Andreas Baum wird erster Fraktionsvorsitzender der Piraten

Die zukünftige Piraten-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hat heute den ehemaligen Spitzenkandidaten Andreas Baum zu ihrem ersten Fraktionsvorsitzenden für ein Jahr gewählt. Herzlichen Glückwunsch an @rka. Er setzte sich im zweiten Wahlgang mit neun Stimmen knapp gegen den ehemaligen Laienhallenbodenturner Fabio Reinhardt mit acht Stimmen und dahinter dem ehemaligen Schultheater-Schauspieler* Christopher Lauer mit sieben Stimmen durch. Interessanterweise führte Lauer das Rennen im ersten Wahlgang mit sieben Stimmen, Baum erhielt dort lediglich vier Stimmen.


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Bei der Wahl zum Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden wurden Heiko Herberg (11), Fabio Reinhardt (10) und Susanne Graf (9) gewählt. Parlamentarischen Geschäftsführer ist Martin Delius. Er setzte sich mit 14 Stimmen gegen Gerwald Claus-Brunner mit 4 Stimmen durch.

Protokoll und alle Infos sind hier.

*Ironische Anspielung auf seine Bewerbungsrederede.

22 Kommentare
  1. Naja, auch freies Theater. Der ist schon nicht schlecht, um Medien was sympathisch zu verklickern, bewegt sich sicher und charmant auf öffentlichem Parkett, ist mir aber andererseits bischen selbstverliebt, wie man das als Schauspieler wohl sein muss, und wohl ziemlich kontrovers innerhalb der PP. Ich hätte da auch etwas Schiss dass er zuviel Geschmack an Macht und Amt findet, und er ist zu ungestüm, etwas Leidenschaftslosikgkeit ist besser. Seine Reaktion war auch albern, aber vielleicht wollte er einfach nur erstmal eine rauchen. Leute haben verschiedene Talente, im Idealfall macht jeder das, was er am liebsten und besten macht. Apropos: Was macht RKA beruflich? Brunner ist ja Mechatroniker.

  2. Michael Spreng meint, die Piratenpartei habe mit ihrem „sensationellen 8,9-Prozent-Erfolg“ bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl die Deutungshoheit über ihr Bild in der Öffentlichkeit verloren. Jetzt würden „das Fernsehen, die Zeitungen und Zeitschriften“ das Bild der Piraten in der Öffentlichkeit prägen — mehr als es das Internet könne. Damit hat der Gute den Vogel abgeschossen. Ich geb der Truppe maximal eine Legislatur.

    1. Ein Machtkampf zwischen dem Netz und den alten Medien um die Deutungshoheit über die Piratenpartei? Klingt aufregend. Die üblichen Framing-Methoden werden jedenfalls nicht mehr funktionieren, da müsste man schon Astroturfen, und auch das ist bei dem kritischen Publikum relativ aussichtlos und würde eher nach hinten losgehen. Etwas anderes wäre es natürlich, wenn sich die Fraktion wirklich selbst zerlegt, oder nur Mist baut, aber das glaube ich nicht. Oder wenn das Netz nach einer Weile an den Piraten das Interesse verliert und niemand mehr zuguckt, was die da denn wirklich machen – leider auch möglich.

    2. Wann hatten die je die Deutungshoheit über ihr Bild in der Öffentlichkeit? Bzw. was ist jetzt anders ggü. vor der Wahl?

      Die Leute, die über Zeitschriften oder Fernsehen ihr Bild über politische Parteien machen, für die ändert sich das Piratenbild doch nicht: Chaoten wie eh und je. Die wählen ja auch sonst immer das Falsche, wenn sie die Wahl haben (um Eißfeldt zu sagen)

      1. Inzwischen scheinbar ja nicht mehr. Wenn 43% in Berlin Koalitionsverhandlungen mit den Piraten wollen?

        Das Ding ist doch, wenn Spon titelt „Zoff in der SPD-Fraktion“ und zugesteckte intime Details berichtet, dann muss man das erst mal glauben oder nicht, es ist nicht nachprüfbar, weil der Journalist privilegierten Zugang zu Leuten, die ihn exklusiv mit Infos füttern – meistens, um ihrerseits ein Ziel zu erreichen.

