft.pdf

    Das unsere Entscheider diese Sachverhalte ignorieren, hat nichts mit Unwissenheit zu tun, sondern mit KORRUPTION.

  47. Das Abschalten von jetzt 8 AKW ist übrigens zu wenig.

    Ich zitiere nochmal aus dem PDF des Bundesumweltministeriums:

    «Anfang Oktober 2008 war die Strom­erzeugung aus Windenergie in Deutschland so hoch, dass der Strom […] negativen Preisen „verkauft“ bzw. […] in benachbarte ausländische Systeme abgegeben werden musste. Das Überschussproblem trat auch des­wegen auf, weil zur gleichen Zeit mit der sehr hohen Windenergiestromeinspeisung auch die Atomkraftwerke mit einer Kapazität von etwa 13 GW vollständig Strom in die Netze einspeisten und nicht schnell genug herunter­geregelt werden konnten. Man bedenke: Es waren aufgrund von Wartungsarbeiten bereits 8 GW AKW­-Leistungen vom Netz, und trotz­dem wurde zu viel unflexibler Stromüberschuss in Atomkraftwerken produziert.»

  48. Wäre es falsch als Analogie dsa Flugzeug heranzuziehen? Das ist, soweit mir bekannt, ja auch während Start und Landung am meisten gefährdet (i.s.v. GAU).

  49. Auf Arte lief gestern (Freitag) folgende Doku:

    Alles im Griff?
    Für oder gegen Kernkraft? Wer sich diese Frage stellt, muss auch untersuchen, unter welchen Bedingungen die Nuklearindustrie heute wirtschaftet. Während für die Branche früher die Grundsätze für öffentliche Dienstleistungen galten, werden nun im Zuge der Liberalisierung des Energiemarkts Rentabilitätskriterien angelegt; Finanz- und Gewinninteressen herrschen vor und führen oft dazu, dass Arbeiten von Subunternehmen ausgeführt und Sicherheitsbelange vernachlässigt werden.
    Beschäftigte französischer und anderer europäischer Kernkraftwerke räumen ein, dass es das Nullrisiko nicht gibt. Deshalb kontrollieren sie die Anlagen täglich und decken mitunter Gefahren auf.
    Ihre Sicherheit ist auch die unsere. Trotz des gefährlichen radioaktiven Mülls und der Katastrophe von Tschernobyl, steht die Kernkraft heute international wieder hoch im Kurs, denn ihr Hauptvorteil besteht darin, dass sie wesentlich zur Senkung des CO2-Ausstoßes beiträgt. Doch um welchem Preis?

    Arte+7 http://videos.arte.tv/de/videos/alles_im_griff_-3783544.html

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