Generell

Wirtschaftsförderung made in Germany: „Apps 4 Berlin“

Mit einer Wettbewerbsinitiative „Berlin – Made to Create“ möchten die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg die lokale Wirtschaft fördern. Der am Mittwoch den 15.September eröffnete Wettbewerb Apps 4 Berlin wirkt ein bisschen unbeholfen. Hier ist die Ausschreibung als PDF. Was mich an der Sache irritiert: Sowohl durch die Namensgebung „Apps 4 Berlin“ als auch durch die, im Text etwas verloren wirkenden Bezüge zu Demokratie und Bürgerbeteiligung, kann man zuerst den Eindruck gewinnen, dass es sich hier um eine Deutsche Version der „Apps for Democracy-Wettbewerbe“ handele. Dem ist nicht so.

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Apps 4 Berlin ≠ Apps for Democracy

Liest man die Ausschreibung aufmerksam durch, fällt einem bald auf worum es hier geht.

Gegenstand des Wettbewerbs sind digitale mobile Applikationen mit dem Ziel, neue Märkte und neue Kundenkreise zu erschließen.

„Neue Märkte und Kundenkreise erschliessen…“ das ist prima und eine wirklich sinnvolle Zielsetzung für ein Wirtschaftsförderungsprogramm. Allein mit den Zielen der „Apps 4 Democracy-Wettbewerbe“, auf die ja, wenn auch indirekt, Bezug genommen wird, hat das wenig zu tun.

Zur Erinnerung: Apps 4 Democray war der erste Wettbewerb dieser Art mit dem erklärten Ziel die Allgemeinheit zu motivieren die Daten des kurz zuvor eröffneten ersten US-Amerikanischen Datenkatalogs, für Regierungsdaten und Daten des öffentlichen Sektors, zu nutzen und daraus Anwendungen zu bauen. Dieser Bezug zur Öffnung von Daten der Stadt Berlin fehlt leider komplett. Das die Stadt Berlin diesen Wettbewerb ohne die Bereitstellung von Daten in einem Datenportal wie data.berlin.de startet ist kein Schönheitsfehler.

Der Wettbewerb ist – wie gesagt – eine großartige Idee zur Wirtschaftsförderung – mit Open Data aber hat er in seiner jetzigen Form leider nichts zu tun. Deshalb st der Name irreführend – und damit letztlich schädlich für die Sache. Wir sehen hier also einer Aufweichung des Begriffs. Die Open Access-Bewegung kann ein Lied davon singen, was es für ihr Anliegen bedeutete, das auf einmal überall „open access“ drauf stand aber nirgends drin war.

Mit dem Konzept für eine Deutsche Version eines Apps 4 Democracy Wettbewerbes, das wir vor einem Jahr gemeinsam mit Echologic und Government2.0 Netzwerk erarbeitet haben, hat dieser Wettbewerb nicht viel zu tun. Das ist Schade – gerne hätten wir die Stadt Berlin bei einem besseren Projekt unterstützt.

Aber ok. Wirtschaftsförderung muss ja schliesslich auch sein. Anderswo wird der Wettbewerb schon gefeiert. Das dort ausgerechnet auf den FIS-Broker als Quelle für Daten, die man ja für den Wettbewreb nutzen könne verwiesen wird, zeugt schlicht von Unkenntnis. Denn die Daten die dort drin liegen darf man eben nicht im Sinne von Open Data nutzen. Im Gegenteil: Stefan Wehrmeyer hatte mit diesen Daten einen wunderschönen Prototypen Open Berlin gebaut. Die Kartenanwendung visualisierte Strukturdaten der Stadt Berlin (aus dem FIS-Broker System) und verband diese mit den Ausgaben im Rahmen des Konjunkturpaketes II. Diese eindrucksvolle Anwendung haben wir leider kurze Zeit später wieder vom Netz genommen, nachdem wir von Der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schriftlich daraufhingewiesen worden sind, dass

der Internetauftritt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem Urheberrecht unterliegt. Das bedeutet, dass die Seiten ausschließlich zu privatem Gebrauch vervielfältigt werden dürfen. Textliche und grafische Änderungen sowie die öffentliche Verbreitung sind grundsätzlich nicht erlaubt, was die Web-Services mit einschließt.

Damit ist die Weiternutzung dieser Daten für eine App im Zusammenhang mit dem Wettbewerb ebenso ausgeschlossen wie in unserer Kartenanwendung auf www.openberlin.net. Statt dessen wurde uns ein

Beratungsgespräch angeboten, um zu klären, wie eine entgeltpflichtige Lizenzierung für Ihre Zwecke erfolgen kann.

Na super! Ist ja fast das selbe wie Open Data. Berlin ist noch weit entfernt von einem ernstzunehmenden Apps-Wettbewerb. Denn ein Apps-Wettbewerb ohne Datenbasis ist wie ein Fussballspiel ohne Rasen: es fehlt die Grundlage. Dass man den Bezug dennoch herstellt zeugt entweder von fehlendem Verständnis oder es soll einfach ein guter Begriff kooptiert werden. Dass in der Verwaltung bisher der Begriff „offen“ nicht verstanden wurde, zeigt auch die Liste der empfohlenen, „offenenen“ Mobil-Plattformen. Genannt werden dort unter anderem Adobe AIR und Windows Phone 7. Ich wünsche Herrn Both von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen und seinen Beratern viel Erfolg mit dieser Aktion.

Ich denke es ist nicht unsere Aufgabe jede Initiative in Deutschland zu bejubeln die sich irgendwo „Open Data“ oder „Open Government“ aufs Etikett schreibt. Vielmehr ist es unsere Aufgabe die Öffnung von Staat und Verwaltung konstruktiv aber auch kritisch zu begleiten. Und wenn kein „Open Data“ drin ist, sollte es auch nicht drauf stehen. Das sollten wir tun.

Dieser Beitrag ist zugleich im Blog des Open Data Network erschienen.

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6 Kommentare
  1. „die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen“

    ich weiss nicht was man da als Mann zu sagen soll…aber mittlerweile reichts, es gibt schon genug unnötiges xD

      1. Lustig ist ja auch diese Formulierung in der Ausschreibung:

        „Für die Entwicklungen in der zweiten Kategorie sollten vorzugsweise offene Plattformen wie Adobe AIR, Google Android, Meego, GridGrain oder Windows Phone7 verwendet werden.“

        Mag sein, dass ich nicht mehr auf dem neuesten Stand bin, aber seit wann gilt denn z.B. Microsoft Phone 7 als „offene Plattform“, oder musste die PLattform noch dazu, weil Microsoft den Wettbewerb mitfinanziert?

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