        Wenn Spon aber titelt „Zoff in der Piratenfraktion“, dann kann ich mir und alle anderen auch, das selbst angucken, was für Zoff denn da ggf. war. Und dann zb. sagen, „also Zoff ist was anderes, die diskutieren doch nur.“

      1. Er hat erst als Reaktion auf Pavels Kandidatur zum stellv. Fraktionsvorsitzenden den Raum verlassen, das hatte eher nichts mit der vorherigen Abstimmung zu tun.

    1. Er war plötzlich weg, und hat glaube ich bei der Wahl zum Stllvtr. gar nicht mit abgestimmt, und der Faxe wollte dann wohl abstimmen lassen, ob man ihn holen soll zum Wählen. Und das er kein Vize sein wollte, das fand ich bischen albern. Aber dann war er ja auch wieder da.

      War ganz schön spannend, das Video.

    1. „CL: Besprechung des Wahlverfahrens
      Meinungsbild: Approvalvoting j/n
      Abstimmung über WGO: Angenommen 14:0:1“

      Wenn ich das richtig verstehe, gibt man einfach jedem ein „ja“ den man sich auf dem Posten vorstellen kann, egal wie viele das sind. (Anders wäre auch die Differenz in der Stimmenzahl zwischen den beiden Wahlgängen nicht zu erklären.)

  3. Lauer als Fraktionsvorsitzender wäre für die Piratenpartei eine ernsthafte Möglichkeit gewesen, eine Rolle im Berliner Abgeordnetenhaus zu spielen. Die anderen 14 Abgeordneten haben aus meiner bescheidenen Meinung heraus keinerlei rhetorische Möglichkeit gegen erfahrene Parlamentarier, die seit Jahrzehnten Ausschuss- und Plenarerfahrung besitzen. Mit der heutigen Entscheidung haben die Piraten meines Erachtens diesen Trumpf verspielt. Man muss jedoch konstatieren, dass die anderen Abgeordneten wohl Angst hatten, Lauer könnte zu stark werden. Dies widerspricht dem Bild der Gemeinschaft, die die Piraten immer wieder unter dem Deckmantel der (totalen) Transparenz propagandieren. Die Angst wäre – glaube ich, wissen tue ich es freilich nicht – nicht unberechtigt gewesen. Aber, es kam bekanntlich anders – so ist die Demokratie nunmal. Mich macht trotzdem stutzig, wie in den Kommentaren angeklungen war, dass Lauer im 1. Wahlgang führte und um 2. Wahlgang dann nur noch Dritter wurde.

    P. S.: Ich gehöre einer anderen Partei als die der Piraten an.,Uund auch, wenn ich sehr kritisch klinge, verfolge ich den Weg der Piratenfraktion doch mit Spannung und sicherlich nicht nur mit Kritik.

    1. Es ist ja aber mitnichten so, dass nur der Fraktionsvorsitzende etwas zu sagen oder zu melden hat. Vermutlich wollten sie am Ende einfach ihren Spitzenkandidaten auch – der Konsistenz halber – als FV haben.

      Die Piraten wollen aufräumen mit den „Standardmustern“ der parlamentarischen Demokratie? Okay, dann können sie ja einfach demjenigen Redezeit geben, den sie für das jeweilige Thema am geeignetsten halten. Und nicht dem überlassen, der das höchste Pöstchen inne hat. So lange die Fraktion sich immer wieder einredet, dass ein Posten keine Privilegien, sondern nur Verantwortlichkeit bringt, so lange wird es (hoffentlich) auch kein Postengerangel geben. Wäre jedenfalls schade, wenn es schon so früh mit der Egalität endet…

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